PS Sozialgeschichte der Literatur:
Österreich als literarischer Erfahrungsraum zugewanderter Autorinnen und Autoren

Beginndatum: 1. Oktober 2008

Tag/Uhrzeit/Ort: Mittwoch, 18.00 (pktl.)-19.30 Uhr, Hörsaal 30

Stoff und Aufgabenstellung:
Eine der stehenden Fragen der österreichischen Germanistik ist jene nach dem Österreichischen in und an der österreichischen Literatur geworden. Dieser Problemkomplex wird durch die Tatsache erweitert (oder gar subvertiert?), dass die ‚österreichische‘ Literatur seit Jahren von zugewanderten Autorinnen und Autoren mitgeschrieben wird. Hamid Sadr (Iran), Dimitré Dinev (Rumänien), Vladimir Vertlib (Russland), Stanislav Struhar (Tschechien), Zdenka Becker (Tschechien), Susanne Ayoub (Irak), Tarek Eltayeb (Ägypten), Peter Waugh (England), Jonathan Carroll (USA) sind nur einige jener Schriftsteller, die großteils seit Jahrzehnten hier leben und schreiben.

Viele der genannten Autorinnen und Autoren thematisieren ihr Herkunfts- und Ankunftsland in ihrem Werk und schaffen damit einen »literarischen Erfahrungsraum«, der biographische, historische, politische und gesellschaftliche Momente reflektiert, die in fiktionalisierter Form transkulturelle Eigenschaften wie Identitätsverlust und -gewinn, Fremdheit und Anpassung, sprachliche Hybridität und vieles mehr diskutieren. Der Grad der Fiktionalisierung ist jeweils unterschiedlich und reicht von der faktengebundenen bis zur phantastischen Narration. Somit ist auch der Fiktionalisierungsgrad als eine Strategie literarischer Bewältigung der Fremdheitserfahrung und Integration zu analysieren, zumal die Gründe für die Übersiedlung nach Österreich jeweils unterschiedlich waren. Zu untersuchen ist weiters, welchen Veränderungen das Werk zugewanderter Autorinnen und Autoren mit Blick auf Anpassung, Kulturenvergleich, Selbst- und Fremdwahrnehmung unterworfen ist.

Ein weiteres Ziel dieser LV ist die Gegenüberstellung des literarischen Erfahrungsraums ›Österreich‹ zugewanderter Autorinnen und Autoren und des Österreich-Diskurses heimischer Autorinnen und Autoren (Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Robert Menasse, Franz Schuh usw.), um letztlich einen nationalen Diskurs mit einem transnationalen bzw. transkulturellen Diskurs zu konfrontieren. Schließlich stellt sich die anfangs angedeutete Frage nach dem ›Österreichischen‹ in der österreichischen Literatur vor diesem Hintergrund erneut.

Methoden: Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur, Diskussionen, Referat, schriftliche Abschlussarbeit.

Prüfungsmodalitäten: Anwesenheitspflicht, Referat, schriftliche Arbeit. Im Fall einer Anrechnung der LV als Vorlesung erfolgt eine mündliche Prüfung über den Semesterstoff plus zu vereinbarende Sekundärliteratur.

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