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Erlebnisberichte

Erlebnisbericht von Frau K.

"Einer multiprofessionellen tiergestützten Intervention (MTI) in der Justizanstalt Favoriten beizuwohnen, wird mir als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben. Vor allem der respektvolle Umgang mit Mensch und Hund, der während der Einheiten von den Trainerinnen vermittelt und gelebt wurde, hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Flora, die Therapiehündin,  brachte mit ihrem freundlichen Gemüt jeden einzelnen Teilnehmer im Laufe der Einheit zum Lächeln und regte sowohl fachliche als auch persönliche Gespräche zwischen den Teilnehmern an.

Zentraler Bestandteil der Einheit, die ich beobachten durfte, war eine Gruppenübung, welche sowohl aus einem theoretischen als auch einem praktischen Teil bestand.  Selbstständig bildeten die Teilnehmer zwei Teams und wiesen sich untereinander Rollen zu, für die sie verantwortlich waren. Während der Bewältigung der Übungen unterstützten und motivierten sich die Teilnehmer gegenseitig. Eifrig wurde darüber beraten, mit welchen Signalen sich Hunde untereinander verständigen (sog. Beschwichtigungssignale) oder wie man sich am besten verhält, wenn der Hund nach mehrmaligem Rufen nicht reagiert und sich abwendet. Auch bei der praktischen Übung, bei der es darum ging, Flora dazu zu bringen, eine Reihe von Befehlen auszuführen, feuerten sich die Teilnehmer gegenseitig an und erteilten Tipps.

Die Teilnehmer genossen den Kontakt mit Flora sichtlich und honorierten die Leistung der Hündin und ihres 'Trainers' nach gelungener Übung mit einem wertschätzenden Applaus. Beim abschließenden Feedback, hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich in der Gruppe auszutauschen. Außerdem wurde jeder Teilnehmer von den Trainerinnen dazu motiviert, zu reflektieren, was sie selbst und was ein weiteres Gruppenmitglied während der Einheit besonders gut gemacht haben. Folgendes Feedback eines Teilnehmers hat mich besonders berührt und wird mir unvergesslich in Erinnerung bleiben: 'Ich genieße das Training mit Flora und der Gruppe, weil ich dann eine Stunde lang vergesse, dass ich im Gefängnis bin. Flora akzeptiert einen. Ihr ist es egal, wer man ist."

Erlebnisbericht von Frau W.

Ich habe MTI-Trainings in verschiedenen Einsatzbereichen beobachtet. Jede erste MTI- Einheit beginnt mit einer äußerst schwierigen Aufgabe für die TeilnehmerInnen: Damit der Hund, in der Rolle als Co-Therapeut, in Ruhe Kontakt aufnehmen kann und jeden Einzelnen kennen lernen kann ohne bedrängt zu werden, werden die TeilnehmerInnen gebeten in der ersten Einheit die Hunde noch nicht zu streicheln. Diese Übung entpuppte sich immer wieder als eine der schwierigsten überhaupt, voller widersprüchlicher Gefühle und Wünsche. Manche strahlen über das ganze Gesicht sobald der Hund freiwillig zu ihnen kommt, es fällt ihnen enorm schwer diesen wieder gehen zu lassen, auf eine Beziehung zu hoffen, ohne aktiv dafür etwas tun zu können. Andere wiederum kämpfen mit ihrem Misstrauen diesem fremden Hund und seinem Beziehungsangebot gegenüber, schwanken zwischen Ablehnung und Hinwendung.

Im Laufe der Einheiten war eine Veränderung in der Gruppe wahrzunehmen, Gruppenregeln wurden nicht mehr nur vor allem zum Wohle des Co-Therapeuten Hund eingehalten, sondern es wurde eine Sensibilität für die Befindlichkeit der anderen Teilnehmer aufgebaut. Die Gruppe war nun in der Lage den Einzelnen, zum Beispiel nach einer missglückten Übung, wieder aufzufangen. Immer mehr konnten die menschlichen Trainerinnen in den Hintergrund treten und jeder/m einzelnen/m TeilnehmerIn sowohl die Verantwortung für sein eigenes Handeln und Wohlergehen als auch für das Wohlergehen der anderen und nicht zu vergessen, das Wohlergehen des Co-Trainers Hund übertragen.