Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 84 / IX / 2017

HISTORY AND MYTHS – GESCHICHTE UND MYTHEN

Im Glanz der Geschichte: Zu den kommunikativen Absichten historischer Darstellungen auf griechischen Vasen
Jochen Griesbach (Würzburg, DE)

Unter den unzähligen griechischen Vasenbildern, welche die Antike überdauert haben, sind historische Figuren nur äußerst selten anzutreffen. Umso mehr stellt sich bei diesen Ausnahmen die Frage, weshalb sie als Darstellungsgegenstand für die zumeist in privaten Kontexten verwendeten Medien Interesse wecken konnten. Ein Aufschluss versprechender Ansatz dürfte sein, die Differenzen zu öffentlichen Denkmälern und deren Botschaften eingehend zu analysieren. So fällt etwa bei dem spätestens um 470 v.Chr. anzusetzenden Würzburger Stamnos mit der Darstellung des Tyrannenmords als erstes ins Auge, dass hier zwar die berühmte (spätere) Statuengruppe auf der Athener Agora zitiert wird; dass aber anders als auf einer Reihe von panathenäischen Preisamphoren sowie Choenkannen, die diese ebenfalls wiedergeben, auch das Opfer der beiden 'Widerstandskämpfer' in die Handlung einbezogen ist. Offenbar kam es dem Auftraggeber hier darauf an, sich bzw. seinen Gästen noch mal das Ereignis selbst vor Augen zu rufen und damit einen Schritt zurückzugehen vor die normativ-idealistische Auslegung der Tat durch das Monument der beiden Heroen im Herzen der Stadt. Ähnliche Fragen ergeben sich auch bei den übrigen 'historischen' Darstellungen, wobei überhaupt ganz grundsätzlich zu diskutieren wäre, inwiefern man hier von einer zusammengehörigen Gruppe sprechen kann: Ist es das Anliegen all dieser Vasenbilder, historische Begebenheiten festzuhalten, oder liegen nicht jeweils ganz verschiedene Kommunikationsabsichten vor?

e-mail: jochen.griesbach@uni-wuerzburg.de


Vasenbilder als Metaphern
Cornelia Isler-Kerényi (Erlenbach, CH)

Uns vermitteln die griechischen Vasenbilder Informationen, den ursprünglichen Abnehmern vermittelten sie – mehr oder weniger anspruchsvolle – Botschaften. Dies konnte nicht anders geschehen als in der Sprechweise ihrer vom lebendigen Mythos geprägten Kultur: also in der Sprache der Mythologie, einem Sprechen in Bildmetaphern. Dieser Art zu sprechen begegnen wir in der archaischen, an metaphorischen Bildern reichen Symposiondichtung. Von hier aus gilt es also, zu versuchen, sich beim Interpretieren von Vasenbildern dieser uns fremden Denk- und Mitteilungsweise anzunähern. Vasenbilder als Bildmetaphern zu verstehen, kann nicht ohne Folgen für die Interpretation bleiben. Einige konkrete Beispiele, vorzugsweise aus dem dionysischen Repertoire, sollen eine Grundlage für Reflexion und Diskussion bieten.

e-mail: c.isler-kerenyi@bluewin.ch


This article should be cited like this: C. Lang-Auinger - E. Trinkl, Griechische Vasen als Kommunikationsmedium / Greek Vases as Medium of Communication, Forum Archaeologiae 84/IX/2017 (http://farch.net).



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