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Pierre Loti

Pierre Loti

1850 Rochefort - 1923 Hendaye, eigentlich Louis-Marie-Julien Viaud, französischer Marineoffizier und Reiseschriftsteller

Sein Beruf erlaubte ihm unzählige Reisen in die ganze Welt, er war fasziniert vom Orient und von Nordafrika und pflegte sich in der jeweils üblichen Landestracht zu verkleiden. Henri Rousseau malte ein Portrait von Pierre Loti (1906) in marokkanischer Kleidung mit Fes, das im Besitz des Kunsthaus Zürich ist.
Literaturgeschichtlich gilt er als der Hauptvertreter eines französischen Exotismus. Lotis Zivilisationskritik mündet in romantischer Idealisierung fremder Welten, und so erreichten seine Werke schwindelnde Auflagenhöhen, trugen ihm von Seiten Roland Barthes die Bezeichnung "Hippie-Dandy" ein, und Claude Lévi-Strauss nannte seine Bücher ein wertvolles ethnografisches Zeugnis, wenn auch nicht über die Völker, die er beschrieben hat, sondern über die Beziehung, die seine eigene Kultur zu einer bestimmten Zeit zu fremden Kulturen hatte.

Pierre Loti in Marokko

Als Pierre Loti im Frühjahr 1889 nach Marokko kam, war sein Ruhm als Reiseschriftsteller auf dem Höhepunkt. Er war als Historiograf Teilnehmer einer Delegation des neuen französischen Gesandten in Tanger, der sein Beglaubigungsschreiben dem Sultan Moulay Hassan I. (reg. 1873-1894) in Fes überreichen musste.
Loti erreichte am 26. März 1889 Tanger zu Schiff, wo er auf die anderen Teilnehmer der Delegation traf. Neben dem neuen französischen Botschafter und Loti umfasste die Gesandtschaft Offiziere, Diplomaten, Maler, einen Arzt, mehr als zweihundert Maultiere, Pferde, Esel und Kamele, Träger, Zelte, Proviant und als Geschenke für den Sultan vier Stuten aus der Normandie und ein elektrisches Mahagoniboot, das auf den Schultern von vierzig Trägern transportiert wurde. Die Karawane verließ Tanger am 4. April, zog über Larache, Ksar el-kebir, Sidi Kacem, den Pass Zegotta und gelangte am 15. April nach Fes, wo vom Sultan eine Audienz gewährt wurde. Loti blieb zwei Wochen in der Stadt. Am 28. April verließ er Fes und die Delegation, die noch mit Politik und Geschäften festgehalten wurde, schloss sich einer kleinen Karawane an und reiste über Meknes nach Tanger zurück, wo er am 4. Mai eintraf.

Werk mit Marokko-Bezug

Im Zeichen der Sahara. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Susanne und Michael Farin ( Au Maroc. Paris: Calmann Lévy 1890). Bremen: Manholt 1991

Loti beschreibt Marokko in romantischer Verklärung, beschwört den Glanz einer untergehenden, von abendländischen Einflüssen gefährdeten Kultur. Wirtschaftliche Zusammenhänge, politische Ohnmacht der Bevölkerung, soziale Lebensbedingungen, Armut und Entwicklungsmöglichkeiten interessieren ihn nicht, umso mehr jedoch orientalischer Pomp und exotischer Zauber. Er ergötzt sich an blühenden Landschaften und Gärten und Blumen, an Pferden und Fantasias, an Teppichen und Mosaiken und den Wohlgerüchen des Orients und hüllt alles in einen Schleier des Geheimnisses. Er weiß dem Sultan Dank für dessen Geschenke, eine altertümliche ganz mit Silber umkleidete Flinte und einen Säbel mit Nashorngriff, Blatt und Klinge mit Gold eingelegt, in niellierter Scheide und goldgestickter Seidenkoppel. Er bewundert den Sultan dafür, dass er weder Parlament, noch Presse, weder Eisenbahnen, noch Straßen will. Die zivilisatorischen Errungenschaften will er dort nicht eingeführt sehen, weder elektrische Beleuchtung, noch rauchende Fabrikschornsteine, noch nach Alkohol stinkende Bars. Im Kolonialismus sieht er eine die Ursprünglichkeit und das einfache Leben bedrohende Gefahr, aber wenn er schon unumgänglich ist, dann sollen Franzosen die Kolonisatoren sein. Tourismus lehnt er ebenfalls ab, er, der sein Leben lang auf Reisen war.

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