PS Vergleichende Sozialgeschichte der Literaturen:
Die Literatur der Sowjetischen Besatzungszone/Deutschen Demokratischen Republik im internationalen Kontext (1945–1990)


Beginndatum:
4. Oktober 2006

Tag/Uhrzeit/Ort: Mittwoch, 18.00 (pktl.)-19.30 Uhr, Hörsaal 30

Stoff und Aufgabenstellung:
Die Literatur der SBZ/DDR wurde unter anderen Bedingungen geschrieben, produziert und rezipiert als jene in demokratischen Ländern. Literatur wurde in den Dienst der kommunistischen Ideologie gestellt und somit nicht als „autonome“ Kunstform betrachtet, sondern als Instrument der ideologischen Erziehung der LeserInnen in einem vermeintlich geschlossenen staatlichen System. Obwohl dem Parteiregime daran gelegen war, die DDR gegenüber westlichen Einflüssen abzuschotten, konnte das allein schon aus Gründen internationaler politischer und wirtschaftlicher Beziehungen nicht gelingen. Zwangsläufig war die DDR also in ein Diskurs-Netzwerk eingebunden, das es ihren Bürgern zumindest in Ansätzen möglich machte, sich mit der Denkweise des „Klassenfeinds“ auseinanderzusetzen. Das Regime musste daher mit Hilfe entsprechender staatlicher Institutionen (z. B. Ministerium für Staatssicherheit) dafür sorgen, den Absolutheitsanspruch der kommunistischen Ideologie sicher zu stellen. Vierzig Jahre nach der Gründung der DDR scheiterte dieses Bemühen endgültig.
Aus sozialhistorisch-komparatistischer Sicht stellen sich daher Fragen nach den Grundlagen und der Herkunft des Literaturverständnisses in der DDR („Sozialistischer Realismus“), der DDR-Kulturpolitik und ihren Protagonisten, den Arbeits- und Publikationsbedingungen ostdeutscher AutorInnen und ÜbersetzerInnen, der Selektion und Rezeption fremdsprachiger Literatur in deutscher Übersetzung, der Rezeption ostdeutscher Literatur im „Westen“, der Arbeitsweise von Verlagen, der „staatlichen Lenkung und Planung des Verlagswesens“ (= Zensur) und den Möglichkeiten ihrer Umgehung, der Kooperation von DDR-AutorInnen mit der Staatssicherheit, der Folgen der Wiedervereinigung 1990 u. v. m.

Die Kenntnis eines der fünf genannten Werke vor Beginn der LV wird vorausgesetzt (und in der ersten Semesterhälfte in Form einer kleinen schriftlichen Befragung geprüft):

Literaturgeschichte der DDR:

Wolfgang Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR. Erweiterte Neuausgabe. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000.

Hans-Jürgen Schmitt (Hg.): Die Literatur der DDR. (Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart 11) München/Wien: Hanser 1983).

Joachim Walther: Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. (Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten 6) Berlin: Ch. Links 1996.

Allgemeine Geschichte der DDR:

Dietrich Staritz: Geschichte der DDR. Erweiterte Neuausgabe. (edition suhrkamp 1260) Frankfurt/M.: Suhrkamp 1996.

Ulrich Mählert: Kleine Geschichte der DDR. (Beck’sche Reihe 1275) München: C. H. Beck 2001 (3. Aufl.).

Prüfungsmodalitäten: Anwesenheitspflicht, Referat, schriftliche Arbeit

Themen

Haben Sie Fragen? Bitte sehr!