Kurt Rudolf Fischer und Franz M. Wimmer:
Historisches Bewußtsein in der Analytischen Philosophie
In: L. Nagl u. R. Heinrich, Hg.: Wo steht die Analytische
Philosophie
heute?
Wien: Oldenbourg
1986, S. 171-189
Analytische Philosophen haben im
allgemeinen
kein historisches
Bewußtsein hinsichtlich ihrer eigenen Disziplin, oder doch so gut
wie
keines. Die Analytische Philosophie ist ein
ahistorisches Unterfangen. Was analytische Philosophen überhaupt
auf dem
Gebiet der Philosophiegeschichte für notwendig halten - es handelt
sich
nicht um allzu viel -, hat Gregor Sebba "doctrinal analysis" genannt,
worunter
er "the study of philosophical concepts, propositions, doctrines and
systems,
to determine their precise meaning, structure, and internal validity"
versteht. Es kann zwar eine Menge an
historischer Arbeit notwendig sein, um eine solche "doctrinal analysis"
vorzubereiten, wie etwa: "text criticism, historical study of the
language
used, contemporary and earlier literature on the subject, and so
forth". Jedoch
bleibt, bei aller historischen Arbeit, die Zugangsweise zur Geschichte
der
Philosophie, wie sie unter analytischen Philosophen weit verbreitet
ist,
solange unhistorisch, als die die Vergangenheit der Philosophie als
etwas
Zeitloses, Nicht-Geschichtliches behandelt.
Es gibt keine guten Gründe mehr, weder
aus dem gesicherten
Thesenbestand der Analytischen Philosophie, noch aus
dem Interesse, das historisches Wissen um die Philosophie
überhaupt
beanspruchen kann, welche eine ausschließlich
problem-rekonstruierende
Zugangsweise zur Geschichte der Philosophie rechtfertigen könnten.
Eine
weniger einseitige Untersuchung der Geschichte der Philosophie, welche
dieses
Unternehmen nicht nur nach seinen wirklichen oder vorgeblichen
Ergebnissen,
sondern auch nach seinen Bedingungen hin untersucht und zu klären
sucht, würde auch für das Selbstverständnis der
gegenwärtigen Philosophie fruchtbar sein.
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