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Liebe und Widerstand Edith Saurer zum 60. Geburtstag |
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Angiolina Arru (Rom 1798) In meinem Beitrag werde ich einen Fall analysieren, der die Geschichte des Kirchentribunals in Rom am Ende des 18. Jahrhunderts betrifft. Dieses Gericht tagte unter dem Vorsitz des den Papst vertretenden Kardinals, seine Richter waren alle Geistliche. Seine Aufgabe war die Überwachung der Moral der Männer und Frauen in der Diözese, und damit der "Zucht und Ordnung" in den Familien. Entscheidend bei der Vorgehensweise der Richter ist ihre Bereitschaft, mit den vor Gericht stehenden Männern und Frauen zu verhandeln: Wer Verwandte und Freunde hat, die Verteidigungs- und Bittschriften schreiben und vorlegen, und wer insbesondere über die richtigen Beziehungen verfügt, um diese Gesuche zu unterstützen, der hat die Möglichkeit und die Macht, die Entscheidungen der Richter zu beeinflussen. Das System bietet damit all jenen eine große Verhandlungsmacht, die über entsprechende Kenntnisse und geeignete Beziehungsnetze verfügen, nicht nur gegenüber dem Gericht, sondern auch und vor allem gegenüber den Angeklagten oder bereits Verurteilten. Auf diese Weise ist es möglich, Familienkonflikte zu lösen und Ehefrauen oder -männer zum Gehorsam und zur Disziplin zu bewegen; damit kann auch - manchmal sogar maßgeblich - das Liebesverhalten beeinflusst werden. Ende des 18. Jahrhunderts, d.h. am Vorabend der französischen Besetzung des Kirchenstaats, wurde in Rom ein Richter ermordet, der dieser Praxis der Vermittlungen und Verteidigungsschriften weniger bereitwillig gegenüberstand. An seinem Fall lassen sich die Widersprüche des Rechtswesens im Italien des Ancien Régime besonders deutlich aufzeigen. Zu den von den Franzosen eingeführten Reformen gehörte die sofortige Abschaffung des Kirchetribunals, doch treten in der Folgezeit andere Inkohärenzen oder Widersprüche in den juristischen Bestimmungen zum Bereich Familie auf. Nachdem die Restauration den geistlichen Richtern die Tore wieder öffnete bzw. das Kirchentribunal wieder einführte, steigerte sich die Bedeutung und die Rolle der Unterhandlungen und des Fürsorgesystems für die Beziehungen zwischen Männern und Frauen noch. Dieses System hatte nicht nur im Kirchenstaat und nicht nur im Italien des Ancien Régime Auswirkungen auf gesellschaftliche Beziehungen oder Gemeinschaftsentwürfe. Birgitta Bader-Zaar "Why does the slave ever love?" Die Liebe in Selbstzeugnissen amerikanischer Sklavinnen Während die Problematik einer autonomen Lebensgestaltung amerikanischer
Sklaven und Sklavinnen in der Forschung besonders hervorgehoben worden
ist, ist der Aspekt der Liebe bisher nicht so gründlich untersucht
und theoretisch analysiert worden. In diesem Beitrag soll dem Thema Liebe
in von Sklavinnen verfassten bzw. diktierten Selbstzeugnissen nachgegangen
werden. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Die
institutionellen Bedingungen der Sklaverei beeinflussten Liebesbeziehungen
und Liebesdiskurse wesentlich. Die Eheschließung zwischen Sklaven
und Sklavinnen war meist gesetzlich verboten, der Sklavenhalter übte
die volle Gewalt über seine Sklavinnen und Sklaven aus, was die Bestimmung
der Partner durch den "Master" einschloß, aber auch die
volle Verfügung über den Körper der Sklavin, inklusive
sexueller Ausbeutung, und über die Kinder der Sklavin (der Status
der Sklaverei wurde über die Mutter vererbt, nicht über den
Vater). Monika Bernold Zur filmischen Repräsentation von Liebe und Widerstand Das filmische Bild hat die kollektiven Vorstellungen und Deutungen von
Liebe und von Widerstand im 20. Jahrhundert ganz massiv geprägt und
(mit) ausgestattet. Filmische Repräsentationen von Liebe und Widerstand,
verstanden als Geschichten über Frauen oder/und Männern im Spannungsfeld
von Ökonomie und Politik, sind ihrerseits zutiefst historisch bedingt.
Ich will daher das weite Feld von historiographischen Fragestellungen
und theoretischen Überlegungen zu >Film und Geschichte< als
Umgebung verstanden wissen, in die eine geschlechtergeschichtlich orientierte
Lektüre von ausgewählten Filmen einzutragen ist, die den Zusammenhang
von Liebe und Widerstand thematisieren. Sophia Boesch Gajano Abgesagt ! Franz X. Eder Die sexuelle Revolution - Liebe, Sex und Widerstand Das 'schmutzige' Geheimnis, das die Nachkriegsgeneration um die "Sexualität" und die politische Vergangenheit machte, bewegte junge Erwachsene seit Mitte der sechziger Jahre zu einer radikalen Ablösung von der Elternkultur. Sexuelle "Befreiung" bedeutete für die Jungen nicht nur einen Akt der Identitätsfindung, sondern auch ein politisches Votum gegen die Vätergeneration. Begleitet wurde ihre Suche durch eine rasante Sexualisierung des öffentlichen Raumes und einen noch nie da gewesenen medialen Sex-Boom. Mit der sprichwörtliche "Sexwelle", die die deutschsprachigen Länder überrollte, erfolgte jedoch auch eine neuerliche Regulierung der sexuellen Begierde und eine geschlechterspezifische Neudefinition von Liebesbeziehungen. Selbst wenn Liebe und Sex als die Zeichen des Widerstands verstanden wurden, mündete ihre gesellschaftliche Neudefinition nicht nur in einem Zugewinn an Freiheit, sondern auch in neuen Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen. Sandra Eder Lesbian Pulps Revisited: Die Konstruktion von Sexualitäten und Geschlechtern in populärer Literatur der USA, 1950 - 1962 Der öffentliche Diskurs über Sexualitäten und Geschlechter
in den 50er Jahren erscheint auf den ersten Blick überaus strukturiert
und hierarchisch organisiert, ausschließlich geführt von ExpertInnen.
Dem widersprechend argumentiere ich, dass in den 1950ern zum einen Sexualitäten
und Geschlechter nicht nur innerhalb der hierarchischen Struktur von Experten
und Subjekten diskutiert wurden, sondern auch außerhalb dieser und
auf teilweise interaktive Art und Weise verhandelt wurden. Weiters zeigen
diese Diskurse, obwohl von der Matrix der Zeit geprägt, die Existenz
einer anderen, teilweise subversiven Lesart von Sexualitäten und
Geschlechtern auf. Um mein Hypothese zu unterlegen, analysiere ich ein
spezielles Sub-Genre der Populärliteratur der Nachkriegsgesellschaft
der USA, das allgemein als Lesbian Pulps bezeichnet wird, und ich interpretiere
es als Teil des Diskurses von Sexualitäten und sexuellen Bedeutungen
der 50er Jahre. Lesbian Pulps waren erotische Schundliteratur, ökonomisch
sehr erfolgreich und profitabel. Sie wurden zu einer Zeit produziert,
in der sich die moral panics des Kalten Krieges nicht nur gegen politische
Dissidenten richteten, sondern auch gegen jene, die von der konstruierten
sexuellen Norm abwichen. Die Texte erscheinen, oberflächlich betrachtet,
als ein Teil des kulturellen und sozialen Prozesses der Moralität
und der Verdammung jeglicher Abweichung. Eine tiefere Lesart und Analyse
zeigt jedoch, dass diese Narrative gesellschaftliche Konzepte von Sexualitäten
und Geschlechtern diskutierten und in Frage stellten. Neben der Existenz
eines enormen Drucks gegen jede Art von politischer und sozialer Abweichung
gab es auch intensive Diskussionen über Sexualitäten und Normalität
sowie eine Neuverhandlung von Geschlechterrollen. Johanna Gehmacher Die Nation lieben. Metaphern und Allegorien in Diskursen um Nation und Nationalität Im 19. Jahrhundert festigten eine ganze Reihe von Nationen ihre Identität
über eine weibliche Allegorie - Marianne und Germania als Verkörperungen
von Frankreich und Deutschland sind nur die berühmtesten Beispiele.
Maurice Agulhon bezeichnet in seiner Auseinandersetzung mit der Figur
der Marianne die Allegorie als das (schöne aber schweigende) "Mannequin
der Abstraktion", das im Falle des nicht monarchisch repräsentierbaren
nachrevolutionären Frankreich mehr als in anderen Ländern die
libidinöse Besetzung der die Dienste ihrer (männlichen) Bürger
und Soldaten fordernden Republik erlaubte. Li Gerhalter gemeinsam mit Ulli Seiss Lesung aus der "Sammlung Frauennachlässe" Die von Edith Saurer initiierte "Sammlung
Frauennachlässe" entstand Anfang der 1990er Jahre. Den Ausgangspunkt
bildete die Erfahrung, dass private Dokumente von Frauen und über
weibliche Lebenszusammenhänge kaum systematisch archiviert wurden
und daher wissenschaftlich nur schwer zugänglich sind. Margarete Grandner gemeinsam mit Ulrike Harmat "Begrenzt verliebt". Gesetzliche Ehehindernisse und die Grenze zwischen Österreich und Ungarn Geschiedenen Katholiken war nach österreichischem Recht (bis 1938) eine Wiederverheiratung zu Lebzeiten des ersten Ehepartners unmöglich. Das Recht (genauer: das ABGB) setzte einer neuen Liebe also massiven Widerstand entgegen. Dieser Widerstand war allerdings - paradoxerweise - dadurch überwindbar, dass (wenigstens) einer der Partner der zweiten Ehe die Grenzen Österreichs in Richtung eines Staates hinter sich ließ, in dem es die Zivilehe gab. Bevorzugtes Ziel für Österreicher und Österreicherinnen war in diesem Sinne bis 1918 die "andere" Reichshälfte der Monarchie, Ungarn. Dabei entwickelte sich (zwischen 1894 und 1918) ein höchst merkwürdiges Ritual, das man fast als Identitätswechsel bezeichnen könnte. Um möglichst ohne Probleme eine neue Ehe schließen zu können, musste ein geschiedener österreichischer Katholik oder eine geschiedene österreichische Katholikin von einem ungarischen Staatsbürger adoptiert werden, also den Namen, dann die Staatsbürgerschaft und schließlich sicherheitshalber auch die Religion wechseln. Ernst Hanisch Als Historiker über Liebe schreiben Seit jeher gehörte die Liebe zu den großen
Themen der Kunst. (1) Die Historiker haben sie in der Regel als einen
Bereich des Privaten, Intimen eher gemieden. Erst als die Alltagsgeschichte,
die Geschlechtergeschichte, die Historische Anthropologie aufkamen wurde
sie als historische Fragestellung wahrgenommen. Ganz allgemein ist die
Geschichte der Gefühle ein ziemlich neues Thema der Geschichtsschreibung.
(2) Ist Liebe eine anthropologische Konstante, die in allen Gesellschaften
und in allen Epochen zu finden ist, oder ist Liebe eine Konstruktion historischer
Diskurse, wie die postmoderne Geschichtstheorie annimmt? Ich vertrete
hier die These der anthropologischen Konstante und berufe mich dabei auf
die große Kunst und die biologischen Grundlagen der Liebe. Die These
der anthropologischen Konstante vertreten, heißt allerdings nicht,
den historischen Wandel zu negieren. Das subjektive Gefühl der Liebe
mag in allen Epochen, in allen historischen Perioden ähnlich sein,
wie die Liebe gesellschaftlich erfahren wurde, welchen Normen sie unterlag,
wie sie tatsächlich erlebbar war, wie sie sich in den einzelnen sozialen
Schichten ausprägte, unterlag dem historischen Wandel. Ulrike Harmat gemeinsam mit Margarete Grandner "Begrenzt verliebt". Gesetzliche Ehehindernisse und die Grenze zwischen Österreich und Ungarn Geschiedenen Katholiken war nach österreichischem Recht (bis 1938) eine Wiederverheiratung zu Lebzeiten des ersten Ehepartners unmöglich. Das Recht (genauer: das ABGB) setzte einer neuen Liebe also massiven Widerstand entgegen. Dieser Widerstand war allerdings - paradoxerweise - dadurch überwindbar, dass (wenigstens) einer der Partner der zweiten Ehe die Grenzen Österreichs in Richtung eines Staates hinter sich ließ, in dem es die Zivilehe gab. Bevorzugtes Ziel für Österreicher und Österreicherinnen war in diesem Sinne bis 1918 die "andere" Reichshälfte der Monarchie, Ungarn. Dabei entwickelte sich (zwischen 1894 und 1918) ein höchst merkwürdiges Ritual, das man fast als Identitätswechsel bezeichnen könnte. Um möglichst ohne Probleme eine neue Ehe schließen zu können, musste ein geschiedener österreichischer Katholik oder eine geschiedene österreichische Katholikin von einem ungarischen Staatsbürger adoptiert werden, also den Namen, dann die Staatsbürgerschaft und schließlich sicherheitshalber auch die Religion wechseln. Gernot Heiss Institut für Geschichte der Universität Wien L&W - das Kino als moralische Anstalt Seit den Anfängen der Kinematographie werden
immer wieder zwei Forderungen gestellt: den Film als Kunst anzuerkennen
bzw. zur Kunst zu erheben; das Kino zu einem Institut der sittlichen Erziehung
des Volkes zu machen. Der Shakespeare oder Lessing des Films wird herbeigesehnt;
gegen die "entsittlichenden" Filme und die Möglichkeiten,
die sich in den dunklen Kinoräumen bieten, wird nicht nur polemisiert,
es werden auch Maßnahmen zur radikalen Veränderung des Mediums
(seiner Themen und ihrer Darbietung) und zur Kontrolle über die Kinosäle
verlangt. So forderten speziell nach dem Ersten Weltkrieg Publizisten
und Volksvertreter verschiedenster politischer Couleur (d.h. nicht nur
Linke nach dem sowjetischen Vorbild) die Verstaatlichung der Filmproduktion
und der Kinos, und sie erwarteten sich davon eine Wende zum Positiven
in moralischer wie politischer Hinsicht.
Waltraud Kannonier-Finster gemeinsam mit Meinrad Ziegler Liebe, Widerstand und Fürsorge in der sozialwissenschaftlichen Methodologie Wechselnde Erkenntnisansprüche in der Entwicklung sozialwissenschaftlicher
Methodologie implizieren jeweils unterschiedliche Regeln im Hinblick auf
die akzeptierte Nähe und Distanz zum Forschungsgegenstand. Die Spannung
zwischen diesen beiden Haltungen lässt sich aus mehreren Perspektiven
thematisieren: Gudrun-Axeli Knapp Liebe und Widerstand in der feministischen Forschung Die Frauen- und Geschlechterforschung stellt eine politisch-wissenschaftliche Konstellation dar, die von einer strukturellen Aporie durchzogen ist: der Unverzichtbarkeit und gleichzeitigen Unmöglichkeit einer fundierenden Bezugnahme auf ein epistemisches und politisches Referenzsubjekt (Frauen). Alle Versuche einer substantiellen Bestimmung dieser Grundlage stoßen auf Phänomene von Ungleichheit und Verschiedenheit innerhalb der weiblichen Genus-Gruppe, an denen sie sich ebenso abzuarbeiten haben, wie an den vielfältigen Formen von Disparitäten und Diskriminierungen im Verhältnis der Geschlechter. Die aporetische Grundstruktur der Frauen- und Geschlechterforschung führt dazu, dass sie zu den "heißen" epistemischen Kulturen gehört. In meinem Statement möchte ich auf einige erkenntnispraktische Konsequenzen dieser Konstellation eingehen. Margareth Lanzinger Ein "sündhafter, gefährlicher Umgang" und die "unauslöschliche Neigung" Kirchliche Heiratsverbote und Liebeskonzepte im 19. Jahrhundert Kirchliche Heiratsverbote spielen in Bezug auf Heirat und damit auf die Sanktionierung einer Liebesbeziehung eine umso größere Rolle, je näher der Grad der Verwandtschaft oder Schwägerschaft die Liebenden verbindet. Die Aussichten, trotz eines solchen Ehehindernisses mittels des Instrumentes eines päpstlichen Dispens heiraten zu dürfen, variieren. Sie hängen primär vom Vorhandensein vordefinierter sogenannter kanonischer Gründe ab - wie angustia loci (Enge des Ortes), aetas superadulta sponsae (hohes Heiratsalter der Braut), incompetentia dotis (fehlende Mitgift) etc. -, die bei einer beantragten Eheschließung zwischen Cousin und Cousine beispielsweise oder zwischen Schwager und Schwägerin anders gewichtet und strenger gehandhabt werden als bei Verwandten vierten oder fünften Grades. Der Widerstand gegenüber solchen Eheschließungen geht etwa aus der im Gefolge einer "Beschwerde über leichtsinnigen Umgang mit diesen Vorschriften" im Jahr 1822 erteilten Anweisung hervor, dass "die Dispense in nahen Graden nur selten und aus sehr wichtigen Gründen, bei Personen von hohem Range zu ertheilen" seien. Nicht zuletzt hängt die Wahrscheinlichkeit einer positiven Erledigung eines solchen Ehevorhabens auch vom Einsatz der lokalen Geistlichen ab, als zentrale Vermittlungspersonen gegenüber der nächsthöheren Instanz, dem Dekan beziehungsweise dem Fürstbischöflichen Konsistorium in Brixen. Das "öffentliche Ärgernis", das es durch eine Eheschließung zu beheben oder dem vorzubeugen gilt, wird in der betreffenden Korrespondenz und in den in aussichtsreichen Fällen aufgenommenen Matrimonialexamen zum vielzitierten Topos. Interessant ist, dass sich die geistlichen Verfasser der Schreiben auf die Interessen und Nöte der Menschen einlassen und nicht nur deren schwierige Lebenssituationen schildern, sondern auch "die unauslöschliche Neigung" trotz der "offiziellen" Sicht dieser Beziehungen als einen "sündhaften, gefährlichen Umgang" im Sinne eines Inzests ins Treffen führen. Sie belassen es also nicht dabei, die kirchenrechtlich wirksamen Gründe anzuführen, sonder rekurrieren in ihren Schilderungen immer wieder auch auf Konzepte von Liebe und der Liebesheirat. Im geplanten Beitrag soll es um eine Annäherung an dieses Spannungsfeld zwischen Widerstand und Liebe gehen, repräsentiert von vorgegebenen Normen einerseits und davon abweichenden Wahrnehmungen und damit verbundenen Argumentationsmustern andererseits. Maria Mesner Anfang der 1920er Jahre war in Österreich - im Wesentlichen als
historisch bisher nicht exakt zu verortende Initiative im katholischen
Bereich - der Muttertag nach deutschem und US-amerikanischem Vorbild eingeführt
worden. In der politisch polarisierten Kultur der Ersten Republik setzten
die SozialdemokratInnen dem den Internationalen Frauentag entgegen, der
im Gegensatz zum 'unpolitisch' daher kommenden, gleichwohl eine spezifische
Frauen-/Mutterrolle demonstrierenden Muttertag mit frauen- bzw. geschlechterpolitischen
Forderungen besetzt wurde. Michael Mitterauer Liebe und Widerstand im Kontext unterschiedlicher
Wolfgang Müller-Funk Fernliebe. Der Brief als Medium der Konstruktion von Liebe Niklas Luhmann hat bekanntlich Liebe selbst als Medium bezeichnet. In kritischer Absetzung wird hier der Brief als ein spezifisches, nämlich schriftliches Medium verstanden, das Liebe erfindet und generiert. Insbesondere um 1800 ist der Wunsch nach Originalität sichtbar, der für die Einmaligkeit der Liebe einsteht. Im Falle des Briefwechsels von Klopstock und Meta Moller etwa wird ein medialer Wettstreit - ein regelrechter potlatsch der Gefühle - sichtbar, der um die jeweilige emotionale Intensität kreist. Gleichzeitig eröffnet das Schreiben zwischen Menschen, die sich kaum kennen, einen imaginären Raum der Nähe, in dem Selbstbild und Fremdbild sich fast unentwirrbar vermischen. Zugleich sind die geschlechtsspezifischen Rollen ebenso mit eingeschrieben wie die ungeschriebenen Gesetze der konventionellen Formen der bürgerlichen Geschlechterbegegnung. So erfährt - methodisch gesprochen - die historische Anthropologie eine Erweiterung und Modifikation: durch die kulturwissenschaftliche Analyse ihrer medialen Voraussetzungen. Der Beitrag bezieht sich vornehmlich auf bürgerliche Schichten, in denen der Umgang mit Schrift, die Referenz auf Literatur (als Code) und die Idee einer Geheimsprache der Liebenden bereits voll ausgebildet sind. Es wird zu fragen sein, in wie fern diese medialisierte Liebeskultur Vorbildwirkung für andere soziale Gruppen gehabt hat und wie sich der Zusammenhang zwischen nachromantischer, sexualisierter Liebe und dem Verschwinden des hochgradig konventionalisierten Mediums "Liebesbrief" beschreiben lässt. Herta Nagl-Docekal Liebe als philosophischer Begriff "Liebe" gehört seit jeher zu den zentralen Themen philosophischer Reflexion. Im Laufe der Zeit wurde dieser Begriff jeweils neu formuliert, doch ist bemerkenswert, dass eine bestimmte Denkfigur mehrfach wiederkehrte: jene Deutung nämlich, die "Liebe als Widerstand" begreift. Der Beitrag zum Panel geht dieser Denkfigur anhand von Beispielen aus vier Jahrhunderten nach. Julia Neissl Widerständiges Lieben? Zur Darstellung lesbischer Beziehungen in Texten österreichischer Autorinnen Mit dem zunehmenden Interesse am "Phänomen Homosexualität"
im 19. Jahrhundert von medizinischer, sexualwissenschaftlicher, juridischer
etc. Seite wurden auch Freundschaften zwischen Frauen in einem neuen Licht
gesehen. Die Stigmatisierung gleichgeschlechtlicher Liebender machte -
bei allen Unterschieden in der Rechtsprechung - auch vor Lesben nicht
Halt. Diese Ausgrenzung und die stereotypen Zuweisungen innerhalb der
Gesellschaft führten jedoch nicht zu einer Thematisierung innerhalb
der ersten Frauenbewegung. Sie sind aber - wie ich meine - als Ausgangspunkt
für einen Prozess zu werten, der von der Auseinandersetzung mit der
gesellschaftlichen Homophobie über die Aufhebung der Isolation der
einzelnen Frau bis zur Integration in der Gruppe lesbischer Frauen führte.
In diesem Sinne können die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts als
historischer Rahmen für eine erste Herausbildung einer lesbischen
Kultur mit all seinen verschiedenen Erscheinungsbildern - seien es nun
die Salons und Klubs sowie die eigenen Lesbenzeitschriften der 20er Jahre
oder literarische Gestaltungen von lesbischen Beziehungen - gedacht werden.
Dieser Aufbruch wurde durch den Nationalsozialismus zerstört, wie
sich jedoch anhand literarischer Beispiele zeigen lässt, finden sich
in Österreich sehr bald wieder Anknüpfungspunkte hinsichtlich
der Darstellung lesbischer Liebe. Kristina Popova Die Jugendliebe - ihre Sprache und Rhetorik, ihre neuen Orte, Ausdrucksformen
u. s. w. werden in den drei Spannungsfelder, die in der Zeit des Sozialismus
an Bedeutung gewinnen, analysiert: nämlich im Spannungsfeld zwischen
dem Öffentlichen und dem ideologisch kontrollierten Privaten, sowie
im Spannungsfeld zwischen traditionellen und neuen Rollen und Freiheiten
der Jugend, und schließlich im Spannungsfeld zwischen der legitimen
sozialistischen Norm der "Reinheit der Liebe" und dem "verderblichen
westlichen" Einfluss. In diesen drei Feldern werden Normen und Vorstellungen
der bulgarischen Jugend von Liebe, Sexualität, Zusammenleben und
Heirat behandelt. Ein besonders wichtiger Begriff dabei ist der Begriff
der Freiheit bzw. die zentrale Frage, wie die Vorstellung von Freiheit
sich damals in Bezug auf Liebe entwickelt hat. Helmut Puff Sodomie und Herrschaft: Eine Problemskizze Martin Schaffner
Angesichts unserer Lebenswelt, die unfähig ist,
das Scheitern von Liebe Sigrid Schmid-Bortenschlager Liebe im Roman des 18. Jahrhunderts Es gehört inzwischen zu den Gemeinplätzen der (literar)historischen Forschung, dass unsere Vorstellungen von Liebe, Sexualität, Ehe und den entsprechenden Geschlechterrollen in vielem auf die bürgerliche Aufklärung zurückgehen. Das Referat analysiert einige der erfolgreichen Romane dieser Zeit, um darauf hinzuweisen, dass es weniger die Bilder sind, die in der literarischen Produktion dieser Zeit entworfen werden, als vielmehr die spätere Auswahl in der Tradierung dieser Bilder, die zu den fixen Geschlechter-Rollenbildern des 19. Und 20. Jahrhunderts geführt haben. Neben den passiv-leidenden leidenschaftlichen Männern (neben Goethes Werther vor allem der Chevalier de Grieux, der Geliebte von Manon Lescaut in Prévost gleichnamigem Roman) gibt es auch eine Reihe von Romanen, die (nicht nur sexuell) aktive glückliche Frauen darstellen, und die später oft in die Kategorie "soft porno" abgedrängt worden sind (Fielding: Moll Flanders, Cleland:Fanny Hill, in Partien auch Gellert: Die schwedische Gräfin). Die Frage der (Vor-)Bilder schaffenden Literatur verlagert sich damit klar von der Seite der Produktion auf die der Rezeption, wobei nicht - wie die Auflagenzahlen zeigen - die private Lektüre-Rezeption , der kommerzielle Erfolg also - ausschlaggebend sind, sondern die gesellschaftlich akzeptierte Rezeption als "hohe" Literatur. Von hier aus gesehen muss auch die Frage nach der sozialhistorischen (Quellen-) Relevanz von hoher und sog. trivialer Literatur neu reflektiert werden. Stefanie Schüler-Springorum Liebe und Geschlechterbeziehungen im jüdischen Widerstand in Osteuropa In der Geschichte des jüdischen Widerstands im deutschbesetzten
Osteuropa sind Frauen auffällig präsent. Dies gilt sowohl für
die in den Ghettos und später in den Wäldern agierenden organisierten
Widerstands- bzw. Partisanengruppen als auch für die sogenannten
"Familienlager", mehr oder weniger spontane Zusammenschlüsse
von in die Wälder geflüchteten Männern, Frauen und Kindern.
Ulli Seiss gemeinsam mit Li Gerhalter Lesung aus der "Sammlung Frauennachlässe" Die von Edith Saurer initiierte "Sammlung
Frauennachlässe" entstand Anfang der 1990er Jahre. Den Ausgangspunkt
bildete die Erfahrung, dass private Dokumente von Frauen und über
weibliche Lebenszusammenhänge kaum systematisch archiviert wurden
und daher wissenschaftlich nur schwer zugänglich sind. Claudia Ulbrich Abgesagt ! Birgit Wagner Liebesgeschichten und Heiratssachen aus Sardinien. Grazia Deledda und Maria Giacobbe Grazia Deledda (1871-1936) und Maria Giacobbe (geb. 1928) sind zwei Schriftstellerinnen
aus Sardinien, die außerhalb ihrer Heimatinsel zu Berühmtheit
gelangt sind: Grazia Deledda als "italienische Autorin" des
Einheitsstaats Italien, und Maria Giacobbe als "italienische Exilautorin"
in Dänemark; die eine erhielt 1926 den Nobelpreis, die andere zahlreiche
dänische Literaturpreise. Meinrad Ziegler gemeinsam mit Waltraud Kannonier-Finster Liebe, Widerstand und Fürsorge in der sozialwissenschaftlichen Methodologie Wechselnde Erkenntnisansprüche in der Entwicklung sozialwissenschaftlicher
Methodologie implizieren jeweils unterschiedliche Regeln im Hinblick auf
die akzeptierte Nähe und Distanz zum Forschungsgegenstand. Die Spannung
zwischen diesen beiden Haltungen lässt sich aus mehreren Perspektiven
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