Archiv für April 2010

LAETITIA GONON: KRIMINELLE «FAITS DIVERS» UND ROMANE IM 19. JAHRHUNDERT

13. April 2010 um 9.15 Uhr – Institut für Romanistik, ROM 2

und

14. April 2010 um 19 Uhr – Institut Français de Vienne Sprache : Französisch

Das 19. Jahrhundert ist die Geburt der Massenpresse, verbunden mit einem wachsenden Erfolg des niedrigpreisigen Fortsetzungsromans und dem immer häufigeren Einsatz von Werbung und „faits divers“ auf der Titelseite. Das „fait divers“ – die Erzählform schlechthin – inspiriert zu dieser Zeit Romanschriftsteller auf der Suche nach wirklichkeitsnaher Darstellung : viele greifen die Dramen in den Tageszeitungen auf oder verwenden die « faits divers » in ihren Romanen als dramatisches Mittel oder zur gesellschaftlichen Beobachtung und dokumentieren so die Bedeutung der Zeitung in der damaligen Zeit. Gleichzeitig nehmen sich die Romanschriftsteller jedoch vor einem oft zu dramatischen, schlecht geschriebenen und literarisch ungenügenden « fait divers » in Acht : es hat eine ästhetisch abstoßende Wirkung, während es ein Modell für diese „industrielle Produktion“ des Fortsetzungsromans ist. Bei der Darstellung des Kriminellen vermitteln Romane und Zeitungen einerseits ein romantisches Bild, das den Kriminellen als energischen, mutigen Mann beschreibt, und andererseits ein sehr abwertendes Bild mit der Schilderung seines Zynismus und seiner kühnen Tat. « Faits divers“ und Roman decken sich hier bei der gesellschaftlichen Darstellung. Zwei gesellschaftliche Phänomene, die ein Spiegelbild der urbanen und kriminellen Realität sind, werden abschließend untersucht : das Säureattentat und die Prostitution.

Laetitia Gonon unterrichtet an der Universität Stendahl Grenoble 3. Sie arbeitet gerade an einer Doktorarbeit – unter der Leitung von Gilles Philippe (Paris 3 – Sorbonne Nouvelle) – mit dem Thema : « Der Stil des blutigen fait divers in der französischen Tagespresse des 19. Jahrhunderts“.