Haben die Grünen in Neubau wegen der Mariahilfer Straße Stimmen verloren?

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Nein. Viel schwerwiegender dürften das erstmalige Antreten der Neos und die steigenden Mietpreise im Bezirk sein.

Arithmetisch gesehen scheint es so auszusehen, als ob die 4,4% Stimmenverluste der Grünen vor allem zu den Neos gegangen sind, die die deutlichsten Zugewinne aller Parteien hat, nämlich über 8%.

In absoluten Zahlen haben die Grünen allerdings in Neubau keine Stimmen verloren, sondern 419 Stimmen dazu gewonnen; da allerdings über 2600 Stimmen mehr im Bezirk abgegeben wurde als bei der letzten Wahl, kommt in Prozentzahlen ein Minus heraus. Die grünen Stimmen wurden also gehalten, nur der Stimmanteil nicht. Die Neos haben hingegen von null über 1400 Stimmen erreicht.

SPÖ und FPÖ haben ebenso dazugewonnen, nämlich 537 bzw. 776 Stimmen. Wirklich Stimmen verloren hat nur die ÖVP (-281).

Hatte die Mariahilfer Straße eine Auswirkung auf den Verlust der Stimmanteile der Grünen? Wohl kaum, da die Gegner des Umbaus (ÖVP, FPÖ) nur 495 Stimmen dazugewonnen haben, die Befürworter (Grüne, SPÖ, Neos) hingegen 2366. Die Mariahilfer Straße scheidet als wahlentscheidende Ursache somit aus.

Die Ursache, warum die Grünen Stimmanteile verloren haben, lässt sich eher auf zwei Ursachen zurückführen: erstens dürften viele bürgerliche Liberale bisher zähneknirschend grün gewählt haben, weil ihnen die ÖVP einfach zu katholisch oder zu starr war; diese Wähler haben jetzt mit den Neos eine passendere Partei.

Zweitens findet aufgrund der stark steigenden Mieten und Wohnungspreise im 7. Bezirk ein (sehr langsamer) Bevölkerungswandel statt: traditionelle Grünwähler (Studenten und Kreative) können sich das Wohnen im Bezirk nicht mehr so einfach leisten wie früher. Die 1568 seit der letzten Wahl neu in den Bezirk zugezogenen Wahlberechtigten (immerhin 6%) sind mit Durchschnittsmieten zwischen €14 und €19/m² (ohne Betriebskosten und MWSt) konfrontiert; man kann bei diesen also eine gewisse Schichtzugehörigkeit, die möglicherweise nicht traditionelles Grünwählertum ist, konstatieren. Auffällig ist auf jeden Fall, dass gerade die jüngeren Bewohner des Bezirks heute deutlich mehr Geld zu haben scheinen als noch vor 10 Jahren, und auch die Geschäfte und Lokale durchwegs ein kaufkräftigeres Publikum ansprechen, also eher Neos- als Grünwähler.

Die Mariahilfer Straße als Faktor für Stimmenanteilsverluste scheint dagegen mehr als nebensächlich.

Das beweist auch der Blick ins angrenzende Mariahilf, das von der Fußgängerzone und Verkehrsumorganisation ja genauso betroffen war:

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Hier haben die Grünen nicht nur über 1200 Stimmen, sondern auch 3,7% an Stimmanteilen dazubekommen, was absolut nicht so wirkt, als wären die Mariahilfer mit der Haltung der Grünen in Bezug auf die Mariahilfer Straße unzufrieden. Auch die mit viel medialem Donner begleitete Umleitung des 13A durch die Windmühlgasse scheint keine bezirksweiten Auswirkungen gehabt zu haben.

Zählt man die Stimmen von Neubau und Mariahilf zusammen, so hatten die Parteien, die für die Umgestaltung der Mariahilfer Straße waren, zusammen 74% der Stimmen, die Gegner 26%. Bei der Wahl 2010 waren diese Stimmen im Verhältnis 71%:29% verteilt. Auch diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass der Umbau der Mariahilfer Straße den Befürwortern nicht geschadet hat.

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