Vorlesung Medienphilosophie

Doz. Dr. Frank Hartmann
Institut für Publizistik
Universität Wien

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1.7. Sprachanalytische Transformation


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"Wir bedürfen eines Ganzen von Zeichen, aus dem jede Vieldeutigkeit verbannt ist, dessen strenger logischer Form der Inhalt nicht entschlüpfen kann." (G.Frege zur Begriffschrift, 1882)

Es ist die Sprache, die uns ein bestimmtes Bild der Welt vermittelt, meinte Fritz Mauthner und weiter, dass sie gleichzeitig ein sehr ungenügendes Mittel für deren Beschreibung sei. Für die problematische Frage nach der Verbindung von Sprache und Welt entwickelt die philosophische Analyse im Übergang vom 19. zum 20.Jh. eine neue Theorie der Beschreibungen, mit der die logische Ausdrucksform in den Vordergrund rückt. Damit wird die Frage, wie wir bei unserer Erkenntnis von Welt zu irgendeiner Gewißheit gelangen können, sprachanalytisch transformiert: welche unserer Aussagen über die Welt sind empirisch sinnvoll und welche nicht? Ziel der entsprechenden Philosophie ist die logische Klärung der vorgefundenen Gedanken – gegenüber einer Produktion von "neuen" Wahrheiten mittels systematischer Entfaltung synthetischer Sätze entsteht aus diesem Motiv die analytische Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Das Erkenntnisproblem erfährt dabei zunächst eine positivistische Umdeutung: allein wirklich sind die Sinneserfahrungen, die gedankliche Abstraktion führt nur zu trügerischen Scheinbegriffen. Philosophie soll sprachlich therapiert werden, die Wissenschaft soll aus Erfahrungselementen neu aufgebaut werden, gereinigt von metaphysischen Vorstellungen. So ist für den hier einflußreichen Ernst Mach (1838-1916) allein das Empfindungsmaterial real.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine neue Begriffsschrift

Mit dem Logizismus Gottlob Freges verschiebt sich die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug von Sätzen – das Problem: die logische Form eines Satzes muß seiner äußeren Form nicht immer entsprechen, sprachlicher Ausdruck und Bedeutung fallen auseinander. Daher wird von Frege ein neues Zeichensystem für logische Verhältnisse entwickelt: die sogenannte Begriffsschrift (Untertitel: Eine der arithmetischen nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens, Halle 1879).

Im Anschluß an Leibniz' Untersuchung logischer Kalküle und in Konkurrenz zu George Boole (dessen formale Logik 1854 als "Investigation of the Laws of Thought" erschienen war - die Boolsche Binäralgebra bildet die entscheidende Grundlage heutiger Computertechnologie) schlägt Frege hier vor, die Behandlung logischer Fragen über eine formale Sprache durchzuführen, die eine neuartige Nutzung der Ökonomie der zweidimensionalen Schreibfläche vorsieht:

"Die Begriffschrift nutzt die zweifache Ausdehnung der Schreibfläche aus, indem sie die beurtheilbaren Inhalte von oben nach unten auf einander folgen läßt, während jeder von diesen sich von links nach rechts ausdehnt. So werden die einzelnen Inhalte von einander deutlich getrennt und doch in ihren logischen Beziehungen leicht übersehbar."

Die obenstehende Abbildung (entnommen der Begriffsschrift, Seite 66) ist ein Beispiel solch einer logischen Anordnung, die sich immer auch in Sätzen ausdrücken lassen soll. Anders als in Sätzen der Normalsprache könnte die Begriffsschrift jedoch irrtümer und Mißverständnisse verhindern, da die logischen Verhältnisse nicht bloß angedeutet, sondern in einem neuen Zeichensystem präzise fixiert werden.

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