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Referat im Dipl-Seminar Dr. Hartmann, Uni Wien, Sommersemester 2005

Gregor Kapri

Kybernetik und Biotechnologie - Heinz von Foerster

Vgl. Heinz von Foerster: Das Gedächtnis: Eine quantenmechanische Untersuchung (1948) Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke (1993) KybernEthik (1993) Teil der Welt - Fraktale einer Ethik (2002) Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen (4. Aufl. 2005)

Biographie

Heinz von Förster wurde am 13. November 1911 im Österreich der Vorkriegszeit geboren. Sein Vater, wie schon bereits der Großvater, waren bedeutende Architekten. Der Vater war führend am Bau bedeutender Gebäude der Wiener Ringstraße beteiligt, sowie als Leiter des Hochbaudepartement im Ministerium für Inneres tätig. Lilith Förster, die Mutter, war eine Malerin und über den Wiener Kreis mit der kulturellen Elite der Zeit bekannt. Ein verwandtschaftliches Verhältnis mit Ludwig Wittgenstein, sowie die Bekanntschaft mit Kokoschka oder v. Hoffmanstal prägten seine Jugend. V. Förster galt als schlechter Schüler mit besonderem Talent in Physik und Mathematik und die frühen Jahre sind geprägt von Interesse für Magie, Sport und Akrobatik.
Nach dem Abschluss der Schule besucht v. Förster die Technische Hochschule in Wien und inskribierte dort das neu eingerichtete Fach der "Technischen Physik". Ab 1933 wird er zum außerordentlichen Hörer von Veranstaltungen des Wiener Kreises und entwickelt dabei besonderes Interesse für Wittgensteins Traktat . Noch bevor er sein Studium beendete, begann der bei der Kölner Firma Leybold zu arbeiten. Ab 1938 arbeitete er danach bei der Firma Siemens in Forschungslabor und übersiedelt mit seiner Frau nach Berlin. Damit entging er der 1938 stattfindenden Säuberung der Nationalsozialisten in Österreich. Er beendet 1944 sein Studium in Breslau. V. Förster wird später erzählen das seine Tätigkeit, vielmehr seine langsame nachfragende Arbeit, dazu beigetragen habe das kriegswichtige Projekte nicht beendet werden konnten. In jedem Fall übersiedelte er 1945 mit gefälschten Papieren wieder, über Umwege, zurück nach Wien.
In Wien arbeitete er fortan bei der Firma Schrack-Ericsson sowie beim Nachkriegsender Rot-Weiß-Rot. Auf anraten des Freundes Viktor Frankl publizier er 1948 sein erstes Buch mit dem Titel "Das Gedächtnis: Eine quantenphysikalische Untersuchung" . Diese Arbeit wird sich später als Eintrittskarte in die USA erweisen. Da die Familie mit drei Kindern unter der schweren Nachkriegssituation zu leiden hat, wird v. Förster geraten in die USA zum emigrieren. Ab 1949 arbeitet er am "Electron Tube Lab der University of Illinois". Durch die Mithilfe von Warren McCulloch schafft es von Förster, trotz kaum vorhandenen englisch Kenntnissen, einen Vortrag über sein Buch zu halten. Dieser findet bei der interdisziplinären Tagung der Josiah Macy Jr. Foundation statt. Ab 1949 wird er auch Sekretär dieser Konferenz und gestaltet die Taugungsberichte mit.
V. Förster wird ab 1951 zum Professor für Electric Engeniering. Danach entwickelt v. Förster mit der Gründung des Biological Computer Laboratory (BCL) an der Universität von Urbana, Illinois, neue Theorieansätze die zu seinen leittragenden Prinzipien der Forschung werden sollte.
In den letzten Jahren des Lebens von Heinz v. Förster entwickelt er ein starkes Interesse an Musik und Kunst, auch an Computermusik. Des weiteren ein gesteigertes Interesse am Internet und seinen multimedialen Möglichkeiten. V. Förster´s letzte Jahre sind gezeichnet von Vorträgen und Auszeichnungen. Auch Österreich zeichnete der ehemaligen Österreicher aus. Heinz von Förster stirbt am 2.10. 2001 in den USA

Kybernetik und Bionic

Die Idee der Kybernetik kommt aus den mathematisch-logischen Überlegungen von Norbert Wiener. Wiener entwickelte die Idee der Kybernetik anfangs aus der Arbeit in den "think-tanks" des amerikanischen Militärs in der Zeit des II-Weltkrieges. Dabei entstanden die zwei wichtigen Bedingungen: die des "negativen Feedbacks" sowie die Idee des "Informationstransfers" als Mittel zum Zusammenschluss einzelner Komponenten zu komplexen Systemen. Dabei wurde das Konzept später von Wiener selbst auch auf ein gesellschaftliches Umfeld umgelegt, und diente damit als Grundlage für die stattfinden Macy-conferences und hinreichend neuer Forschung schlecht hin.
Durch die Verbindung verschiedenster Denkrichtungen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Wissenschaft welche an den Macy-conferences teilnahmen, entwickelt v. Förster nach dem Ende der regelmäßig stattfinden Konferenzen, an denen er als Sekretär und Schriftführer beteiligt war, als Professor der Universität von Urbana, Illinois eine neues Forschungslaboratorium.
V. Förster der sich am MIT gemeinsam mit Warren McCulloch Problemen der Neurophysiologie beschäftigte, unterhielt auch Kontakte mit Arturo Rosenblueth der sich in Mexiko mit Problemen der Physiologie und Biologik widmete. Im Spannungsfeld zwischen den Forschungen und dem Wissen um den kybernetischen Hintergrund entstand am 1. Jänner 1958 das Biological Computer Laboratory (BCL) . Das BCL war in den ersten Jahren als Forschungslabor, als Spielwiese, ausgewiesen, welche seine Mittel aus Geldern der US-Airforce und US-Navy rekrutierten. Das Netzwerk von Wissenschaftlern der aus den Verbindungen der Macy-conferences, die 1953 endeten, erhalten geblieben waren, schaffte es v. Förster in den Anfangsjahren bedeutende Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen einzuladen. Dies geschah nicht nur zu Erweiterung des Forschungsfeldes sonder wohl auch um das Image des jungen Forschungslabor zu etablieren .
Thematisch konzentrierte man sich vor allem auf den Bereich der "Selbstorganisierten Systeme". Ein Erweiterung der schon in den 20er Jahren konzipierten Systemtheorie mit einer Ausdehnung auf verschiedenste Bereiche war die Folge. V. Förster selbst befasste sich zu Beginn dabei mit selbstorganisierenden Systemen im Rahmen der Thermodynamik.
Der nächste Schritt sollte nun die Bionik sein. Die Bionik versuchte biologische Prozesse transparent zu machen, und so nachvollziehbar und berechenbar zu machen, das sie mit Hilfe von Computer gestützt und gesteuert werden konnte. Die Bionik stellte damit eine Opposition zu der neu entstehenden Entwicklung der KI dar.
Obgleich die Forschungsfragen zukunftsweisend schien wurden am BCL zumeist Grundlagenforschung betrieben, allermeist jedoch konnten militärisch "nutzbare" Ergebnisse vorgewiesen werden. Was nicht bedeutet das keine konkrete Forschung betrieben wurde

Kybernetik zweiter Ordnung

In den 60er Jahren wurde vor allem der Input von Humberto Maturana ein wichtiger Impuls für das Weiterkommen am BCL. Maturana, der bereits am MIT mitgearbeitet hatte und damals jedoch schon ein gespanntes Verhältnis mit Marvin Minski hatte fand im BCL eine neue Heimat. Dort konnte Maturana auch die endgültige Ausformulierung der Theorie der Autopoiesis vollenden, welche als Teil der Forschungsleistung/-arbeit des BCL veröffentlicht wurde. Auch Schüler und Mitarbeiter Maturana, wie z.B. F. Varela , konnten am BCL erstmalig veröffentlichen. V. Försters Arbeit scheint dabei, wie auch die Maturanas, eine gegenseitigen Nutzen gezogen zu haben. So lässt sich die Hinwendung v. Försters zu eine Kybernetik zweiter Ordnung als direkte Antwort auf die Arbeit Maturanas verstehen. Dabei werden die beiden Leitmotive, die des "Beobachters" und das der "Schließung" zentral. Es folgt die Hinwendung zum Problem der Sprache: sowohl die "Linguistic" als auch "speech" werden zwei wichtige Bereiche am BCL, welches selbst fünf zentrale Forschungsbereiche in dieser Zeit anführt.. Danach folgte ein Hinwendung zum Sozialen. Es sollte versucht werden die geleistet Forschung in eine zivil Nutzbarkein umzusetzen. Der Versuch eine Art "intelligente" Datenbank zu erstellen, die, mit Interfaces versehen, vernetzt werden sollte, stellte gemeinsam mit dem von Paul Weston beantragten Forschungsarbeiten im Bereich der Analyse und Auswertung von Datenstrukturen, zukunftsweisende Projekte dar . In jedem Fall erweiterte es die wissenschaftliche Basis des BCL in dieser Zeit um die Pädagogik und führte zu Herausbildung einer Arbeitsgruppe der "cognitive studies".

Als bedeutende Prototypen sollten die "Artifcial Neurons", "Numarete" , der "Dynamic Signal Analyzer", sowie 1966 der "Visual Image Processor", und 1967 ein "Speech Decoder" und ein "Real Time Speech Processor" entwickelt werden. Der Numarete wurde als Netzwerk von verschalteten Photozellen zu einem Prototypen, der ihm gezeigte Gegenstände "erkennen" konnte.
Nach universitätsinternen Konflikten, auch und im Zuge der Stundenbewegungen der 60er und 70er Jahre, und vor allem den, durch das Ausbleiben "kriegstauglicher" Forschung, abgestellten finanziellen Mittel des Militärs musste das BCL 1976 schließen. V. Förster emeritierte zwei Jahre zuvor, sein geleistet Werk wurde archiviert.
Im dem letzten Projekt der Kybernetik der Kybernetik sollte nochmals das Gesamtwerk der Forschungen am BCL auf eine neue Ebene gehoben werden. So wurde aus der Kybernetik erster Ordnung, dem "beobachteten System" eine Kybernetik zweiter Ordnung, eine Metaebene, des "beobachtenden Systems" entwickelt.
Nach dem verlassen des BCL beschäftigte sich v. Förster, nach der Veröffentlichung von "Steps to an Ecology of mind", an dem Mental Research Institut in Palo Alto wo auch Paul Watzlawick arbeitet. Diese Idee lieferten die Grundlage neuer Entwickelungen und kursierten später bei Familientherapeuten sowie Management- und Organisationsberatern. H. Luhmann rückte Teile der Försterschen Forschung ins Zentrum seiner Theorie von sozialen Systemen. Dies stellte die v. Förstersche Arbeit hin zum Weg des Konstruktivismus den v. Förster selbst als "Medizin gegen den Dogmatismus" bezeichnete .

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