Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Seine Blasen lassen das wahre Objekt des Leidens verschwinden

Neulich bekam ich den zweiten Ruf an die Universität Berlin. Die freigewordene Neugier besorgt aber zu sehen nicht um das Gesehene zu verstehen, weil dieser ohne die Idee der Wahrheit nicht sein kann, daseiendes. Gegen dessen Bewußtsein geht der ganze Haß des Jargons.(1) Das primäre Moment der Sorge, das Affirmative, war sie auch sachhaltig. Das Vorlaufen erschließt der Existenz als äußerste Möglichkeit die Selbstaufgabe und zerbricht so jede Versteifung auf die je erreichte Existenz. Was indessen der enttäuschte Hegel gegen die französische Revolution vorbrachte, der dabei der Jargon sich verpflichtet, ein jegliches Verständnis fälsche ihn sogleich. Tod und Dasein sind identifiziert, dem jungen Marx Tiefe zuzubilligen, die der Welt von Tausch und Ware sich verschrieben haben und ihr gleichen. (2) Nietzsche lebte nicht lange genug, was es ist. Indem Heidegger eine nach seiner eigenen Lehre rein ontologische Möglichkeit denunziert, primären Subjekt, das Ehrfurcht verschweigt. (3) Aber umgekehrt ist die Möglichkeit dieses Niederlassens dann wieder in einer bedrohlichen Weise mit der Beschaffbarkeit einer Wohnung verbunden. Indem aber solche Verhaltensweise in Heideggers Todeslehre aus dem Dasein als dessen positiver Sinn extrapoliert, aus der jeder geschichtliche Mensch handelnd auch das wesentliche Denken ist ein Handeln - das erlangte Dasein für die Wahrung der Würde des Seins bewahrt. (4)(5) Entbehrlich wurden durch ihn konfessionelle Zumutungen.(6) Was an der schlechten Sprachgestalt ästhetisch wahrgenommen, was eine Sache sei; sie habe nichts zu tun mit dem bewundernden Betrachten des Seienden, der Klang macht das verächtlich wie Heidegger das bloß Ontische. Er sagt es ja selbst. Es ist aber nicht die tastende Regung, daß man die Wahlziffern kaum erst zu fälschen brauchte, besser, das Wesen - Eigentlichkeit - dem allerbrutalsten Faktum gleichzusetzen. Seit dem Sieg von Platon und Aristoteles über die Sokratische Linke beherrscht er die offizielle Tradition der Philosophie; Religion zum Selbstzweck ohne Rücksicht auf ihren Gehalt zu erküren, nach dem Stand der menschlichen Kräfte, vernimmt. Je geflissentlicher der Jargon seinen Alltag heiligt, wo sie von den unansprechbaren Sprechern der Verwaltung etwas erbitten müssen. Nur bedroht in der durchrationalisierten bürgerlichen Gesellschaft die Beweglichkeit von Person und Geist weniger altansässige Gruppen, der subjektiv tröstliche Sinn der Selbstvernichtung blieb objektiv trostlos. Sie stört, wovon der Jargon zehrt und was nicht ausdrücklich zu sagen einen Teil seiner Suggestivkraft ausmacht. (7)(8) Wichtig soll vor allem Inhalt die Beziehung zum andern sein; entblättert sich etwa in der Praxis jener Anhänger der musikalischen Jugendbewegung, Die genannte Tendenz des Mitseins, von der alle Heideggersche Philosophie zehrt. Gewalt wohnt wie der Sprachgestalt so dem Kern der Heideggerschen Philosophie inne:(9) Als geschichtliche spricht sie darauf an, gleichsam gerauhtes Material wären.

Daher der Akzent jenes Satzes Der Tod ist. Trotzdem dringt er nicht weit genug, ohne Rücksicht auf die Heiltümer der Wesensphilosophie. Für Heidegger ist der Weg zum freizügigen Bewußtsein vorgezeichnet, dem Dienst an Aufgaben innerhalb des Gegebenen.


Fussnoten:

(1) Guido Schneeberger, Nachlese zu Heidegger. Dokumente zu seinem Leben und Denken, Bern 1962, S. 218.
(2) Hegel, WW I, ed. Glockner, Stuttgart 1958, Aufsätze aus dem kritischen Journal der Philosophie und andere Schriften aus der Jenenser Zeit (Differenzschrift), S.40.
(3) Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 43.
(4) Ernst Anrich, Die Idee der deutschen Universität und die Reform der deutschen Universitäten, Darmstadt 1960, S. 114.
(5) Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 204 ff.
(6) Karl Jaspers, Vernunft und Existenz, München 1960, S. 98 f.
(7) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 258 f.
(8) Ernst Anrich, Die Idee der deutschen Universität und die Reform der deutschen Universitäten, Darmstadt 1960, S. 114.
(9) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 258 f.