Archiv für Mai 2010

Deutsche Romanistik im CHE-Ranking

Romanistik schneidet am besten unter den an der Universität Düsseldorf begutachteten Fächer ab (Rheinische Post).

Die (Un-)Lesbarkeit der Gesten – Strategien der Verkörperung in den Filmen Jean-Luc Godards

Vortrag im Rahmen der VO “Godard lesen und sehen”, Dienstag, 9. Juni 2010, Institut für Romanistik, Universität Wien, 10.30 Uhr, ROM 9

Kristina Köhler (Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich)

«Das Element des Kinos ist die Geste und nicht das Bild.» Was der italienische Philosoph Giorgio Agamben für das Kino im Allgemeinen befindet, scheint insbesondere für die Filme Jean-Luc Godards zu gelten. Die Protagonisten Patricia Franchini und Michel Poiccard in A Bout de Souffle (1960) sind maßgeblich über ein wiederkehrendes Repertoire spezifischer Gesten skizziert: Michel fährt sich immer wieder mit dem Daumen über die Lippen – Patricia übernimmt diese Geste am Ende des Films in einer eindrücklichen Großaufnahme. So sehr wir diese Gesten als signifikante und strukturierende Elemente des Films wahrnehmen, so sehr entziehen sie sich auf der anderen Seite psychologisch-motivierender oder semantisierender Deutungsmuster. Welche Funktion haben solche Gesten bei Godard? Welches Verständnis von Figur, Rolle und Schauspiel ist darin impliziert?

Über einen Querschnitt durch verschiedene Filme Godards von dem frühen Charlotte et son jules (1959) bis hin zu Pierrot le Fou (1965) nimmt die Vorlesungssitzung insbesondere die dort erprobten Formen der Verkörperung und des Schauspiels in den Blick. Gilt es dabei zum einen, Godards Konzept(e) des Filmschauspiels filmhistorisch zu verorten, soll zum anderen das Spektrum solch ambivalenter Strategien des Gestisch-Körperlichen ausgelotet werden, das von den zitathaften Gesten in A Bout de Souffle bis hin zu offeneren, improvisatorischen Spielformen wie der «balade» (Deleuze) oder dem Tänzerischen reicht.