Startseite

Kunst des Reisens

Marokko

LITERATEN A-Z
LITERATUR
REISEINFORMATION

 

Reiselust

Kontakt

Impressum
 
Abdelhak Serhane

Abdelhak Serhane

1950 Sefrou, marokkanischer Schriftsteller

Serhane ist aufgewachsen in Azrou im Mittleren Atlas, studierte Psychologie und französische Literatur und war Professor an der Universität in Kenitra. Im Frühjahr 2000 ließ er sich mit seiner Familie in Montreal nieder. Seither pendelt er zwischen Kanada, Marokko und den USA und lehrt französische Literatur an der University of Louisiana in Lafayette.

Werk

Serhane schrieb Gedichte, Kurzgeschichten, Essays und Romane. In letzteren, Dorfgeschichten, übt er als unermüdlicher Kämpfer für die Rechte von Frauen gegenüber Männern, von Kindern gegenüber Eltern, insbesondere dem Vater, scharfe Kritik an der ländlichen marokkanischen Gesellschaftsordnung. Stets beschreibt er die unerträgliche Lage von unterdrückten Individuen, deren schlechte Behandlung durchaus in Widerspruch zum Koran ist. Es steht indes zu befürchten, dass Serhane das Gegenteil dessen erreicht, was er beabsichtigt, denn sein Werk wird vor allem im Ausland gelesen, und so zementiert er westliche Vorurteile über die arabische Welt.

Messauda. Roman. Aus dem Französischen von Uli Wittmann (Messaouda. Paris: Editions du Seuil 1983). Berlin: Verlag Edition Orient 1987

Der Roman trägt unübersehbar autobiografische Züge.
In der Kleinstadt Azrou erlebte der Ich-Erzähler als Sohn eines Tischlers seine Kindheit und Jugend in gefühlsleerer Öde und Einsamkeit. Der Vater, unterwürfig gegenüber den Franzosen, die er uneingeschränkt und kritiklos bewunderte, war gegenüber seiner Familie der patriarchale Despot, der Gehorsam und Respekt verlangte, der unter Erziehung Schläge und Demütigungen verstand. Er war nicht arm, aber geizig, unbarmherzig gegenüber seinen Kindern, brutal und mitleidlos gegenüber seiner Frau, die er unterdrückte und ausbeutete und ihrer vom Islam garantierten Rechte beraubte.

Kinder der engen Gassen. Roman. Aus dem Französischen von Barbara Rosenvold (Les enfants des rues étroites. Paris: Editions du Seuil 1986). Berlin: Verlag Edition Orient 1988

(geschrieben 1982 bis 1986)
Die Geschichte von zwei Jugendlichen aus Azrou ist eine Art Fortsetzung von Messauda. Der Ich-Erzähler und sein Freund Rahu, an den der Roman wie ein Brief gerichtet ist, verlassen in ihrer Jugend die Heimat und gehen unterschiedliche Wege. Rahu wird Lehrer und studiert in Frankreich, der Ich-Erzähler lässt sich schließlich, wie der Autor, in Kenitra nieder. Nach mehr als zehn Jahren Abwesenheit besucht er Azrou und sieht die Stadt seiner Kindheit und Jugend mit anderen Augen.

Sonne der Finsternis. Roman. Aus dem Französischen von Stephan Egghart (Le soleil des obscurs. Paris: Éditions du Seuil 1992). Mainz: Donata Kinzelbach 1995

Für den Roman erhielt Serhane 1993 den Prix Français du Monde arabe.
In einem namenlosen Dorf werden der fünfzehnjährige Soltan und die dreizehnjährige Mina auf Wunsch ihrer Eltern getraut. Niemand hält es für notwendig, Braut und Bräutigam um ihre Zustimmung zu fragen, und die Katastrophe beginnt schon in der Hochzeitsnacht. Zur Bezahlung der standesgemäßen Feierlichkeiten wurden Äcker verkauft, der Regen bleibt aus, der junge Mann begibt sich in die Arbeitsemigration in die nächste größere Stadt und lässt seine Frau in der Obhut seiner Eltern im Dorf zurück. Sie gerät in die Fänge von Aouicha, die ihrerseits in ihrer Jugend von Minas Schwiegervater verlassen worden war und inzwischen zur Bordellmutter wurde. Unter dem Vorwand, Mina von der Menstruation zu heilen, die sie für eine vom Teufel geschickte Krankheit hält, verkauft Aouicha sie an die Kunden ihres Bordells, und am Ende muss Soltan erfahren, dass er nicht der Vater seiner Kinderschar ist, denn er ist zeugungsunfähig. Er verfällt in Wahnsinn und kehrt in sein Dorf zurück.

Royal Flush der Verstossenen. Roman. Aus dem Französischen von Stephan Egghart (Le Deuil des chiens. Paris: Éditions du Seuil 1998). Mainz: Donata Kinzelbach 1999

Vier Schwestern werden von Vater und Stiefmutter aus dem Haus gejagt. Die eine landet in Fes auf der Polizeistation, die andere in Marrakesch in einer homosexuellen Orgie, die dritte in Tanger inmitten der Geschichte eines Märchenerzählers. Zehn Jahre später kehren sie ins Dorf zurück. Es ist der Todestag des Vaters, sie nehmen Rache an seinem Leichnam und schleudern ihm ihren Hass entgegen.

Abdelhak Serhane
 

LITERATEN A-Z
 
Abdelhak Serhane