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Vortrags- & Workshopreihe

 

Transformationen des Politischen
Aktuelle Beiträge im Spannungsfeld von Politischer Philosophie, Sozialphilosophie und Sprachphilosophie

Transformations of the Political Recent Research in the Interplay between Political Philosophy, Social Philosophy and Philosophy of Language

Konzeption & Organisation:
Gerald Posselt & Matthias Flatscher

 
   
Institut für Philosophie
 Universitätsstraße 7 (NIG)
1010 Wien
 
   

Mit Unterstützung der

 
   
   
   
   
   
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   


  

Abstracts

Workshop
Sprache, Politik und Gewalt
Möglichkeiten und Praxen sozialer Transformation bei Judith Butler

Freitag, 14. Juni 2013 | 09.30–17.00 Uhr | Hs 3A, NIG
 

Tatjana Schönwälder-Kuntze

Im Vortrag wird danach gefragt, welche Haltung PhilosophInnen seit Kant einnehmen, die kritisch philosophieren. Es wird gezeigt, dass die kritische Haltung nicht nur die Erkenntnistheorie, sondern insbesondere die praktische Dimension der Philosophie betrifft. Dies wird exemplarisch für Kant, Heidegger, Foucault und Butler skizziert.
 

Jakob Falkinger: Aufgeschobene Gewalt – Zum Verhältnis von sprachlicher und körperlicher Gewalt bei Judith Butler
In meinem Impulsreferat werde ich das Verhältnis von sprachlicher und körperlicher Gewalt bei Judith Butler, unter dem Aspekt der Handlungsfähigkeit thematisieren. Sprachliche Gewalt zielt auf den Körper, sie verleiht ihm Existenz, kann diese aber ebenso bedrohen. Vor allem aber eröffnet ein gewisser Bruch in ihrer zeitlichen Struktur die Möglichkeit zu handeln (vgl. "Hass spricht"). Ich möchte untersuchen, unter welchen Voraussetzungen ein ähnlicher Begriff von Handlungsfähigkeit (der seinerseits auch auf einen zeitlichen Aufschub aufbaut) in Bezug zu körperlicher Gewalt, die auf die Möglichkeit zu sprechen zielt (vgl. Hirsch, Levinas), bei Butler gedacht werden kann. In Anlehnung an ihre jüngsten Texte ("Bodies in Alliance and the Politics of the Street", "Unable to kill") sollte sich eine nähere Bestimmung des Zusammenhangs von Gewalt und Handlungsfähigkeit ergeben.


Ralf Gisinger: Judith Butlers ethische Öffnung des Politischen?
Ausgehend von der These, dass sich in Butlers früheren Werken das Problem stellt, wie sich Politik als die Umdeutung bzw. Resignifizierung von Normen denken lässt, ohne damit einfach andere Normen voraussetzen zu müssen (vgl. "Der Streit um Differenz"; "Frage der sozialen Veränderung"), entwickelt Butler meiner Ansicht nach vor allem von dieser Frage aus einen veränderten Verantwortungsbegriff (vgl. Schönwälder-Kuntze), der an der Schnittstelle zwischen Politik und Ethik eingesetzt, die Koordinaten dieses Verhältnisses zu verändern in der Lage ist. Zwar versucht Butler die kritische Geste der Destabilisierung und Infragestellung bestehender Kategorien, Normen etc. aufrechtzuerhalten (Politik), gleichzeitig schreibt sie ein ethisches Moment ein, welches sich an den Bedingungen von Gewaltlosigkeit und primordialer Verletzlichkeit orientiert. Einerseits umgeht sie so den Vorwurf, soziale Transformationen als bloß immanent-zirkuläre Umdeutungen zu bestimmen, andererseits versucht sie ethische Grundlegungen einer "klassischen" praktischen Philosophie zu vermeiden, die etwa von einem bereits konstituierten und abgeschlossenen Subjekt ausgeht.
 

Gerhard Thonhauser: Generalisierte Gefährdetheit und Sozialontologie der Körper
In meinem Impulsreferat möchte ich den Status der "generalized condition of precariousness" problematisieren, und zwar insbesondere im Ausgang von Butlers "Frames of War". Zunächst werde ich das Konzept der "Gefährdetheit" im Kontext der Thematik der "Anerkennbarkeit" einführen. Anschließend werde ich versuchen, die Verbindung der "Gefährdetheit" mit einem spezifischen Verständnis einer "Sozialontologie" der "Körper" anzudeuten.
 

Philip Waldner: Von der Anrufung zum Akt - Judith Butler und die (un-)möglichen Grenzen einer Politik des Performativen
Judith Butler nimmt in "Hass spricht" sowie in "Psyche der Macht" Althussers Motiv der ideologischen Anrufung auf, um die ursprüngliche Verletzbarkeit und Konstitution des Subjekts durch die sprachliche Anrede offenzulegen. Da die Anrufung ihr Ziel auch regelmäßig verfehlt und durch die rituelle Dimension immer auch scheitern kann, ergibt sich für Butler die Möglichkeit des Gegensprechens, der Resignifizierung und somit der politischen Handlungsfähigkeit. In meinem Vortrag werde ich die Frage stellen: Reicht das wirklich aus, oder geht diese Verortung des Politischen nicht weit genug? Aus einer psychoanalytisch motivierten Perspektive kann man einwenden, dass Butler das Potential sozialer Veränderbarkeit auf marginale Verschiebungen im Symbolischen beschränkt. Ich möchte daher eine Entgegnung mit Slavoj Zizek versuchen, die es uns vielleicht erlaubt, den politischen Akt auf radikalere Art zu denken.
 

Anna Wieder: Das Versprechen der Norm und ihre Drohung
Ich möchte in meinem Impulsreferat die performative Wirkweise von Normen bei Butler analysieren und ihre strukturelle Analogie zu den Sprechakten des Versprechens und der Drohung aufzeigen. In diesen beiden Sprechakten, so meine These, zeigt sich nicht nur die von Butler konstatierte Doppelstruktur der Norm (in Form von Normativität und Normalisierung), die performative Hervorbringung von Normen stützt sich auch auf dieselben Phantasmen wie das Versprechen bzw. die Drohung (indem sie Souveränität, Intentionalität, Kontinuität und Präsenz verspricht [vgl. Butler und Felman]). Normen und Versprechen/Drohung zeichnen sich somit nicht nur durch dieselben Dynamiken aus, sie sind auch derselben Anfälligkeit für Brüche unterworfen. Gerade diese Brüchigkeit ist es, die Versprechen/Drohungen und Normen ihre Beweglichkeit und Veränderbarkeit verschafft.
 

last updated 15.10.2013