GESCHICHTE DER BOTANISCHEN ERFORSCHUNG DES BEZIRKES SCHEIBBS

Berühmte Botaniker, die unsere heimatliche Pflanzenwelt erforschten;

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Einleitung:

In unserem Gebiete begann die botanische Erforschung um 1574, als erster Botaniker Carolus Clusius, der am 22. August 1574 eine wissenschaftliche Expedition auf dem Ötscher, mit dem Arzt Dr. Johann Aichholz und  Mathematiker Dr. Paul Fabricius sämtliche mit schönen Ergebnissen. Dr. Friedrich Welwitsch, der 1830 - 1832 in Mariazell und am Dürrenstein sammelte, Dr. Santo Garovaglio sammelte am Ötscher und Dürrenstein, Moose und Flechten, Dr. Anton Sauter bestieg 1844 den Dürrenstein und veröffentlichte ganz neue Funde, Karl Erdinger, war Kooperator in Scheibbs, der unseren Bezirk am intensivsten botanisch Erforschte, Dr. Anton Kerner von Marilaun sammelte Anfangs 1858 und fand neue Farne, Dr. Wilhelm Schimper veröffentlichte neue Funde am Dürrenstein, Lebermoose und Dr. Ignaz Sigismund Pötsch sammelte auf seinen weiten ärztlichen Fahrten durch das Gebiet von Gaming und Randegg im kleinen Erlauftal von 1852 - 1884 viele Moose und Flechten.

Carolus Clusius (Charles de L’Escluse)

(1526 – 1609)

Beschreibung: Beschreibung: Carolus Clusius

Arzt und Botaniker, geboren den, 19. Februar 1526 zu Arras, ein Pionier der Botanik in seiner Zeit. Clusius interessierte sich nicht nur für die "nützlichen" Pflanzen sonder für alle Pflanzen. Hofbotaniker Kaiser Maximilian II und Rudolf II 1573 nach berufen, erforschte wohl als erster Botaniker den Ötscher ("Etscher") und Dürrenstein, die Umgebung von Lunz und Gaming. Er machte auch botanische Exkursionen in den nördlichen Ostalpen wie den Schneeberg ("Sneberg"), Gahns, Schneealpe Veitschalpe und den Wechsel. Seinen wissenschaftlichen Eifer verdanken wir die 1574 erfolgte erste dokumentierte Besteigung des Ötschers. Beschrieb erstmals rund 500 Pflanzenarten und erfasste, eine Art Flora der Seltenheiten; Rariorum aliquot Stirpium per Pannoniam, Austriam et vicinas quasdam Provincias observatarum Historia" (1583). Vor allem ostalpine Pflanzenarten unserer Heimat wurden nach ihm benannt wie z.B. Clusius–Enzian (Gentiana clusii), Clusius–Schafgarbe (Achillea clusiana), Clusius–Fingerkraut (Potentilla clusiana), Clusius-Gamswurz (Doronicum clusii), Clusius-Primel (Primula clusiana), Clusius-Brombeere (Rubus clusii), Clusius-Pfingstrose (Paeonia clusii), Clusius-Tulpe (Tulipa clusiana) und die neotropisch verbreitete Pflanzengattung Clusia.

Siegbert Schiverek

Zeitgenosse Jacquins und Professor zu Wien, ist gleichfalls der Fund eines sehr seltenen Farn aus den Jahren 1770 – 1780 in der Literatur aufgezeichnet.

Anton Sauter

(1800 – 1881)

Anton Sauter, geboren 1800 zu Großarl, in Salzburg, Arzt und bekannter Botaniker und Kryptogamist, hat 1844 in Gesellschaft des berühmten Bryologen Wilhelm Schimper, den Dürrenstein bestiegen und dort mehrere zum Teil neue Funde in der Regensburger botanischen Zeitung veröffentlicht, so daß sich für unser Gebiet, ein seltener Pilz, eine neue und ebenso seltene Laubmoos - Art und ein selten gefundener Farn zu danken haben. Ihm gewidmet ist das Sauter – Felsenblümschen (Draba sauteri).

Wilhelm Philip Schimper 

(1808 - 1845)

Direktor des naturhistorischen Museums zu Straßburg, geboren 1808 zu Dossenheim in Elsass geboren, hat in seiner Bryologia europaea, Fasciculus i. Cumtabula XI. E. Schweizerbort, publ. April 1837,  ein Laubmoos von Dürrenstein veröffentlicht.

Santo Garovaglio

Santo Garovaglio; geboren zu Como den, 28. Juni 1805, Arzt und Professor der Botanik zu Padua. Garovaglio kam wegen der medizinischen Studien nach Wien, wo er sich vorzugsweise auf das Studium der Laubmoose verlegte. Gab in Wien 1840 eine Enumeratio muscorum in Austria infaeriore lectorum, eine Bryologia austriaca und von 1836 – 1843 eine Sammlung getrockneter Moose, Bryotheca austriaca, heraus. Er wird gleichfalls zwischen 1830 und 1832 die Gegend um Mariazell, die Moore bei Mitterbach, den Lassingfall, den Ötscher und Dürrenstein besucht haben, er beschrieb 26. Laubmoose aus unserem Gebiet.

Friedrich Martin Josef Welwitsch

(1806 – 1872)

Welwitsch, geboren, den 5. Februar 1806 in Maria Saal, Kärnten, Arzt und Österreichischer Botaniker, kam der medizinischen Studien wegen nach Wien und betrieb während dieser Zeit die Botanik mir rastlosem Eifer und ungeachtet sehr geringer Mittel mit höchst ersprießlichem Erfolge. Er durchforschte nicht nur die Umgebung Wiens und die Alpen Niederösterreichs. Die großen Verdienste, die sich Welwitsch um die Kryptogamen – Flora erwarb, werden später berücksichtigt werden. Nach ihm die Gattung Welwitschia Hook.f. benannt.

Alois Putterlick

(1810 – 1845)

Alois Putterlick, geboren in Iglau, den 3. Mai 1810, Arzt, Botaniker, Kustos am k. k. naturhistorischen Museum zu Wien, 1845 zu Wien verstorben. Er hat wahrscheinlich zur selben Zeit wie Welwitsch und Garovaglio in der Gegend um Mariazell und um Mitterbach gesammelt, es sind von ihm daselbst drei seltene Laubmoose aufgefunden worden.

KARL ERDINGER

(1822-1899)

Beschreibung: Beschreibung: Karl Erdinger

Karl Erdinger gehörte zu jenen Privatgelehrten, denen wir das "Ötscherbuch" verdanken. Er wurde 1822 in Steinegg in Niederösterreich geboren, studierte bei den Piaristen in Krems und trat 1841 in das Klerikal-Seminar in St.Pölten ein. Nach seiner Priesterweihe 1845 war er kurze Zeit in Tulln, dann 10 Jahre Kooperator in Scheibbs (1846-1856), kam anschließend als Domkurat nach St. Pölten, war von 1857 bis 1874 Rektor des bischöflichen Knabenseminars in Krems, welches 1871 nach Seitenstetten übertragen wurde, 1874 wirklicher Domherr und starb am 14. Dezember 1899 als Dompropst in St. Pölten.

Karl Erdinger studierte ausschließlich die Flora der niederösterreichischen Alpen, namentlich die Phanerogamen (= Blütenpflanzen) des Ötschers, worin er zu seiner Zeit eine Autorität war. Er besaß auch ausgezeichnete Herbarien. Zwei von Ihm entdeckte Pflanzen, Salix erdingeri (= eine Weidenhybride) und Platanthera erdingeri (= eine Orchideenhybride) erhielten seinen Namen.

Außer "Die Flora des Ötschergebietes" verfasste Erdinger die Beiträge für die Beiträge für die "Volksmundart im Ötschergebiete", für das Ötscherbuch. In den Verhandlungen der k. k. Zoolog. Bot. Gesellschaft in Wien, 15 Jahrgang, erschien die Beschreibung der von ihm entdeckten für Europa neuen Weide Salix kerneri, 1872 veröffentlichte er in Krems ein Verzeichnis der in der Umgebung von Krems vorkommenden Laub- und Lebermoose sowie der Gefäß-Kryptogamen (blütenlose Pflanzen) und der Phanerogamen (= Blütenpflanzen).

Folgende Pflanzen - Hybriden wurden nach ihm Benannt oder hat er beschrieben:

Salix erdingeri Kern. (= S. caprea x S. daphnoides)

Verh. Zool. Bot. Ges. in Wien, XI (1861) 243

Syn. Salix cremsensis A- & J. Kerner

In Niederösterreich mäßig häufig verbreitet.

Salix kerneri Erdinger (= S. elaeagnos x S. viminalis)

Verh. Zool. Bot. Ges. in Wien, XV (1865) 78

In Niederösterreich an der Donauinsel bei Krems und Tullnerbach (Rand des Staubeckens), selten anzutreffen.

Orchicoeloglosssum erdingeri Achsers. & Graebn.

(= Coeloglossum viride x Orchis sambucina)

Syn. Coeloglossum Erdingeri, in Mitteleur. Fl, iii 849 (1907)

Syn. Platanthera Erdingeri Kerner

In Niederösterreich, im Klauswald bei St. Anton a. d. Jessnitz (südöstl. von Scheibbs) und am Semmering nahe der Paßhöhe.

Anton Erdinger

Dessen Bruder des Botanikers und Dompropst Karl Erdinger. Anton Erdinger war Privatbotaniker, Alumnus in St. Pölten.

Ignaz Sigismund Pötsch

(1823 – 1884)

Er wurde um 1823 in Böhmen geboren, Arzt und Botaniker (Kryptogamist) Von 1849 bis 1852 während seiner medizinischen Ausbildung, arbeitete er in mehreren Krankenhäusern in Wien; 1852 – 1854 war er Fabriksarzt in Gaming, von 1854 – 1877 Stifts- und Convictarzt in Kremsmünster, von 1875 – 1884 verbrachte er seinen Ruhestand in Randegg. Verfaßte die Beiträge zur Kryptogamen – Flora (Flechten und Moose) im Ötscherbuch (1859). Seine Kryptogamen Aufsammlungen befinden sich in Benediktiner Kloster Seitenstetten, in Stift Kremsmünster und im Biologiezentrum in Linz (Typus – Herbar Cladoniae austriaceae) Pötsch veröffentlichte folgende Beiträge über die Kryptogamen – Flora; "Beiträge zur Flechtenkunde Niederösterreichs" (Aus den Schriften des zoologischen – botanischen Vereins in Wien, Band VII, 27 – 34 (1857). "Beitrag zur Kenntnis der Laubmoose und Flechten von Randegg in Niederösterreich" (Aus den Schriften des zoologischen – botanischen Vereins in Wien, Band VII, 211 – 216 (1857).

Nach ihm wurde eine Pilzart Poetschia Körber (1861) gewidmet, die parasitär oder saprophytisch auf Rinden, Stengel, Blättern und Früchten leben.

Klasse: Dothideomycetes, Familie.: Patellariaceae, Gattung: Poetschia Körb.

Anton Kerner von Marilaun

(1831 – 1898)

Beschreibung: Beschreibung: Anton Kerner von Marilaun

Kerner, geboren zu Mautern in Niederösterreich, den 13. November 1831, Arzt und einer der hoffnungsvollsten Botaniker Niederösterreichs, Gymnasialprofessor in Budapest, Direktor der botanischen Gärten in Innsbruck und Wien, einer der Begründer der Geobotanik; er schrieb das berühmte Botanik-Lehrbuch (1863) "Pflanzenleben der Donauländer", von regen Eifer und wissenschaftlicher Bildung, besonders mit den Vegetationsverhältnissen und der Pflanzengeographie. Er erforschte als erster die Flora von Scheibbs und der südlich davon gelegenen Alpen, letzter um jene des oberen Donau- und Erlauftale, des Ötschers und Hochkars. Viele Gegenden im Oberen Wienerwald (Mostviertel) sind indessen noch wenig oder gar nicht durchforscht, der ganze Alpenzug zwischen dem Dürrenstein und Hochkar, die Bezirksämter Amstetten und Haag. Nach ihm wurden zahlreiche Pflanzen benannt; wie z.B. Kerner - Frauenmantel (Alchemilla kerneri), Kerner – Lungenkraut (Pulmonaria kerneri), Kerner – Pippau (Crepis kerneri), Kerner – Läusekraut (Pedicularis kerneri); Kerner - Alpen – Mohn (Papaver alpinum subsp. kerneri).

Josef Kerner

Bruder des erwähnten Anton Kerner, war k. k. Gerichtsschreiber in Herzogenburg.

Privatbotaniker, erforschte auch die Flora von Niederösterreich.

Franz Grimmus von Grünburg

(Professor), Apotheker in St. Pölten, vorzüglicher Kryptogamist und Systematiker.

Michael Hölzl

Apotheker und Privatbotaniker in Mariazell, seit langer Zeit her der Führer und Ratgeber aller Botaniker in der Umgebung von Mariazell und des Ötschers.

Vincent Stauffer

Capitular des Stiftes Melk und Professor der Naturgeschichte; Privatbotaniker.

Johann Nevole

k.k. Realschulprofessor in Knittelfeld, Steiermark, Pflanzengeograph, verfaßte in den Beträgen der k. k .zoologischen botanischen Gesellschaft in Wien eine Abhandlung über die "Vegetationsverhältnisse des Ötscher- und Dürrensteingebietes" Band III, Heft 1 (1905).

Verwendete Literatur:

Stepan E. (1948): Das Ybbstal.

Bd. 1: 154. Verlag: Dr. Eduard Stepan Wien VII; Göstling NÖ.

 

Hans Hagen-Hottenroth (1984): In Memoriam (Persönlichkeiten, Personen, Leute und Menschen).

Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft des Bezirkes Scheibbs; 364 S., Verlag: R. u. F. Radinger, Scheibbs.

 

Neilreich A. (1859): Die Flora von Niederösterreich.

Wien, CXXVIII, 1010.

 

Guglia O., (1973): Carolus Clusius (1526-1609)

Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 108-113; S. 121 – 127

 

Verfasst von Franz Erich Tod, Botanischer Garten d. Uni. Wien

14.03.2001

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