Über Menschen. Eine Marginalie zur Sprachentwicklung

Wie das Betroffenheitsgetue bei Kriegen und Katastrophen den Bedeutungsinhalt eines unschuldigen Wortes strapaziert.

Der TMB-Kommentar erschien am 29. 11. 2016 in der Wiener Zeitung.

Niemandem mit halbwegs aufmerksamer Mediennutzung und halbwegs entwickeltem Sprachgefühl kann entgangen sein, dass in letzter Zeit das Wort Mensch gehäuft in Kontexten auftaucht, in denen es linguistisch betrachtet nichts zu suchen hat, weil es präzisere Begriffe gäbe. Beispiele, wahllos herausgegriffen: „Seit Langem warten die Menschen in Syrien auf eine Pause der Kämpfe.“ Oder: „Die Menschen des Dorfes konnten alle gerettet werden.“ Oder: Die Menschen müssen sich weiter gedulden, bis die Hilfskräfte zu ihnen durchkommen.“

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Muslimhass darf bei uns keinen Platz haben

TMB-Kommentar zu Judenhass darf bei uns keinen Platz haben in Die Presse vom 21. 11.

Die islamfeindlichen (um nicht zu sagen islamophoben) Positionen von Gudula Walterskirchen sind seit Langem bekannt, dennoch bietet ihr „Die Presse“ immer wieder eine Plattform sie zu verbreiten Dies macht die Zeitung für Personen, die Menschen nicht aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit schon einmal vorauseilend vorverurteilen, zunehmend unattraktiv. → →

Islam hat eine schlechte Presse

Der TMB-Kommentar ist am 2. Juni 2016 in Die Furche erschienen.

Unterzieht man die Schlagzeilen der letzten Zeit in Google News einer Wortanalyse, dominieren beim Thema Islam die Substantive Gewalt, Terror, Krieg, Delikte, Überwachung, Dschihadismus, Islamismus, Hetze, Anti-Islam, Verfassungsschutz, die Adjektive radikal, bedrohlich, nicht kontrollierbar, die Verben warnen, verschärfen, beschimpfen, fordern, gehört zu, gehört nicht zu. → →

Was ist ein Kulturkreis?

Der TMB-Kommentar erschien am 3. 5. 2016 in der Wiener Zeitung.

Je mehr sich Europa nach außen abschottet, desto öfter stolpern Leser über Formulierungen wie „fremde Kulturkreise“ oder „andere Kulturkreise“. Eine Klarstellung.

Wenig überraschend müssen Kulturkreise besonders dann herhalten, wenn Unterschiede zwischen Menschen zementiert und bestimmte Gruppen ausgegrenzt werden.

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Was im Mittleren Osten passiert, ist kein Religionskrieg.

Der Text ist erschienen in Die Furche, 3. 3. 2016, S. 14.

Die Konflikte und Kriege, die derzeit im Mittleren Osten, im Jemen, in Libyen toben, werden gerne als Religionskriege vereinfacht, besonders in kleinformatigen Blättern und sozialen Netzwerken.

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