Barbaren, Exoten und Heiden - zur Wahrnehmung der Anderen

Franz Martin Wimmer, Wien (1985)

erschienen in: Zeitschrift für Lateinamerika, Wien, Nr. 29, 1985, S. 45-53


Für die Europäer der frühen Neuzeit sind die Bewohner der Neuen Welt, sobald man sich im klaren ist, nicht Indien oder die Ostküste Asiens vor sich zu haben, Fremde par excellence. Denn für eine ganze Reihe von unbekannten Völkerschaften des Ostens und des Südens hatte die mediterran-antike, und später die europäisch-christliche Kultur eine Typologie zur Verfügung, aber nicht für diese neuen Völker des Westens. Diese Typologie war im übrigen recht fantastisch, doch hatte man sich eben daran gewöhnt, und so war die Vorstellung von den Kopflosen (die Augen, Nase, Mund auf der Brust haben), den Leuten mit rückwärtsgewandten Füßen, den Einäugigen, Hundsköpfigen, Sechsarmigen usf. ganz geläufig. In Conrad von Megenbergs "Puech der Natur" finden sie sich ebenso vorgestellt wie in der "Weltchronik" des Nürnberger Arztes Hartmann Schedel. [1]

Beides sind Werke, die zur Zeit der Fahrten Columbus` verbreitet waren. Solche Varianten der Gattung Mensch dachte man sich in den noch unbekannten Weltteilen, von denen undeutliche Kunde schon da war. Die Reisebeschreibungen des Ibn Battuta oder des Marco Polo hatten die Europäer sowenig über die Völker und Kulturen Asiens aufgeklärt wie etwa der Bericht Wilhelms von Roebroek. [2]

Als nun die "Neue Welt" als Neue Welt, und nicht nur als eine abgelegene Gegend der Alten Welt bekannt wurde, da fanden häufig jene alten Kategorien der Fabelwesen wieder Eingang in die Beschreibungen und Darstellungen, zumindest dort, wo es sich um noch nicht eroberte Gebiete handelte.[3]

Die reale Inbesitznahme zunächst der karibischen Inseln, Mexikos und des Nordwestens von Südamerika führte sehr schnell zur Herausbildung eines bestimmtenBarbarentyps, den Europa in den Einwohnern Amerikas sehen wollte: Ein Gemisch von Abscheulichkeiten (wie: Kannibalismus, Teufelskult, Inzest, Sodomie) und Vorzügen (wie: Anmut, Aufrichtigkeit, fehlende Besitzgier) formten ein sehr widersprüchliches Bild dieser Neuen Welt, deren Bewohner zwar nicht mehr als Fabelwesen betrachtet wurde, deren Abstammung von Adam - und mithin potentielle Zugehörigkeit zum Geschlecht der Christen - aber doch umstritten bleiben konnte.[4]

Es ist für das Selbstverständnis einer Kultur aufschlußreich, wie sie die jeweils Anderen sieht, mit welchen Begriffen und Methoden sie die Herausforderung einer fremden Lebensform zu bewältigen sucht. Für unser heutiges Bewußtsein, auch für unsere Fähigkeit und Unfähigkeit, Fremdes anzueignen und uns dabei doch selbst treu zu bleiben, sind die Grundmuster immer noch bedeutungsvoll und aufschlußreich, die unsere Vorfahren für die Verarbeitung der "Neuen Welt" entwickelt haben.[5]

Mir scheint, es sind immer wieder drei Grundtypen des Anderen, der als fremdkultureller Mensch in den Blick kommt, wirksam gewesen: Diese Anderen wurden entweder als Barbaren oder als Exoten oder als Heiden betrachtet. Jede dieser Kategorien konnte dazu dienen, eine aggressive Politik gegenüber diesen Anderen gerechtfertigt erscheinen zu lassen, die Zeugnisse dafür sind Legion. Jeweils als Kritik an innereuropäischen Zuständen konnten diese Heiden, Exoten und Barbaren aber auch zu Bewohnern Utopias stilisiert werden. Diese Kategorien will ich im folgenden kurz skizzieren.

Es ist klar, daß die Begriffe, die hinter den Ausdrücken "Barbar", "Exote" oder "Heide" stehen, nicht immer auch mit ebendiesen Ausdrücken benannt werden, ich könnte daher in jedem Fall ebensogut auch etliche andere verwenden (wie z. B. "Primitive", "Ungläubige" usf.). Wichtig ist aber, daß es sich um drei verschiedene Arten des Sich-Absetzens von Fremdem handelt, womit zugleich auch eine Aussage über das eigene Selbstverständnis getroffen ist. Nicht die Ausdrucksweisen, mit deren Hilfe das und der Fremde erfaßt werden soll, sind hier wichtig, sie ändern sich häufig, wohl aber die Begriffe - und diese sind über manche Veränderungen ideologischer, weltanschaulicher, wissenschaftlicher, politischer Art in den letzten Jahrhunderten im Verhältnis der Europäer zu den Nichteuropäern relativ stabil geblieben.

Mit dem Begriff des "Barbaren" will ich jene aggressive Arroganz ansprechen, die der Stammesangehörige dem Fremdstämmigen entgegenbringt. Zum Barbaren gibt es keine wirklichen Brücken, er kann höchstens mit Zwang (nicht durch Überredung) zivilisiert, kultiviert, aus der Welt geschafft werden. Man kann seine Arbeitskraft für den Fortschritt der Menschheit nutzen, aber soweit er Barbar ist, kann er nicht wissen, was solcher Fortschritt ist, er ist höchstens Instrument, nie ein möglicher Partner. In der europäischen Neuzeit hat sich ein widersprüchlicher gedanklicher Prozeß hinsichtlich der Einschätzung der Anderen als Barbaren abgespielt: Einerseits wurden andere "Hochkulturen" entdeckt (wie China und Indien), deren Vertreter von Barbaren zu Exoten avancierten. Diese teilweise Aufhebung des Barbarischen ist immer wieder geschehen, in der Wissenschaftsgeschichte der Anthropologie und Ethnologie wie der Kulturgeschichte nachzuvollziehen. Das war die eine Seite des Verhältnisses zum Anderen als einem Barbaren: in ihrem Gefolge erleben wir eine Ausbreitung der Toleranz, des Völkerrechts, des Internationalismus. Die andere Seite des Verhältnisses besteht darin, daß dort, wo Barbaren nicht exotisierbar waren, jene Anderen soweit wie möglich instrumentalisiert wurden (etwa im Sklavenhandel oder im Kolonialsystem bis heute) und, wo auch dies nicht zielführend schien, vernichtet wurden. Durch die "wissenschaftliche" Untermauerung des Barbarenbegriffs mithilfe der Rassentheorie, in Verbindung mit einer sozialdarwinistischen Gesellschafts- und Geschichtsauffassung war es dann in unserer jüngsten Vergangenheit auch möglich, zur "Feststellung" von Barbaren von Kulturleistungen überhaupt abzusehen und rassische "Schädlinge" aus dem Kreis der tolerierbaren Varianten des Menschtums auszuscheiden und zu vernichten.[6]

Barbaren treten also nicht nur als Angehörige fremdkultureller Gesellschaften ins Bewußtsein. Wo sie jedoch fremde Kultur repräsentieren, schließt ihre Einordnung als Barbaren gewisse Formen der Idealisierung durchaus nicht aus, die oft als Kritik an der eigenen Kultur auftauchen oder eine Erinnerung an verlorengegangene Fähigkeiten bei den "Wilden" suchen.[7]. Dessenungeachtet hat die reale Existenz der (fremdkulturellen oder einheimischen) Barbaren keinen Wert für die Menschheit, ihnen gegenüber ist der bloße Eroberergesichtspunkt durchaus angemessen. Die Kapitulation ist die einzige Möglichkeit, unter der der Barbar noch existieren kann. Es klingt wie ein ewiges Gesetz, wenn ein Exponent des deutschen Kolonialreiches mit Beziehung auf die Vernichtung der Herero schreibt: "Es vollzog sich im Schutzgebiet die Tragik jeder Siedlungskolonie, daß der Frieden zwischen Weiß und Farbig erst eintritt, wenn der weiße Mann den Farbigen mit der Gewalt der Waffen niedergeworfen hat."[8]

Eine zweite Form der Behandlung der Barbaren, allerdings nur unter der Bedingung ihrer Unterwerfung, ist der Paternalismus, eine Variante der aristotelischen These von den "Sklaven von Natur."[8]a Auch dieses Denkmuster setzt unbedingte Unterlegenheit der Barbaren voraus, und es ist auch dort noch wirksam, wo aus humanitären Gründen die Vernichtung von Menschen nicht zulässig erscheint. So schreibt etwa Monegal über den Tiroler Jesuiten Sepp, der ab 1691 am Rio de la Plata wirkte: "An der Würde der Eingeborenen kommt hier keinen Augenblick Zweifel auf. Aber dennoch kann Pater Sepp seinen europäischen Rassismus nicht ganz vergessen. Er sieht die Indios als Faulenzer und Dickschädel an. Und in seiner Liebe liegt ein Paternalismus, der fast so negativ ist wie der Völkermord der Eroberer."[9] In beiden Fällen, bei der Vernichtung oder Instrumentalisierung der physischen Existenz, als auch bei der Entmündigung in paternalistischer Absicht, haben wir es mit der Haltung gegenüber Barbaren zu tun, deren Denk- und Lebensform nicht gleichberechtigt zu eigenen sein kann. Etwas anders verhält es sich mit dem Begriff des Exotischen.

Exotisch wird das Barbarische, wenn es aus der Distanz betrachtet wird, wobei diese Ferne durchaus auch mit räumlicher oder zeitlicher Nähe zusammengehen kann, bzw. wenn es in einer herzeigbaren, ablichtbaren Form auftritt, mithin zum ästhetischen Gegenstand wird. Der Begriff des Exoten bezeichnet also das Verhältnis einer toleranten Arroganz gegenüber dem je Anderen. Die Exotik gehört heute zum zivilisierten Leben wie der Urlaub zur Arbeitswelt. Allerdings sind ihre Schranken jederzeit sichtbar und nicht vom Inhalt des jeweils Exotischen her zu bestimmen: Mag der Hammelbraten in Anatolien zum exotischen Kolorit gehören, so sind die Gastarbeiter von nebenan, die ihren Hammel im Hof schlachten wollen, doch schlicht Barbaren. Trotz dieser jederzeit möglichen Widerrufung der Klassifikation stellt jedoch die Herausbildung des Begriffs des Exotischen gegenüber dem des Barbarischen - in unserer europäischen Geschichte ab dem 18. Jahrhundert zu beobachten - eine Höcherentwicklung dar: er ist in gewisser Weise generalisierbar. Es ist mit gebildetem, zivilisiertem Selbstbewußtsein zwar unvereinbar, zu den Barbaren zu zählen, doch durchaus vereinbar, exotisch für andere zu sein. Österreicher machen in Japan Urlaub und umgekehrt - und sind für einander Exoten. Insgesamt haben wir damit begonnen, uns daran zu gewöhnen, daß es viele moderne Völker mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gibt, also daran, Exoten für die jeweils anderen zu sein. Allerdings sind hier zumindest zwei Einschränkungen anzubringen: einmal widerspricht die Realität (nicht nur) des Sprachgebrauchs dem Begriff insofern, als dieser eigentlich Gegenseitigkeit beinhaltet; zweitens taugt der Begriff des Exotischen solange nicht zum menschlichen Umgang mit Anderen, als er eben nur die Abwechslung, das Malerische, Unverbindliche bezeichnet und somit die Chance vertut, die Anderen als Andere bestehen zu lassen und sie zugleich als ernsthafte Partner in einem globalen Bemühen um neue Lebensformen gelten zu lassen.

Zuerst ein paar Bemerkungen zum Sprachgebrauch. Der Brockhaus definiert "exotisch" zunächst als "fremdweltlich", was wohl mit der alten Bemerkung Montaignes zusammengehen kann:

"Jede Nation hat verschiedene Gewohnheiten und Gebräuche, welche einer andern Nation nicht nur unbekannt, sondern unerhört und barbarisch scheinen."[10]

Jede Nation, wohlgemerkt; der Brockhaus fährt fort: "Aus den Tropen stammend" - und das kann doch wohl kaum für Leute gemeint sein, die selbst aus den Tropen stammen. "Exotisch" also, wie wir das Wort noch verwenden, deutet nach wie vor auf einen Einwegvorgang: "Bis heute versteht man unter Akkulturation einen Einwegvorgang, geradeso wie man auch den Begriff "exotisch" nur einseitig anwendet, nämlich auf das, was vom Standpunkt des Westens als fremd erscheint... In vielen Ländern der Dritten Welt stellt sich das Problem der Akkulturation des Europäers gar nicht. Sein Europäertum verleiht ihm im Gegenteil einen bevorzugten Status" schreibt Miguel Rojas Mix.[11]

Ich will die Einseitigkeit des Sprachgebrauchs dieses Wortes, das von seiner Geschichte und seinem Inhalt an sich geeignet wäre, generalisiert zu werden,[12] noch an einem Beispiel erläutern, das kürzlich in einer Wiener Zeitschrift zu lesen war. Es habe im Sommer 1984, so wurde berichtet, eine Gruppe von Kenianern den Beschluß gefaßt, mit dem interkulturellen Tourismus einmal etwas Ernst zu machen, sich mit Kameras und Trinkgeld versehen und sei dann auf eine Gruppe eingereister deutscher Touristen zugegangen. Man suchte die Deutschen zu einem Erinnerungsfoto zu bewegen, gab ihnen Trinkgeld für einen Schnappschuß, nestelte an ihren Kleidern, wollte dies und das von ihrem Gepäck oder ihrer Kleidung erwerben usw. Die Deutschen sollen das nicht lustig gefunden haben, riefen nach Ordnung, Reiseleitung und Polizei, und die Realisierung des interkulturellen, auf Exotik basierenden Tourismus fand ein schnelles Ende.[13] Das Beispiel mag hinken, denn immerhin taten die Kenianer dies in ihrem eigenen Land; aber bei einiger Beobachtung dürften sich unschwer Fälle finden lassen, die dieselbe Einseitigkeit auch in unserem eigenen Land (den Anderen, Nichteuropäern, gegenüber) belegen, und zwar nicht nur im Reisewesen, sondern etwa auch in den Wissenschaften.[14]

Levi Strauss hat zum Ausdruck gebracht, was in dieser Situation die Aufgabe ist:

Daß es notwendig ist, in einer von Monotonie und Uniformität bedrohten Welt die Verschiedenheit der Kulturen zu erhalten, ist gewiß den internationalen Institutionen nicht entgangen ... Die Verschiedenheit der menschlichen Kulturen ist hinter uns, um uns und vor uns. Die einzige Forderung, die wir in dieser Hinsicht erheben können (und die für jeden einzelnen entsprechende Pflichten schafft), ist, daß sie sich in Formen realisiere, von denen jede ein Beitrag zur größeren Generosität der anderen sei."[15]

Die Anderen und sich selbst als Exoten zu betrachten, kann natürlich in einen konturenlosen Relativismus führen. Es kann auch dazu führen, und darin sehe ich eine Chance, voneinander tatsächlich die Möglichkeiten des Menschseins zu erfahren und diese Erfahrungen in der gegenwärtigen Situation des Entstehens einer globalen Kultur aus den traditionellen regionalen und lokalen Kulturen fruchtbar zu machen. Dies würde nicht nur heißen, daß Historiker die Anderen zu Wort kommen lassen, was ja doch immer wieder, von Huamán Poma und Jean de Léry bis zu Nathan Wachtel und anderen für den Fall Lateinamerikas geschehen ist[16], es würde auch bedeuten, daß Wissenschaften wie die Psychologie, Philosophie, Medizin, Jurisprudenz sich ernsthaft, und nicht nur in musealer Absicht, mit dem Erbe der alten Kulturen befassen und so die Nachkommen aller noch faßbaren alten Kulturen in einen gegenseitigen Austausch treten, aus dem Neues entstehen kann.

Gegen die Praktizierbarkeit eines solchen "generösen" Verhältnisses zu den Anderen, um Levi Strauss` Wort zu gebrauchen, spricht die Herrschaft der dritten Kategorie, von der einleitend die Rede war: die Kategorie des Heidnischen.

Kennzeichnet der Begriff des Barbarischen die Existenzweise von Menschen auf einer grundlegenden anthropologisch-ethnologischen Ebene, derart grundlegend, daß der Barbar nicht einmal mehr als Rechtssubjekt aufscheinen muß, so unterscheidet sich der Exote von anderen Exoten aufgrund geschmacksmäßiger Beurteilungen, also auf der ästhetischen Ebene. Wir trennen aber auch noch auf der epistemischen, erkenntnismäßigen Ebene zwischen uns und den Anderen, und ich verwende hierzu den Ausdruck, der aus der religionsbestimmten Epoche Europas stammt: wir trennen zwischen Heiden und Rechtgläubigen (oder, modern gesprochen, zwischen wissenschaftlich Kompetenten und wissenschaftlich Inkompetenten). In missionarischer Arroganz wird der Fremde als Heide betrachtet.

Natürlich hat das europäische Selbstbewußtsein nie unterstellt, daß in Europa nur Rechtgläubige (oder: wissenschaftlich Kompetente) lebten, es hat aber unterstellt und tut dies noch, daß in den anderen Kulturen jedenfalls Heiden lebten. Durch Erziehung und Studium geprägt, wird auch heute noch die Mehrzahl der euroamerikanisch Gebildeten eine latente wissenschaftliche Inkompetenz der Nichteuropäer annehmen - und nicht umgekehrt. Es liegt auf der Hand, daß die Entwicklung vieler Wissensbereiche in der europäischen Neuzeit äußerst erfolgreich war. Es liegt nicht auf der Hand, daß dies für alle Wissensbereiche, auch nicht für alle wichtigen Wissensbereiche gilt. Es steht fest, daß der größte Teil der juristischen, auch völkerrechtlichen Literatur der Gegenwart in der nördlichen Hemisphäre produziert wird. Es steht nicht fest, daß die Völker der nördlichen Hemisphäre in den letzten Jahrhunderten eine vergleichbare Überlegenheit ihrer Rechtlichkeit oder ihres völkerrechtlichen Gewissens bewiesen hätten.[17] In seinem Traktat über "Autorität" hat Bochenski zwei Arten von Autorität unterschieden: Epistemische und deontische Autorität. Epistemische Autorität besitzt jemand aufgrund der Überlegenheit des Urteils, seiner Erfahrung, seines Wissens. Deontische Autorität besteht innerhalb einer Hierarchie von Befehlsgewalt.[18] In den meisten Vermittlungsformen des Wissens über die Anderen werden Verhaltensweisen geprägt, die diese beiden Arten von Autorität vermengen. Es fängt schlicht damit an, daß wir die Geschichte der Menschheit (heute noch!) als Vorgeschichte und Geschichte Europas und seine Expansion darstellen, die großen Errungenschaften und Standards dieser Tradition einschreiben, und so die Bedingungen dafür weiterreichen, daß die deontische Autorität, welche Europäer über Nichteuropäer haben, für epistemische Autorität gehalten wird. Dies ist Erbe aus der Epoche der beanspruchten Rechtgläubigkeit und rassischen Überlegenheit. Es macht die Aufhebung des Begriffs des Heiden noch schwieriger als desjenigen der Barbaren und der Exoten.

Für Intellektuelle oder Lehrer besteht jedoch gerade in dem Versuch einer Aufhebung des "Heiden" eine zentrale Aufgabe. Er besteht, in meinem Fall, darin, etwas nicht als "Geschichte der Philosophie" zu deklarieren, wo nur von europäischer Philosophie und deren Vorgeschichte die Rede ist. Die antike Philosophie etwa: das muß natürlich die Grundzüge der Entwicklung weltanschaulichen, moralischen, wissenschaftlichen Denkens in China und in Indien und im Mittelmeerraum (zumindest) beinhalten. Ich kann mir vorstellen, daß in dieser Weise auch die Selbstdarstellung einiger anderer akademischer Disziplinen (z.B. der Geschichtsschreibung, der Psychologie, der Philologien etc.) zu revidieren ist. Versuche in dieser Richtung gibt es durchaus, aber bisher scheinen sie eher außerhalb des europäisch-amerikanischen Raumes unternommen zu werden.[19] Hierin sehe ich, da die Überwindung des Begriffs des Heiden für die Globalkultur eine Notwendigkeit sein wird, eine Überlegenheit nichteuropäischer Kulturen - die ich keineswegs auf irgendwelche geheimnisvolle Faktoren zurückführen möchte, sondern auf den Zwang, der sich aus der Begegnung mit der europäischen Kultur ergeben hat, die unter Berufung auf ihre epistemische Autorität allenthalbem deontisch autoritär war.

Mit einer kurzen Bemerkung zu Utopia will ich schließen. Chinard legt Columbus folgende Beschreibung in den Mund: "Weder besitzen sie Zäune, noch umschließen sie ihre Besitzungen mit solchen; sie lassen ihre Gärten offen, ohne Gesetze, ohne Bücher, ohne Richter: Aber von Natur aus handeln sie recht und halten den für schlecht und ungerecht, der sich daran freut, dem Nächsten ein Unrecht zuzufügen."[20] Das ist Ovids Goldenes Zeitalter: "quo vindice nullo sponte sua sine lege fidem rectumque colebat". U-topia heißt Nirgend-wo. Das utopische Amerika hatte selbst in einigen der literarischen Figuren, die für es stehen sollten, eine wurzellose Existenz: die edle Indianerin Yariko, die einem Engländer das Leben rettet, von ihm schwanger und dann in die Sklaverei verkauft wird, ist ihrem Stamm entflohen und ebenso wurzellos geworden wie der edle afrikanische Sklave Oroonoko, dessen Schicksal der Propaganda des einen Kolonialvolks gegen das andere dient.[21] Die vorgebliche Utopie, seit Columbus immer wieder beschrieben und den Europäern als Spiegel vorgehalten, hatte keine andere Existenz und Berechtigung als ein Spiegelbild: das Andere zu Europa zu sein. Wohl sind auch die meisten Erzählungen über die "edlen Wilden" ganz fiktiv, aber das scheint mir nicht das Wichtigste. Wichtig ist, daß diese "edlen Wilden", wo sie in Wirklichkeit existierten, gar kein Recht auf ihre Eigenheit hatten. Die realen "edlen Wilden" entpuppten sich für ihre realen Herrn als "geborene Faulpelze, Trunkenpolde und Diebe"[22] und nicht als Überlebende des Paradieses.

Daraus scheint mir eine Lehre zu folgen: Nicht die Utopisierung und Idealisierung alter Lebensformen (seien es amerikanische, asiatische oder afrikanische) ist die Aufgabe unserer Zeit, sondern die konkrete Überwindung der Herrschaft der Begriffe von Barbarei und Heidentum, verbunden mit einer Entwicklung des Begriffs des Exotischen.



ANMERKUNGEN:

[1]Zu Conrad von Megenberg vgl. Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte, 1973, 155ff. Megenberg (1309-74), vermutlich Kleriker, legte das Wissen seiner Zeit dar: Über Menschen auf Erden und im Himmel, über Tiere, Meereswunder, Fabelwesen, Bäume, Kräuter, Mineralien, Erdbeben. Heilmann bezeichnet das "Puech der Natur" als "das erste kulturgeschichtliche Werk in deutscher Sprache", um 1348 entstanden. Zuerst wurde es in Augsburg 1475 gedruckt, wieder 1482 von zwei Druckern, ebenfalls in Augsburg. 1536 erschien in Frankfurt/Main eine stark veränderte Ausgabe. Hartmann Schedels (1440-1514) "Buch der Chroniken und Geschichte", die bekannte "Weltchronik" mit den zahlreichen Holzschnittillustrationen, erschien 1493 im Druck. Die Blätter XII-XIII schildern und zeigen die Fabelwesen: "Von mancherlay gestaltnus der menschen schreiben Plinius: Augustinus und ysidorus die hernachgemelten ding. In dem land india sind menschen myd hunds köpffen und reden pellende. nern sich mit fogelgefeng und klaiden sich mit thierhewtten. Item ettlich haben allain ein aug an der stirn ob der nasen unnd essen allain thier fleisch. Item in dem land libia werden ettlich on hawbt geporn und haben mund und augen. Ettlich sind beder lay geslechts. die recht prust ist in manlich und die lingk weibisch und vermischen sich undereinand und gepern. Item gegen dem paradis bey dem fluss Ganges sind ettlich menschen die essen nichts. dann sie haben so klainen mund das sie das getranck mit einem halm einflössen und leben vom gesmack der öpffel und plumen. und sterben pald von bößem gesmack. Daselbst sind auch lewt on nasen eins ebnen angesichts. Ettlich haben unden so groß lebfftzen das sie das gantz angesicht damit bedecken. Item ettlich on zungen. die deudten einander ir maynung mit wincken als die closterlewt. Item in dem land Sicilis haben ettlich so große oren das sie den gantzen leib damit bedecken. Item in dem land ethiopia wandern ettlich nidergebogen als das vih. und ettlich leben vierhundert iar. Item ettlich haben hörner. lang nasen und gayßfüss das findest du in sand Anthonius gantzer legend. Itez in ethiopia gein dem nidergang sind lewt mit einem prayten füss. und so schnell das sie die wilden thier erfolgen. Item in dem land Scithia haben sie menschen gestalt und pferds füess. Item alda sind auch lewt fünff elnpogen langk und werden nicht kranck bis zum tod. Item in den geschichten des grossen Alexanders liset man das in india menschen seyen mit sechs henden. Item ettlich nacket und rawh in den flüßen wonend. ettlich die an henden und füßen sechs finger haben. ettlich in den wassern wonende halb menschen und halbs pferds gestalt habende. Itez weiber mit perten bis auff die prust auff dem hawbt eben und on har. Item in ethiopia gegen dem nidergang haben ettlich vier awgen. So sind in Eripia schön lewt mit kranchßhelsen unnd snebeln. Doch ist als Augustinus schreibt nit zuglawben das ettliche menschen an dem ort der erden gegen uns da die sunn auffgeet. so sie wider nider geet die versen gegen unsern füßen keren. Doch ist ein grosser streyt in der schrifft wider den wone des gemaynen volcks. das geringßumb allenthalben menschen auff der erden seyen. und die füß gegen einander kerende darauff steen. unnd doch alle menschen ir schayttel gem himel keren. in verwunderung warumb doch wir oder die die ir fersen gegen unns wennden nit fallen. Aber das kömbt aus der natur. dann gleicherweis als der stul des feurs nynndert ist denn in den feuern. der wasser nyndert den in den wassern. unnd des gaysts nynndert denn in dem gayst. also auch der stul der erden nynndert anderß wo denn in irselbs." [Ergänzung 1996: die beste verfügbare Einführung in dieses Thema bietet jetzt: Stephen Greenblatt: Wunderbare Besitztümer. Die Erfindung des Fremden: Reisende und Entdecker. Berlin: Wagenbach 1994]

[2]Ibn Battuta: Reisen ans Ende der Welt 1325-1353. Hg. H.D. Leicht. München: Droemer 1974
Zu Marco Polo vgl.: L. Olschki: Marco Polo`s Asia. Berkeley, Cal. 1961
Zu Wilhelm von Roebroek vgl.: Ulrich Müller: Toleranz im Mittelalter? Eine Skizze zu den Beziehungen zwischen dem christlich-lateinischen Okzident und dem islamischen Orient. In: A. Wierlacher (Hg.): Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. München: iudicium 1994

[3]Eindrucksvoll sind die Abbildungen in: K.H. Kohl (Hg.): Mythen der Neuen Welt. Zur Entdeckungsgeschichte Lateinamerikas. Berlin 1982, 22ff.

[4]Papst Paul III. (1534-1549) tritt mit einer eigenen Bulle ("Sublimis Deus") der Behauptung entgegen, die Indianer wären keine Menschen: "Wir ... indessen sagen, daß die Indianer wahrhaftige Menschen sind ..." Vgl. Mario Erdheim: Anthropologische Modelle des 16. Jahrhunderts. Über Las Casas, Oviedo und Sahagún. In: Kohl 1982 (Anm. 3), 57-67; hier S. 61.

[5]Vgl. Duala-M`bedy, Munasu: Xenologie. Die Wissenschaft vom Fremden und die Veränderung der Humanität in die Anthropologie. Freiburg/München: Alber 1977.
An Literatur zum Thema, die hier nicht weiter zitiert wird, möchte ich nennen:
Urs Bitterli: Die "Wilden" und die "Zivilisierten". Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-überseeischen Begegnung. München 1976
Karl-Heinz Kohl: Entzauberter Blick. Das Bild vom Guten Wilden und die Erfahrung der Zivilisation. Berlin 1981
Kramer, F.: Verkehrte Welten. Zur imaginären Ethnographie des 19. Jahrhunderts. Frankfurt/Main 1977
Loiskandl, Helmut: Edle Wilde, Heiden und Barbaren. Fremdheit als Bewertungskriterium zwischen Kulturen. Mödling 1966
Stein, Gerd (Hg.): Ethnoliterarische Lesebücher
Bd. 1: Die edlen Wilden
Bd. 2: Exoten durchschauen Europa
Bd. 3: Europamüdigkeit und Verwilderungswünsche
Frankfurt/Main: Fischer 1984
[Ergänzung 1996: Sehr interessantes Anschauungsmaterial bieten die sog. "Völkerschauen" Anfang des 20. Jahrhunderts. Vgl.: Benninghoff-Lühl, Sibylle: "Völkerschauen" - Aspekte der Inszenierung der "Wilden" um 1900. In: Wimmer, F.M. u. E. Waniek (Hg.): Mit Eroberungen leben (=Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst, Wien) 1993, H. 1-2, S. 77-84]

[6]Die Pervertierung der Wissenschaft vom Leben in diesem Zusammenhang hat dokumentiert: Benno Müller-Hill: Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933-1945. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1984.

[7]Vgl. G. Stein (Hg.): Die Edlen Wilden (Anm. 5)

[8]Kurd Schwabe in: Kurd Schwabe und Paul Leutwein (Hg.): Die Deutschen Kolonien. 3. Aufl., Berlin o.J. (ca 1926), 115f.

[8a] [Ergänzung 1996: Vgl. Aristoteles, Politik I, 1254b: "Von Natur ist also jener ein Sklave, der einem anderen zu gehören vermag und ihm darum auch gehört, und der so weit an der Vernunft teilhat, daß er sie annimmt, aber nicht selbständig besitzt."
Dieses Kriterium wurde auf ganze Völker und Kulturen angewandt, wenn wir etwa Ende des 19. Jahrhunderts über "den Chinesen" hören, daß er "organisch unfähig scheint, sich auch nur bis zur Vorstellung des metaphysischen Denkens zu erheben"und überdies auch nie selbst etwas erfunden, sondern alles von Ariern übernommen habe: das Pulver wie die Schrift, das Papier wie den Buchdruck oder den Kompaß. Ein Volk also, das von Natur abhängig und jenen untertan sei, die "Herren von Natur"sind. (Chamberlain 1899, zit. nach Auflage 1940, 707; vgl. ebd. 503f)]

[9]Emir Rodriguez Monegal (Hg.): Die Neue Welt. Chroniken Lateinamerikas von Kolumbus bis zu den Unabhängigkeitskriegen. Frankfurt/Main 1982, S.44

[10]Michel de Montaigne: Essais. Frankfurt/Main 1976, 235

[11]Miguel Rojas Mix: Kulturelle Entwurzelung und Kriminalität
in: Unesco-Kurier 1/1984, 30-33, hier: 30.

[12]Paul Hazard beschreibt das Auftauchen des Konzepts des Exotischen etwa folgendermaßen: "Das Neueste ..., was die Ferne lehrte, war wohl die Relativität ... Begriffe, die bisher transzendent erschienen waren, hingen nur noch von der Verschiedenheit des Ortes ab; auf die Vernunft begründete Praktiken erschinenen nur mehr Angewohnheiten; umgekehrt erschienen extravagant anmutende Gebräuche logisch, wenn man sie erst einmal nach Herkunft und Umwelt erklärt hatte." (Die Krise des europäischen Geistes. Hamburg o.J., 5. Auflage, 38)

[13]Vgl. M. Baiculescu : Freiheit mit Reiseleiter. In: Der Falter, Wien 8/1985, S.13

[14]Ich will dazu einige Bemerkungen aus dem hervorragenden Buch von Shigeru Nakayama "Academic and Scientific Traditions in China, Japan, and the West" (Tokyo 1984) anführen: "In the kind of field science research where there is no need to repeat previous studies, the tiles are laid one by one until the whole pattern comes into view ... A Japanese may participate in the 'tile-laying' process, but the first thing he will find upon doing so is that most of the good spaces have already been taken." Wo also ein Naturwissenschafter nichteuropäischer Herkunft scheinbar ganz gleichberechtigt ist, stellt Nakayama doch schon einen Unterschied fest: "With equal effort the Westerner can lay ten tiles in his lifetime to one for the Japanese."(1984, S.234) Viel schwieriger aber wird die Lage in den Geisteswissenschaften. Hier habe sich das Bemühen japanischer Gelehrter lange Zeit darin erschöpft, westlichen Standards zu genügen, in den Augen westlicher Gelehrter zitationsfähig zu sein. Dies aber sieht Nakayama als sachlich nicht angemessen an: "From our point of view, the fact that the West has been the main stage of modernization does not make Western studies of the West anything more than what they are - local histories employing local methodologies." Und solches zu beurteilen, hat natürlich der die größte Fähigkeit, der den größeren Überblick hat. Hier wird Nakayama sehr deutlich und formuliert eine These, die ein neues Selbstbewußtsein gegenüber dem europäischen Erbe zum Ausdruck bringt: "Japanese ... know ten times more about the West than Westerners know about Japan and the East. Indeed, in discussing world history or thought, academically backward nations have a wider field of vision. It is at this point that they can be said to stand in an advantegeous position."(ebd., S.236)

[15]Claude Levi Strauss: Rasse und Geschichte. Frankfurt/Main 1972, 80f.

[16]Huamán Poma: Primera Nueva Crónica y Buen Gobierno. La Paz 1944. Vgl. Monegal (s.o.), 215-231
Jean de Léry: Unter Menschenfressern am Amazonas. Brasilianisches Tagebuch 1556-58. Tübingen 1977. Über Jean de Léry vgl. Kohl 1982 (Anm. 3), 68-70 [sowie ausführlich: Greenblatt 1994, Anm. 1. Ergänzung 1996]
Nathan Wachtel: The Vision of the Vanquished. The Spanish Conquest of Peru through Indian Eyes. Hassocks, Sussex 1977
[Ergänzung 1996: Seit einigen Jahren sind in deutscher Sprache zwei weitere Texte verfügbar, die in diesem Zusammenhang wichtig sind:
Vega, Inca Garcilaso de la: Wahrhaftige Kommentare zum Reich der Inka. Berlin: Rütten & Loening. 1986.;Yupanki, Titu Kusi: "Die Erschütterung der Welt. Ein Inka-König berichtet über den Kampf gegen die Spanier". Lienhard, Martin (Hg., Übers., Einf., Nachwort) Augsburg: Bechtermünz 1995]

[17]Vgl. Wolfgang Benedek: Neue Perspektiven und Konzeptionen des Völkerrechts am Beispiel Afrikas. In: Entwicklungspolitik und Universität. Wien, Nr. 2/3/1982, 54-55.

[18]I.M. Bochenski: Was ist Autorität? Einführung in die Logik der Autorität. Freiburg/München: Alber 1974

[19]Innerhalb der europäischen Tradition hat sich ein wirklich internationalistischer Ansatz in der Philosophiehistorie nur im Marxismus entwickelt. Vgl. dazu: (Autorenkollektiv): Geschichte der Philosophie. 6 Bände. Berlin 1959-67. Als Darstellung vgl. Wimmer: Sowjetische Philosophiehistorie - ein Beispiel für marxistische Geschichtsauffassung; in: P. Lüftenegger (Hg.): Philosophie und Gesellschaft. Wien 1984, 79-93; dass. in: Fortschrittliche Wissenschaft. Wien IV/1984, 5-19.
An neueren Arbeiten zu einer Darstellung der globalen Philosophiegeschichte aus den asiatischen Kulturen sind u. a. zu nennen:
J. C. Plott: Global History of Philosophie. Delhi (4 Bde., 1977-84); Hajime Nakamura: Parallel Developments. A Comparative History of Ideas. Tokyo 1975

[20]Gilbert Chinard: L`exotisme américain dans la littèrature française du XVIe siècle, Paris 1911, S. 19; zit. nach: Duala-M`bedy 1977 (s.o.: Anm.5), 84

[21]Vgl. G. Stein (Hg.): Die edlen Wilden. Frankfurt/Main 1984.

[22]Vgl. Eduardo Galeano: Die offenen Adern Lateinamerikas. 4. Aufl. Wuppertal 1985, 139.