Lage: im Sebou-Becken in der Ebene von Sais zwischen Mittlerem Atlas und Rif-Gebirge
Seehöhe: 370-415 m
Einwohner: 955.000 (Volkszählung 2004)
Drittgrößte Stadt Marokkos
Älteste der Königsstädte
Geistiges und religiöses Zentrum des Landes
Zentrum des westlichen Islam
Zentrum des Handwerks
UNESCO-Weltkulturerbe seit 1981 (die Altstadt)
Partnerstadt von Florenz seit 1961
Seine Hochblüte erlebte Fes im Spätmittelalter, als es im 13. und 14. Jahrhundert unter der Dynastie der
Meriniden zur glanzvollen Hauptstadt ausgebaut wurde.
Ihre Vormachtstellung hat die Stadt inzwischen verloren, im 20. Jahrhundert unter französischer Herrschaft
wurde ihr der Rang politisch von Rabat abgelaufen und ökonomisch von Casablanca. Aber die einstige Bedeutung
lässt sich noch erahnen, erschließt sich auch dem eiligen Reisenden, der nur kurze Zeit in der Stadt verweilt.
Noch immer besitzt Fes die größte Anzahl architektonisch und kunsthandwerklich interessanter Gebäude, die
Struktur der Altstadt ist besser erhalten als anderswo, und die Küche von Fes gilt als die beste Marokkos.
Der Fes als Kopfbedeckung heißt, nebenbei, in Marokko Tarbusch.
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Literaten in Fes - Fes in der Literatur
Fes hat nicht wie Tanger, nicht einmal wie Marrakesch, ausländische Künstler angezogen. Dies mag daran
liegen, dass es schwieriger erreichbar war. Es mag auch am Klima liegen. Im Winter ist Fes kalt und
regnerisch, und bis heute gibt es außer in den Hotels und den Häusern einiger Reicher keine Heizungen. Allein
der Name der Stadt ist weniger klangvoll, mit weniger Nimbus behaftet als "Marrakesch". Wenngleich man heute,
aus touristischer Sicht, sagen könnte, dass Fes hält, was Marrakesch verspricht, so wurde es doch im Werk
ausländischer Schriftsteller eher nebenbei behandelt.
Aber Fes, die blaue, die Königsstadt, die schon im 10. Jahrhundert auf eine Universität verweisen konnte,
hat einige Schriftsteller hervorgebracht.
Tahar Ben Jelloun
ist der Sohn eines Stoff- und
Gewürzhändlers aus Fes, in Fes geboren, verbrachte die ersten elf Jahre seines Lebens in Fes, und die Stadt
nimmt in seinem Werk breiten Raum ein, vor allem in
Harrouda (19731) setzt er ihr ein Denkmal.
Driss Chraibi
ist zwar in El-Jadida geboren, aber entstammte einer Kaufmannsfamilie aus Fes. Die Schriftsteller
Ahmed Sefrioui,
Abdellatif Laabi
und Mohamed Azzedine Tazi sind in Fes geboren, und
Mohamed Berrada verlebte einen Teil seiner Kindheit in Fes.
Die Aufenthalte europäischer und amerikanischer Schriftsteller in Fes waren eher kurz, so etwa von
Hugo von Hofmannsthal,
Simone de Beauvoir
mit
Jean-Paul Sartre,
Tennessee Williams,
Jane Bowles,
Jean Genet,
Hubert Fichte.
Pierre Loti
hielt sich 1889 zwei Wochen in
Fes
auf,
Henry de Montherlant
zwischen 1927 und 1932 mehrmals und insgesamt einige Monate lang.
Colette
war 1926, 1929 und 1938 in
Fes,
immer mit Maurice Goudeket, den sie 1935 heiratete. Bei
ihrem letzten Aufenthalt im November 1938 berichtete sie aus Fes für Paris-Soir über den Prozess der
Bordellbesitzerin Umm el-Hassan, die des Mordes an einer Prostituierten angeklagt war. Da ein
Sensationsprozess erwartet wurde, wurde Colette entsandt. Madame hatte Beziehungen zu den Offizieren des
Generalstabes und sollte mit fünfzehn Jahren Zwangsarbeit davonkommen
(Francis/Gontier,
Dufour).
Anaïs Nin
war im April 1936 nur kurz in
Fes,
und auf sie hatte der Aufenthalt nachhaltige Wirkung.
Hier verlor sie ihre jahrelangen Depressionen und die innere Ruhelosigkeit und noch lange Zeit später gleitet ihr
Fes in Nebensätzen und kurzen Abschnitten in die
Tagebücher,
indem ihr, der Kurzzeit-Psychoanalytikerin, die Stadt zum Symbol für den Mutterleib wird.
André Gide
kam dreimal nach Fes, 1923, 1935 und dann einen Kriegswinter lang, während seines
dreijährigen nordafrikanischen Exils. Von Oktober 1943 bis Februar 1944 wohnte er bei französischen Freunden
in Fes. Im
Tagebuch
berichtet er seitenweise über seine Stimmungen, seine Gesundheit und seine Lektüre.
In Phasen der Niedergeschlagenheit las er viel, Anspruchsvolles und Erbauliches, in Englisch oder Deutsch,
Dickens, Conan Doyle, hintereinander acht Bücher von Simenon, eines pro Tag und lernte, zwecks
Gedächtnistraining, Fabeln von Montaigne auswendig. Wegen der anhaltenden nationalistischen Unruhen forderte
das Innenministerium ihn auf, Fes zu verlassen und am 7. Februar 1944 bestieg er in Meknes ein Flugzeug nach
Algier.
Marguerite Yourcenar, die französisch-amerikanische Schriftstellerin, die als erste Frau in die Académie
française gewählt wurde,
besuchte Fes als über Achtzigjährige, wenige Monate vor ihrem Tod 1987, als
Reisen ihr schon sehr beschwerlich war. Erschöpft aber unermüdlich schleppte sie sich durch die Straßen der
Stadt
(Gardel).
Paul Bowles
dürfte jener Schriftsteller sein, den die Stadt am meisten beschäftigte. Wenngleich ein halbes Jahrhundert
lang Tanger sein Hauptwohnsitz war, so hielt er sich doch häufig
in
Fes auf,
für Tage oder Wochen, das erste Mal im Herbst 1931 mit Aaron Copland, manchmal in Begleitung seiner
Frau
Jane Bowles.
Zwei seiner Romane sind
mit Fes verbunden.
Himmel über der Wüste
entstand teilweise in Fes,
Das Haus der Spinne
(1955) handelt in
Fes. |
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