Der Dativ ist nicht dem Genitiv sein Tod

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Da gibt es einen Autor, der über Unsitten des deutschen Sprach(fehl)gebrauchs schreibt und, weil seine Bücher sogar recht unterhaltsam sind, einigermaßen gut daran verdienen dürfte. All die sprachlichen Irrwitze in seinen Büchern sind in der Tat sehr witzig, nur eine Kleinigkeit hat der gute Mann übersehen:

Der Titel seines Buches, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, ist falsch herum. Es hat nämlich im Laufe der Zeit der Genitiv den Dativ ersetzt, und nicht umgekehrt, und das ist auch der Grund, warum sich der Dativ in vielen regionalen Umgangssprachen so hartnäckig hält.

In anderen germanischen Sprachen hält sich diese Syntax sogar sehr beständig. Der so genannte "Saxon Genitive" im Englischen ist historisch gesehen und sehr streng genommen nämlich gar keiner.

Nehme ich nämlich einen Ausdruck wie

the baker's wife

und bedenke, dass ein Apostroph ein Auslassungszeichen für zwei oder mehr Buchstaben ist, so stellt sich die Frage, welche Buchstaben da eigentlich ausgelassen wurden. Die Antwort: Das 's ist ein Überbleibsel des Possessivpronomens his, ursprünglich sagte man also:

the baker his wife

Also übersetzt nichts anderes als: "Dem Bäcker seine Frau".

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Gestehe freimütig, das Buch nicht gelesen zu haben, dachte aber so in der Rezeption des Titels immer, das wäre nicht historisch gemeint, sondern normativ (Der verflucht vulgäre und falsche Dativ bringt den edlen und richtigen Genitiv um).

OK, und wie schaut es dann aus mit: "Wegen des starken Verkehrsaufkommens" vs. "Wegen dem starken Verkehrsaufkommen"?

@Horst: Ist kein Buch und auch kein Possessiv, aber doch ein Genitiv, oder nicht?

@catatonique: Würde ich auch so ähnlich sehen. Ein gewisses Maß an Hochkulturdünkel ist da immer dabei. Aber so sehr eine lebende Sprache sich dadurch auszeichnet, dass sie sich verändert, kann man manche Veränderungen durchaus anprangern. Und welche bessere Methode dazu gäbe es als den Spott?

For Horst - completely unrelated.
Today's Dilbert feels pretty close to my impression of Twitter so far.

http://www.dilbert.com/strips/comic/2009-11-24/

The discussion of German grammar is beyond the scope of my understanding of the German language, but there are different theories about how the apostrophe possessive came about in English; see:

http://tinyurl.com/yh597ky

Page 2, second paragraph is where the relevant part starts.

Also:

http://tinyurl.com/ykfhatw (but this is not so well researched)


Also on the subject of changes occurring in languages:
In English, we seem to be losing the past participles of irregular verbs. Thus, I hear every day, more and more, “should have came” “should have went” “should have did.” I hear this from college educated middle class people, and indeed, persons who would have said “should have done” a few years ago, I now hear saying “should have did.” So what gives? People say they never learned English grammar in school. I know that language is a growing, dynamic thing, but I think changes should come when new words come into the language when new things are invented or to represent new ideas, or when old words take on new meanings; and of course there will always be some words that become obsolete. But changes that come about because people never learned to speak their own language properly – that idea galls me. But maybe I should just go with the flow, and assume that in a few years we will have “do did did” (replacing “do did done”), “come came came” instead of “come came come”, “go went went” instead of “go went gone”, and so forth. Depressing.


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