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An einer großzügigen Stadtplanung hat es nicht
gefehlt, in den letzten Jahren ist es gelungen, der unattraktiven
Millionenstadt der achtziger Jahre ein gepflegtes Aussehen zu verleihen,
mindestens jenen Teilen, die von Ausländern aufgesucht werden. Die Bidonvilles,
wie die Slums genannt werden, sind hinter hohen Mauern versteckt. So präsentiert sich die Stadt
an der Atlantikküste in mildem Klima, mit breiten, palmengesäumten Pracht-Boulevards, riesigen
Werbeplakaten für Telekom-Verbindungen, Luxus-Hotels und weitgehend ohne
Orient-Klischees. Wolkenkratzersilhouette, Nachtleben, Verkehrschaos
und Umweltverschmutzung gleichen jeder anderen Großstadt und von Humphrey
Bogart keine Spur.
Literaten in Casablanca - Casablanca in der Literatur
Marokkos Wirtschaftsmetropole hat ausländische Künstler weder besonders
angezogen, noch besonders beflügelt. Für die meisten Marokko-Reisenden ist die Stadt bloß
eine Etappenstation, in der ein bis zwei Nächte verbracht werden, daran hat sich
bis heute nichts geändert.
André Gide,
Ernst Jünger,
Simone de Beauvoir
und Jean-Paul Sartre,
Arthur Koestler,
Alberto Moravia
und Dacia Maraini hielten sich flüchtig hier auf,
Paul Bowles und
John Hopkins
ebenfalls kurz, jedoch immer wieder.
Antoine de Saint-Exupéry
allerdings war in Casablanca mehr als
nur auf der Durchreise. Zunächst leistete er hier ab Juli 1921 ein halbes Jahr
Militärdienst. Dann trat er im Oktober 1926 bei der Latécoère-Fluggesellschaft
ein, transportierte als Pilot der Linie Toulouse - Dakar die Post und hielt sich zwischen zwei Flügen häufig in Casablanca auf.
Von Juni bis Dezember 1931 wohnte er, frisch verheiratet, jedoch allein in Casablanca und flog die
Post nach Mauretanien und zurück, und von
August bis Oktober 1932 mietete er mit seiner Frau eine Wohnung in der Rue Allal Ben Abdallah (eh. Rue Nolly, die beim
Hotel Excelsior in
den Platz der Vereinten Nationen mündet). In dieser Zeit lernte er den Chirurgen Henry Comte kennen, in dessen
Villa in Anfa er im September 1943 einen Monat verbrachte. Es war dies die
deprimierendste Phase seines Lebens, als ihm die Luftwaffe Startverbot erteilt
hatte. Casablanca fand in Saint-Exupérys Büchern kaum Erwähnung. Dennoch ist der
Ort verbunden mit seinem Werk, denn in jenem traurigen September 1943 in Anfa arbeitete er an
Die Stadt in der Wüste (19481).
Im Herbst 1931 verbrachte
Paul Bowles eine Nacht in Casablanca, nach
der er schwor, möglichst nie wieder einen Fuß in die Stadt zu setzen. Allerdings
war er bereits 1934 wieder da, wie er in
Rastlos
berichtet, und noch oft im Laufe seines Lebens. Meist befand er sich bloß auf der
Durchreise, etwa zwischen Tanger und Marrakesch, und stieg in einem Hotel in der
Neustadt ab.
Für
Arthur Koestler
war Casablanca Durchgangsstation auf der
Flucht. Kurz vor der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 wurde er in Paris als
verdächtiger Ausländer verhaftet, konnte fliehen, und kam auf abenteuerlichen
Wegen und unter unbeschreiblichen Mühen über Marseille und Oran nach Casablanca.
Dort bestieg er durch Vermittlung eines britischen Geheimdienstmannes mit
fünfzig anderen Personen ein Fischerboot, das die Flüchtlinge an den deutschen
U-Booten vorbei in den neutralen Hafen von Lissabon brachte. Von dort
gelangte er nach London. In
Abschaum der Erde (19411) schildert er seine
Flucht, geht indes nicht näher auf Casablanca ein.
Alberto Moravia
und Dacia Maraini waren kurz
in Casablanca. Moravia berichtete für den Corriere della Sera über die
Studentenrevolte von März 1965, die vom Regime blutig niedergeschlagen wurde und
analysiert die Rede, die König Hassan II. daraufhin an sein Volk richtete. Der Artikel ist
auch abgedruckt in Viaggi (1994).
Ein Schriftsteller französisch-marokkanischer Herkunft ist Jean-Pierre Koffel.
Er wurde in Casablanca geboren. Sein Werk - Romane und
Erzählungen, die in Marokko handeln - ist bislang nicht ins Deutsche übersetzt.
Schauplatz Casablanca
Casablanca ist Schauplatz in
John Knittels
Arietta. Marokkanische Episode (1959).
Knittel, seinerzeit
erfolgreicher Schweizer Heimatdichter, heute verdrängt und vergessen, wegen seiner politischen Gesinnung und
seines schwülstigen Stils, schaffte es, seine kolonialistische Haltung - wie sie in
Abd-el-Kader. Roman aus dem marokkanischen Atlas (1931)
zum Ausdruck kam - im Wandel des Zeitgeistes zu verfeinern, wie sich in Arietta zeigt.
Driss Chraibi,
Doyen der marokkanischen Autoren, ging hier zur Schule, in
seinem Werk ist Casablanca Romanschauplatz, etwa in
Le passé simple (19541)
und in
Die Zivilisation, Mutter! (19721).
In
Tahar Ben Jellouns Romanen kommen alle größeren Städte vor,
Der korrumpierte Mann (19941) handelt in Casablanca.
In
Das Gebet für den Abwesenden (19811)
führt die Reise mehr oder weniger durch ganz Marokko, und ein Prediger in einer Moschee schildert in einer berührenden Passage Casablanca als einen Ort, an dem
die Reichen reicher und die Armen unaufhörlich ärmer werden, "eine Stadt, die, wenn sie
aufwacht, das übrige Land erzittern läßt", erinnert an die Unruhen von 1965 und warnt vor denen, die nichts zu verlieren haben.
Links
www.casablanca.ma:
Ville de Casablanca
Offizielle Website der Stadt Casablanca (franz. engl., span., arab.)
www.visitcasablanca.ma:
Conseil Régional du Tourisme de Casablanca
Offizielle Website der Tourismusbehörde Casablancas (franz.)
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