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"Die Luft ist leicht, die Wärme sanft, der Himmel prächtig. Casablanca, wo ich nur formlose Lagerhäuser erwartet hatte, entzückt mich. Ich bedaure nicht im mindesten, dass es nicht exotischer wirkt."
André Gide, 29. März 1923, Tagebuch

  Casablanca - Avenue des F.A.R.
Casablanca

Casablanca   -   Ad-Dar Al-Baida   -   الدارالبيضاء

Casablanca

Kosmopolitische Hafenstadt an einer Bucht der Atlantikküste
Größte Stadt Marokkos und drittgrößte Afrikas (nach Kairo und Johannesburg)
Handels- und Industriezentrum
3,6 Millionen Einwohner in Groß-Casablanca (Volkszählung 2004)

Ein Großteil der marokkanischen Industrie befindet sich in und um Casablanca und auch ein Großteil des Kapitals, es ist Sitz der meisten in- und ausländischen Firmen, erwirtschaftet die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes, verfügt über den größten Flughafen des Landes, den größten Hafen Nordafrikas und das größte Gotteshaus Afrikas, die Moschee Hassan II.
Ende des 19. Jh. hatte die unbedeutende Stadt 20.000 Einwohner, der Aufschwung begann erst in der französischen Protektoratszeit (1912-1956) mit dem Ausbau des Hafens. Seither wächst und wächst sie in alle Richtungen, das Umland ist zersiedelt, Agrarland weicht Industriekomplexen und Einkaufszentren.

  Casablanca - Centre 2000

An einer großzügigen Stadtplanung hat es nicht gefehlt, in den letzten Jahren ist es gelungen, der unattraktiven Millionenstadt der achtziger Jahre ein gepflegtes Aussehen zu verleihen, mindestens jenen Teilen, die von Ausländern aufgesucht werden. Die Bidonvilles, wie die Slums genannt werden, sind hinter hohen Mauern versteckt. So präsentiert sich die Stadt an der Atlantikküste in mildem Klima, mit breiten, palmengesäumten Pracht-Boulevards, riesigen Werbeplakaten für Telekom-Verbindungen, Luxus-Hotels und weitgehend ohne Orient-Klischees. Wolkenkratzersilhouette, Nachtleben, Verkehrschaos und Umweltverschmutzung gleichen jeder anderen Großstadt und von Humphrey Bogart keine Spur.

Casablanca
Literaten in Casablanca - Casablanca in der Literatur

Marokkos Wirtschaftsmetropole hat ausländische Künstler weder besonders angezogen, noch besonders beflügelt. Für die meisten Marokko-Reisenden ist die Stadt bloß eine Etappenstation, in der ein bis zwei Nächte verbracht werden, daran hat sich bis heute nichts geändert. André Gide, Ernst Jünger, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Arthur Koestler, Alberto Moravia und Dacia Maraini hielten sich flüchtig hier auf, Paul Bowles und John Hopkins ebenfalls kurz, jedoch immer wieder.

Antoine de Saint-Exupéry allerdings war in Casablanca mehr als nur auf der Durchreise. Zunächst leistete er hier ab Juli 1921 ein halbes Jahr Militärdienst. Dann trat er im Oktober 1926 bei der Latécoère-Fluggesellschaft ein, transportierte als Pilot der Linie Toulouse - Dakar die Post und hielt sich zwischen zwei Flügen häufig in Casablanca auf. Von Juni bis Dezember 1931 wohnte er, frisch verheiratet, jedoch allein in Casablanca und flog die Post nach Mauretanien und zurück, und von August bis Oktober 1932 mietete er mit seiner Frau eine Wohnung in der Rue Allal Ben Abdallah (eh. Rue Nolly, die beim Hotel Excelsior in den Platz der Vereinten Nationen mündet). In dieser Zeit lernte er den Chirurgen Henry Comte kennen, in dessen Villa in Anfa er im September 1943 einen Monat verbrachte. Es war dies die deprimierendste Phase seines Lebens, als ihm die Luftwaffe Startverbot erteilt hatte. Casablanca fand in Saint-Exupérys Büchern kaum Erwähnung. Dennoch ist der Ort verbunden mit seinem Werk, denn in jenem traurigen September 1943 in Anfa arbeitete er an Die Stadt in der Wüste (19481).

Im Herbst 1931 verbrachte Paul Bowles eine Nacht in Casablanca, nach der er schwor, möglichst nie wieder einen Fuß in die Stadt zu setzen. Allerdings war er bereits 1934 wieder da, wie er in Rastlos berichtet, und noch oft im Laufe seines Lebens. Meist befand er sich bloß auf der Durchreise, etwa zwischen Tanger und Marrakesch, und stieg in einem Hotel in der Neustadt ab.

Für Arthur Koestler war Casablanca Durchgangsstation auf der Flucht. Kurz vor der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 wurde er in Paris als verdächtiger Ausländer verhaftet, konnte fliehen, und kam auf abenteuerlichen Wegen und unter unbeschreiblichen Mühen über Marseille und Oran nach Casablanca. Dort bestieg er durch Vermittlung eines britischen Geheimdienstmannes mit fünfzig anderen Personen ein Fischerboot, das die Flüchtlinge an den deutschen U-Booten vorbei in den neutralen Hafen von Lissabon brachte. Von dort gelangte er nach London. In Abschaum der Erde (19411) schildert er seine Flucht, geht indes nicht näher auf Casablanca ein.

Alberto Moravia und Dacia Maraini waren kurz in Casablanca. Moravia berichtete für den Corriere della Sera über die Studentenrevolte von März 1965, die vom Regime blutig niedergeschlagen wurde und analysiert die Rede, die König Hassan II. daraufhin an sein Volk richtete. Der Artikel ist auch abgedruckt in Viaggi (1994).

Ein Schriftsteller französisch-marokkanischer Herkunft ist Jean-Pierre Koffel. Er wurde in Casablanca geboren. Sein Werk -­ Romane und Erzählungen, die in Marokko handeln ­- ist bislang nicht ins Deutsche übersetzt.

Schauplatz Casablanca

Casablanca ist Schauplatz in John Knittels Arietta. Marokkanische Episode (1959). Knittel, seinerzeit erfolgreicher Schweizer Heimatdichter, heute verdrängt und vergessen, wegen seiner politischen Gesinnung und seines schwülstigen Stils, schaffte es, seine kolonialistische Haltung - wie sie in Abd-el-Kader. Roman aus dem marokkanischen Atlas (1931) zum Ausdruck kam - im Wandel des Zeitgeistes zu verfeinern, wie sich in Arietta zeigt.

Driss Chraibi, Doyen der marokkanischen Autoren, ging hier zur Schule, in seinem Werk ist Casablanca Romanschauplatz, etwa in Le passé simple (19541) und in Die Zivilisation, Mutter! (19721).

In Tahar Ben Jellouns Romanen kommen alle größeren Städte vor, Der korrumpierte Mann (19941) handelt in Casablanca. In Das Gebet für den Abwesenden (19811) führt die Reise mehr oder weniger durch ganz Marokko, und ein Prediger in einer Moschee schildert in einer berührenden Passage Casablanca als einen Ort, an dem die Reichen reicher und die Armen unaufhörlich ärmer werden, "eine Stadt, die, wenn sie aufwacht, das übrige Land erzittern läßt", erinnert an die Unruhen von 1965 und warnt vor denen, die nichts zu verlieren haben.

Casablanca

Links

www.casablanca.ma: Ville de Casablanca
Offizielle Website der Stadt Casablanca (franz. engl., span., arab.)

www.visitcasablanca.ma: Conseil Régional du Tourisme de Casablanca
Offizielle Website der Tourismusbehörde Casablancas (franz.)

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