March 2011 Archives

Lobbyists

| No Comments | 328.38
One of many indicators of the sad state of Austrian politics: Conservative MEP Ernst Strasser is filmed by Sunday Times reporters accepting money for legislation:


Here's one of the resulting attempts at comic relief:


Still, nauseating sleaze and desperate humour aside, what's similarly disturbing is that Strasser would have gone free if he had acted as an Austrian MP instead of an an MEP. Contrary to EU law, Austrian law allows lobbyism in parliament, and accepting money for legislation is perfectly legal. I guess this explains several political decisions, and it turns politics into a farce that is losing the people's confidence with good reason.

Unfähige Packl-Schupfer

| 3 Comments | 388.044
Summary for English readers: How an order from the Apple Store turned into an odyssey of Kafkaesque proportions, in which the carrier, UPS, ultimately refused to give any information about the whereabouts of my parcel.
Es folgt ein Exkurs in die wundersame Welt der Paketdienste. Wobei das einzige Wunder darin besteht, dass diese Firmen nicht schon längst Pleite gegangen sind. Denn mit Ausnahme eines einzigen zuverlässigen Dienstes habe ich von diesen bisher mehr Pakete nicht erhalten als erhalten; in der Regel wurden sie als "unzustellbar" oder "Empfänger unbekannt" einfach zurückgeschickt. Ein Kollege in der Poststelle unserer Bibliothek hat einmal von bis zu 25% falsch oder nicht zugestellten Paketen von Paketdiensten gesprochen (im Gegensatz zu unter 1% bei der Post).

Spitzenreiter meines Paketdienst-Hasses war bisher DHL, deren Pakete ich grundsätzlich nur bekomme, wenn ich das Online-Tracking quasi im Minutentakt verfolge, und selbst dann sollte ich am besten vor der Haustüre auf den Lieferanten warten.

Nun hat UPS, von einer Kollegin liebevoll "Unfähige Packl-Schupfer" genannt, in die erste Reihe aufgeschlossen.

Ich habe etwas vom Apple Store bestellt. Das tut man manchmal, besonders, wenn es ein extrem günstiges Sonderangebot für Uni-Mitarbeiter gibt. Aus praktischen Gründen gab ich als Lieferadresse die Bibliothek an. Bei bisherigen Apple Store-Bestellungen gab es da auch noch nie Probleme.

Anfangs sah alles noch sehr gut aus, denn nach ein paar Tagen (am 16.3.) erhielt ich ein Mail, dass das Paket nun versendet worden sei. Dann geschah mal länger nichts.

Am 18.3. sah ich im Online-Tracking von UPS nach, wo das Paket ist und stellte fest, dass es in Wien angekommen war. Ich erwartete die Lieferung also nach dem Wochenende.

UPS_bild2.png

Am 21.3. passierte nichts.

Am 22.3. sah ich nochmal nach, ob das Paket schon in Auslieferung sei, aber da hatte sich nichts verändert. Allerdings fiel mir auf, dass ich bei der Bestellung aus Versehen eine falsche Postleitzahl angegeben hatte.

Erstes Telefongespräch mit UPS am 22.3.: Die Dame am Apparat versichert mir, dass das Paket noch in Wien im Lager sei und es problemlos möglich ist, die Postleitzahl zu ändern. Allerdings könne sie das nicht tun, ich müsste dazu bei Apple anrufen. Mit der Lieferung sei dann am 23.3. zu rechnen.

Telefongespräch mit Apple am 22.3.: Ein freundlicher Mitarbeiter ändert die Postleitzahl und verspricht, dies an UPS weiterzuleiten. Er gibt mir seine persönlichen Kontaktinformationen, falls noch ein Problem auftreten sollte.

Am 23.3. erschien im Online-Tracking-System von UPS der Hinweis, dass meine Postleitzahländerung vorgenommen worden war und ein neuer Liefertermin stattfinden würde. 

UPS_bild3.png

Am 23.3. gegen Mittag tauchte ein UPS-Lieferant in der Bibliothek auf, während ich gerade in einer Besprechung war. Dieser hatte allerdings kein Paket bei sich, sondern nur einen Zettel. Er redete auf die anwesenden Mitarbeiterinnen ein, er hätte das Paket zwei Tage zuvor (am 21.) hier abgeliefert und wollte jetzt dafür eine Unterschrift auf dem Zettel haben. Da er darauf bestand, eine Unterschrift ohne Ware zu bekommen, verständigten die Mitarbeiterinnen mich. Ich bestätigte, dass ich kein Paket erhalten hatte, der UPS-Lieferant wurde kleinlauter und verschwand. 

Da die Dame von UPS am Tag zuvor noch versichert hatte, dass das Paket noch nicht zugestellt war und auch kein Zustellversuch im Online-Tracking erschien, kam mir das alles sehr merkwürdig vor.

Daher zweiter Anruf bei UPS, unmittelbar nachdem der Lieferant verschwunden war: Die Dame von UPS teilte mir mit, dass das Paket am 21.3. nicht zugestellt worden war und am 22.3. eine Adressänderung durchgeführt worden war. Das Paket müsste derzeit in Auslieferung sein. Auf meine Bedenken bezüglich des Lieferanten, der Mitarbeiterinnen zu einer Unterschrift nötigen wollte, ging sie nicht ein, fragte lediglich, ob der Mann eine braune Uniform getragen hätte. Hatte er. Sie sagte dann etwas in der Art von "Das kommt vor."

Am 24.3. Vormittag kam kein Paket. Am Nachmittag erschien dann im Online-Tracking folgende Meldung:

UPS_bild4.png

Besonders die Worte "Verlorener Nachforschungsauftrag" beunruhigten mich etwas.

Daher dritter Anruf bei UPS, am 24.3., und nun wird die Sache vollends absurd: 

  • Ich frage, was die Meldung bedeute. 
    Die UPS-Dame wirkt ungehalten und sagt, Apple habe einen Nachforschungsantrag gestellt, da das Paket noch nicht zugestellt worden ist. 

  • Ich frage, was "Verloren" in diesem Zusammenhang bedeute.
    Die UPS-Dame wird noch eine Spur unfreundlicher und meint, sie könne mir das nicht sagen. 

  • Ich frage, ob das Paket noch bei UPS sei und wann ich es geliefert bekomme.
    Sie sagt, ich müsse bei Apple anrufen, um eine Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

Lassen wir uns das bitte auf der Zunge zergehen: ein Lieferant, der nach allen Hinweisen (und auch nach eigener Aussage) noch in Besitz eines Stücks Frachtgut ist, schickt mich ernsthaft zum Absender des Pakets, weil er selbst nicht fähig (oder willens) ist, mir eine Auskunft zu geben.

Letzte Aktion von mir, heute vormittag: ich schickte ein E-Mail an den Apple-Mitarbeiter, der mir seine Kontaktinformationen gesendet hatte. Weniger als 20 Minuten später hatte ich eine Antwort. Er entschuldigte sich für das Problem, konnte mir aber logischerweise natürlich nicht sagen, wo das Paket gerade ist. Apple werde ein Ermittlungsverfahren einleiten; nach 72 Stunden sollte ich eine Antwort erhalten. UPS müsse den Artikel in dieser Zeit finden oder ersetzen.

Irgendwie ist es absurd, einen absolut professionellen und freundlichen Service (Apple) Seite an Seite mit einem derart inkompetenten und im letzten Telefongespräch auch sehr unfreundlichen Lieferanten (UPS) zu sehen. Ich werde berichten, wie die Sache weitergegangen ist.

Full circle

| 1 Comment | 621.3893
gramophone-phone.jpgI couldn't help but notice that in the history of recorded sound, we seem to have come full circle.

About 100 years ago, there was the gramophone, which was revolutionary in that it could reproduce sound, but which wasn't fully convincing in terms of sound quality. Thanks to advances in technology, electricity and electronic amplification, the technology evolved towards high fidelity sound, a reproduction as close to the original performance as possible.

Then, briefly after the turn of the century, digital sound formats and compression were used to fit the music on portable players. Hi-fi enthusiasts complained about the poorer sound quality, while most people, as studies have shown, actually prefer the poorer sound of MP3 to a more natural sound, apparently because it requires less processing power in the listener's brain.

The rise of YouTube and other online streaming platforms on the Internet as young people's preferred source for music, despite the fact that their sound quality is significantly poorer than MP3s, seems to indicate that sound quality indeed does not matter to most listeners.

However, the step down from hi-fi to MP3 to heavily compressed streaming audio is a small one considering how most youngsters seem to prefer to listen to this kind of music: over the external speaker of their mobile phone. The sound coming from these tiny speakers is remarkably similar to the squeaky noise that came out of gramophones 100 years ago. It seems that we're back where we started, at the minimum requirements for recorded sound.

Unser täglich Gift

| No Comments | 344.04633
Summary for English readers: The TV station ARTE recently broadcast a documentary on food additives, pesticides and chemical residue in our food. It suggests that the authorities are acting in the interests of the chemical industry rather than the citizens, and that illnesses such as Parkinson, Alzheimer's, diabetes and immune system deficiencies can be traced back to our food. The video (in German) can be watched here for the next 7 days or so.

ARTE hat kürzlich eine Dokumentation von Marie Monique Robin gesendet, in der diese Nahrungsmittelzusätzen und den entsprechenden Genehmigungsverfahren auf die Spur geht. Parkinson, Alzheimer, Immunschwächekrankheiten sowie Diabetes und Fortpflanzungsstörungen nehmen seit 30 Jahren in unserem Teil der Welt stetig zu, während Länder ohne industrielle Nahrungsmittelerzeugung davon quasi verschont sind. Die erlaubten Tagesdosen von Pestiziden und Farbstoffen sind quasi willkürlich festgelegt, die Studien, die deren Harmlosigkeit beweisen, fast durchgehend von den Chemiekonzernen finanziert, die diese Produkte herstellen. Der Süßstoff Aspartam ist aufgrund der selben Studie heute zugelassen, aufgrund der er bis 1987 verboten war.

Das Video kann derzeit hier in voller Länge angesehen werden (gilt voraussichtlich 7 Tage):


(Direktlink)

Blödes Orchester

| No Comments | 338.476838
Using over 200 electric kitchen appliances, the German artist and composer Michael Petermann has built a symphonic orchestra of sorts (the name means "stupid orchestra" due to the "musicians'" limited abilities), which is currently on display at the MKG Hamburg.

bloedes_orchest.jpg

The orchestra consists largely of design classics built between 1912 and 1975, including the Braun Aromaster, a coal-fuelled Miele washing machine from 1955, Sixtant razors from three decades and Goertz's famous Starmix mixers, all of which Petermann bought at flea markets and through ebay. For the exhibition, Petermann composed a 30-minute piece, which is relayed to the appliances through a midi interface. The result is a unique and very humourous  sonic experience, a 3-minute excerpt of which can be seen here:


Here's an interview with the composer (in German):


On display at the Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe until 30 April 2011.

Further information on the artist's website.