SE-05 - Arbeitskonzept Florentina Hausknotz:

Kwasi Wiredu - Kultur und Menschheit

Können wir von einer menschlichen Gemeinschaft sprechen, einer Situation die das Potential umfassender Kommunikation und Verständnis in sich birgt?

Wiredu ein afrikanischer Philosoph beantwortet die vorangegangene Frage mit ja. Er erstellt eine Theorie, die auf den ersten Blick als Gratwanderung zwischen Relativismus und ewigen Werten erscheint. Wie sehr theoretisch sich Wiredus Thema auch anhören mag so sehr entwickelt er sein Denken aber zum Zweck der praktischen Anwendung, was sich in Themen seiner Schriften wie der Auseinandersetzung mit afrikanischem Philosophieren und Leben, Menschenrechten und der Vormachtstellung des Westens niederschlägt. Ziel meines Textes soll es sein Wiredus Denken darzustellen und es anschließend mit meinen eigenen Augen und denen anderer Denker, zum Zweck der Weiterentwicklung, zu prüfen.

Philosophie, als definitionsbedürftiges Wortprodukt

Philosophie in Afrika lässt verschiedenste Assoziationen zu, bedeutet Philosophie dasselbe als Volksweisheit, wie es eine Strömung benannt "Ethnophilosophie" vermutet? Oder muss sich Philosophie an die aktuellen Lebensumstände anpassen, wird in unseren Diskussionen übersehen was afrikanische Denker wirklich leisten?

Eröffnen soll meine Darstellung Wiredus Problematisierung des Terminus "Philosophie", seine Kritik an der Ethnophilosophie und seine Vorschläge für die Zukunft des Denkens in Afrika und der ganzen Welt.

Verstehen versus Übersetzen

Wiredu entwickelt seinen eigenen Begriff von Verstehen. Verstehen als Produkt der Erforschung von Umständen gemeinsam mit den Inhalten einer Aussage. Im Mittelpunkt soll die Frage nach interkulturellem Verständnis als ein anderer Weg neben universeller Übersetzbarkeit stehen.

Ethische Vorstellungen gibt es unterschiedliche, verschiedene Schulen, Kulturen...?

In diesem Abschnitt soll die Frage geklärt werden wie Wiredu zu seiner Behauptung einer umfassenden, ethischen Grundlage kommt. Diese Behauptung entfaltet ihr vollkommenes Gewicht in der Diskussion von Menschenrechten und ihrer Anwendung. Wiredu behauptet eine Vergleichbarkeit von Normen, bewegen wir uns mit dieser Theorie in Richtung Zwangsherrschaft eines einzigen Systems, oder eröffnen sich neue Möglichkeiten der Verständigung?

Literatur

Masolo, A. Dismas:"Die Konstruktion einer Tradition. Afrikanische Philosophie im neuen Jahrtausend". In: polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren. Nr. 10/11, 2004, S. 122-145.

Masolo, A. Dismas: African Philosophy in Search of Identity. Bloomington, Indianapolis: Indiana University Press. 1994.

Wiredu, Kwasi: Cultural Universals and Particulars. An African Perspective. Bloomington, Indianapolis: Indiana University Press. 1996.

Wiredu, Kwasi: On Defining African Philosophie. In: Nagel-Docekal, Herta und Wimmer, Franz Martin (Hg.): Postkoloniales Philosophieren: Afrika. Wien: Oldenbourg. 1992, S. 40-64.

Wiredu, Kwasi: Demokratie und Konsens in traditioneller afrikanischer Philosophie. Ein Plädoyer für parteilose Politik. In: polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren. Nr. 2, 1998, S. 12-21.

Wiredu, Kwasi: The Need for Conceptual Decolonization in African Philosophy. In: Kimmerle, Heinz und Wimmer, Franz Martin (Hg.) Philosophy and Democracy in Intercultural Perspective. Philosophie et démocratie en perspective interculturelle. Amsterdam: Rodopi. 1997. S. 11-24.

Pauer-Studer, Herlinde: Einführung in die Ethik. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG. 2003.

Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. (Werkausgabe Bd. VII) Frankfurt am Main: Suhrkamp. 1974.

Chomsky, Noam: Sprache und Geist. (2.Aufl.) Frankfurt am Main: Suhrkamp. 1980.

Sellars, Wilfrid: Der Empirismus und die Philosophie des Geistes. Paderborn: Mentis. 1999.

Quine, Willard VanOman: Words and Object. Cambridge: The Technology Press of Mass. Institute of Technology. 1960.

(Hg.) Institut für Wissenschaft und Kunst:"Menschenrechte im Kulturvergleich". Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst 59, Nr. 1-2. 2004.