ROTHWALD

Die Wälder werden seit Jahrhunderten genutzt und sind dadurch gegenüber ihrem Naturzustand mehr oder weniger stark verändert. Urwaldbestände gibt es deshalb nur sehr wenige und kleine. Der größte österreichische und zugleich Mitteleuropäische Urwald liegt zwischen 950 und 1600 m Höhe auf der Südseite des Dürrenstein bei Lunz am See, heißt Rothwald und ist rund 250 ha groß (erweitertes Naturschutzgebiet „Rothwald I+ II+III"), insgesamt fast 2700 ha, ist nicht zugängliches Schutzgebiet. Seine Erhaltung und weitere Erforschung liegt auch im wissenschaftlichen Interesse, sowohl der Botanik, Zoologie und Forstwirtschaft. Bereits im Herbst 1998 erfolgte die Nominierung zum Natura 2000 Gebietes "Ötscher - Dürrenstein", die Vorrausetzungen waren, dass im Schutzgebiete, Braunbären und Alpenbock vorkommen.

Vegetation:

Da die Pflanzen an einzelnen ökologischen Faktoren unterschiedlich angepasst sind, entsteht je nach der wirksamen Faktorenkombination eine bestimmte Pflanzengesellschaft. Solche Faktoren sind Standortfaktoren, wie klimatische- (Art und Verlauf langfristiger Klimaschwankungen), pedologische-, Biotische (Plastizität des Erbgutes der Arten, Wachstum, Konkurrenzvermögen u.a.)  Betrachtet man die Pflanzengesellschaften des Gebietes zwischen Ybbs, Erlauf und Salza, so lassen sich grob zwei Regionen mit fließenden Übergängen und Abweichungen unterscheiden, das nördliche Alpenvorland mit Nadel- Laub- Mischwäldern und die nördlichen Kalkvoralpen mit Buchen- Tannen- Fichtenwäldern. Pflanzensoziologisch ist er ein subozeanisch- obermontaner Fichten- Tannen- Buchenwald, wie er für den randlichen Kalkalpen in dieser Höhenlage das typische ursprüngliche, natürliche Pflanzenkleid darstellt. In der Vegetation herrscht massenmäßig die Tanne (Abies alba) vor und erreicht wie auch die Fichte (Picea abies), gewaltige Dimensionen, es gibt eine Tanne mit 55 m Höhe und einen Stammdurchmesser von 1,8 m. Das Lebensalter dieser Riesen wird mit 500 - 700 Jahren beziffert. Die Buche (Fagus sylvatica) überwiegt nach der Stammzahl und in der Verjüngung. Bergahorn (Acer pseudoplatnus) und Bergulme (Ulmus glabra) kommen eingesprengt vor. Gute Fichtenverjüngungen lässt sich auf Lagerholz und Moder beobachten, die an sich reiche Tannenverjüngung wird durch Wildverbiss geschädigt.

 

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Charakterarten der Buchenwaldstufe im Unterwuchs sind; Sanikel (Sanicula europaea), Wohlriechender Waldmeister (Galium odoratum), Weiße Zahnwurz (Dentaria enneaphyllos), Waldgilberich (Lysimachia nemorum), Wald – Bingelkraut (Mercurialis perennis), Wald – Segge (Carex sylvatica), Wald – Veilchen (Viola sylvestris), Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides), Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis), auch seltene Orchideenarten wie, Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Blattloser Widderbart (Epipogium aphyllum) kommen vor.

Übergreifende Fichtenwaldarten sind; Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum), Kleines Zweiblatt (Listera cordata), Kriechendes Netzblatt (Goodyera repens), sehr selten zu finden ist der Stengelumfassender Knotenfuß (Streptopus amplexifolius), Große Hainsimse (Luzula sylvatica), Grauer Alpendost (Adenostyles alliariae), Hain – Sauerklee (Oxalis acetosella), Schneerose (Helleborus niger), Hasenlattich (Preanthes purpurea), Wald – Frauenfarn (Athyrium filix - femina), Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Fuchsii - Kreuzkraut (Senecio fuchsii), Roter Hollunder (Sambucus racemosa), Nestwurz (Neottia nidus-avis), Korallenwurz (Corallorhiza trifida), Behaarter Fichtenspargel (Monotropa hypopitys) u.a.

An Waldrändern wachsen, Geißbart (Aruncus dioicus), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), mit Gelb-Kratzdistel (Cirsium erisithales), Mondviole (Lunaria rediviva), Hirschzunge (Asplenium scolopendrium), Österreichischem Rippenkümmel (Pleurospermum austriacum)

Auf Bergmagerwiesen (trockene und feuchte), Feuer-Lilien (Lilium bulbiferum), Kugelorchis (Traunsteinera globosa), Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), Stern-Narzisse (Narcissus radiiflorus), Silberdistel (Carlina acaulis), Steinbeere (Rubus saxatilis), Schwarzviolette Akelei (Aquilegia atrata), Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta), Troll-Blume (Trollius europaeus), Purgier-Lein (Linum catharticum), Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina), Arnika (Arnica montana), Weißer Germer (Veratrum album), Vierzähniger Strahlensame (Silene pusilla), Maßliebchen- Gänsekresse (Arabis soyeri), Zweiblütiges Veilchen (Viola biflora), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), Tragant (Swertia perennis), Gemeine Simsen-Lilie (Tofieldia calyculata), Scheuchzer's Wollgras (Eriophorum scheuchzeri), Goldgelber Pippau (Crepis aurea), Schneeweiße Pestwurz (Petasites paradoxus), Vogelfuß-Segge (Carex ornithopodioides).

Auf Felsen wachsen, Kugelschötchen (Kernera saxatilis), Felsenbaldrian (Valeriana saxatilis), Aurikel (Primula auricula), Grasnelken-Habichtskraut (Hieracium staticefolium), Niedrige Glockenblume (Campanula cochleariifolia),, Alpen-Meier (Asperula neilreichii), Weiß-Mauerpfeffer (Sedum album), Clusius-Primel (Primula clusiana), Schneeheide (Erica carnea), Kreichendes Gipskraut (Gypsophila repens), Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Kahles Steinröschen (Daphne striata), Zwergalpenrose (Rhodothamnus chamaecistus), Schild-Ampfer (Rumex scutatus), Alpen-Kresse (Arabis alpina).

In hochstaudenreiche Wälder, mit Österreichischer Wolfsmilch (Euphorbia austriaca), Akelei-Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolia), Großem Fingerhut (Digitalis grandiflora), Echter-Eisenhut (Aconitum napellus), Wolfs-Eisenhut (Aconitum vulparia), Rundblättriger Steinbrech (Saxifraga rotundifolia), Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii), Alpen-Heilglöckchen (Cortusa matthioli), Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Berg-Distel (Carduus personata), Österreichische Gemswurz (Doronicum austriacum), Alpenrachen (Tozzia alpina).

Der Wald Mitteleuropas, ursprünglich 60 - 75 % der Fläche bedeckend, ist auf weniger als 30 % zurückgedrängt. Die restlichen Waldgebiete wurden nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten von ursprünglichen Mischwäldern mit hohen Laubholzanteil zu Monokulturen unter Bevorzugung der Fichte umgewandelt. Neben der Verarmung der Fauna und Flora resultierte hieraus eine starke Abnahme der Bodenorganismen, die wiederum eine Verschlechterung der Bodenstruktur und Bildung von saurem Humus zur Folge hatte. Ganz allgemein lässt sich feststellen finden sich im Urwald außerordentlich vielfältige Lebensbedingungen für zahlreiche Tierarten, wie den widereingebürgerte Braunbären (Ursus arctos arctos), Auerhuhn (Tetrao urogallus), Dreizehenspecht (Picoides tridactylus), Alpenbock (Rosalia alpina) u. a. Im Vergleich dazu bietet der Kulturwald weit weniger Arten Existenzmöglichkeiten.

Literatur:

Meisinger, A.; Naturdenkmale Niederösterreichs, Verlag der nö- Landesregierung, Wien 1951

Ronninger, K.; Försters Touristenführer, 4. T., Verlag  Artaria 1924.

Schmitschek, E.

Forstentomologische Studium im Urwald Rothwald, Sonderdruck aus Z. f. a. Entomologie, Bd. 34, 1952, H. 2.

Zukrigel, K., Eckhard, G.

Standortkundliche u. waldbauliche Untersuchungen in Urwaldresten der nördlichen Kalkalpen. Mitteilungen. der forstlichen Bundesanstalt Mariabrunn, Heft 62, 1963

Verfasser:

Franz Erich Tod, Botanischer Garten der Univ. Wien,  Rennweg 14,  A-1030 Wien, Österreich - Austria 

update, 01.12.2014

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