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Henry de Montherlant1895 Neuilly/Paris - 1972 Paris, französischer Schriftsteller Aus einer adeligen Familie mit Geldschwierigkeiten stammend, arbeitete Montherlant nach dem ersten Weltkrieg als
Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, hatte die ersten literarischen Erfolge, verließ 1925
Paris und verbrachte fast ein Jahrzehnt auf Reisen. 1960 wurde er Mitglied der Académie française. Montherlant
trat für das Recht auf Selbstmord ein und sah diesen als die einzige Möglichkeit, sich der Kreatürlichkeit zu
entziehen. So wählte er wegen fortschreitender Gebrechen, drohendem Schlaganfall und drohender Erblindung den
Freitod durch Erschießen. Henry de Montherlant in MarokkoAls bereits beachteter Schriftsteller im Alter von dreißig Jahren gab Montherlant das
Pariser Leben auf. Mit zwei Koffern, die nahezu zehn Jahre sein einziges Gepäck bildeten, begab er sich auf
Reisen, die ihn nach Spanien, Italien und Nordafrika führten. Nordafrika wählte er aus Gründen des Klimas und des Exotismus, wie er selbst sagte, und interessierte sich bald für die Lage der Algerier und Marokkaner, ihr Elend und ihre Ausbeutung unter französischer Herrschaft. Zwischen 1926 und 1932 war er mehrmals in Marokko, mehrmals in Tanger, mehrmals in Fes, er hat Marrakesch besucht und die Atlas-Gebirge und den Süden bereist. Insgesamt verbrachte er vier oder fünf Monate in Fes, vier Monate in Tanger, hat indes wenig über diese Städte geschrieben. Un Voyageur solitaire est un diable (19451) beschreibt die Reisen in Essay-Form. Zwei Romane sind Montherlants Marokko-Aufenthalten zu danken, Die Wüstenrose (19681) und Die Aussätzigen (19391). Montherlant war homosexuell, was er jedoch, anders als André Gide oder Jean Genet, erst spät offenbarte. Und doch ist sein Sexualverhalten in sein Werk eingeflossen. Er jagte junge Männer in einer Art wie der Protagonist der Wüstenrose (19681), der Maler Guiscart, jungen Frauen nachstellt und ebenso wie dieser eilt er von Ort zu Ort und flieht den Konsequenzen seiner Handlungen, indem er seine Spuren zu verwischen trachtet. Beide nutzen für ihre Abenteuer den Namen ihrer Familie, Montherlant bezeichnet sich als Handelsvertreter und jagt unter seinem Patronym Millon, denn französische Adelige führen zwei gesetzliche Namen, den des Landbesitzes (Montherlant), der der geläufige ist und den seiner Familie (Millon), den gewöhnlich nur Verwandte kennen. Der fiktive Guiscart verwendet sogar dasselbe Pseudonym wie der reale Montherlant, "des Touches" ("faire des touches", ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine sexuelle Eroberung). Ebenso wie Jean Genet war auch er seinen jugendlichen Liebhabern behilflich, im Leben weiterzukommen. Und wie Genet, der sich in späteren Jahren politisch für revolutionäre Bewegungen engagierte, nahm Montherlant eine antikolonialistische Haltung ein, die indes in Widerspruch zu seinem Patriotismus stand, wobei letzterer siegte. So vollendete er zwar 1932 den Roman Die Wüstenrose (19681), der gegen die französische Herrschaft in Nordafrika gerichtet war, aber ließ ihn nicht erscheinen. Um Frankreich keinen Schaden zuzufügen, wollte er das Buch erst veröffentlichen, wenn es nur noch ein historisches Dokument ist. Es erschien in seiner endgültigen Fassung erst 1968 (Montherlant, Sipriot). Werk mit Marokko-BezugNutzloses Dienen. Aus dem Französischen von Karl Heinz Bremer in Zusammenarbeit mit Otto Diehl (Service inutile. Paris: B. Grasset 1935). Leipzig-Markkleeberg: Karl Rauch Verlag 1939 Die Aussätzigen. Roman. Deutsch von Ernst Sander (Les Lépreuses. Paris: B. Grasset 1939). München: dtv 1963
Dies ist der in sich abgeschlossene
letzte Band der Tetralogie "Erbarmen mit den Frauen". Gerade dieses vierbändige Werk, in dem er offen seine
Frauenfeindlichkeit zur Schau stellt, war einer der größten literarischen Erfolge der Zwischenkriegszeit und
machte Montherlant international bekannt. Aussätzig ist nicht nur die leprakranke marokkanische Geliebte des
Helden, sondern die weibliche Hälfte der Menschheit im allgemeinen. Un Voyageur solitaire est un diable. Monaco: Éditions du Rocher 1955 (19451) Dies bildet den dritten Teil der Trilogie "Die gehetzten Reisenden". Der gehetzte Reisende war Montherlant selbst, und die drei Bücher sind das Journal der Krise, die ihn beherrschte, in der er herumirrte, "unstet wie ein Skorpion und giftig wie ein Skorpion" (Montherlant). Der Band hält Reiseerfahrungen und -eindrücke der verschiedenen Orte fest, Marokko betreffend gibt es zwei Essays über Ceuta und einen über Fes, der teilweise auch in Moustique (19861) eingeflossen ist. Die Wüstenrose. Roman. Endgültige Fassung. Aus dem Französischen übersetzt von Ernst Sander und Karl von der Lieck (La rose de sable. Paris: Gallimard 1968). Köln: Kiepenheuer & Witsch 1977
(geschrieben von August 1930 bis Februar 1932 großteils in Algier) Moustique. Aus dem Französischen von Gabriele Gerecke (Moustique. Paris: Editions de la Table Ronde 1986). Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990
(geschrieben 1929, jedoch erst posthum veröffentlicht) Literatur zu Henry de Montherlant Sipriot, Pierre |
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