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Der blaue Fleck auf der Mariahilfer Straße

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Summary for English readers: An ambitious project, turning Vienna's main shopping street into a pedestrian zone, is about to fail because the current "test phase" is designed so poorly that it violates just about all principles of shared space and pedestrian zones.

Der Bürgermeister von Vorderholzing, einem imaginären Ort in der Nähe von Schilda, hatte eine Idee: Er wollte einen Badeteich bauen lassen, wusste aber nicht so recht, was die Bevölkerung davon halten würde. Also ließ er, bevor er die Bagger bestellte, in der Größe des geplanten Teichs blaue Farbe auf die Wiese leeren und lud die Bewohner ein, den neuen Teich zu testen. Ein paar Leute stellten auch ihre Liegestühle am Ufer des blauen Flecks auf oder breiteten ihre Picknickdecken aus, aber es wollte keine richtige Badestimmung aufkommen.  Der Bootsverleiher fand es zu mühsam, die Boote händisch über den blauen Fleck zu ziehen und gab nach zwei Tagen entnervt auf, auch weil dauernd Kinder mitten auf dem blauen Fleck herumliefen und ihn irritierten. Als dann die blaue Farbe auch noch Wildschweine anlockte und diese die Gegend unsicher machten, wurde die blaue Farbe wieder von der Wiese entfernt und das Projekt Badeteich abgesagt.

Wer diese Geschichte absurd findet, sollte bedenken, dass dasselbe momentan auf der Mariahilfer Straße geschieht. Auch dort wird eine irreale Situation simuliert, und ebenso wenig wie ein blauer Fleck auf einer Wiese ein Badeteich ist, ist eine zweispurige Straße mit ein paar Schildern und Bodenmarkierungen eine Fußgänger- oder Begegnungszone. Sämtliche Probleme, die derzeit in der Mariahilfer Straße auftreten und die zu Recht kritisiert werden, sind allein dadurch begründet, dass keinerlei bauliche Maßnahmen getroffen wurden, um aus einer für den Autoverkehr konzipierten Straße eine taugliche Fußgänger- und Begegnungszone zu machen.

Happy?

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Germanwings calls this a "Happy Picnic". It didn't make me particularly happy. It also didn't include any kind of toy. Nor was there any meadow or even lawn nearby. The bread was kind of stale. The passengers who had forgotten to print out the letter-sized voucher didn't get one.

Unfähige Packl-Schupfer

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Summary for English readers: How an order from the Apple Store turned into an odyssey of Kafkaesque proportions, in which the carrier, UPS, ultimately refused to give any information about the whereabouts of my parcel.
Es folgt ein Exkurs in die wundersame Welt der Paketdienste. Wobei das einzige Wunder darin besteht, dass diese Firmen nicht schon längst Pleite gegangen sind. Denn mit Ausnahme eines einzigen zuverlässigen Dienstes habe ich von diesen bisher mehr Pakete nicht erhalten als erhalten; in der Regel wurden sie als "unzustellbar" oder "Empfänger unbekannt" einfach zurückgeschickt. Ein Kollege in der Poststelle unserer Bibliothek hat einmal von bis zu 25% falsch oder nicht zugestellten Paketen von Paketdiensten gesprochen (im Gegensatz zu unter 1% bei der Post).

Spitzenreiter meines Paketdienst-Hasses war bisher DHL, deren Pakete ich grundsätzlich nur bekomme, wenn ich das Online-Tracking quasi im Minutentakt verfolge, und selbst dann sollte ich am besten vor der Haustüre auf den Lieferanten warten.

Nun hat UPS, von einer Kollegin liebevoll "Unfähige Packl-Schupfer" genannt, in die erste Reihe aufgeschlossen.

Ich habe etwas vom Apple Store bestellt. Das tut man manchmal, besonders, wenn es ein extrem günstiges Sonderangebot für Uni-Mitarbeiter gibt. Aus praktischen Gründen gab ich als Lieferadresse die Bibliothek an. Bei bisherigen Apple Store-Bestellungen gab es da auch noch nie Probleme.

Anfangs sah alles noch sehr gut aus, denn nach ein paar Tagen (am 16.3.) erhielt ich ein Mail, dass das Paket nun versendet worden sei. Dann geschah mal länger nichts.

Am 18.3. sah ich im Online-Tracking von UPS nach, wo das Paket ist und stellte fest, dass es in Wien angekommen war. Ich erwartete die Lieferung also nach dem Wochenende.

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Am 21.3. passierte nichts.

Am 22.3. sah ich nochmal nach, ob das Paket schon in Auslieferung sei, aber da hatte sich nichts verändert. Allerdings fiel mir auf, dass ich bei der Bestellung aus Versehen eine falsche Postleitzahl angegeben hatte.

Erstes Telefongespräch mit UPS am 22.3.: Die Dame am Apparat versichert mir, dass das Paket noch in Wien im Lager sei und es problemlos möglich ist, die Postleitzahl zu ändern. Allerdings könne sie das nicht tun, ich müsste dazu bei Apple anrufen. Mit der Lieferung sei dann am 23.3. zu rechnen.

Telefongespräch mit Apple am 22.3.: Ein freundlicher Mitarbeiter ändert die Postleitzahl und verspricht, dies an UPS weiterzuleiten. Er gibt mir seine persönlichen Kontaktinformationen, falls noch ein Problem auftreten sollte.

Am 23.3. erschien im Online-Tracking-System von UPS der Hinweis, dass meine Postleitzahländerung vorgenommen worden war und ein neuer Liefertermin stattfinden würde. 

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Am 23.3. gegen Mittag tauchte ein UPS-Lieferant in der Bibliothek auf, während ich gerade in einer Besprechung war. Dieser hatte allerdings kein Paket bei sich, sondern nur einen Zettel. Er redete auf die anwesenden Mitarbeiterinnen ein, er hätte das Paket zwei Tage zuvor (am 21.) hier abgeliefert und wollte jetzt dafür eine Unterschrift auf dem Zettel haben. Da er darauf bestand, eine Unterschrift ohne Ware zu bekommen, verständigten die Mitarbeiterinnen mich. Ich bestätigte, dass ich kein Paket erhalten hatte, der UPS-Lieferant wurde kleinlauter und verschwand. 

Da die Dame von UPS am Tag zuvor noch versichert hatte, dass das Paket noch nicht zugestellt war und auch kein Zustellversuch im Online-Tracking erschien, kam mir das alles sehr merkwürdig vor.

Daher zweiter Anruf bei UPS, unmittelbar nachdem der Lieferant verschwunden war: Die Dame von UPS teilte mir mit, dass das Paket am 21.3. nicht zugestellt worden war und am 22.3. eine Adressänderung durchgeführt worden war. Das Paket müsste derzeit in Auslieferung sein. Auf meine Bedenken bezüglich des Lieferanten, der Mitarbeiterinnen zu einer Unterschrift nötigen wollte, ging sie nicht ein, fragte lediglich, ob der Mann eine braune Uniform getragen hätte. Hatte er. Sie sagte dann etwas in der Art von "Das kommt vor."

Am 24.3. Vormittag kam kein Paket. Am Nachmittag erschien dann im Online-Tracking folgende Meldung:

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Besonders die Worte "Verlorener Nachforschungsauftrag" beunruhigten mich etwas.

Daher dritter Anruf bei UPS, am 24.3., und nun wird die Sache vollends absurd: 

  • Ich frage, was die Meldung bedeute. 
    Die UPS-Dame wirkt ungehalten und sagt, Apple habe einen Nachforschungsantrag gestellt, da das Paket noch nicht zugestellt worden ist. 

  • Ich frage, was "Verloren" in diesem Zusammenhang bedeute.
    Die UPS-Dame wird noch eine Spur unfreundlicher und meint, sie könne mir das nicht sagen. 

  • Ich frage, ob das Paket noch bei UPS sei und wann ich es geliefert bekomme.
    Sie sagt, ich müsse bei Apple anrufen, um eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

Lassen wir uns das bitte auf der Zunge zergehen: ein Lieferant, der nach allen Hinweisen (und auch nach eigener Aussage) noch in Besitz eines Stücks Frachtgut ist, schickt mich ernsthaft zum Absender des Pakets, weil er selbst nicht fähig (oder willens) ist, mir eine Auskunft zu geben.

Letzte Aktion von mir, heute vormittag: ich schickte ein E-Mail an den Apple-Mitarbeiter, der mir seine Kontaktinformationen gesendet hatte. Weniger als 20 Minuten später hatte ich eine Antwort. Er entschuldigte sich für das Problem, konnte mir aber logischerweise natürlich nicht sagen, wo das Paket gerade ist. Apple werde ein Ermittlungsverfahren einleiten; nach 72 Stunden sollte ich eine Antwort erhalten. UPS müsse den Artikel in dieser Zeit finden oder ersetzen.

Irgendwie ist es absurd, einen absolut professionellen und freundlichen Service (Apple) Seite an Seite mit einem derart inkompetenten und im letzten Telefongespräch auch sehr unfreundlichen Lieferanten (UPS) zu sehen. Ich werde berichten, wie die Sache weitergegangen ist.

40 years of metro construction

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karlsplatz.jpgVienna Transport is currently celebrating 40 years of construction work for the new metro system. Construction work started on November 3rd, 1969 with the excavations for the station at Karlsplatz (pictured left).

It's something of an ambivalent anniversary. First of all, before the new metro, the old metro had been in service since 1898; in fact two of the "new" metro lines are in fact nothing but converted old metro lines. Second, while there is no doubt that the first two stages of the new metro system brought significant improvements in public transport, the new metro is also responsible for the drastic degradation of the tramway network on the surface.

Eine Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien

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Summary for English readers: Ernst Lassbacher has published a new book, which traces the history of public transport in Vienna. It is, above all, a history in frustration. In minute detail, Lassbacher tells the story of projects that never materialized, of political interventions that stopped or changed important developments and of millions of money invested into projects with little or no use for the passengers.
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Ernst Lassbacher, ein langjähriger Kenner der Wiener Verkehrspolitik und Mitarbeiter der Fachpublikation Eisenbahn Österreich hat ein neues Buch veröffentlicht: auf knapp 300 Seiten zieht er ein Resümee über die Geschichte des öffentlichen Verkehrs seit dem ersten Pferdestellwagen im Jahr 1744 bis zum heutigen Tag. Sein Interesse gilt dabei vor allem den Hintergründen -- wie die Politik Einfluss nahm und welche Interessen von Unternehmen zu welchen Entwicklungen geführt haben.

In diesem Sinne ist das Buch ein unglaublich frustrierendes Werk, wird doch minutiös geschildert, was alles aus diversen Gründen -- allem voran politisches Kalkül -- verhindert, verzögert oder zum Nachteil verändert wurde.

Wussten Sie beispielsweise, dass die Straßenbahn heute kaum schneller als vor 80 Jahren ist, obwohl die Züge theoretisch die doppelte Geschwindigkeit erreichen könnten?

Öffentlicher Verkehr als Opfer von Politik und Investoren

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Summary for English readers:

More about the extension of tramway line 71 in Vienna, which is blocked by district politicians. The most likely reason for this is that they want to distract from the fact that the line will be partly closed as soon as a planned subway extension is scheduled to open.

Vor einiger Zeit habe ich darüber berichtet, wie die SPÖ Simmering die Pläne der Wiener Linien torpediert, die Straßenbahnlinie 71 zur Börse zu verlängern, und wie damit täglich tausende Bewohner des 3. und 11. Bezirks gezwungen werden, sinnloserweise am Schwarzenbergplatz umsteigen zu müssen und dadurch 5-10 Minuten länger als notwendig unterwegs sind.

Inzwischen war die Geschichte erneut in der Zeitung; statt die Bezirksidentität ("Rettet den 71er") zu verteidigen, stürzt man sich auf das einzig übrig gebliebene Argument, "Nachteile für die Bewohner" durch angeblich längere Intervalle im Falle einer Verlängerung.

Dass diese nur während der Hauptverkehrszeit verlängert werden sollten (um 2 Minuten, also weniger als die Zeit, die beim Umsteigen verloren geht), und dass es von Seiten der Wiener Linien Ersatzangebote gegeben hat, die im Falle der 71er-Verlängerung den Bewohnern des Leberbergs sogar dichtere Intervalle als derzeit geboten hätte, wird natürlich verschwiegen.

Die SPÖ Simmering will die Verlängerung ganz einfach nicht.

Man fragt sich nach den Gründen dafür, und nach reiflicher Betrachtung der geplanten Verkehrsprojekte im 3. Bezirk scheint es diese auch zu geben:

Professionelles Kundenvertreiben

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Summary for English readers:

Angela Lehner wrote a blog post on her frustration with the Austrian railways and asks if bad service is a matter of spitefulness or incompetence. I say it's neither. If the Austrian railways' service standard is getting lower and lower, it seems to be happening on purpose.

Angela Lehner schreibt in ihrem Blog unter dem Titel "Kundenvertreibung" über ein ärgerliches, aber keineswegs unrepräsentatives Erlebnis mit der Österreichischen Bundesbahn und schreibt dort unter anderem:

Immer wieder erscheint es mir, dass die öffentlichen Verkehrsmittel alles geben um die Kunden zu vertreiben. Und das ist um den Werbeknecht in der Presse zu zitieren. entweder Unfähigkeit oder Gehässigkeit gegenüber ihrer Nutzer.

Nein, das ist weder Unfähigkeit noch Gehässigkeit. Das ist Absicht.

Bürgernähe am Beispiel der Straßenbahn

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Summary for English readers:

District politicians in Vienna are forcing local residents to waste time waiting for tramways by opposing a sensible tramway extension with obscure arguments, and they are not ashamed to claim that they are doing it in the people's best interests.

Es war vor einem Jahr. Da beschlossen die Wiener Linien völlig unerwartet, ihren Fahrgästen etwas Gutes zu tun und die Straßenbahnlinien am Ring neu zu organisieren. Durch Zusammenlegung und Verlängerung von mehreren Linien sollten lästige Umsteigezwänge wegfallen und Fahrzeiten deutlich verkürzt werden. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wurden von den vier geplanten Linien nur zwei umgesetzt, die Umbenennung der Linie D in 3 und die Verlängerung der Linie 71 mit gleichzeitiger Umbenennung in 4 sollte im April dieses Jahres stattfinden.

Die Umstellung der Linien 1 und 2 war ein voller Erfolg: die Fahrgastzahlen stiegen derart, dass es zeitweise zu Überlastungen kam. Den Linien 3 und 4 geht es hingegen nicht so gut.

Beide siond nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Im 9. und 19. Bezirk sammelte die ÖVP eifrig Unterschriften gegen die Umbenennung der Linie D (weil das ja auch wirllich brennend wichtig ist). Soll sein, wenn sie dann besser schlafen können, denn eigentlich ist es ziemlich egal, ob die Linie D nun D oder 3 heißt. Was sich hingegen die SPÖ Simmering rund um das Nichtzustandekommen der Linie 4 geleistet hat, ist ein Fiasko, und ein gutes Beispiel, was Politiker unter Bürgernähe verstehen und wie weit diese von den Bürgern entfernt ist.

Rote Ampeln

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Summary for English readers: I respond to a blog entry by Green Party politician Christoph Chorherr, who essentially states that by ignoring red traffic lights, cyclists show that they are more human than car drivers. So would ignoring red traffic lights also make car drivers more human? I argue that no one can be human inside an inhuman system like car-based traffic. Breaking the rules of a fundamentally flawed system does not change the system; one needs to change the system, and then certain rules will no longer be necessary.

Grünpolitiker Christoph Chorherr schreibt einen Artikel über Radfahrer und rote Ampeln, und im Eifer des sehr emotionalen Gefechts übersieht er, dass er zum Teil ziemlich eigenartige Dinge von sich gibt.

Ausgangspunkt war wohl die immer wieder gehörte Beschwerde, dass Radfahrer rote Ampeln einfach ignorieren. Chorherr führt nun aus, dass Einbahnen, Stoppschilder und Ampeln der menschlichen Natur grundsätzich widersprechen, was ja auch richtig ist:

Es ist ... erstaunlich, wie es auch grossen Menschenmassen, in Fussgängerzonen, auf Flug- oder Bahnhöfen, geradezu spielerisch gelingt sich individuell zu bewegen, auszuweichen, sich einzuordnen, ohne dass dafür technische Hilfsmittel notwendig wären. ... Auch wenn in Venedig in den Sommermonaten sich Abertausende bewegen, zurecht ist noch niemand auf die Idee gekommen, Einbahnen einzuführen oder Ampeln zu errichten. ... Wo der homo sapiens sapiens lebt, haben Ampeln, Einbahnen und Stopschilder nichts verloren.
Chorherr hat auch recht, wenn er sagt, dass sich duch regelmäßiges Verwenden von Autos Persönlichkeit und Verhaltensweisen von Menschen radikal verändern und diese quasi zu einer Spezies "Homo autofahriensis" mit hohem Aggresionspotenzial und hoher Risikobereitschaft mutieren. So weit, so richtig. Doch dann verliert Chorherr den Überblick über seine Argumentation und verbreitet, gelinde gesagt, Blödsinn.

Bicycle in the office

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There is a bicycle in my office, and it's confusing the hell out of other people. They are asking things like "What is this?" and I say "It's a bicycle." Or they are asking "How did this bicycle get in here?" and I tell them, "I carried it upstairs." And even though I am answering their questions truthfully, they don't seem to be content with my answers.

I agree that not everybody has a bicycle in their office. In fact, few do. On the other hand, what's so strange about a bicycle in the office?