DIE ORCHIDEENFLORA DES BEZIRKES SCHEIBBS

(NIEDERÖSTERREICH)

Franz TOD u. Johann BAUER

Zusammenfassung

Besonders in Intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind die Orchideenarten durch Veränderungen ihrer Biotope gefährdet.

In vorliegender Arbeit werden alle bekannt gewordenen Orchideenfundorte innerhalb des Bezirkes Scheibbs erfaßt und den Richtlinien der Kartierung der Flora Mitteleuropas entsprechend in Kartenskizzen dargestellt.

Die Unterscheidung zwischen Funden vor und nach 1985 dokumentieren den drastischen Rückgang vieler Orchideenarten in unmittelbarer Vergangenheit.

Summary

TOD F./BAUER J.1996: Orchidsflora of district Scheibbs/Lower Austria

Particulary in the intensive used agricultural areas orchid species are endangerred by changers in their biotops. The present study reports on all habitats known so far within the district Scheibbs in Lower Austria. They are entered on scetch maps according to the guidelines set up for the mapping of the Central European flora. By distinguishing between the findings made before and those made after 1985 it is demonstrated that many orchid species have drastcally declined in recent years.

Einleitung

In den letzten Jahrzehnten wurde durch die intensive Bewirtschaftung, der biologisch-ökologisch wertvollen Naturstandorte, wie Feuchtwiesen und Magertrockenrasen auf denen die heimischen Orchideen wachsen fast zerstört.Durch die Veränderung des Naturstandortes (Biotop) wie z.B. durch Trockenlegung, Rodungen, Regulierungen und Überdüngung, sind leider heute viele Pflanzenarten in ihrem Bestand sehr zurückgegangen oder gar vom Aussterben bedroht.

Darum haben sich die Mitarbeiter der Naturkundlichen ARGE Scheibbs die Aufgabe gestellt, die Verbreitung der Orchideen unseres Bezirkes zu erforschen um den Stand der letzten Beobachtungen vor ca. 30 Jahren (RESSL F. 1967) zu aktualisieren.

In den Verbreitungskarten sind folgende historische Fundortangaben erfaßt; um 1574 bis 1859 erforschten die Botaniker CLUSIUS C., ERDINGER K. und KERNER A. unser Gebiet, erste Veröffentlichung der "Flora von Niederösterreich" von (HALACSKY 1896 BECKER, NEILREICH 1859); zu Beginn des 20 Jahrhundert wurden Fundortangaben aus dem Ötscher- und Dürrenstein-Gebiet erfaßt (NEVOLE 1905, GAMS 1929, STEPAN 1948, JANCHEN 1960), RESSL (1967) hat eine Publikation über die Orchideenflora des Bezirkes Scheibbs veröffentlicht, HAMETNER S. (1991) schrieb seine Diplomarbeit über vegetationsökologische und naturkundliche Untersuchungen des Kirchstein - Dreiecksberges bei Gaming, wobei er seltene Epipactis spec. entdeckte.Um den Rückgang der einzelnen Arten zu dokumentieren, werden die rezenten Fundorte ab 1985 angegeben.

Die Vegetationshöhenstufen (Karte 1):

Der Bezirk Scheibbs gliedert sich von Norden nach Süden in folgende Höhenstufen:

1.) Hügelstufe (colline Stufe): ca.200 bis 500 Meter

Eichen-Hainbuchen-und Buchenwälder. Erwähnenswerte und heute arg bedrohte Sonderbiotope sind unter anderen Feuchtwiesen, Flußauen. Anthropogene Ersatzgesellschaften sind hier vor allem Fichten- und Föhrenforste, Mähwiesen, Weiderasen, Äcker und Obstgärten.

2.) Untere Bergstufe (submontane Stufe): ca. 500-1100 Meter

Eichen-, Buchen-, und Hainbuchenwälder

3.) Bergwaldstufe (montane Stufe): ca 1100-1500 Meter

Dominanz von Rotbuchenwälder, ozeanisch getönte montaneTannen-Buchen-bzw.Fichten-Tannen-Buchen-  und Lärchenwälder. Anthropogene Gesellschaften sind hier vor allem Wiesen, Weiden und Fichtenforste. Bedroht sind Hochmoore durch Aufforstungen und Forststraßenbau, Trockenlegungen.

4.) Krummholzstufe (subalpine Stufe): ca. 1500-1700 Meter

Fichten, Lärchen- Latschen (Krummföhre)-, Grünerlengebüsche und Hochstaudenfluren. Darüber herrschen die Zwergstrauchheiden mit Alpenrosen, und Bärentrauben. Der Mensch hat die Waldgrenze durch Rodung generell herabgedrückt und die Almwirtschaft mit ihren Wildheuwiesen und überdüngten Alpenampferfluren geschaffen.

5.) Gebirgsstufe (alpine Stufe): ca. 1700-2000 Meter

Zwischen der Baum- und Schneegrenze breiten sich orchideenreiche (Kohlröschen, Zwergorchis) kalkliebende alpine Rasengesellschaften aus. Dazu Schuttfluren,Quellfluren und Schneetälchen.

Der Geologische Aufbau des Bezirkes Scheibbs (Karte 2):

Im Norden des Bezirkes treten die Ausläufer der böhmischen Masse, bei Wieselburg an die Oberfläche. Das anschließende Flach- und Hügelland gehört der Molasse-Zone (jungtertiäre Ablagerungen) an. Die darauffolgende Flysch-Zone (marine oft glimmerreiche Sandsteine, Mergel, Schiefertone und Kalke), wird durch einen schmalen Klippenzonenstreifen (Grestner Schichten), durch Errosion abgetrennte Teile einer Deckfalte getrennt. Der südlichste Teil des Bezirkes rund zwei Drittel gehören den nördlichen Kalkalpen an. Besonders Dolomit, welcher den größten Teil des obersten Oistales (Ybbstal) bis in die Langau. Die reinen Kalke, der Gutensteiner- und Reiflinger Schichten des Opponitzer Kalkes (Lunzberg, Hinterleiten, Seekopf). Dachsteinkalke mit Einlagerungen von roten Hierlatz-Kalk (Hetzkogel, Scheiblingstein, Dürrenstein und Ötschergipfel).

ORCHIDEENARTEN

Pyramiden - Orchis

Anacamptis pyramidalis (L.) Rich.

Standort: Magere Bergwiesen, lichte Wälder, kalkhaltige Böden.Gefährdet.

Blütezeit: Juni - Juli

Weißes Waldvögelein

Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce

Standort: Schattige Mischwälder, auch Waldränder und Wiesen, in Nadelwälder selten; auf kalkhaltigen Böden. Auch in einem Garten (in Purgstall) reichlich vorkommend.

Blütezeit: Mai - Juni

Langblättriges Waldvögelein

Cephalanthera longifolia (L.) Fritsch

Standort: In lichten Wälder, Gebüsche, Waldränder, teils häufig (bei Langau).

Blütezeit: Mai - Juni

Rotes Waldvögelein

Cephalanthera rubra (L.) Rich.

Standort: Halbschattige trockene Föhren- und Buchenwälder, Waldränder in sonniger Lage, bevorzugt kalkhaltige Böden,

Blütezeit: Juni - Juli

Alpen - Zwergorchis

Chamorchis alpina (L.) Rich.

Standort: Windexponierte Grate, flachgründige Rasen auf kalkhaltigen Böden oberhalb der Waldgrenze.Im Bezirk nur im Hochkar-und Dürrensteingebiet,ob am Ötscher ?

Blütezeit: Juli - August

Grüne Hohlzunge

Coeloglossum viride (L.) Hartm.

Standort: Auf mäßig feuchten, humusreichen kalkfreien Böden, in lichten Bergwäldern, Bergwiesen, häufig auf Alpenmatten (Ötscher, Hochkar und Dürrenstein).

Blütezeit: Mai - August

Korallenwurz

Corallorhiza trifida Chatel.

Standort: Schattige Wälder in mittleren Berglagen, bevorzugt Fichtenwälder, meist saure Böden mitRohhumusauflage.

Blütezeit: Mai - Juli

Frauenschuh

Cypripedium calceolus L.

Standort: Lichte Laub- und Mischwälder, Gebüsche, bevorzugt kalkhaltige Böden. In der Neuhauser Gegend noch verbreitet, etliche Vorkommen (im Norden des Bezirkes) erloschen. Gefährtet!

Blütezeit: Mai - Juli

Holunder - Knabenkraut

Dactylorhiza sambucina (L.) Soo (= D. latifolia Baumann & Künkele)

Standort: Trockene bis feuchte Bergwiesen, Waldwiesen, meist auf schwach sauren Böden. Im Norden des Bezirkes durch Aufforstung und Düngung gefährdet.

Blütezeit: Mai - Juni

Lappländisches Knabenkraut

Dactylorhiza lapponica (Laest ex Hartmann) Soò

Standort: Waldmoore (Quellmoore), kalkhältige schottrige Böden. Erst in den letzten Jahren im Süden des Bezirkes nachgewiesen.

Blütezeit: Juni - Juli

Geflecktes Knabenkraut

Dactylorhiza maculata (L.) Soò

Standort: Lichte Laub- und Nadelwälder, Magerwiesen, Naßwiesen, saure bis basische Böden, im Bergland noch häufig, sehr formenreich, auf Kleinarten währe zu achten.

Blütezeit: Mai - August

Breitblättriges Knabenkraut

Dactylorhiza majalis (Rchb.) Hunt & Summerh.

(D.fistulosa Baumann & Kühnkele)

Standort: Feuchtwiesen, Quellmoore, bevorzugt nährstoffreiche Böden, durch Trockenlegung der Standorte gefährdet!

Blütezeit: Mai - August

Fleichfarbenens Knabenkraut

Dactylorhizra incarnata (L.) Soò

Standort: Feuchtwiesen, Flachmoore; auf kalkhaltigen Böden, der einzig bekannte Standort wurde durch Trockenlegung vernichtet.

Blütezeit: Mai - Juni

Sumpf - Stendelwurz

Epipactis palustris (L.) Crantz

Standort: Naßwiesen, Flachmoore, bevorzugt kalkreiche Böden, die wenigen Standorte im Norden des Bezirkes durch Trockenlegung gefährdet !

Blütezeit: Juni - August

Kleinblättrige Stendelwurz

Epipactis microphylla (Ehrh.) Sw.

Standort: Schattige Wälder mit wenig Unterwuchs, meist in Buchenwälder,

Sehr selten! (Im Bezirk nur ein historischer Fundort (1859), bei Scheibbs bekannt), in neuerer Zeit nicht mehr gefunden.

Blütezeit: Juni - Juli

Braunrote Stendelwurz

Epipactis atrorubens (Hoffm. ex Bernh.) Besser

Standort: Lichte Wälder und Gebüsche, Trockenwiesen, bevorzugt steinige kalkhaltige Böden.

Blütezeit: Juni - August

Violette Stendelwurz

Epipactis purpurata Sm.

Standort: Schattige Mischwälder, auch Nadelwälder, bevorzugt tiefgründige lehmige Böden, nur aus dem nördlichen Teil des Bezirkes bekannt. Gefährdet durch Wildverbiß.

Blütezeit: Juli - September

Schmallippige Stendelwurz

Epipactis leptochila (Godf.) Godf.

Standort: Schattige Mischwälder im Bergland, bevorzugt kalkhaltige Böden. Erst in den letzten Jahren in der Gaminger Gegend gefunden,in jüngster Zeit auch im Bereich von Scheibbs.

Blütezeit: Juli - August

Breitblättrige Stendelwurz

Epipactis helleborine (L.) Crantz

Standort: Mischwälder, Waldränder, Gebüsche, bevorzugt kalkhaltige Böden, sehr formenreich, auf Kleinarten währe zu achten; häufig.

Blütezeit: Juli - August

Muellers Stendelwurz

Epipactis muelleri Godf.

Standort: Lichte Wälder, Waldsäume, eventuell Magerrasen, warme kalkhaltige Böden, erst in den letzten Jahren in Gaming gefunden, nur wenige Exemplare, könnte auch in anderen Gebieten des Bezirkes vorkommen.

Blütezeit: Juli - August

Blattloser Widerbart

Epipogium aphyllum Sw.

Standort: Schattige und feuchte Wälder mit Moderholz, bevorzugt kalkhaltige Böden, Blüht nicht jedes Jahr. Zersteutes Vorkommen im Bergland, sehr selten !

Blütezeit: Juli - August

Netzblatt

Goodyera repens (L.) R. Br.

Standort: Moosige Nadelwälder, meist halbschattig, trockene bis mäßig feuchte basenreiche Böden, ziemlich selten.

Blütezeit: Juli - August

Wohlriechende Händelwurz

Gymnadenia odoratissima (L.) Rich.

Standort: Lichte Wälder, Legföhrengebüsche, Quellmoore, Trockenrasen, nur im Bergland, auf kalkhaltigen Böden.

Blütezeit: Juni - August

Mücken - Händelwurz

Gymnadenia conopsea (L.) R. Br.

Stantort: Lichte Wälder, Bergwiesen, Magerrasen und Feuchtwiesen auf kalkhaltigen Böden, im Bergland häufig.

Blütezeit: Mai - August

Honigorchis

Herminium monorchis (L.) R. Br.

Standort: Ungedüngte nasse und trockene Wiesen im Bergland, bevorzugt kalkhaltige Böden. Gefährdung durch Aufforstung, selten !

Blütezeit: Juni - Juli

Kleines Zweiblatt

Listera cordata (L.) R. Br.

Standort: Feuchte und moosige Nadelwälder, oft an Rändern von Hochmooren, auf nährstoffarmen Böden, vielfach übersehen, selten !

Blütezeit: Mai - August

Großes Zweiblatt

Listera ovata (L.) R. Br.

Standort: Licht Wälder, Gebüsche, Wiesen, auf tiefgründigen Böden, nicht wählerisch; ziemlich häufig.

Blütezeit: Mai - Juli

Einblättriges Weichkraut

Malaxis monophyllos (L.) Sw.

Standort: Feuchte Waldwiesen im Bergland (oft entlang von Forststraßen), auf basenreichen Böden. In der Neuhauser Gegend ziemlich häufig.

Blütezeit: Juni - August

Vogelnestwurz

Neottia nidus-avis (L.) Rich.

Standort: Schattige Laub- und Nadelwälder, auf kalkhaltigen humosen Böden, häufig.

Blütezeit: Mai - Juli

Rotes Kohlröslein

Nigritella rubra (R. Wettst.) K. Richt.

Standort: Alpenmatten und Bergwiesen oberhalb der Baumgrenze, auf kalkhaltigen Böden, in Neuhaus in lichten Wäldern auf 1.100 Meter herabsteigend.

Blütezeit: Juni - August

Widders Kohlröslein

Nigritella widderi Teppner & Klein.

Standort: Alpenmatten, auf kalkhaltigen Böden, erst kürzlich in unseren Bezirk, im Hochkargebiet entdeckt; vielleicht auch auf Ötscher und Dürrenstein ?

Blütezeit: Juni - Juli

Fliegen - Ragwurz

Ophrys insectifera L.

Standort: Trockene Magerwiesen, lichte Mischwälder, Gebüsche, vorwiegend auf Kalk, Forststraßenböschungen, vielfach übersehen.

Blütezeit: Mai - Juli

Hummel - Ragwurz

Ophrys holoserica (Burm. f.) Greut.

Standort: Halbtrockenrasen, Gebüschränder, wärmeliebend, bevorzugt kalkhaltige Böden, derzeit verschollen, die wenigen Standorte wurden in den letzten Jahren durch Intensivierung der Landwirtschaft vernichtet, bekannte Vorkommen knapp außerhalb des Bezirkes,(Ybbs- u Erlaufauen).

Blütezeit: Mai - Juni

Bienen - Ragwurz

Ophrys apifera Huds.

Standort: Trockene Magerwiesen, Gebüschsäume, nur auf kalkhaltigen, Böden wärmeliebend, wurde in den letzten Jahren in der Kienberger Gegend nur einmal nachgewiesen. Der Standort wurde durch Anlegen eines Wildgeheges vernichtet.

Blütezeit: Juni - Juli

Dreizähniges Knabenkraut

Orchis tridentata Scop.

Standort: Magerwiesen, Gebüschsäume, in sonniger Lage, nur ein größerer Standort im Bezirk, Selten und sehr stark gefährdet.

Brand - Knabenkraut

Orchis ustulata L.

Standort: Magerwiesen, Hauptvorkommen im Bergland, einen Standort mit wenigen Exemplaren im Hochkargebiet gefunden (1.500 Meter), bevorzugt kalkhaltige Böden im Norden des Bezirkes vom Aussterben bedroht!

Blütezeit: Mai - August (Hochkar)

Helm - Knabenkraut

Orchis militaris L.

Standort: Magerwiesen, lichte Wälder und Gebüsche, kalkhaltige ungedüngte Böden, bei uns selten, oft nur Einzelvorkommen, ein größeres Vorkommen knapp außerhalb des Bezirkes in 1.250 Meter.

Blütezeit: Mai - Juli (1.250 m)

Kleines Knabenkraut

Orchis morio L.

Standort: Magerwiesen, trockene bis wechselfeuchte Böden, nur im Norden des Bezirkes, hier früher häufigste Orchiee, durch Intensivierung das Landwirtschaft vom Aussterben bedroht !

Blütezeit: Mai - Juni

Prächtiges Knabenkraut

Orchis mascula subsp. signifera (Vest) Soò

Stanndort: Magerwiesen, Bergwiesen, Lichte Wälder auf Kalk und schwach sauren Böden, bis in die subalpine Stufe vordringend. Nach neuersten Erkenntnissen kommt Orchis mascula subsp. mascula nur in den westlichen Bundesländern vor.

Blütezeit: Mai - Juni

Bleiches Knabenkraut

Orchis pallens L

Standort: Lichte Laub- und Mischwälder, Waldränder, seltener Magerrasen, bevorzugt kalkhaltige Böden, Hauptvorkommen im Bergland, vereinzelt auch im südlichen Teil des Bezirkes, als Frühblüher vielfach übersehen.

Blütezeit: April - Juni (Neuhaus)

Zweiblättrige Waldhyazinthe

Platanthera bifolia (L.) Rich.

Standort: Lichte Laub- und Mischwälder, Moor- und Bergwiesen bis in die subalpine Stufe. Mit Verbreitungsschwerpunkt im Bergland.

Blütezeit: Mai - August

Grünliche Waldhyazinthe

Platanthera chlorantha (Cust.) Rchb.

Standort: Lichte Laub- und Nadelwälder, Bergwiesen, auf kalkhaltigen Böden, nicht häufig, teils Einzelvorkommen.

Blütezeit: Mai - Juni

Weißzüngel

Pseudorchis albida (L.) A. & D. Loeve

Standort: Bergwiesen, Alpenmatten, selten in lichten Mischwäldern, auf sauren nährstoffarmen Böden.

Blütezeit: Juni - August

Herbst - Wendelähre

Spiranthes spiralis (L.) Chevall.

Standort: Extensive Weiden, Wechselfeuchte Magerwiesen, im Bezirks nur überwiegend in der Flyschzone, nur mehr ein paar Standorte, früher etwas häufiger, in den letzten Jahren durch die Intensivierung der Land       wirtschaft fast vernichtet, vom Aussterben bedroht !

Blütezeit: August - September

Kugel - Knabenkraut

Traunsteinera globosa (L.) Rchb.

Standort: Bergwiesen, Alpenmatten auf frischen tiefgründigen und basenreichen Böden.

Blütezeit: Mai - August

Naturschutz und Erhaltung der Orchideenbiotope

Die meisten unserer Orchideen sind sehr wählerisch und haben ganz spezielle Standortansprüche. Man findet sie oft an Plätzen, die als "Ödland" gelten. Sie gedeihen auf trockenen Magerwiesen, Sumpfwiesen und Hochmooren, in rauhen Bergregionen, aber auch in lichten Laub- und Nadelwäldern. Besonders gefährdet sind Orchideenarten, die in Feucht- und Magerwiesen wachsen. Diese Pflanzengesellschaften gehören zu den artenreichsten und wegen ihres Blütenreichtums zu den schönsten! Sie sind allmählich durch anthropogene Einwirkung entstanden, werden entweder als "Einschürige" Wiesen, die erst im Spätsommer oder Früherbst zur Heu-oder Einstreugewinnung gemäht oder als extensive Weide genutzt. Durch Intensivierung der Land und Forstwirtschaft (Trockenlegung der Feuchtgebiete, Düngung, Umwandlung in Äcker, Aufforstung, im Bergland durch Forststraßen-bau und Anlegen von Wildäcker und Wildgehegen, natürliche Wälder werden oft in reine Fichtenforste umgewandelt ), einige Orchideenarten sind dadurch bereits gänzlich aus unseren Bezirk verschwunden (Ophrys holoserica, Ophrys apifera, Dactylorhiza incarnata), andere Arten in Ihrer Existenz immens gefährdet (Orchis morio, Spiranthes spiralis). Die kümmerlichen Reste dieser artemreichen Biotope die der Intensivierung entgehen läßt man Brach liegen, sie werden weder gemäht noch beweidet, durch die Sukzession (Verbuschung) haben diese Arten keinen gesicherten Fortbestand, wo bleibt der so oft erwähnte Slogan "Der Bauer als Garant für Naturlandschaft" stimmt heute längst nicht mehr. Eher könnte man sagen, daß der Bauernfleiß, durch den vor Jahrhunderten unsere traditionelle landschaftliche Vielfalt geschaffen wurde, heute genau das Gegenteil, nämlich die Zerstörung durch Intensivierung, bewirkt.

Was kann man tun, um die Lebensräume der Orchideen zu erhalten!

a) Wo Orchideen wachsen, sollte die landwirtschaftliche Nutzung, nichtverändert werden (z.B. Umwandlung in "Grünland", Äcker ,Intensivweiden und Aufforstungen).

b) Der ideale Schutz dieser Standorte wäre dadurch garantiert daß Landwirte solche Gebiete weiterhin extensiv nutzen (zeitgerechte Mahd und Beweidung), so ist es nicht zu verwundern, das Orchideenfreunde viele Mittel aufwenden um solche Lebensräume langfristig zu erhalten.

c) Entschädigung für Landwirte, die eine naturkonforme Bewirtschaftung weiterführen. Es zeigt sich, welch entscheidende Rolle den Bauern im Landschafts- und Naturschutz zukommt. Heute wissen wir das nur der Schutz dieser Biotope den Erhalt dieser Pflanzen sichert. Es liegt in unserer Verantwortung wie lange wir diese Kleinodien unserer Flora noch bestaunen können.

In den letzten Jahren hat endlich ein gewisses Umdenken eingesetzt, leider oft zu spät. Diese Zerstörungen kann man nur durch behutsames Vorgehen bei Eingriffen in die Naturlandschaft, verantwortungsbewusste ökologisch sinnvolle Bewirtschaftung, sowie vorrausschauende Maßnahmen des Biotopschutzes, und der Biotoppflege, (Schaffung von Schutzzonen und Schutzgebieten) eindämmen. Erforderlich ist die Einbindung des jeweiligen Besitzers mit der daraus folgenden Abgeltung des Verdiensteinganges; als Beispiel sei das Lunzer Projekt "Landschaftspflege" unter der Leitung von Dr. G. Malicky zu erwähnen. Auch in Oberndorf konnte aus einer Wirtschaftswiese durch Verzicht auf Düngung ein Halbtrockenrasen geschaffen werden, der auch wieder für Orchideen (Listera ovata, Orchis ustulata) attraktiv ist.

Erwähnenswerte Orchideenstandorte innerhalb des Untersuchungsgebietes

Oberndorf - Schweinzberg:

Feucht- und Magerwiese mit Massenvorkommen von Epipactis palustris, Orchis morio, Dactylorhiza majalis u. D. maculata mit allen Übergängen, Gymnadenia conopsea, dazu eingestreut Orchis mascula subsp. signifera, Cephalanthera longifolia, Listera ovata.

Ein ähnlicher Standort am Lonitzberg bei Wang, aber ohne Epipactis palustris dafür kommen Orchis ustulata und Platanthera bifolia dazu.

Scheibbs Blassenstein, Greinberg:

Magerwiesen und lichte Laubwälder mit vielen Orchis pallens, Orchis mascula subsp. signifera dazu die herrlichen farbenprächtigen Bastarde (O. mascula subsp. signifera x O. pallens), Dactylorhiza sambucina, D. maculata, Traunsteinera globosa, Platanthera bifolia, Listera ovata, Orchis ustulata und etlichen O.tridentata, im Restbuchenwald des Greinberges, Epipactis leptochila, viele E. helleborine, Cephalanthera rubra.

St. Georgen - Schlagerboden:

Eine der schönsten Orchideenwiesen des Bezirkes, durch Kontaktaufnahme mit der Besitzerin, in ihrem Bestand vorläufig gesichert; Vorkommen von Gymnadenia conopsea, vielen Dactylorhiza sambucina, D. maculata, Listera ovata, Platanthera bifolia, Traunsteinera globosa, Anacamptis pyramidalis, Orchis ustulata, Coeloglossum viride, unweit davon ist noch ein Restvorkommen von Spiranthes spiralis!

Gaming - Kirchstein - Dreieckberg:

Artenreichster Epipactisstandort des Bezirkes, mit Epipactis leptochila, E. muelleri (oft nur wenige), Epipactis atrorubens, sehr vielen E. helleborine in allen Varationen (teils nicht exakt bestimmbar, hier wäre eine Bearbeitung eines Epipactis Spezialisten erforderlich), E. atrorubens x E. helleborine, dazu gibt es noch Neottia nidus-avis, Cephalanthera longifolia hfg., Cephalanthera damasonium, C. rubra in manchen Jahren s.hfg., Orchis mascula subsp. signifera, O. ustulata, O. militaris etwas außerhalb des Gebietes, Anacamptis pyramidalis, Dactylorhiza maculata, Ophrys insectifera, Gymnadenia conopsea, Platanthera bifolia, P. chlorantha, Listera ovata, Goodyera repens.

Gaming - Gföhler Alm, Rainstock ca. 1.250 m :

Südseitig, extensiv genutzte Almweide; mit Dactylorhiza sambucina, D. maculata, Orchis mascula subsp. signifera, Gymnadenia conopsea, Traunsteinera globosa, Listera ovata, Coeloglossum viride, Platanthera bifolia, Pseudorchis albida, Anacamptis pyramidalis, mit wenigen Exemplaren im unteren Teil, Nigritella rubra im oberen Teil.

Wastl am Wald - Hochstadelberg ca. 1.270 m :

Südseitige, teils verbuschte Wiese, großteils knapp außerhalb des Bezirkes mit Orchis militaris, O. mascula subsp. signifera, O. pallens, Dactylorhiza maculata, D. sambucina, Listera ovata, Traunsteinera globosa, Coeloglossum viride, Platanthera bifolia, teils Übergänge zu P. chlorantha welche in wenigen Exemplaren vorkommt, Cephalanthera longifolia, Pseudorchis albida, im Wald etliche Corallorhiza trifida, im südlichen Teil einige Anacamptis pyramidalis, nicht jedes Jahr erscheinend.

Rothwald - Taleralm:

Extensive Weide, lichte Wälder, Quellfluren, Felsrasen, mit Cypripedium calceolus, Epipactis palustris, E. atrorubens, E. helleborine, Cephalanthera damasonium, C. longifolia, Neottia nidus-avis, Listera ovata, Goodyera repens, Herminium monorchis, Platanthera bifolia, Gymnadenia conopsea, G. odoratissima, Dactylorhiza majalis, D. lapponica, D. maculata, zwischen diesen letzten drei Spezies alle erdenklichen Übergangsformen, daher oft nicht eindeutig bestimmbar, Traunsteinera globosa, Orchis mascula subsp. signifera, O. ustulata, Anacamptis pyramidalis nur wenige Malaxis monophyllos, Ophrys insectifera.

Neuhaus:

Bergwiesen, Hoch- und Quellmoore, Wälder mit, Cypripedium calceolus in schönen Beständen, Epipactis palustris, E. atrorubens, E. helleborine, Cephalanthera longifolia, fallweises Vorkommen von Epipogium aphyllum, Neottia nidus-avis, Listera cordata, Listera ovata, Platanthera bifolia, Coeloglossum viride, Pseudorchis albida, Gymnadenia conopsea, G. odoratissima, Nigritella rubra, Dactylorhiza majalis, D. lapponica, D. maculata, Traunsteinera globosa, Orchis mascula subsp. signifera, O. ustulata, O. pallens (nur wenige), Ophrys insectifera, Corallorhiza trifida, Malaxis monophyllos.

Göstling - Hochkargebiet;

Das derzeit einzig bekanntes Vorkommen von Nigritella widderi im Bereich der Schmalzmauer, zusammen mit Nigritella rubra, Pseudorchis albida, und Coeloglossum viride, hier wären genauere Nachforschungen auch im Gebiet des Ötschers und Dürrenstein wünschenswert, da diese Spezies im anschließenden Gebiet der Steiermark überall vorkommt (Kräuterin - Hochschwab).

Abschließend einige konkrete Beispiele für die Vernichtung von Standorten

Auf einem der artenreichsten Orchideenvorkommen im Gemeindegebiet von Kichberg/Pielach (Luft-Weide) fand ich im Jahre 1981 - welch freudige Überraschung - meine erste Ophrys sphegodes. In unmittelbarar Nähe auch Ophrys holoserica und Ophrys insectifera, diese in stattlichen Exemplaren mit über 20 Blüten. Durch Anlegen einer Forststraße und (die damit verbundene) intensive Beweidung der Restfläche wurde dieser einmalige Standort vernichtet.

Eine extensiv beweidete Wiese am Fußmeißelberg in St. Georgen/Leys mit vielen Spiranthes spiralis (dies war ein historischer Standort, HALACSKY E. 1896) wurde in letzter Zeit durch Umwandlung in einen Acker (Maiskultur) trotz Kontaktaufnahme mit dem Besitzer vernichtet.

Dasselbe gilt auch für die vor etlichen Jahren entdeckten zwei Ophrys holoserica - Vorkommen entlang des Melkflußes, der zweite nach langwierigen, aber ergebnislosen Gesprächen mit dem Besitzer durch Aufdüngung und anschließende Umwandlung in einen Acker zerstört.

Literatur

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In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Naturkundlichen

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(Beilagen zum Amtsblatt des Bez. Scheibbs Nr. 5: 29-30, Nr. 6: 35-36, Nr. 7: 41-42) Scheibbs 1967

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Linzer Biol. Beitr.: 1 13(2): 155-229.

STEPAN, E., (1948): Das Ybbstal, Band 1: 154, Verlag Dr. E. Stepan Wien VII; Göstling NÖ. Wien 1948.

VÖTH, W., (1991): Cypripedium calceolus L. in Niederösterreich, Linzer biolog. Beiträge 23/2: 537-566

VÖTH, W., GREILHUBER, J., (1980): Zur Karyosystematik von Dactylorhiza maculata s.l. und ihre Verbreitung, insbesondere in Niederösterreich.- Linzer Biol.Beiträge.12:415-468.

Dank

Für die Fundortangaben danken wir herzlich Herrn Walter VÖTH und den Mitgliedern der Naturkundlichen ARGE Scheibbs. Desweiteren danken wir herzlich für die gebotene Unterstützung, sowie für die Durchsicht des Manuskriptes, den Herren Prof. Franz SPETA vom Biologiezentrum Linz, Prof. Franz RESSL, Wolfgang SCHWEIGHOFER, Hubert BRUCKNER und für die Reinschrift Anita Bauer.

 

Anschrift der Verfasser:

Franz TOD Botanischer Garten der Univ. Wien Rennweg 14 A-1030 Wien Austria

Johann BAUER Lingheim 3 A-3281 Oberndorf/Melk Austria

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