SE Interkulturelle Philosophie — Hermeneutik, SS 2005 n.Chr.

Thema: Nicht-okzidentale Hermeneutik bis zum 20. Jh.

 

Entwurfskonzept von Rainer Dragan 9906968, drr@drr.at

 

Islamische Hermeneutik

Seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jhdt., also ab der 68er Revolution fand eine verstärkte Annäherung und ein reges Interesse an fernöstlichen Philosophien und Religionslehren statt, die zu einer Fülle an Schriften über Buddhismus, Hinduismus, Zen und anderen führte. Von Popkultur (Beatles) bis zu Physik (Carpa) reichte das Spektrum der Beschäftigung hiermit und ermöglichte einen breiten, friedlichen Zugang zum fernen Osten, während der nahe Osten im Halbdunkeln gelassen wurde. Dies zu einer Zeit, da die offiziellen westlichen, kapitalistischen Systeme einen eindeutigen Feind im Kommunismus hatten.

Spätestens seit dem Zusammenbruch des selbigen im ausgehenden 20. Jhdt, bzw. seit dem Beginn des 21. beschäftigt sich die westliche Welt unter selbst erwählter Führung der USA und deren Medien unter der zu neuem christlichen Konservatismus gewandelten Bush-Regierung verstärkt mit einem neuen "Feindbild", dem Islam und dem davon abgeleiteten Islamismus. Dies gleicht einer Wiederholung der Geschichte, die in der Zeit der Kreuzzüge gegen die ungläubigen, eigentlich andersgläubigen Araber und ihrem Islam schon einmal stattfand.

Die Seminararbeit dient nun dazu, Verständigungen mit Islamischer Philosophie aufzugreifen, um in kritisch-philosophischer Tradition dem "Gespenst" Islamismus zu begegnen und dessen Basis, die Religion des Propheten Mohammed, sowie deren Folgen für das Denken einer eigenständigen Region näher kennen zu lernen. Analog zur abendländischen Tradition der Auslegung der christlichen Lehre durch philosophisch-theologische Methoden seit dem Mittelalter sollen hier Parallelen wie Unterschiede zu den Traditionen der Auslegung der Basisschriften des Islam gezeichnet werden.

Dazu bedarf es einer Einführung in Islamische Philosophie/Theologie/Rechtslehre, deren Grundbegriffe und deren wichtigsten Philosophen: al-Kindi, ar-Razi und al-Farabi als eine der ersten Wegbereiter der Philosophie in die islamische Theologie, ibn Sina (Avicenna) und sein Paradigma, al-Ghazalis theologische Antwort und ibn Rushds (Averroes) Entgegnungen auf diesen. An dessen im Abendland weit bekannter, rationalistischer Philosophie und den darin enthaltenen drei unterschiedlichen Lesearten der Verse des Qur’an knüpft sich die eine mögliche Konstruktion einer vereinheitlichenden Hermeneutik des Islam.

Als innerislamischer Kontrastpunkt dazu soll Suhrawardis Illuminationslehre herangezogen werden, die durch ihren Kern der Erkenntnisgewinnung durch unmittelbare Intuition erstaunliche Parallelen mit europäischen Philosophen des 20. Jhdt. (Henri Bergson) aufweist.

Literatur:

. Koran. Frankfurt/M: Der Islam, 2003.

Averroes. Philosophie und Theologie / von Averroes. Weinheim: VCH-Verl.-Ges., 1991.

Bergson, Hernri. Denken und schöpferisches Werden. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 2000.

Bobzin, Hartmut. Mohammed. München: Beck, 2002.

Bobzin, Hartmut. Der Koran. München: Beck, 2004.

Busse, Heribert. Die thelologischen Beziehungen des Islams zu Christentum und Judentum. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991.

Cook, Michael. Der Koran. Stuttgart: Reclam, 2002.

Halm, Heinz. Der Islam. München: Beck, 2004.

Halm, Heinz. Die Araber. München: Beck, 2004.

Heinzmann, Richard. Philosophie des Mittelalters. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer, 1998.

Nagel, Tilman. Geschichte der islamischen Theologie. München: Beck, 1994.

Rudolph, Ulrich. Islamische Philosophie. München: Beck, 2004.

Schimmel, Annemarie. Sufismus. München: Beck, 2003.

Strohmaier, Gotthard. Avicenna. München: Beck, 1999.