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Paul BowlesBiografiePaul Bowles in Marokko Werk mit Marokko-Bezug
Romane, die in Marokko handeln
Literatur zu Paul BowlesRomane, die (teilweise) in Marokko entstanden sind Erzählungen Autobiografisches Links zu Paul Bowles Biografie1910 New York - 1999 Tanger, amerikanischer Komponist und Schriftsteller Bowles war zunächst Komponist, schrieb Musik für Ballett, Klavier und Orchester, Film- und Theatermusik, Opern und stellte eine Sammlung von Tondokumenten marokkanischer Musik für die amerikanische Kongress-Bibliothek zusammen. Erst durch den Einfluss seiner Frau Jane Bowles, die er 1938 heiratete, wurde er zum Schriftsteller. Aber während ihre wenigen Werke stets nur einen kleinen Kreis von Lesern fanden und ihr der große Durchbruch versagt blieb, wurde er als Schriftsteller äußerst erfolgreich, sogar populär. Nachdem seine Werke jahrelang vergriffen waren, erleben sie seit den achtziger Jahren eine Renaissance mit Neuauflagen und Neuübersetzungen. Bowles ist Autor von Romanen und Erzählungen, Herausgeber und Übersetzer von Driss Ben Hamed Charhadi, Mohammed Mrabet, Übersetzer von Mohamed Choukri, Jean-Paul Sarte, Isabelle Eberhardt und Rodrigo Rey Rosa. Paul Bowles in Marokko ▲Bowles ist jener Mann, dessen Leben und Werk von allen ausländischen Schriftstellern
wohl am meisten von Marokko geprägt werden sollte. Anfang August 1931 kam er erstmals ins Land,
in Begleitung des amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900-1990), bei dem er Musik studiert hatte. Das
Schiff legte in Ceuta an, dort stiegen sie in eine Schmalspureisenbahn, die sie nach Tetouan schaukelte. Den
Sommer verbrachten sie in Tanger, im Herbst begaben sie sich nach
Fes. Copland mochte Marokko nicht. Ihn
störte der Lärm und das Leben und lautes Reden, Tanger war für ihn ein Asyl für Verrückte, Fes raubte ihm
gänzlich die Fassung, er empfand einen heftigen Widerwillen gegen Marokko als Ganzes und reiste ab. Am 1. Juli 1947 verließ Bowles zu Schiff New York und fuhr für unbestimmte Zeit nach Marokko. In Casablanca ging er an Land, begab sich nach Fes, begann dort die Abfassung seines ersten Romans Himmel über der Wüste (19491) und landete schließlich in Tanger, das für den Rest seines Lebens sein Hauptwohnsitz werden sollte, anfänglich noch unterbrochen durch zahlreiche Reisen. Zuerst wohnte er in Hotels und Pensionen, dann in gemieteten Wohnungen. Seine vier Romane sind alle teilweise in Tanger entstanden, ebenso die Autobiografie Rastlos. Erinnerungen eines Nomaden (19721). In den frühen sechziger Jahren begann Bowles mit den Transkriptionen und Übersetzungen von Geschichten, die ihm seine marokkanischen Freunde auf Tonband erzählten, Driss Ben Hamed Charhadi, Mohammed Mrabet, Ahmed Yacoubi, Abdeslam Boulaich. 1972 begann er, Mohamed Choukris Manuskripte ins Englische zu übertragen. Durch Bowles' Einsatz und seine Verbindungen konnten die Werke dieser Marokkaner in englischen Ausgaben und in weiterer Folge in mehreren Sprachen erscheinen, doch diese Aktivitäten trugen ihm nicht nur Ehre, sondern auch Kritik ein. In seinem Buch Paul Bowles. Le Reclus de Tanger, das zugleich eine Abrechnung ist, beschuldigt Mohamed Choukri Bowles, das Geld für die Übersetzungen für sich zu behalten. Auch Mohammed Mrabet und Driss ben Hamed Charhadi warfen Bowles vor, sich an ihren Tantiemen zu bereichern. Bowles tat dies stets als Unsinn ab - so Biograf Caponi. Nach dem Tod seiner Frau Jane im Jahr 1973 schrieb Bowles keine Romane mehr, nur noch Kurzgeschichten, Übersetzungen, Reportagen, Tagebücher. Bowles selbst erzählte Mohammed Choukri, dass sein literarischer Weg an jenem Tag, an dem Jane erkrankte, die Richtung wechselte (Choukri). Und er, der sein halbes Leben auf Reisen verbracht und einen Großteil seiner Arbeiten unterwegs verfasst hatte, verließ Tanger immer seltener. Bowles pflegte mit zwanzig und mehr Koffern zu reisen, aber in Zeiten, in denen alle reisen, mit einer Beschränkung auf zwanzig Kilogramm Gepäck, zog er es vor, an einem Ort zu bleiben, und das war in Tanger. Und so wurde er zum Fixpunkt der künstlerisch interessierten Tanger heimsuchenden Ausländer. "Tanger ist
ein Magnet für herumziehende Künstler und Schriftsteller. Sie alle wandern zu Pauls Wohnung", schrieb
John Hopkins
1964 in sein Tagebuch, die
Tangier Diaries. Mohamed Choukri urteilt in seinem Buch über den "Einsiedler von Tanger", dass Bowles Marokko liebte, aber nicht die Marokkaner, dass er ein Nostalgiker war, der sich in die Protektoratszeit zurücksehnte, der die Primitivität suchte, aber bei allem Komfort, der die dreißiger und vierziger Jahre idealisierte und in diesem Sinn Kolonialist war. Werk mit Marokko-Bezug ▲Bowles wurde als der einzige nordamerikanische existentialistische Schriftsteller bezeichnet. Wenn dem so ist, ist er allerdings nicht vergleichbar dem Existentialismus Sartrescher Prägung, denn bei Bowles gibt es selten einen Ausweg, der zu neuer Hoffnung führt. Seine Figuren sind gewöhnlich Nordamerikaner, finanziell unabhängig, wenn nicht reich, die ein bequemes Leben führen könnten. Sie haben keine Sorgen und daher begeben sie sich auf die Suche nach Abenteuern, in der Welt, in Nordafrika oder Südamerika, im eigenen Kopf und in der Seele. Einsamkeit, Identitätsverlust, der Bruch mit Traditionen sind ihre Probleme, Zivilisationsflucht die scheinbare Lösung. Die Suche nach dem Selbst scheitert in der Entdeckung, dass da kein Selbst zu entdecken ist. Das Ende ist meist düster, Krankheit, Tod, Wahnsinn, Mord. Romane, die in Marokko handeln ▲ (geschrieben von Dezember 1949 bis 1951, teilweise in Tanger und Chefchauen) Das Haus der Spinne. Roman. Aus dem Amerikanischen von F. R. Wendhousen (The Spider's House. New York: Random House 1955). München: Goldmann (Goldmann 9120), 2. Aufl. 1989 (geschrieben von Sommer 1954 bis Frühjahr 1955, teilweise in Tanger) Romane, die nicht in Marokko handeln, doch (teilweise) in Marokko entstanden sind
▲ (geschrieben 1947 bis 1948, teilweise in Fes und Tanger) Gesang der Insekten. Roman. Aus dem Amerikanischen von Pociao (Up Above the World. New York: Simon and Schuster 1966). München: Wilhelm Goldmann 1988 (geschrieben von 1963 bis Ende 1964, großteils in Tanger) Erzählungen ▲ Der Weg nach Tassemsit und andere Reiseerzählungen aus der nicht-christlichen Welt. Aus dem Amerikanischen von Pociao (Their Heads Are Green and Their Hands Are Blue. London: Peter Owen 1963). Bonn: Frank & Frei 1990 Allal. Stories aus Marokko. Hrsg. und übersetzt von Pociao (aus: Collected Stories 1939-1976. Santa Barbara, Calif.: Black Sparrow Press 1979). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo 5957) 1988 Die Stunden nach Mittag. Marokkanische Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Pociao (aus: Collected Stories 1939-1976. Santa Barbara: Black Sparrow Press 1979). München: Wilhelm Goldmann 1989 Eisfelder. Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Pociao (aus: Collected Stories 1939-1976. Santa Barbara, Calif.: Black Sparrow Press 1979). München: Wilhelm Goldmann 1990 Mitternachtsmesse. Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Pociao (Midnight Mass. Santa Barbara, Calif.: Black Sparrow Press, 1983, 2nd ed., 19811). München: Wilhelm Goldmann 1989 Zeitstellen. Aus dem Englischen von Wolfgang Astelbauer (Points in Time. London: Peter Owen 1982). Graz-Wien: Verlag Droschl 1989 Zeitstellen ist eine Sammlung aufbereiteter Geschichten über Marokko, teils historisch, etwa in Fes handelnd, teils fiktiv und episodenhaft dargelegt. Die Quellen waren historische Texte, populäre Lieder, Legenden und Erzählungen, zusammengefügt zu einer literarischen Collage. Bowles nennt dieses Buch eine lyrische Geschichte Marokkos. New York - Tanger. Erzählungen. Aus dem Amerikanischen von Pociao (Unwelcome Words. Seven Stories. Bolinas, Calif.: Tombouctou Books 1988). München: Wilhelm Goldmann 1991 1995 Der ferne Kontinent. Erzählungen. Hrsg. und aus dem Amerikanischen übersetzt von Pociao. München: Wilhelm Goldmann Autobiografisches ▲ Without Stopping ist der Originaltitel der Autobiografie, und William S. Burroughs benannte sie um in "Without Telling", denn Bowles verheimlicht mehr als er offenbart. Während Personen, Daten, Orte, Treffen, Ereignisse minutiös geschildert werden, erfährt der Leser wenig über die psychologischen Beziehungen der Personen untereinander. Tagebuch, Tanger 1987-1989. Aus dem Amerikanischen von Lilian Faschinger und Thomas Priebsch (Tangier Journal 1987-1989. London: Peter Owen 1990). Graz-Wien: Verlag Droschl 1991 Literatur zu Paul Bowles ▲ Caponi, Gena Dagel Choukri, Mohamed Dillon, Millicent You are not I. A Portrait of Paul Bowles. Berkeley, Los Angeles, London: University of California Press 1998 Green, Michelle Links ▲
www.al-bab.com:
Al-Bab www.paulbowles.org: Die offizielle Paul Bowles Website, autorisiert von den Nachlassverwaltern
www.lib.udel.edu:
University of Delaware Library |
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