Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 20 / IX / 2001

EINE ATTISCH SCHWARZFIGURIGE AUGENSCHALE AUS DEM FRÜHEREN BESITZ VON G. TSCHMELITSCH

Innerhalb einer Lehrveranstaltung von K. Herold wurden im Sommersemester 2001 drei antike Vasen der Archäologischen Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien (Inv.Nr. 1217, 1243 und 1245) restauriert, welche nun erstmals veröffentlicht werden können [1]. Sie sind im Inventarbuch der Archäologischen Sammlung unter dem Hinweis "Geschenk von Herrn G. Tschmelitsch" registriert und wurden dem Institut am 14.6.1965 überlassen. Günther Tschmelitsch hatte die Stücke in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts im Athener Kunsthandel erworben, die näheren Fundumstände der Objekte sind nicht näher bekannt [2]. Im Folgenden soll die att.sf. Augenschale (Inv.Nr. 1217) vorgestellt werden.

Gefäßform: att.sf. Augenschale
Inv.Nr.: Archäologische Slg., Universität Wien 1217
FO und Erwerb: genauer FO unbekannt, aus dem Athener Kunsthandel, Geschenk von G. Tschmelitsch, 14.6.1965
Publikationen: unpubliziert, im Inventarbuch der Arch.Slg. angeführt unter "sf. Augenschale: bacch. Thiasos"


Erhaltungszustand: Das Gefäß wurde aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzt, wobei beim Körper die Seite A bis auf kleinere Fehlstellen am Rand und an der Unterseite sehr gut erhalten ist, der Großteil des oberen Schalenbeckens der Seite B aber fehlt. Die Gefäßoberfläche ist an einigen Stellen wie z.B. im oberen Schalenkörper außen und besonders an den Henkeln bestoßen, dort ist der Glanzton tlw. abgesplittert. Maße: H 8,0-8,2cm, FußH 3,2cm, max.B 27,6cm, RandDm außen 20,4cm, StandlinienDm [3] 12,4cm, FußDm 7,7cm, min.StielDm 2,6cm, WSt 0,35-0,4cm, StFußplatte 0,75-0,8cm

Form: Einheitsschale vom Typ Bloesch A 1. An das bauchige Schalenbecken ist an der Basis nach einem scharfen Knick der Fuß angesetzt (Abb. 1). Der oberste Teil des Stiels ist durch einen flachen, bandförmigen Wulst gebildet, an den der konkave Stiel ansetzt. Dieser geht gerundet in die Oberfläche der Standplatte über, deren Oberkante leicht eingezogen ist. An den sich leicht über die Oberkante der Fußplatte erhebenden Rand setzt außen das einfache, gerade, nach schräg unten führende Fußprofil an. Das Gefäß ruht auf einer breiten Bodenplatte (H 0,8cm), die nach innen leicht vom Boden abhebt. Nach einem scharfen Knick führt die Höhlung (Dm 3,4cm, 2,7cm hoch) des Stieles steil nach oben. Ganz oben ist der spitz nach unten weisende unterste Teil der Basis des Schalenbeckens zu erkennen, in den das Innere des Stiels in gerundeter Form übergeht. Außen sind etwa am Mittelteil des Schalenbeckens zwei im Schnitt kreisförmige Horizontalhenkel angebracht, die leicht nach oben führen und bis zur bzw. knapp unter die Höhe der Gefäßoberkante reichen. Von unten betrachtet erscheint die Außenkontur der an den Anschlußstellen zum Körper dicker werdenden Henkel kelchförmig (Abb. 2).

Nebendekoration: Unterhalb des mit Glanzton bemalten Randes schließen außen ein tongrundiger und ein Glanztonstreifen mit etwa 0,1cm Breite an. Unten begrenzen den Bildfries drei dünne Glanztonlinien. Nach einem tongrundigen Streifen folgen ein 0,5-0,7cm breiter Glanzton und ein 0,2-0,3cm breiter tongrundiger Ring, während der Rest des Körpers bis zum Fußansatz schwarz ist (Abb. 3). An den mit Glanzton bemalten Rand schließt innen eine 0,1cm breite tongrundige Linie an, der Rest der Schale ist bis auf das Innenbild (Dm 6,0cm), dessen Hintergrund tongrundig belassen wurde, mit Glanzton überzogen. Das Innenbild ist außerdem durch einen rot bis schwarzen Streifen begrenzt, dessen Farbe von der Dicke des aufgetragenen Glanztons abhängig ist (Abb. 4). Der Fuß ist bis auf einen etwa 0,2cm breiten Streifen an der Oberkante des Stiels bis zum Knick der Bodenplatte mit Glanzton überzogen. Die Außenkante sowie die mit Rillen versehene Standfläche der Bodenplatte sind tongrundig belassen, die in den Fuß bis zur vorstehenden Mitte des Schalenkörpers führende Höhlung bis in eine Höhe von etwa 1,2cm mit Glanzton bemalt, der je nach aufgetragener Dicke rot bis schwarz erscheint. Die Henkel sind außen und unten mit Glanzton überzogen.


Nebendarstellungen: Im Innenbild (Abb. 4) ist eine Figur dargestellt, deren Extremitäten tlw. über das Bildfeld hinausreichen. Die dünn aufgetragenen Teile der in sf. Technik ausgeführten Person erscheinen rot, der Rest braun bis schwarz. Abgebildet ist ein bärtiger nackter Satyr in weiter Schrittstellung nach rechts, der über die rechte zurückgenommene Schulter zurückblickt. Zerstört sind Teile des rechten Oberarmes, des Bauches und der linken Oberkörperbegrenzung, der linke Unterarm, Teile des Oberschenkels und des Kniebereiches des rechten Beines sowie Teile des linken Knies. Kopf, Arme sowie Unterkörper samt Beinen sind im Profil, der Oberkörper ist frontal zu sehen. Der rechte Oberarm führt von der Schulter nur ganz leicht nach außen hinunter, der Unterarm ist spitz angewinkelt. Der linke Oberarm hängt schräg nach vorne, die Haltung des Unterarmes ist unbekannt. Der vordere rechte Oberschenkel ist horizontal nach vorne hoch genommen, der Unterschenkel spitz angewinkelt, während der Fuß im rechten Winkel ansetzt. Der Fuß liegt nicht voll auf, sondern berührt nur mit dem Ballen und den Zehen den Bildrand. Das hintere Bein zeigt schräg nach hinten, der Unterschenkel ist hochgenommen und der Fuß setzt im rechten Winkel an. Dadurch kommt die linke Ferse in etwa auf derselben Höhe wie das rechte Knie zu liegen. Wiederum berühren nur Ballen und Zehen den Bildrand. Der Schweif setzt oberhalb des Gesäßes an und reicht bis auf untere Unterschenkelhöhe des rechten Beines. Durch Ritzung angegeben sind Auge samt Braue, die in Form eines Fragezeichens angegebene Begrenzung zwischen Gesicht und Haar, die in die Bartoberkante übergeht, die Striche der unteren Barthaare, das Spitzohr, dessen Ritzung sich hinten in der Haarbegrenzung fortsetzt, die seitliche Begrenzung des rechten Oberarmes, die spitzwinkelig an die Angabe des Brustmuskels ansetzt, die etwa G-förmige Angabe der linken Brustwarze, sowie die als Außenkontur des Gesäßes und rechten Oberschenkels gedachte Ritzung, welche zu weit im Körperinneren ausgeführt wurde.

Darstellung: Die Darstellung des Schalenkörpers wird optisch durch die beiden Henkel in zwei Teile geteilt (Abb. 2). Unter ihnen befindet sich je ein herzförmiges Efeublatt, dessen Stiel nach links bis zum Bildfries reicht.
Grundsätzlich ist festzuhalten, daß die Figuren und Ornamente über die obere und untere Bildfriesbegrenzung reichen können. Auf der Seite A (Abb. 3) dominieren zwei Augen samt leicht geschwungener Augenbrauen das Bild. Die Augen enden innen in nach unten weisende Tränenkanäle, die Pupille ist durch drei konzentrisch eingeritzte Kreise (Dm 3,4cm, 2,75cm, 1,8cm) unterteilt. Das in der Mitte deutlich erkennbare Einstichloch ist von einem roten Farbklecks umgeben, der Rest der Pupille besteht aus schwarzem Glanzton, wobei der mittlere Reifen mit weißer Farbe übermalt ist. Innerhalb des rechts aufgetragenen Auges befindet sich rechts unten zwischen Pupille und Augenbegrenzung ein kleiner Glanztonpunkt.
Zwischen Auge und Henkel ist seitlich jeweils ein nach rechts schreitender nackter Satyr in deutlicher Schrittstellung abgebildet, der seinen im Profil gezeichneten Kopf nach links zurückwendet. Der rechte Oberarm ist stark schräg nach hinten zurückgenommen, der Unterarm setzt in einem spitzen Winkel fast horizontal an und führt zum Oberkörper. Der linke Oberarm hängt leicht schräg nach unten, sodaß der in einem rechten Winkel anschließende Unterarm vor dem Unterkörper zu liegen kommt. Der Oberkörper ist frontal angegeben, die Beine im Profil. Der linke Satyr (Figur 1), dessen rechter Ellenbogen bis zur Glanztonbemalung des Henkels und dessen linker Ellenbogen und Knie bis zur Außenbegrenzung des daneben folgenden großen Auges reichen, hat sein rechtes Bein zurückgesetzt, wobei das Knie fast durchgestreckt ist. Der Fuß ist stark abgewinkelt und ruht auf dem Fußballen. Das linke Bein ist nach vorne gestellt, der Oberschenkel führt schräg nach unten, der Unterschenkel ist fast vertikal angegeben, der im rechten Winkel anschließende Fuß setzt voll auf. Der oberhalb des Gesäßes angebrachte Schweif führt bis unter den Henkel und reicht bis zum unter dem Henkel liegenden Efeublatt. Eine S-förmige Ritzung gibt gleichzeitig die Stirnlocke, die Gesichtsbegrenzung und die Bartoberkante an, geritzt sind weiters das Auge samt Braue, Striche, welche die unteren Barthaare angeben, dessen rechts liegender in die Begrenzung des Spitzohres übergeht. Der Brustmuskel wird durch einen an der Bart-Ohrenlinie ansetzenden großen Bogen, die beiden Brustwarzen durch kleine stumpf dreieckige bis runde Striche definiert, wobei die rechte Brustwarze in der Mitte der Brust, die linke am linken Oberarm zu liegen kommt. Während zwei kleine Ritzungen das Gesäß verzieren und die Vorderkante und die Innenmuskulatur des rechten Oberschenkels sowie die Genitalien durch Ritzungen markiert sind, bildet ein Bogen die Muskulatur des linken Oberschenkels nach, während auf demselben Körperteil eine gerade Ritzung ohne Bezug zur Muskulatur angegeben ist. Der rechte Satyr (Figur 3) hat sein rechtes Bein nach vorne gestellt. Es ist im Knie nur leicht gebeugt, und der Fuß, dessen Ferse tlw. fehlt, liegt voll auf. Der linke Oberschenkel führt vertikal nach unten, der Unterschenkel ist fast horizontal zurückgenommen, sodaß der spitz angewinkelte Fuß nur mit dem Ballen aufsetzt. Insgesamt berühren rechter Ellenbogen, Schweif und linke Ferse die Außenkontur des großen Auges. Der oberhalb des Gesäßes angebrachte Schweif berührt die Außenbegrenzung des Auges und hängt vertikal über den linken Unterschenkel bis zum unterhalb der drei Begrenzungslinien angegebenen Glanztonstreifen herab. Innerhalb der Ritzungen unterscheidet sich dieser Satyr von Figur 1 dahingehend, als daß seine Braue nicht angegeben ist, und die Details des Oberkörpers nur leicht versetzt angedeutet wurden. Durch die unterschiedliche Beinhaltung ist beim rechten Satyr (Figur 3) die Angabe der Außenkontur des Gesäßes und des rechten Oberschenkels, sowie der Bogen der Innenmuskulatur in anderer Art ausgeführt.
Den Raum zwischen den beiden Augen nimmt ein bärtiger Dionysos (Figur 2) ein, von dem der gesamte untere Teil ab etwa Kniehöhe abwärts fehlt. Er hat seinen im Profil angegebenen, bekränzten Kopf zu seiner rechten Schulter gewandt. Die Details des Kranzes, die S-förmig in die seitliche Gesichtsbegrenzung und die obere Bartbegrenzung übergehende Stirnlocke, das durch drei kleine Striche definierte Auge samt Braue, die unteren Barthaare, das runde Ohr, das auf die linke Schulter fallende lange Haar sowie die Halsbegrenzung zum Gewand sind geritzt. Durch ein aufgesetztes Rot ist sein Bart zusätzlich betont. Der Gott ist in ein langes Himation, das mit vier roten Punkten verziert ist, gehüllt. Darunter ist sein rechter Oberarm zurückgezogen, der in einem spitzen Winkel ansetzende Unterarm führt horizontal vor den Oberkörper, die durch einen Spitzbogen angegebene Hand hält ein Trinkhorn, dessen eingezogene Oberkante über die linke Schulter reicht. Der linke Oberarm führt unterhalb des Gewandes schräg nach unten, sein Unterarm ist hochgenommen, sodaß die linke Hand im unteren Bereich des Hornes zu liegen kommt. Während die durch Ritzung angegebenen Gewandfalten der Armhaltung entsprechen - sie führen erst in Bögen, die letzte vertikal vom rechten Unterarm herab - stimmt der Glanztonauftrag damit nicht überein. Dieser bildet einen vom Ellenbogen und oberen Unterarm herabhängenden Zipfel, der deutlich vom restlichen Gewand abgesetzt ist. Der dazwischenliegende tongrundige Bereich ist sogar durch eine mit runden Blättern versehene Weinranke verziert. Als weiteres Füllwerk führen zwei Ranken von der Rechten des Gottes weg, die eine hängt leicht S-förmig geschwungen hinter Dionysos herab und überdeckt die seitliche Außenbegrenzung des links angebrachten Auges, während die zweite geschwungen unterhalb des Randes in Richtung Henkel führt und dabei die Braue wie auch die obere Außenbegrenzung desselben Auges kreuzt bzw. berührt. Aus dem Bereich des Füllhornes entspringen weitere zwei Ranken. Die eine führt geschwungen unterhalb des Gefäßrandes entlang, kreuzt die Braue und die obere Außenbegrenzung des rechts angebrachten Auges und reicht bis zur Pupille. Die andere hängt vom Füllhorn herunter, knapp unterhalb des linken Ellenbogens des Gottes ist eine Traube in Schwarz angegeben. Das untere Ende dieser Ranke ist nicht erhalten.
Die Darstellung der Seite B ist stark zerstört. Geringe Reste beider Augenbegrenzungen sowie ein kleines Fragment der Pupille des rechts aufgetragenen Auges belegen, daß auch diese Seite ursprünglich von zwei Augen dominiert wurde. Wie der Bereich zwischen den Augen gestaltet war, läßt sich nicht mehr feststellen. Ein kleiner Rest der Mitteldekoration (Figur 5) hat sich an der Bildfriesunterbegrenzung unterhalb des rechts gemalten Auges erhalten. Seitlich sind die beiden Augen wiederum von je einem nach rechts schreitenden nackten Satyrn eingerahmt. Haltung und Art der Anbringung entsprechen denen der Seite A. Der linke Satyr (Figur 4), dessen linker Knöchel und Fuß fehlen, entspricht insgesamt der Figur 1, nur daß die Genitalien durch eine gröbere Zickzacklinie angegeben sind. Der rechte Satyr (Figur 6; Abb. 5), von dem ein Teil im oberen Bereich des Schweifes fehlt, entspricht insgesamt Figur 3, sein Schweif hängt aber nicht ganz so tief herab, dafür reichen sein Ellenbogen sowie sein linkes Knie bis in die Glanztonbemalung des Henkels. Zusätzlich ist seine Bauchmuskulatur vorne durch drei kleine Striche gekennzeichnet.
Die Darstellungen beider Seiten ergeben einen Bildfries, der durch die beiden Henkeln unterbrochen scheint. Die Einheit des Frieses wird aber durch die durchgehenden horizontalen oberen und unteren Begrenzungen einerseits, das Reichen der Füße bzw. Schweife der seitlichen Satyrn unter die Henkel, sowie die Angabe des geschwungenen langen Blattstieles des Efeublattes andererseits hergestellt.

Ton- und Oberflächengestaltung: Die Figuren sind in sf. Technik ausgeführt, dabei die Ritzungen zur Angabe der Details sehr ungenau gesetzt. Der Glanzton erscheint bei dünnem Auftrag glänzend gelblich rot (5 YR 5/6) [4], bei dickem Auftrag glänzend schwarz (5 YR 2.5/1). Der Tongrund des Innenbildes wie auch der Außenseite ist streifig mit einem sog. "wash" bzw. miltos [5] bemalt und erscheint von einem rötlichen Gelb (7.5 YR 6/6) bis in einem kräftigen Braun (7.5 YR 4/6). Das Auftragen erfolgte nur sehr grob, so reicht diese Bemalung u.a. nicht ganz zu den Henkelansätzen. Der eigentliche Tongrund, wie z.B. auf der Standfläche, ist rötlich gelb (7.5 YR 6/6).

Aufgesetzte Malerei: Die Kleckse um die eingestochenen Mittelpunkte der Pupillen der beiden Augen der Seite A, sowie der Bart und die Punkte auf dem Himation des Dionysos der Seite A sind in einem dunklen Rot (10 R 3/6) aufgetragen. Das aufgesetzte Weiß der mittleren Reifen der beiden Augen der Seite A erscheint heute in einem sehr blassen Braun (10 YR 8/4).

Restaurierungsarbeiten: Die fehlenden Stellen wurden ergänzt, außen tongrundig, innen schwarz eingefärbt. Die ergänzten Teile des Innenbildes wurden mit jeweils der entsprechenden Farbe des Glanztones rekonstruiert, so Teile des rechten Oberarmes, des Bauches und der linken Oberkörperbegrenzung, der linke Unterarm, Teile des Oberschenkels und des Kniebereiches des rechten Beines sowie Teile des linken Knies.

Datierung und Malerzuschreibung: kurz vor 500 bis 490 v., Leafless-Gruppe [6]

Zum Maler und seinem Umkreis: Augenschalen wurden von verschiedenen Malern in sf. wie auch rf. Technik hergestellt. Ein umfassendes Standardwerk zu diesen Gefäßen fehlt bisher, als ausgewählte Publikationen, deren Autoren weiterführende Literatur angeben, seien stellvertretend Villard 1946, 173ff.; Williams 1988; Vierneisel-Kaeser 1990, 417ff. genannt. Als Maler, der diesen Typus samt seiner speziellen Bemalung in der attischen Vasenkunst einführte, gilt Exekias, dessen um 540/30 v. datierte Augenschale in München (9729. ABV 164.21; Vierneisel-Kaeser 1990, 44. 419f. Abb. 3,23; 75,7) als Meisterstück angesehen wird. Als späte sf. Maler, die das Schema der Augenschalen fortführen, nennt Boardman 1977, 163 die Leafless-Gruppe, auf die er a.O. aber nur sehr kurz eingeht. Den Namen verdankt diese Gruppe den blattlosen Zweigen, die auf einigen Gefäßen dargestellt wurden (Boardman a.O.). Zur Leafless-Gruppe siehe ABV 632ff. 711ff. 716; Para. 310ff. 520; Add.2 145f. Vierneisel-Kaeser 1990, deren Werk als Ausstellungskatalog zu den attischen Kleinmeisterschalen des 6. Jhs.v. konzipiert wurde, erwähnen die att.sf. Augenschalen a.O. 44f. 419f., wobei sie a.O. 45 diese Vasen insgesamt in die zweite Hälfte des 6. Jhs.v. datieren und a.O. 419 anmerken, daß zwischen den Augen im späteren 6. Jh.v. allgemein dionysische Themen aufgemalt wurden. Kunisch 1990, 26 ordnet alle Schalen mit Augenmotiv einer einzigen Generation zu und datiert die Stücke in den Zeitraum zwischen 530 bis 510/500 v. und betont a.O. 27, daß um 500 v. die Zeit der Augenschale vorbei sei. Tuna-Nörling 1996, 37f. datiert die der Leafless-Gruppe zuzuschreibenden Schalen und -fragmente aus Klazomenai an den Anfang des 5. Jhs.v. Unter den Stücken, welche oft mit figürlichen Motiven verziert sind, ist zumindest ein Fragment (Tuna-Nörling 1996, 38 Kat.-Nr. 72 Taf. 8) aufgrund der Darstellung - ein sich nach rechts bewegender Satyr mit zurückgewandtem Kopf befindet sich links neben den Resten der Augenbraue und der in Umrißzeichnung angegebenen äußeren Augapfelbegrenzung eines auf der Schalenseite links angebrachten Auges - sicher als Augenschale anzusprechen und wird von der Autorin an den Anfang des 5. Jhs.v. gestellt. Williams 1988, 679 geht speziell auf die Datierung der Augenschalen der Leafless-Gruppe ein, die er als die besseren und früheren Produkte dieser großen Werkstatt ansieht. Während diese von kurz vor 500 bis 490 v. zu datieren sind, reichen die späteren Schalen der Gruppe, diejenigen ohne Augenbemalung, bis etwa 480 v. oder später.

Zu Form und Verwendung: Insgesamt ist die Wiener Augenschale 1217 als Einheitsschale vom Typ A 1 nach H. Bloesch [7] zu bezeichnen. Zur Typenunterscheidung von Schalen siehe grundlegend Bloesch 1940, zum Typ A insbesondere Bloesch a.O. 1ff., zur allgemeinen zeitlichen Entwicklung der Einheitsschale Vierneisel-Kaeser 1990, 45. Durch die speziellen, oben beschriebenen Details in seiner Form ist das Wiener Stück der Untergruppe "Übrige schwarzfigurige Schalen A. III. Einfachere schwarzfigurige Ware" (Bloesch 1940, 19ff. Taf. 5,3) und hierbei der bei Bloesch a.O. 21 (oben) beschriebenen "Schalenart, deren Schalenbecken ausgesprochen rundbauchig, fast in Form einer Kugelkalotte gebildet ist", zuzuordnen. Mit einer weiteren gleichzeitigen Schalengattung, deren Stücke jedoch ein durchgehendes Profil aufweisen, ohne daß Schalenbecken und Fuß durch einen Knick oder Wulst voneinander abgesetzt sind (Bloesch a.O. 21f. Taf. 5,4), hat die Wiener Schale 1217 die eher gedrungene Form des Fußes, die innere Fußgestaltung, das einfache gerade Profil der Fußplatte sowie die breite tongrundige Standfläche gemein. Beide Schalengattungen wurden von Malern der Leafless-Gruppe bemalt, wobei die Maße der Gefäße, welche unten als Vergleichsbeispiele für die Darstellungen angeführt sind, mit RandDm um etwa 20cm und Gefäßhöhen um die 8 bis 9cm relativ einheitlich erscheinen. Auch die von oben betrachtete geknickte Henkelform entspricht denen der sorgfältigen Gefäße innerhalb Bloesch´s Gruppe der rundbauchigen Schalengattung (Bloesch 1940, 21).
Kurz sei an dieser Stelle auf die Untersuchungen von Seki 1985 verwiesen. Dort wird a.O. 27 auf die Tatsache eingegangen, daß Schalen auch an der Wand hängend aufbewahrt werden konnten. War dies bei der Wiener Augenschale 1217 der Fall, so ergibt sich folgendes Bild (Abb. 2). Der Mittelpunkt erscheint durch die Fußhöhlung und die darin angebrachte Glanztonbemalung dunkel. Außerhalb des breiten tongrundigen Ringes der Standplatte folgen zwei durch einen schmalen Tongrundstreifen getrennte breite und dann drei linienförmige Glanztonbänder. Während die Henkel, die darunter befindlichen Efeublätter und auch die großen Augen gut zur Geltung kommen, kann man die Köpfe der Figuren des Bildfrieses jedoch nicht sehen. Die Unteransicht dürfte also im Fall der Wiener Schale 1217 nicht als Hauptansicht konzipiert gewesen sein [8].

Zu Bildthematik und Darstellung: Das herausstechende Merkmal der Augenschalen - die beiden Augen -, ihre Entstehung und Interpretation werden u.a. von Ferrari 1986; Kunisch 1990; Vierneisel-Kaeser 1990, 417ff. behandelt [9], die beiden Letztgenannten weisen - in Nachfolge von z.B. Boardman 1977, 117 - auf die Vergleichbarkeit der Augenschalen mit Gesichtern oder Masken hin. Insgesamt entspricht die Bemalung der Wiener Schale 1217 derjenigen anderer Augenschalen des Typus A - wie z.B. beschrieben bei Boardman 1977, 116f. -, insbesondere das Augenpaar zwischen den Henkeln, die Figuren zwischen und neben den Augen, die bis auf einen tongrundigen Streifen schwarze Basis des Schalenbeckens, das tongrundige Fußprofil, der bemalte innere hohle Kegel innerhalb des Stieles sowie eine einfigurige Rundbildkomposition als Innenbild.
Die Angabe der Augäpfel in Umrißtechnik entspricht der Darstellungsweise, die sich bis zu den frühen Augenschalen zurückverfolgen läßt und die in der späteren Zeit neben denen mit schwarzen oder weißen Augäpfeln weiterhin vorkommt (Villard 1946, 177; Boardman 1977, 118). Von der Form her sind sie mit der Angabe der herabhängenden Tränenkanäle - im Gegensatz zu den mandelförmigen, als "weiblich" bezeichneten Beispielen - zu den "männlichen" zu zählen (Boardman 1977, 117; Ferrari 1986, 11; Kunisch 1990, 25f.). Die Innenunterteilung der außen geritzten Iris durch zwei weitere konzentrisch geritzte Kreise entspricht der Mehrzahl der Vergleichsbeispiele (zu Stücken mit drei geritzten inneren Irisringen siehe Tuna-Nörling 1996, 35 zu Kat.-Nr. 48), auffällig ist bei der Wiener Schale 1217 der im Vergleich zum weißen Ring deutlich schmälere schwarze Außenkreis. Nach Williams 1988, 679 treten die weißen Irisringe bei att.sf. Augen seit ihrer Einführung auf [10], normalerweise in Verbindung mit einem roten Ring und einem kleinen roten Punkt im Mittelpunkt der Schale, um den Einstichpunkt des Zirkels zu verdecken. Auf den Schalen der Leafless-Gruppe (vor 500 v. bis 490 v.) erscheint dieser Punkt - eine schlampige Imitation von sorgfältig ausgeführten roten Pupillen auf gleichzeitigen att.sf. Kyathoi mit Augenbemalung - aber als unförmiger Klecks und kann als entscheidendes Zuordnungsmerkmal bezeichnet werden (Williams 1988, 679f.).
Zu den dargestellten Figuren - Dionysos bzw. den Satyrn - gibt es von der Haltung her innerhalb der Gefäße der Leafless-Gruppe zahlreiche Parallelen. Einen bekränzten Dionysos im Himation mit zurückgewandtem Kopf sieht man u.a. auf einem Anfang des 5. Jhs.v. datierten Fragment der Leafless-Gruppe aus Klazomenai (Tuna-Nörling 1996, 38 Kat.-Nr. 68 Taf. 7), wobei auch hier die Weinranken mit Trauben, im Gegensatz zum Wiener Stück aber ohne Blätter angegeben sind (zu Ranken mit Blättern und Trauben siehe Tuna-Nöring 1996, 39 zu Kat.-Nr. 75). Ähnlich ist der bekränzte, in ein Himation gewickelte Gott auf einer vollständig erhaltenen Augenschale in London [Brit.Mus. 53,5-19,3. ABV 636.48; CVA London, Brit.Mus. (3) Taf. 22,8] abgebildet, obwohl dort sein Himation nicht in einem Zipfel vom Arm herabhängt. Er tanzt zwischen zwei Satyrn nach rechts, blickt sich um und hält ein Trinkhorn in den Armen. Die Dreifiguren-Komposition zwischen den Augen, die blattlosen Zweige, die Delphine unter den Henkeln sowie das Trinkhorn des Satyrs des Innenbildes differieren aber von der Darstellung der Wiener Schale 1217. Ein weiterer, auch von der Ausführung des Gewandes her vergleichbarer Dionysos, der sich aber zu einem direkt neben ihm befindlichen Satyr umwendet, befindet sich auf einer Schale der Leafless-Gruppe in Orvieto [Mus. C. Faina 2601. CVA Orvieto, Mus.Faina (1) Taf. 19]. Zwischen Auge und Henkel ist zwar jeweils ein sich zurückwendender Satyr abgebildet, auffällige Unterscheidungsmerkmale bilden aber die Vasenform mit durchgehendem Profil, die schwarz ausgemalten Augen, das Fehlen der Blätter sowie die drei konzentrischen Kreise als Begrenzung des Innenbildes sowie das Trinkhorn, das der Satyr in den Händen hält. Daß Dionysos in derselben Gestalt auch bei den späteren sf. Schalen der Leafless-Gruppe weiterverwendet wurde, beweist die mit einem Thiasos verzierte Schale des Caylus-Malers in Leiden um 490/80 v. [K. 94/9,15. CVA Leiden (2) Taf. 62,7ff.; 63,3].
Sich nach rechts bewegende Satyrn mit zurückgewandtem Kopf zählen zum Standardrepertoire der Maler der Leafless-Gruppe (siehe z.B. Tuna-Nöring 1996, 38 zu Kat.-Nr. 72). Die Geschlechtsteile können ithyphallisch oder wie beim Wiener Stück menschlich angegeben sein (vgl. z.B. Tuna-Nörling 1996, 39 zu Kat.-Nr. 78 Taf. 9, vgl. hier auch die ähnliche Innenritzung des Oberschenkelmuskels). Auch die geschwungene Führung der Unterkante des nach vorne genommenen rechten Beines findet einige Entsprechungen (u.a. Tuna-Nörling 1996, 39 zu Kat.-Nr. 79 Taf. 9).
Die herzförmigen Blätter unter den Henkeln kommen bei Augenschalen der Leafless-Gruppe - neben anderen Motiven wie Delphinen oder Vögeln - öfter vor (Boardman 1977, 163 oder Tuna-Nörling 1996, 37 zu Kat.-Nr. 64). Der Form nach entsprechen die dargestellten Ornamente Efeublättern, die von Zweigen stammen, welche auch Fruchtdolden tragen. Diese sind bei Vierneisel-Kaeser 1990, 331 Abb. 56,9 denen von nichtblühenden Zweigen, die in fünf Spitzen enden (a.O. Abb. 56,9b), gegenübergestellt.
Bezieht man die Gesamtkomposition in die Überlegungen mit ein, so sind enge Vergleichsbeispiele zum Wiener Stück innerhalb der Leafless-Gruppe bei Schalen mit Augäpfeln in Umrißtechnik zu suchen, die Dionysos zwischen den Augen sowie seitlich je einen Satyr zeigen, so z.B. die Darstellung auf einer Schale der Leafless-Gruppe in Chicago (ABV 632.1. Boardman 1977 Abb. 290), wobei sich hier Differenzen daraus ergeben, daß sich nicht nur das Innenbild (ein Gorgoneion) sowie die Bemalung unter den Henkeln (Vögel), sondern auch die Figuren in ihrer Haltung (Dionysos sitzt auf einem diphros okladias) und der Art ihrer Innenritzung her von denen des Wiener Stückes unterscheiden. Ähnlicher von der Figurenkomposition erscheinen die Schalen in Toledo (ehemals Metr.Mus. of Art X.21.32. ABV 634.26) und Hannover [R. 1906,163. CVA Hannover (1) 40 Abb. 4 Taf. 29,4ff.; 30,1]. Auch hier ist im Innenbild jeweils ein sich umblickender Satyr in Laufstellung abgebildet, und neben den Henkeln befinden sich Satyrn, während unter den Henkeln Efeublätter wachsen. Zwischen den Augen reitet jedoch jeweils ein Satyr auf einem Maulesel, die Brauen und oberen Augapfelkonturen sind mehr geschwungen, die Ritzungen entsprechen in ihrer Anbringung und Form nicht dem Wiener Stück. Weiters ist das Profil des Gefäßes jeweils durchgehend gestaltet. So auch bei einer Schale in Paris [Louvre Éléonte 14. ABV 633.12; CVA Paris, Louvre (10) Taf. 112,8. 11f.], dort ist das Innenbild mit einem nackten Mann mit Keule und Himation verziert, während außen in der Mitte zwischen blätterlosen Weinranken je ein sich umblickender Dionysos sitzt und neben den Henkeln zurückblickende Satyrn laufen. Hingegen scheint die Form der Schale in Neapel [Mus.Naz. 2509 Inv.Nr. 81117. ABV 632.3; CVA Neapel, Mus.Naz. (1) Taf. 29,3; 30,5] vergleichbar gebildet, auch die abgebildeten Figuren passen, nur daß Dionysos nach rechts sitzend und unter den Henkeln Delphine dargestellt sind. Ähnlich auch ein Gefäß in Paris [Louvre Éléonte 223c. ABV 633.13. CVA Paris, Louvre (10) Taf. 112,6], dort fehlen aber die Blätter der Zweige, und im Innenbild ist ein Ephebe zu sehen, dafür erscheinen unter den Henkeln Blätter.
Insgesamt ist festzuhalten, daß alle Gestaltungselemente der Wiener Augenschale 1217 Entsprechungen auf Schalen der Leafless-Gruppe haben, sodaß eine Zuschreibung an diese Werkstatt gut belegbar ist.

Zur keramischen Form und zum Zustand des Gefäßes: Zu den Arbeitsschritten beim Töpfern von Schalen des Typs A siehe allgemein Schreiber 1999, 149ff., zur Herstellung der an den Anschlußstellen zum Gefäßkörper dicken und sich zur Henkelmitte verjüngenden Horizontalhenkel, deren Mittelteil jeweils nach oben gebogen ist, besonders 160f. und ders. 1977, 139ff., wo a.O. 133. 141 darauf hingewiesen wird, daß ein Großteil der Henkel antiker griechischer Töpfer nicht durch Rollen, sondern durch Ziehen des feuchten Tons geformt wurde. Die im Schnitt des Wiener Stückes sichtbare Verdickung des Schalenkörpers an seiner Basis (Abb. 1) läßt sich dadurch erklären, daß bei der Herstellung nicht der gesamte Schalenkörper unten abgearbeitet, sondern in der Mitte eine "Bosse" stehengelassen wurde, um die der Fuß gelegt werden konnte. Als weitere Sicherung diente bei Schalen des Typs A ein schmales, außen angebrachtes Tonband, das am obersten Stielbereich erkennbar ist. Zu diesem Vorgang siehe Schreiber 1999, 153ff. mit Abb. 18,12. Zum fragmentierten Zustand der Gefäße aus der Slg. G. Tschmelitsch merkt Brein 1999, S. XIII an, daß diese "1945 von alliierten Bomben fragmentiert wurden".

Die im Text verwendeten Abbildungen beruhen auf Aufnahmen der Autorin, die 2001 während und direkt im Anschluß an die Restaurierungsarbeiten angefertigt wurden.
Die verwendeten Abkürzungen und Zitierweisen richten sich nach den Vorgaben der Abkürzungsverzeichnisse und Richtlinien für die Publikationen des Deutschen Archäologischen Institutes, AA 1997, 611ff. Die antiken Autoren und ihre Werktitel werden nach H. Cancik - H. Schneider (Hrsg.), Der neue Pauly I (Stuttgart - Weimar 1996) S. XXXIXff. angegeben. Weiters werden folgende Begriffe und Titel wie folgt abgekürzt:
Inv. (Inventar), max. (maximal), min. (minimal), St (Stärke), W (Wand).
Add.2: T.H. Carpenter - T. Mannack - M. Mendonça, Beazley Addenda2 (1989).
Bloesch 1940: H. Bloesch, Formen attischer Schalen von Exekias bis zum Ende des Strengen Stils (1940).
Boardman 1977: J. Boardman, Schwarzfigurige Vasen aus Athen (1977).
Brein 1999: F. Brein (Hrsg.), Bronzezeitliche und geometrische Keramik. Archaische Lokalstile, Kataloge der Archäologischen Sammlung der Universität Wien II (1999).
Ferrari 1986: G. Ferrari, Eye-Cup, RA 1986, 5-20.
Kunisch 1990: N. Kunisch, Die Augen der Augenschalen, AntK 33, 1990, 20-27.
Schreiber 1977: T. Schreiber, Handles of Greek Vases, GettyMusJ 5, 1977, 133-141.
Schreiber 1999: T. Schreiber, Athenian Vase Construction: A Potter´s Analysis (1999).
Seki 1985: T. Seki, Untersuchungen zum Verhältnis von Gefäßform und Malerei attischer Schalen (1985).
Tuna-Nörling 1996: Y. Tuna-Nörling, Attische Keramik aus Klazomenai (1996).
Vierneisel-Kaeser 1990: K. Vierneisel - B. Kaeser (Hrsg.), Kunst der Schale - Kultur des Trinkens (1990).
Villard 1946: F. Villard, L´évolution des coupes Attiques a figures noires (580-480), REA 48, 1946, 153-181.
Williams 1988: D.J.R. Williams, The Late Archaic Class of Eye-Cups, in: J. Christiansen - T. Melander (Hrsg.), Proceedings of the 3rd Symposium on Ancient Greek and Related Pottery, Kopenhagen August 31 - September 4 1987 (1988) 674-683.

[1] An dieser Stelle sei J. Borchhardt als Vorstand des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien sowie P. Dintsis, der für die Archäologische Sammlung des Institutes zuständig ist, herzlich für die Erlaubnis der Publikation der bisher unveröffentlichen Vasen und ihre bereitwillige Unterstützung sowie K. Herold dafür gedankt, daß ich die Exemplare während der Restaurierung begutachten und photographieren konnte. Anzuführen sind weiters L. Dollhofer und K. Schaller, denen die gesamten organisatorischen Arbeiten zufielen, sowie E. Trinkl, der ich die Möglichkeit, diese Stücke bearbeiten zu können, verdanke. Die genauen Zitate der im Text verwendeten Abkürzungen und Hinweise zu den Abbildungen befinden sich im Anschluß an den Haupttext.
[2] Zur Sammlung G. Tschmelitsch siehe Brein 1999, S. XIII. Die Eintragungen im Inventarbuch wurden von F. Brein durchgeführt.
[3] Der Dm der Standlinie als untere Begrenzung des Bildfrieses wird angegeben, um den Anforderungen von Seki 1985, 14 an eine Beschreibung von att. Schalen gerecht zu werden.
[4] Die Beschreibungen in den Klammern beziehen sich auf die Farbangaben in den Munsell Soil Color Charts (Baltimore 1990).
[5] Hierbei handelt es sich um eine bestimmte Art rötlichen Ockers. Zur Anwendung und Bedeutung siehe Schreiber 1999, 48ff.
[6] Eine Zuschreibung an eine bestimmte Malerhand könnte erst nach einer systematischen Erfassung aller Schalenbilder der Leafless-Gruppe erfolgen, die bisher aussteht.
[7] Seki 1985, 14 hält sich bei der Benennung der Untergruppen der Gruppe A hingegen an J. Beazley ARV2 39 mit den Bezeichnungen AZ und AY.
[8] Seki 1985, 27 spricht für die att.rf. Augenschalen vom Typ A2 mit schmalem Standring als "normale Proportion" zwischen Größe des Fußes und Größe des Schalenbeckens von 1:0,38. Genau denselben Wert erreicht die späte att.sf. Augenschale Wien 1217. Mit einem Verhältnis der Standlinie zur Schalengröße von 0,61:1 liegt das Wiener Exemplar innerhalb der Werte, die Seki 1985, 28 mit 0,49 und 0,62 zu 1 für die att.sf. Augenschalen allgemein angibt.
[9] Die att.sf. Augenschalen werden von Seki 1985, 19ff. in ihrem Kapitel "Augenschalen" nur kurz behandelt. Insgesamt wird von Seki a.O. 14 festgehalten, daß die att.sf. Schalen nicht herangezogen werden können, um "die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Gefäßform und Malerei zu erfassen", da "die Änderung der Form bzw. des Dekors der schwarzfigurigen Schalen keine korrespondierende Beziehung zueinander" aufweisen.
[10] Bei den att.rf. Augenschalen datiert der weiße Innenring der Iris zwischen den späten 520er Jahren bis kurz vor 515 v., danach - bis um 510 v. - bleibt der Bereich weiterhin hell, da dieser Teil tongrundig belassen wurde (Williams 1988, 674). Eine weitere spätarchaische Gruppe att.rf. Schalen - wiederum mit dem weißen Irisring ausgestattet - tritt um 495/90 v. auf (Williams 1988, zur Datierung bes. 678).

© Bettina Kratzmüller
e-mail:
b.kratzmueller@gmx.at

This article will be quoted by B. Kratzmüller, Eine attisch schwarzfigurige Augenschale aus dem früheren Besitz von G. Tschmelitsch, Forum Archaeologiae 20/IX/2001 (http://farch.net).



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