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Grundlagen
 
Torfmoose (Sphagnum spp.) sind kleine, unauffällige Pflanzen, die phylogenetisch alt und primitiv sind. Sie tragen keine Blüten, die unsere Aufmerksamkeit erregen würden. In Österreich findet man sie nicht leicht, und wenn man sie findet, holt man sich dabei wahrscheinlich nasse Füße. Zahlt es sich aus, diesem Thema eine Homepage zu widmen?
   Meine Antwort natürlich "ja"! Ich möchte hier versuchen, Naturliebhabern, die vielleicht noch nie den Ausdruck "Sphagnum" gehört haben, die Faszination von Torfmoosen zu vermitteln, und ihnen kurzgefaßte Informationen zur Verfügung stellen. Außerdem werde ich das eine oder andere fortgeschrittenere Detail erwähnen, das auch für Botaniker interessant sein könnte.
   Torfmoose sind nicht nur schön, wenn man sie genau betrachtet, sondern sie besitzen auch außergewöhnliche Merkmale, die auf dieser Seite vorgestellt werden sollen.

 
 
 
Torfmoos
(Sphagnum)

 
    Lebend oder tot?
 
Sphagnumpflanzen
 
  Eine intakte Torfmoospflanze lebt teilweise und teilweise ist sie tot. Ihr oberer Teil lebt; Wachstum findet ausschließlich am Pflanzenköpfchen statt. Der untere Teil der Pflanze ist wegen Lichtmangels abgestorben und sein Abbau hat bereits begonnen. Diese ungewöhnliche Eigenheit erklärt sich aus der Tatsache, daß Torfmoose weder Wurzeln, noch ein echtes Gefäßsystem zum Transport von Säften haben; die Ernährung des lebenden Teils ist unabhängig vom abgestorbenen unteren Abschnitt.
   Nur die obersten paar Zentimeter der Pflanze befinden sich über dem Wasserspiegel. Darunter speichern Stämmchen und Blättchen so viel Wasser, daß sie aktiv den Wasserspiegel anheben. Diese außergewöhnliche Fähigkeit von Torfmoos, den Wasserspiegel durch Einschluß von Regenwasser in den Zwischenräumen von Stämmchen und Blättchen anzuheben, ist eine der Voraussetzungen zur Moorbildung. Ohne Torfmoos kann kein Hochmoor existieren!

 
 
Ernährung: Ist Torfmoos gierig?
 
Die Zellwände von Torfmoos binden so große Mengen an Nährstoffen - viel mehr als die Pflanze zu ihrem Überleben braucht - daß der Nährstoffgehalt des umgebenden Wassers nur wenig über dem von destilliertem Wasser liegt. Die Zellwände wirken als Ionenaustauscher. Sie absorbieren rasch Kationen (z.B. Kalzium und Magnesium aus dem Regenwasser) und setzen im Austausch dazu Wasserstoffionen ins Wasser frei. Da Wasserstoffionen das Wasser ansäuern, ist Moorwasser (in Hochmooren) fast so sauer wie unverdünnter Essig (pH=3-4). Torfmoose schaffen und erhalten also ein nährstoffarmes, saures Milieu, das ihr eigenes Wachstum fördert, jedoch für andere Gewächse - außer einer kleinen Anzahl hochspezialisierter Pflanzenarten - lebensfeindlich ist.
 
 
  Sphagnum
S. quinquefarium
 
  Trennbalken
 
 
  Machen Sie ein Experiment
 
 
  1.) Falls Sie Zugang zu nichtnaturgeschütztem rotem Torfmoos haben, sammeln Sie einige Pflanzen und trocknen Sie sie.
2.) Legen Sie sie in eine basische Lösung (z.B. in lauwarmem Wasser aufgelöstes Speisesoda). Die rote Farbe sollte verblassen. Abhängig von der Tiefe des ursprünglichen Rottons und der Stärke der Base wird die rote Farbe sich zu rosa, grün, blauviolett oder sogar zu schwarz verändern.
3.) Spülen Sie die Pflanzen kurz in Wasser.
4.) Tauchen Sie die Pflanzen in eine saure Lösung (z.B. Zitronensaft oder Essig). Die ursprüngliche rote Farbe sollte sich wieder zeigen.

Das Pigment "Sphagnorubin", ein in rotem Torfmoos enthaltenes Flavonoid, ist ein chemischer Indikator für Säure.
 

 
  Trennbalken
 
 
 
    Wachstum: Dezimeter oder Millimeter?
 
Zickzack-Bänderung
 
  Durchschnittlich wächst Torfmoos 10 cm pro Sommersaison. Die höchste Wachstumsrate - bis zu mehr als 40 cm pro Sommer - kommt bei Sphagnum cuspidatum und S. subnitens vor, während S. rubellum mitunter kaum 4 cm pro Sommersaison wächst. Allerdings drückt im Winter das Gewicht der Schneedecke die wassergetränkten Pflanzenteile so sehr zusammen, daß die jährliche Höhenzunahme auf ca. 1 mm reduziert wird. Dieses einzigartige Wachstumsverhalten kann durch zwei außergewöhnliche Eigenschaften von Torfmoos erklärt werden: Erstens ist sein Wassergehalt extrem hoch und zweitens werden die abgestorbenen Pflanzenteile nur teilweise abgebaut. Daher bleiben ihre morphologischen Strukturen erhalten.
   Durch die enorme jährliche Kompression von Sphagnummaterial entsteht eine Zickzack-Bänderung unterhalb des lebenden Mooses. Andere Pflanzen müssen sich diesem Wachstumsmuster anpassen, damit sie zwischen Torfmoos überleben können.

 
 
Torfproduktion
 
Torf ist eine Anhäufung von teilweise abgebauten Pflanzen. Zum Unterschied von vollständig abgebautem Pflanzenmaterial in der Erde oder im Faulschlamm von Sümpfen kann man teilweise abgebaute Pflanzen im Torf sogar nach tausenden von Jahren noch identifizieren. Obwohl manche höheren Pflanzen - wie Seggen oder Schilf - ebenfalls zur Torfproduktion befähigt sind, ist Torfmoos der klassische Produzent von hochqualitativem Torf und nur Torfmoos kann Torfablagerungen von bis zu 10 m Tiefe anhäufen.
   Der teilweise Pflanzenabbau im Torf (Inkohlung) ist durch die eingeschränkte Aktivität von Mikroorganismen bedingt. Im Moorwasser ist die Sauerstoffzufuhr gering, da Regenwasser wenig Sauerstoff enthält und Bewegungen der Wasseroberfläche fehlen. Zusätzlich ist durch den hohen Säuregehalt des Moorwassers die Vermehrung sowohl aerober, als auch anaerober Bakterien stark herabgesetzt.
   Torf ist ein frühes Stadium der Umwandlung von Pflanzen in Kohle. Sein Gehalt an elementarem Kohlenstoff ist für die dunkelbraune Farbe von Torf verantwortlich (während die Braunfärbung des Moorwassers von Gerbsäuren stammt).

 
 
 
Gefluteter Torfstich
 
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