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Frühe Planungen (1844-1898)

Wien gilt als die Stadt mit den meisten U-Bahn-Planungen der Welt. Die ersten Pläne, ein vom Straßenverkehr getrenntes Verkehrsmittel zu errichten, gehen bis ins Jahr 1844 zurück, als der Ingenieur Heinrich Sichrowsky um eine Konzession zur Errichtung einer "atmosphärischen Eisenbahn" vom Lobkowitzplatz durch einen Tunnel unter dem Glacis zum Wienfluss und dort weiter bis Hütteldorf ansucht. Sichrowkys Pläne scheiterten jedoch, weil niemand bereit war, in seine Aktiengesellschaft Geld zu investieren. Es sollte noch fast fünfzig Jahre dauern, bis mit dem Bau eines städtischen Eisenbahnsystems begonnen werden würde.

Sichrowskys Projekt blieb aber nicht das einzige — zwischen 1845 und 1873 wurden nicht weniger als 25 Stadtbahnprojekte vorgelegt, darunter auch eines von Carl Ritter von Ghega, dem Erbauer der Semmeringbahn. Von seinen Projekten wird jedoch nur die Verbindungsbahn gebaut, die heute ein Teil der Schnellbahn-Stammstrecke ist.

1881 wurde schließlich das bis dahin 30. Projekt, eingereicht von den englischen Ingenieuren Bunton und Fogerty, genehmigt. Geplant war eine Streckenführung zum Teil als Hochbahn auf Eisenviadukten, zum Teil als Tiefbahn in Tunnels und offenen Einschnitten.

Nur einige Monate, nachdem Fogerty die Konzession erhalten hatte, trat die Firma Siemens & Halske mit dem Projekt einer "electrischen Sekundärbahn" auf den Plan, einer elektrischen Kleinprofil-U-Bahn mit drei Linien, die zum ersten Mal eine Untertunnelung der Wiener Innenstadt vorsah. Auf Betreiben des späteren Bürgermeisters Dr. Karl Lueger, der diese Bahn als "Spielerei" bezeichnete, wurde das Projekt abgelehnt. In London hatten Siemens & Halske mehr Glück: dort war die Firma an der Errichtung der City & South London Railway (heute Teil der Northern Line), der 1890 eröffneten ersten elektrischen U-Bahn der Welt, federführend beteiligt.

Da sich der Bau des Fogerty-Projektes weiter verzögerte, wurde er vertragsbrüchig und seine Konzession im Jahr 1886 für erloschen erklärt. Daraufhin reichten wiederum eine Vielzahl privater Unternehmer Projekte ein, die jedoch entweder als zu aufwändig abgelehnt wurden oder daran scheiterten, dass die zu hinterlegende Kaution nicht fristgerecht erbracht wurde.

Nachdem bis 1890 alle privaten Projekte gescheitert waren, ergriffen schließlich in diesem Jahr der Staat und die Stadt Wien selbst die Initiative zur Errichtung einer Stadtbahn.