KONZEPT
Christa Hämmerle, Ingrid Bauer, Gabriella Hauch (Wien, Salzburg, Linz)
Mit den Begriffen "Liebe" und "Widerstand" stellt diese Tagung zwei wichtige und nur scheinbar antagonistische Kategorien der neueren Geschichts- und Kulturwissenschaften ins Zentrum der Diskussion. Beide sind - meist getrennt voneinander - schon in viele Studien eingeflossen, doch nur selten wurden sie auch einer genaueren Reflexion unterzogen.
Unbestritten scheint heute, dass Liebe in den europäischen (Wissenschafts-)Kulturen seit der Aufklärung nachhaltig mit Frauen gleichgesetzt und zum zentralen Instrumentarium ihrer Unterdrückung durch patriarchale Ehe- und Familienverhältnisse wurde. Gerade die Beziehung feministischer Theoretikerinnen zum Thema heterosexueller Liebesbeziehungen und Sexualität ist deshalb - wie Edith Saurer im Kontext ihrer eigenen Forschungen zur Geschichte der Liebe konstatiert hat - bis heute eine schwierige, konfliktreiche geblieben. Gleichzeitig kann die Geschichte der Geschlechterbeziehungen ohne die Frage nach der Liebe - ihrer sozialen, kulturellen, geschlechtsspezifischen Bedeutungen und Thematisierungen - nicht geschrieben werden. Die Abschweifungen des forschenden Blicks auf gegenläufige, "freie" und "verbotene", "romantische" oder "utopische" Liebe im Spannungsverhältnis von Diskurs und Erfahrung, oder auf Liebesbeziehungen zwischen Frauen, zwischen Weißen und Schwarzen, Männern und Frauen befeindeter Nationen etc., bieten hier zwar einen produktiven Ausweg, verweisen aber letztlich gleichfalls auf die gesellschaftlichen Reglementierungen von Liebe.
Wie also verhält es sich mit "Liebe und Widerstand" oder auch mit "Liebe als Widerstand" und "Liebe oder Widerstand"? Welchen Normen und Praxen, welchen Möglichkeiten und Deutungen von Liebe begegnen wir in historischen Kontexten?