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Mohammed Mrabet

Mohammed Mrabet

um 1940 Rif-Gebirge, marokkanischer Fischer und Geschichtenerzähler

Er entstammte einer armen, kinderreichen Familie, die aus dem Dorf im Rif nach Tanger übersiedelte. Mrabet besuchte nie eine Schule, wurde Fischer und Barmann und eignete sich das Spanische als Autodidakt an. Um 1964/65 lernte er Paul Bowles kennen und, wie zuvor Driss Ben Hamed Charhadi, sprach er seine Geschichten in marokkanischem Dialekt auf Tonband, Bowles transkribierte und übersetzte sie ins Englische und sorgte für die Veröffentlichung. Ihre Freundschaft überdauerte mit Unterbrechungen Jahrzehnte, in Bowles späten Jahren wurde er dessen Beschützer und Betreuer, Butler, Koch, Krankenpfleger in einem, und hielt ihm ungebetene Besucher fern. Mehrere Male, auch mit Paul Bowles, war er in Amerika, das er nicht mochte, aber davon träumte, wenn er nach Tanger zurückgekehrt war. Bowles-Exegeten (Choukri, Dillon, Green, Rondeau) beschreiben Mrabet als zynisch, sehr selbstbewusst, originell, fantasiebegabt, zu Wutanfällen, Gewalttätigkeiten, Prahlereien, Übertreibungen und lautem Gelächter neigend, ein skeptischer Beobachter, der alles, was er macht, mit Exzess betreibt, kochen, Auto fahren, tanzen, Kif rauchen, Geschichten erzählen. Seit 1994 leidet er an Magenkrebs, was ihm seine Kraft und seine Energien raubte.

Werk

Mrabet wurde der eifrigste von Bowles Erzählern, es erschienen drei Romane, Love with a Few Hairs (1967), El Limón (1969) und Der große Spiegel (1977), die Autobiografie Look and Move On (1976) und mehrere Kurzgeschichtensammlungen.

Romane

Love with a Few Hairs. Taped and Translated from the Moghrebi by Paul Bowles. London: Peter Owen 1967

El Limón. Hrsg. von Paul Bowles. Aus dem Englischen von Lilian Faschinger und Thomas Priebsch (The Lemon. Translated from the Moghrebi by Paul Bowles. London: Peter Owen 1969). Graz-Wien: Verlag Droschl 1989

Abdeslam wird als Zwölfjähriger vom Vater verstoßen, treibt sich in den Gassen und Cafés Tangers herum, arbeitet in einem Kaffeehaus, raucht Kif, sucht Abenteuer. Alle Angebote von Wohlmeinenden, die ihm zu einem Leben verhelfen wollen, das seinem Alter angemessenen ist, weist er zurück und teilt lieber die Wohnung mit einem Hafenarbeiter, der wegen seiner Homosexualität, seinem Umgang mit Prostituierten und seinen Alkoholexzessen einen üblen Ruf genießt. Schließlich versetzen ihn die homosexuellen Anbiederungen seines Wohnungsgenossen dermaßen ihn Wut, dass er ihn mit Rasierklingen attackiert, die in einer Zitrone stecken. Fortan vergaßen die Leute seinen Namen und nannten ihn El limón.

Der große Spiegel. Aufgezeichnet von Paul Bowles. Deutsch von Dieter Offenhäußer (The Big Mirror. Taped and translated from the Moghrebi by Paul Bowles. Santa Barabara, Calif.: Black Sparrow Press 1977). Zürich: Unionsverlag 1991

In einem Gespinst von Wirklichkeit, Fantasie, Wahnsinn und Besessenheit, Traum und Magie, so labyrinthisch wie die Altstadtgassen von Tanger, entrollt sich die blutrünstige Geschichte von Ali und Rachida. Die junge Frau verbringt ihre Tage vor dem großen Spiegel im Ballsaal ihres Hauses in Tanger und fantasiert von weiß und rot, von Unschuld und Blut, tötet zuerst ihr Kind, dann sich selbst. Der Wahn hat längst auch den Ehemann erfasst. Nach unzähligen Morden zertrümmert er den Spiegel und findet Erlösung im Traum.

Kurzgeschichten

Mrabets Kurzgeschichten handeln in und um Tanger oder im Rif, seine Themen kreisen um Gewalt und Rache, wobei Ströme von Blut fließen, um Wahnsinn und Halluzinationen. Nicht selten wird Ungerechtigkeit gesühnt, Ausdauer bewährt sich, die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft. Manche der Geschichten schöpfen aus traditionellem Erzählgut, mit Geistern, Ungeheuern, Magie und Hexerei, Träume und Halluzinationen werden wahr oder sind Teil der Handlung, Tiere sind Akteure, es gibt Metamorphosen zwischen Mensch und Tier, Krankheiten, gegen die die europäischen Ärzte machtlos sind, werden mit traditionellen Therapien geheilt. Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen beschäftigt ihn ebenfalls, die Konflikte, die sich ergeben, wenn Landbewohner in die Stadt ziehen, das merkwürdige Verhalten der Ausländer, der Zusammenprall traditioneller muslimischer Gesellschaft mit westlicher Kultur, die als zwei Welten nebeneinander bestehen, ohne einander zu durchdringen oder auch nur zu verstehen. Manche der Geschichten sind autobiografisch und erzählen unter Pseudonymen aus seinem Leben mit Paul Bowles.

M'hashish. Geschichten aus Marokko. Aufgezeichnet von Paul Bowles. Aus dem Amerikanischen von Carl Weissner (M'hashish. Taped and Translated from the Moghrebi by Paul Bowles. San Francisco: City Lights Books 1969). Augsburg: Maro Verlag, 2. Aufl. 1992 (19871)

Alles dreht sich um Kif, den Anbau, den Konsum und seine Begleiterscheinungen, erfreuliche und unerfreuliche, um das soziale Umfeld und die staatlichen Eingriffe. Kif löst ein Eheproblem, das der Alkohol verursacht hat, befreit einen Händler von religiösem Fanatismus und einen kleinen Verkäufer von Armut und Arbeitslosigkeit. Er beschert philosophischen Gleichmut, schöne Träume und Halluzinationen, und führt auch zu Lethargie und zu Vernachlässigung der Pflichten.

Ramadan & andere Erzählungen. Aufgezeichnet von Paul Bowles, aus dem Amerikanischen von Klaus Schachner (The Boy Who Set the Fire & Other Stories. Taped & translated from the Moghrebi by Paul Bowles. Los Angeles: Black Sparrow Press 1974). Graz-Wien: Verlag Droschl 1993

Der Ameisendompteur. Aufgezeichnet von Paul Bowles. Aus dem Amerikanischen von Roberto de Hollanda (The Chest. Translated by Paul Bowles. Bolinas, Calif.: Tombouctou Books 1983). Augsburg: Maro Verlag 1994

Autobiographie

Look and Move On. Taped and translated from the Moghrebi by Paul Bowles. Santa Barabara, Calif.: Black Sparrow Press 1976

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