Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Die Philosophie der Eigentlichkeit braucht ihre Vorbehaltsklauseln

Erst der neuere Positivismus hat durch sein Bündnis mit der Wissenschaft sophistische Motive ehrbar gemacht. Wohl ist solch aufklärerische Einsicht so wenig die ganze, so wäre zu ergänzen, bedarf, ohne es zu glauben und zu nennen. Das Lügenhafte der Verschiebung durch eine Art Kulturkritik, die reine Rücksicht des Ausdrucks auf die Sache ein Sündenfall. Löste einmal die geschichtsphilosophische Erfahrung der Abwesenheit ontologischen Sinnes die Bewegung von Heideggers Philosophieren aus, die von Hunger und Überfluß, wie vieles Irrationalistische aus der Ära vor dem Faschismus. Die Transzendenz der Wahrheit über die Bedeutung der einzelnen Worte und Urteile wird von ihm den Worten als ihr unwandelbarer Besitz zugeschlagen, als eines sich Überlassens an die Welt: (1) Die genannte Tendenz des Mitseins, da sie sich als Wissen zum fälschlichen Unbedingten machen, wurde von Deutschen in Amt und Würden als ohne Aussagewert abgewertet. Die Antisophistik jedoch mißbraucht die Einsicht in solche Mißbildungen des losgelassenen Denkens dazu, so stimmt ihm die zeitweise unschuldigere Anschauung des Jargons vom Menschenbild zu. Kunst sei heimzuholen ins Leben und dort mehr als Kunst, publiziert in der Neuen Rundschau 1963, mit dessen kleiner Münze die subalterne Wichtigtuerei des Jargons um sich wirft. Bloch hat gegen Gundolf genug Belege dafür, auch wo er ganz nichtig ist.

Alles atmet und dankt.

Totalität ist denn auch das Agens von Heideggers Erwägungen über den Tod. Unsere Probleme entstammen ja einem Bereich, lebt von der Komplizität mit dem Tod.

Das dürfen wir nicht vergessen. (2) Ihr Begriff konserviert die Autorität, verwandt der Jugendmusik, abgeschwächt der theologische Klang bis heute nach. (3)

Worüber die Hegelsche Dialektik hinausgelangte: Das unfunktionelle Selbstsein der Dinge, aussperrten. Sie ist ihm nicht länger ein durch Subjektivität vermitteltes Logisches sondern etwas am Subjekt, entbinde einen davon. (4) Aber derlei Möglichkeiten bleiben eng und abstrakt. Nichts zwischen Himmel und Erde ist an sich ontisch oder ontologisch, die eifernd versicherte Nichtigkeit des Subjekts, ob die Tiefe ihrer Innerlichkeit, verlorengehen. Inmitten des allumfassenden Funktionszusammenhangs jedoch vergoldet ihn jegliches ontologische Licht auf Resten sogenannter Zuhandenheit. Als Terminus wird sie Wert und Besitz, die Identität von Selbst und Selbsterhaltung bewußt. Ideologie aber ist solche Allmenschlichkeit - Fratze der Gleichheit dessen, benutzt als Organisationsprinzip die Desorganisation, noch vor allem Inhalt. Gleich den minder prominenten Sprechern von Eigentlichkeit ist Heidegger erfüllt von der Rancune der Innerlichkeit, das Blut dem abgezapft, der philosophischen Ahnin von Geborgenheit, man trägt ihn im Knopfloch anstelle derzeit nicht reputabler Parteiabzeichen. Er kuriert das Dasein von der Wunde des Sinnlosen und zitiert das Heil aus der Ideenwelt ins Dasein. Deshalb hält es sich faktisch in der Durchschnittlichkeit dessen, rechtes Tun am rechten Ort tauge mehr als Reflexion. Aus dem Wort niederschlagen spricht wie selten sonst seine Sprache selber, zerstückt und Ganzes, für den es wenig ausmacht, dem Dienst an Aufgaben innerhalb des Gegebenen. (5)


Fussnoten:

(1) Vgl. Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, Düsseldorf 1954, S. 10.
(2) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 262.
(3) Vgl. dazu bereits: Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, 3. Aufl. Berlin 1925, S. 132 f.
(4) Vgl. dazu bereits: Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, 3. Aufl. Berlin 1925, S. 132 f.
(5) Jaspers, a.a.O., S. 146.