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	<title>Axel Maireder</title>
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	<description>University of Vienna</description>
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		<title>Wer den ORF will, muss ihm auch Facebook erlauben</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 10:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Notizen]]></category>
		<category><![CDATA[distribution]]></category>
		<category><![CDATA[facebook]]></category>
		<category><![CDATA[mediennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[nachrichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen habe ich Philipp Wilhelmer vom Manstein-Verlag ein Interview zu den Social Media-Beschränkungen des ORF gegeben, dass heute unter dem Titel &#8220;Demokratiepolitisch bedenklich&#8221; im Horizont erschienen ist (Danke!) und dort nachgelesen werden kann. Da in so einem Interview Argumentationslinien immer nur ausschnittsweise wiedergegeben werden können und auch, weil ich bei einer direkten schriftlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen habe ich <a href="https://twitter.com/#%21/pwilhelmer">Philipp Wilhelmer</a> vom Manstein-Verlag ein <a href="http://www.horizont.at/home/detail/interview-maireder.html?cHash=18506483f5162cafe36fc76a42d899e0">Interview</a> zu den <a href="http://www.horizont.at/home/horizont-access/detail/facebook-verbot-orf-blitzt-in-zweiter-instanz-ab.html?tx_ttnews[swords]=orf,%20facebook">Social Media-Beschränkungen des ORF</a> gegeben, dass heute unter dem Titel &#8220;Demokratiepolitisch bedenklich&#8221; im <a href="http://www.horizont.at/home/detail/interview-maireder.html?cHash=18506483f5162cafe36fc76a42d899e0">Horizont</a> erschienen ist (Danke!) und dort nachgelesen werden kann. Da in so einem Interview Argumentationslinien immer nur ausschnittsweise wiedergegeben werden können und auch, weil ich bei einer direkten schriftlichen Aufarbeitung strukturierter Vorgehen kann, möchte ich an dieser Stelle nochmal kurz meine zentralen Gedankengänge zusammenfassen:<span id="more-9913"></span></p>
<ol>
<li><strong>Mediennutzung hat sich radikal gewandelt</strong>, vor allem bei den Jüngeren. Während vor 10, 15 oder 20 Jahren die  Fernsehnachrichten um 19:30h oder 22h für viele Menschen ein Fixpunkt des täglichen Medienkonsums waren – und dabei auch eine Tageszeit-strukturierende Funktion innehatten – sitzen junge Erwachsene heute kaum noch zu vorgegebenen Sendeterminen vor dem Fernseher; schon gar nicht für Nachrichtensendungen. Viele sind aber mehrmals täglich auf Facebook, um zu chatten oder die letzten Statusmeldungen der Freunde zu checken.</li>
<li><strong>Facebook wird dabei zunehmend auch als Nachrichtenkanal genutzt</strong>. In einer repräsentativen Studie der <a href="http://www.bitkom.org/70397_70419.aspx">BITKOM</a> haben letzten Herbst 34% der deutschen Facebook-NutzerInnen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren angegeben, sich dort &#8220;über das Tagesgeschehen zu informieren&#8221; bzw. &#8220;die Nachrichten zu verfolgen&#8221;. In den <a href="http://www.pewinternet.org/Reports/2010/Online-News/Summary-of-Findings.aspx">USA</a> und <a href="http://www.mediaresearch.ca/en/projects/socialmedia.htm">Kanada</a> sind es noch viele mehr, und es ist abzusehen, dass die Entwicklung in Österreich auch in diese Richtung läuft.  Social Network Services (SNS) werden zunehmend zu <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2010.01533.x/abstract">&#8220;major news distribution outlets&#8221;</a>.</li>
<li><strong>Alternative Formen der Nachrichtendistribution</strong> sind dabei zentrale Funktionen von SNS für die öffentliche Kommunikation. Interessante Nachrichten verbreiten sich, wie andere Medieninhalte auch, &#8220;viral&#8221; über die Aktivitäten einzelner NutzerInnen. &#8220;Shares&#8221;, &#8220;Likes&#8221; und Kommentare sorgen dafür, dass Inhalte in den &#8220;Social Streams&#8221; der eigenen Kontakte erscheinen und so von anderen wahrgenommen und weiter verbreitet werden. Gleichzeitig trägt die <strong>Diskussion von Nachrichten</strong> in den Kommentaren (durchaus im Sinne des zweiten &#8220;Step&#8221; im &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Two-step_flow_of_communication">Two-Step-Flow of Communication</a>&#8220;) dazu bei, dass Menschen sich über das Welgeschehen eine fundiertere Meinung bilden können indem sie die Nachrichten im Rahmen des eigenen Lebens- und Erlebniskontext reflektieren.</li>
<li>Der <strong>Sinn öffentlich-rechtlichen Rundfunks in demokratischen Gesellschaften</strong> ist unter anderem die von wirtschaftlichen Interessen unabhängige und möglichst objektive Information der BürgerInnen über das Weltgeschehen. Dazu ist es notwendig und erwünscht, dass möglichst viele Menschen die Sendungsinhalte der öffentlich-rechtlichen Anstalten empfangen können. Die gut ausgebaute Sendeinfrastruktur des ORF, die den Empfang von TV und Radio (zumeist) selbst in den entlegendsten Alpentälern sicher stellt, ist Ausdruck davon.</li>
<li><strong>Die österreichische Politik</strong> (zumindest die beiden <em>ehemaligen?</em> Großparteien), bekennt sich zum ORF und seiner gesellschaftlichspolitischen Funktion.</li>
<li>Nun: Wenn sich die Mediennutzungspraxis der BürgerInnen ändert, muss der ORF seiner ureigendsten Bestimmung nach zwangsläufig auch die Praxis der Distribution seiner Inhalte anpassen. <strong>Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der einen guten Teil der BürgerInnen nicht mehr erreicht weil sie seine bestehenden Verbreitungskanäle immer weniger nutzen, wird seiner gesellschaftspolitischen Funktion nicht mehr gerecht. Wer den ORF will, muss ihm zwangsläufig auch erlauben neue, alternative Distributionskanäle zu nutzen, um ihn nicht langsam aber stetig in die Bedeutungslosigkeit zu führen.</strong></li>
<li>Dies gilt nicht nur für Facebook, sondern auch für die Nutzung anderer Anwendungen. Die wichtigsten davon sind aktuell zweifelsohne <strong>APPs für Smartphones</strong> und Tablets zu mobilen Nachrichtenrezeption.</li>
<li>Es gibt noch viele weitere Argumente dafür, dem ORF zu ermöglichen, soziale Medien zu nutzen (Sichtbarkeit und Adressierbarkeit in den Kommunikationsräumen, Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem &#8220;Publikum&#8221;, Feedbackkanal für JournalistInnen, u.v.m.)  auf die ich hier vorerst aber nicht im Detail eingehen möchte.</li>
<li><strong>Zur Einschränkung:</strong> Von dieser Arguementation bleiben Fragen um den öffentlich-rechtlichen Gehalt (&#8220;public value&#8221;) von bestimmten Angeboten des ORF unberührt. Aber: Man sollte nicht diskutieren, ob <em>Ö3</em> oder <em>Dancing Stars</em> Facebook Seiten haben dürfen, sondern ob sie dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen. Wenn man diese Angebote will, wenn man sie dem ORF zugesteht, dann muss man ihm auch ermöglichen diese Angebote dort zu platzieren, wo sie die Menschen erreichen.</li>
</ol>
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]]></content:encoded>
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		<title>TwitterPolitik: Nachbetrachtungen und Ausblick</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 10:25:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[konversationen]]></category>
		<category><![CDATA[netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
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		<category><![CDATA[twitterpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Wochen, am 29.3.2012, haben Julian Ausserhofer, Axel Kittenberger und ich im Designforum des Museusquartier in Wien unsere aktuelle Studie &#8220;Twitterpolitik &#8211; Netzwerke und Themen der innenpolitschen Twittersphäre in Österreich&#8220; vorgestellt (zum Hintergund hier). Das Interesse an unserer Studie und der Veranstaltung, bei der unsere Ergebnisse nach der Präsentation von Corinna Milborn (News), Armin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/POLITIKPROFIS.png"><img class="alignright size-medium wp-image-9162" title="POLITIKPROFIS" src="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/POLITIKPROFIS-300x259.png" alt="" width="300" height="259" /></a>Vor einigen Wochen, am 29.3.2012, haben <a href="http://twitter.com/boomblitz">Julian Ausserhofer</a>, <a href="http://twitter.com/axkibe">Axel Kittenberger</a> und ich im Designforum des Museusquartier in Wien unsere aktuelle Studie <strong>&#8220;<a href="http://twitterpolitik.net">Twitterpolitik &#8211; Netzwerke und Themen der innenpolitschen Twittersphäre in Österreich</a>&#8220;</strong> vorgestellt (zum Hintergund <a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/2012/01/konversationsnetzwerke-der-o-innenpolitschen-twittersphare/">hier</a>). Das Interesse an unserer Studie und der Veranstaltung, bei der unsere Ergebnisse nach der Präsentation von <a href="http://twitter.com/corinnamilborn">Corinna Milborn</a> (News), <a href="http://twitter.com/arminwolf">Armin Wolf</a> (ORF), <a href="http://twitter.com/michelreimon">Michel Reimon</a> (Grüne) und <a href="http://twitter.com/stefan_petzner">Stefan Petzner</a> (BZÖ) diskutiert wurden, war gewaltig. Mein Dank geht hier an <a href="http://twitter.com/nikoalm">Niko Alm</a> und sein Super-Fi Team, die es &#8211; wie es Hubert Sickinger <a href="https://twitter.com/#%21/HubertSickinger/statuses/185655553001918464">ausdrückte </a>- geschafft haben eine Studienpräsentation zum &#8220;In-Event&#8221; zu machen. Auch die mediale Aufmerksamkeit war überwältigend: <a href="http://derstandard.at/1332324093263/Twitter-Studie-In-140-Zeichen-die-Welt-erklaeren">Der Standard</a>, <a href="http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/744838/Das-Netzwerk-der-Twitterpolitik">die Presse</a>, <a href="http://kurier.at/kultur/4490560-so-zwitschert-oesterreichs-polit-twitteria.php">Kurier Online</a>, <a href="http://www.thegap.at/rubriken/stories/artikel/im-zentrum-von-twitter-politik-und-medien/">the Gap</a> und <a href="http://twitterpolitik.net/?page_id=335">viele mehr</a> haben ausführlich über unsere Ergebnisse berichtet. Den verantwortlichen JournalistInnen kann ich dabei durchwegs ein Kompliment machen: Sie haben es geschafft, unsere durchaus komplexen Ergebnisse zugleich lebendig und korrekt aufzubereiten. Danke!<span id="more-9161"></span></p>
<p>Auf Twitter selbst war natürlich auch einiges los, der <strong>Hashtag zu Studie</strong> (<a href="http://twitter.com/#%21/search/realtime/%23atpoltwit">#atpoltwit</a>) war tagelang unter den Top-10 der wichtigsten Twitter-Themen im deutschsprachigen Raum zu finden. Neben einer Reihe von NutzerInnen, die ihre eigene Verortung in unserem Netzwerk kommentierten, wurde ein ganz spezifisches Thema für die Konversationen bestimmend: Das <strong>Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen</strong>. Auf einer unserer Visualisierungen hatten wir gezeigt, dass unter den zentralen Persönlichkeiten des Netzwerks nur sehr wenige Frauen zu finden sind. Auch in unserem ursprünglichen Sample von 374 NutzerInnen, jene, die sich in einem begrenzten Zeitraum über österreichische Innenpolitik unterhalten und dabei eines der Schlüsselwörter genannt hatten, waren nur 68 (vermutlich) Frauen. Viele NutzerInnen thematisierten dieses Missverhältnis und am Freitag wurde kurzerhand ein &#8220;Female/Frauen Follow Friday (#fff)&#8221; ausgerufen wurde, der auf breite Partizipation stieß. Schön!</p>
<div id="attachment_9428" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/atpol_ausschnit_corruption.png"><img class="size-medium wp-image-9428" title="atpol_ausschnit_corruption" src="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/atpol_ausschnit_corruption-300x214.png" alt="" width="300" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Themennetzwerk &quot;Korruption&quot;</p></div>
<p>Zurück zur Studie selbst: Während das Gesamtnetzwerk die höchste mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, liegt der imho größte Wert der Studie in den <strong>Themennetzwerken</strong>. Diese waren auch der größte Aufwand: Die drei KollegInnen Kathrin Braun, Maja Nizamov und Fabian Kretschmer, die alle <strong>145.356 (!) Tweets</strong> unseres Erhebungszeitraumes Tweet-für-Tweet thematisch kodiert haben, haben ganze Arbeit geleistet. So können wir &#8211; meines Wissens erstmals &#8211; einzelne Themen aus den gesamten NutzerInnennetzwerken herauslösen und zeigen, wer zu welchem Thema relevante Beiträge geliefert hat, wer eine themenspezifische Zentralität besitzt, wer also Opinion Leader ist. Es zeigt sich dabei unter anderem, dass diejenigen, die viel über ein Thema tweeten, nicht unbedingt die sind, die im Kontext dieses Themas auch erwähnt werden. Stattdessen werden immer wieder NutzerInnen im Kontext eines Themas angesprochen, die eigentlich selbst kaum dazu beitragen. NutzerInnen allerdings, die für das Gesamtnetzwerk zentral sind, allen voran <a href="http://twitter.com/arminwolf">Armin Wolf</a>.</p>
<p>Der Vergleich zwischen den<strong> Themen auf Twitter und jenen in der Tagespresse</strong> ist, wenn man Twitter kennt und nutzt, eigentlich wenig überraschend: Auf Twitter werden vor allem aktuelle, sensationalle Ereignisse und Begebenheiten diskutiert. Langwierige Themen, wie Finanzkrise, Sparpaket, Lohnverhandlungen u.v.m., über die in der Tagespresse umfangreich berichtet wird, eignen sich nicht zum kurzen und kurzfristigen kommentieren und polemisieren auf Twitter. Immerhin: Die Korruptionsaffären rund um die ÖVP/FPÖ Regierung der frühen 2000er-Jahre sind auch auf Twitter ein wichtiges Thema, ebenso wie Bildungspolitik. Ersteres auch, weil <a href="http://twitter.com/stefan_petzner">Stefan Petzner </a>in den letzten Montaen laufend aus dem entsprechenden parlamentarischen Untersuchungsausschuss getwittert hat; und zweiteres, weil auf Twitter eine in allen Netzwerken gut identifizierbare und stark vernetzte Gruppe aus StudentInnen, AktivistInnen und ÖH-PolitikerInnen rund um Nutzer <a href="http://twitter.com/porrporr">PorrPorr</a> aktiv ist, die Bildung immer wieder zum Thema machen. Überraschend für uns war übrigens das extreme Tweet-Aufkommen zum WKR-Ball. Als ich die entsprechenden Daten zum ersten mal sichtete, dachte ich zuerst an einen Fehler: Hatten wir doch in dieser Woche &#8211; insgesamt &#8211; fast doppelt so viele Tweets aufgezeichnet als in den anderen Untersuchungswochen. Wie sich in der Kodierung herausstellt, war dafür tatsächlich zu einem großen Teil der Ball verantwortlich: Mehr als 8.000 Tweets wurden von uns alleine zu diesem Thema registriert.</p>
<p>Das Projekt Twitterpolitik, begonnen als Seminararbeit für <a href="http://twitter.com/snurb_dot_info">Axel Bruns</a>, wurde mit der Zeit zu einer der aufwendigsten und spannendsten Studie, die ich bisher gemacht habe. Spannend vor allem auch deswegen, weil wir <strong>mit (fast) jedem Schritt Neuland betreten</strong> haben. Wohl gab es Vorarbeiten, die unsere methodischen Überlegungen angeregt haben. Bei den allmeisten Entscheidungen, die im Rahmen des Projektes gefallen sind, der Auswahl der Suchbegriffe, der Gewichtung der NutzerInnnen, der Auswahl unserer (am Ende) 374 Polit-Twitterer, der Form der Kodierung, der Art der Gewichtung in der Visualisierung und vielen, vielen weiteren, konnten wir uns jedoch kaum an vorhandenen Studien orientieren. Es ging immer um <strong>Abwegungen</strong>, um Argumente für die Entscheidung in die eine oder andere Richtung &#8211; wobei selten eine Richtung &#8220;falsch&#8221; und eine &#8220;richtig&#8221; gewesen wäre. So sind die Ergebnisse zu lesen. Aber nicht nur unsere: Bei allen Studien, die sich mit &#8220;Big Data&#8221; aus dem Netz auseinandersetzen sind vielfältige Detail-Entscheidungen zu treffen, für die es (bisher) keine Anleitung gibt, und die die Ergebnisse in hohem Masse prägen. Dadurch, dass jede/r Forscher/in mit den Daten anders umgeht, Methoden am Material &#8220;ausprobiert&#8221;, gibt es bis dato kaum vergleichbares. Noch ist die Zeit für <strong>methodische Normen</strong> in der Analyse von Netzöffentlichkeiten wohl noch nicht gekommen. Mittelfristig wird daran jedoch kaum ein Weg daran vorbeiführen, wenn wir SozialwissenschaftInnen konsitentes, vergleichbares und gemeinsames Wissen zu diesen Themen schaffen wollen.</p>
<p>Ich bin überzeugt, dass Analysen von vernetzten Konversationen in der Meso- und Makroperspektive eine hohe Relevanz für das Verständnis zeitgenössischer demokratischer Öffentlichkeit(en) haben. Gleichzeitig bin ich überzeugt, das unsere Studie &#8211; so &#8211; in anderen Kontexten gar nicht 1:1 widerholbar wäre. Ich glaube, dass die Dichte der österreichischen politische Twittersphäre zum Teil durch die Grösse (bzw. eben Kleinheit) des Landes und seiner Twitter-Gemeinde, der geographischen Nähe der Akteure (Wien) und der grundsätzlichen österreichischen &#8220;Verhaberungs&#8221;-Mentalität (gar nicht negativ gemeint &#8211; man kennt sich halt), liegt. <strong>Jedes Land hat die Twittersphäre, die es verdient <img src='http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </strong>. Eine ähnliche Studie in Deutschland wäre extrem spannend, müsste aber methodisch zum Teil ganz anders aufgesetzt sein &#8211; da viel mehr Akteure zu (wie ich annehme) viel mehr Themen twittern. So würde ich ich eine deutlich (!) heterogene Twittersphäre erwarten, in der sich Themen und Akteure stärker ausdifferenziert haben.Vielleicht bietet sich ja irgendwann die Gelegenheit&#8230;</p>
<p>Ob Deutschland, Österreich oder ein anderes Land, ob allgemeine politische Öffentlichkeiten oder grenzübergreifende Teilöffentlichkeiten zu bestimmten Politikfeldern &#8211; überall stellt sich eine zentrale Frage: Jene nach der<strong> Transparenz und Offenheit politischen Kommunikationsprozesse</strong> über soziale Medien und neuen Wegen für demokratische Willensbildung. Wir haben gezeigt, dass die österreichische politische Twittersphäre nicht nur von einzelnen &#8220;BürgerInnen&#8221; (also Akteuren, die nicht professionell im Politikkontext tätig sein) stark mitgeprägt wird sondern &#8211; bei aller Dichte des Kernnetzwerkes &#8211; auch, dass viele zentrale Akteure mit Menschen ausserhalb des Netzwerks in Kontakt über Twitter in Kontakt sind. Für uns spricht dies &#8211; trotz Mangel von Vergleichsdaten &#8211; für eine hohe Offenheit der politischen Kommunikationsprozesse auf Twitter. Wer diese Akteure ausserhalb des Netzwerks sind, ob und in welcher Form sie die Kommunikation mitprägen, und ob und in welcher Form sie dadurch auch &#8220;Einfluss&#8221; auf journalistische oder politische Entscheidungen haben, bleibt vorerst dahingestellt. Die Wissenschaft (vielleicht der/die eine oder andere Politikwissenschafter/in?) ist jedenfalls aufgerufen, sich diesen Fragen zunehmend zu stellen. Ich bin vorsichtig optimistisch.</p>
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		<title>Vortrag zu Identität &amp; Authentizität im Social Media Sharing</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 08:53:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Die ethische Frage nach ‘Authentizität’ in der computervermittelten Kommunikation&#8221; war das Thema einer Tagung letzte Woche in München, auf der Julian Ausserhofer und ich einen Teilaspekt unserer qualitativen Interviewstudie zu &#8216;Sharing in sozialen Medien&#8217; vorgestellten. Als besonders spannend empfand ich dabei das Publikum, dass sich zu gleichen Teilen aus Internetforschern der DGPuK-Fachgruppe Computervermittelte Kommunikation und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Die ethische Frage nach ‘Authentizität’ in der computervermittelten Kommunikation&#8221; war das Thema einer Tagung letzte Woche in München, auf der Julian Ausserhofer und ich einen Teilaspekt unserer qualitativen Interviewstudie zu &#8216;Sharing in sozialen Medien&#8217; vorgestellten. Als besonders spannend empfand ich dabei das Publikum, dass sich zu gleichen Teilen aus Internetforschern der <a href="http://www2.dgpuk.de/fg_cvk/">DGPuK-Fachgruppe Computervermittelte Kommunikation</a> und Medienethikern der <a href="http://www.dgpuk.de/medienethik/">Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik</a> zusammensetzte. Eine Mischung, die Diskussionen entstehen lies in denen Ergebnisse empirischer Forschung zu neuen IK-Technologien mit Verweisen af christliche Moralethik kommentiert wurden. Ungewöhnlich, aber nicht unspannend. Anbei nun unsere Slides und der extended Abstract für unseren Vortrag.<span id="more-9082"></span></p>
<h2><strong>Identität im Social Media ‚Sharing’: </strong>Authentizität als Präsentation multipler Facetten des Selbst</h2>
<p>Menschen nutzen Social Media wie Facebook und Twitter zunehmend, um Medieninhalte mit ihren Kontakten zu &#8220;teilen&#8221; und tragen dadurch in hohem Maße zur Diffusion von Nachrichtenberichten, Blogbeiträgen, YouTube-Videos und vielem mehr, bei (CMRC, 2011; Pew Research, 2010; Woong Yun &amp; Park, 2011). Diese Praxis ist dabei geprägt von den Funktionen, die Social Media für die NutzerInnen erfüllen. Eine dieser Funktionen ist Identitätsmanagement (Schmidt, 2009): Menschen nutzen Social Network Applikationen SNA um sich gegenüber ihren Peers, ihren Freunden, Familienmitgliedern, ehemaligen und aktuellen Schul- und ArbeitskollegInnen darzustellen. Facebook, Twitter und andere SNA werden entsprechend als Identitätsmedien verstanden und waren unter diesem Gesichtspunkt in den letzten Jahren Gegenstand intensiver sozialwissenschaftlicher Auseinandersetzung (Back et al., 2010; Beer, 2008; D. boyd &amp; Ellison, 2007; Ito et al., 2008).</p>
<p>Neben der Gestaltung des Profils, den eingestellten Fotos, persönlichen Statusmeldungen und Kommentaren tragen eben auch „geteilte“ Medieninhalte zur Konstruktion der jeweiligen Selbst(re)präsentation bei. Denn mit der Vermittlung bestimmter Texte, Bilder und Videos an ihre Kontakte zeigen Menschen welche Themen sie für relevant sind, welche Quellen sie für vertrauenswürdig halten und welche Meinungen und Weltanschauungen sie teilen oder ablehnen (Martin, 2008). Tatsächlich kann in den „reduced cue environments“ (Baym, 2010, p. 120) von Social Network Sites, in denen auch kleinste Informationselemente einen nennenswerten Einfluss auf die Wahrnehmung einer Person durch andere haben können (vgl. ebd.), jeder geteilte Medieninhalt und der sie begleitende individuelle Kommentar zu einem relevanten Element im Rahmen der Online-Selbstdarstellung werden. Rezeptionsverhalten, gesellschaftspolitische Ansichten, Mediengeschmack und vieles mehr kann für die Kontake von Social Media NutzerInnen aus der Praxis des &#8220;Sharing&#8221; heraus interpretierbar sein.</p>
<p>Während Menschen in Face-to-face Gesprächssituationen über Medieninhalte ihr Auftreten an die situationsspezifisch unterschiedlichen KommunikationspartnerInnen anpassen (Goffman, 1959) – in der Tradition des Two-Step-Flow wurde das in der Vergangenheit vielfach untersucht (Gantz &amp; Trenholm, 1978; Schaap, 2009; Schenk, 1995; Sommer, 2010; Troldahl &amp; van Dam, 1965) –, ist dies in Social Network Applikationen kaum möglich. Denn NutzerInnen unterhalten Netzwerke aus &#8220;weak&#8221; und &#8220;latent ties“ (Haythornthwaite, 2002, 2005), die sich aus Personen zusammensetzen, die sie aus unterschiedlichsten Kontexten (oder auch gar nicht) kennen. Es liegt, wie es Marwick &amp; boyd (2010) bezeichnen, ein &#8220;context collapse&#8221; vor, für den NutzerInnen neue Formen von Selbstpräsentationstechniken und -strategien entwickeln, für die eine laufende Reflexion über das Verhältnis des selbst zu den anderen, den „Friends“ und „Followers“, notwendig ist.</p>
<p>Die Ausgestaltung des Identitätsmanagements im Rahmen der Intermediationspraxis in Social Media, die Fragen nach der Konzeption des vielfach unklaren und dynamischen Gegenübers und die Form in der diese Konzeption die Praxis prägt, standen im Kern eines explorativen Forschungsprojektes im Winter 2010/11. Basierend auf 41 offenen Interviews mit Menschen, die Facebook und/oder Twitter intensiv nutzen um Medieninhalte mit ihren Kontakten teilen, konnten wir diese Fragen auf Basis einer an der Grounded Theory orientierten Analyse intensiv bearbeiten.<br />
So zeigt sich, dass die Pflege der Onlineidentität nicht nur die Intermediation prägt, sondern auch ein wesentliches Motiv für diese Praxis darstellt. Die Befragten sind sich absolut im Klaren darüber, dass sie mit den geteilten Inhalten assoziiert werden und orientieren sich entsprechend. Wiewohl viele einschlägige Begriffe wie „Personal Branding“ und „self promotion“ zur Beschreibung ihrer Praxis ablehnen, steht die Konstruktion einer authentischen Online-Identität oft im Vordergrund. So stellen NutzerInnen in den begleitenden Kommentaren häufig einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem eigenen Leben und Erleben und den geteilten Medieninhalten her.</p>
<p>Menschen konstruieren ihr – mehr oder weniger &#8211; diffuses Gegenüber als Kreise von Kontakten, indem sie zwischen Gruppen von Menschen differenzieren mit denen sie unterschiedliche Erfahrungen und Interessen teilen. Den verschiedenen Gruppen unterstellen sie unterschiedliches Wissen um die eigene Person, die eine spezifische Dekodier-Fähigkeit der Mitteilungen im persönlichen Kontext mit sich bringt. Sie vertrauen auf die Dekodierungsfähigkeit ihrer Kontakte; eine Fähigkeit, die durch die Spezifität der Beziehung zwischen Nutzer/in und jedem seiner/ihrer Kontakt geprägt ist. Die Mitteilungen werden je nachdem, welche Personengruppe angesprochen werden soll, kodiert – auch wenn alle Kontakte die Mitteilungen sehen können. In anderen Fällen versuchen NutzerInnen einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, welcher der Diversität der Kontakte gerecht wird.</p>
<p>Social Media NutzerInnen sehen Online-Identitätsmanagement als Präsentation multipler Facetten des Selbst. Menschen bestimmte Lebensbereiche, Interessen und Einstellungen zu zeigen, die sie diesen in traditionellen sozialen Situationen nicht zeigen würden, sehen viele jedoch weniger als Problem als Chance. Indem sie sich als „authentisches Ganzes“ präsentieren (wollen), brechen sie die traditionellen Rollenstrukturen auf. Dabei heben sie die Intensivierung von Beziehungen und die Aktivierung von „latent ties“ als positive Effekte hervor, die spezifische Rollenidentitätskonstruktion steht Bedürfnissen im Rahmen des Beziehungsmanagement (Schmidt, 2009) im Kontext einer hohen Bewertung der Rolle phatischer Kommunikation (Miller, 2008), nach. „Authentizität“ ist die zentrale, auch von den Interviewten selbst so genannte, Kategorie, unter der sie die eigene Kommunikationspraxis als auch die Praxis anderer beurteilen. Natürlich hat „Authentizität“ auch Grenzen: NutzerInnen vermeiden es, Medieninhalte zu teilen, die der Identitätskonstruktion, an der sie arbeiten, fragwürdig erscheinen lassen.</p>
<p><em>Extended Abstract</em><strong></strong><br />
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<p><span style="color: #999999;"><strong>Literatur</strong></span></p>
<p><span style="color: #999999;">Back, M. D., Stopfer, J. M., Vazire, S., Gaddis, S., Schmukle, S. C., Egloff, B., &amp; Gosling, S. D. (2010). Facebook Profiles Reflect Actual Personality, Not Self-Idealization. Psychological Science. 21: 372-374 doi:10.1177/0956797609360756</span></p>
<p><span style="color: #999999;">Baym, N. (2010). Personal Connections in the Digital Age (1st ed.). Cambridge: Polity.</span></p>
<p><span style="color: #999999;">Beer, D. (2008). Social network(ing) sites…revisiting the story so far: A response to danah boyd &amp; Nicole Ellison. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(2), 516-529. doi:10.1111/j.1083-6101.2008.00408.x</span></p>
<p><span style="color: #999999;">boyd, D., &amp; Ellison, N. B. (2007). Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(1). Retrieved from http://jcmc.indiana.edu/vol13/issue1/boyd.ellison.html</span></p>
<p><span style="color: #999999;">CMRC, C. edia R. C. (2011). Social Networks Transforming How Canadians Get the News. Retrieved from http://www.mediaresearch.ca/en/projects/socialmedia.htm (14.10.2011)</span></p>
<p><span style="color: #999999;">Gantz, W., &amp; Trenholm, S. (1978). Why People Pass on News Events: A Study of Motivations for Interpersonal Diffusion. Paper presented at the Eastern Communication Association, Boston, March 16-18, 1978. Retrieved from http://www.eric.ed.gov/ERICWebPortal/contentdelivery/servlet/ERICServlet?accno=ED153270 (12.10.2011)</span></p>
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<p><span style="color: #999999;">Sommer, D. (2010). Nachrichten im Gespräch : eine empirische Studie zur Bedeutung von Anschlusskommunikation für die Rezeption von Fernsehnachrichten. Baden-Baden: Nomos.</span></p>
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		<title>Konversationsnetzwerke der österreichischen innenpolitischen Twittersphäre</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 21:19:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es wird Zeit von einem Projekt zu berichten, dass Julian Ausserhofer, Axel Kittenberger und ich im Anschluss an ein Seminar von Axel Bruns seit Sommer dieses Jahres entwickelt haben und nun seit einigen Monaten intensiv bearbeiten: Die Analyse der Konversationsnetzwerke der österreichischen, innenpolitischen Twittersphere. PolitikerInnen, JournalistInnen und andere professionelle Akteure des politischen System in Österreich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wird Zeit von einem Projekt zu berichten, dass <a href="http://julian.mur.at/blog/">Julian Ausserhofer</a>, <a href="http://twitter.com/#%21/axkibe">Axel Kittenberger</a> und ich im Anschluss an ein Seminar von<a href="http://snurb.info/"> Axel Bruns</a> seit Sommer dieses Jahres entwickelt haben und nun seit einigen Monaten intensiv bearbeiten: <strong>Die Analyse der Konversationsnetzwerke der österreichischen, innenpolitischen Twittersphere.</strong> PolitikerInnen, JournalistInnen und andere professionelle Akteure des politischen System in Österreich nutzen Twitter zunehmend zur Kommunikation sowohl untereinander als auch nach &#8220;aussen&#8221;, also zu Menschen ausserhalb des Arena professioneller politischer Kommunikation. Dabei entsteht ein – mehr oder weniger – <strong>spezifischer innenpolitischer Diskursraum</strong> in dem relativ offene, niederschwellige Kommunikationsprozesse stattfinden. Dieser Austausch ist dazu geneigt, die Beziehungen der Akteure des politischen Systems untereinander als auch die Beziehung dieser Akteure zu Umwelt des politischen Systems zu intensivieren.<span id="more-9039"></span></p>
<p>Wir analysieren nun die Strukturen und Themen der österreichischen innenpolitischen Diskussion auf Twitter mit dem Ziel, die politischen <strong>Themensetzungs- und Aushandlungsp­rozesse</strong> zwischen den Akteuren des politischen Systems (und anderen) in diesem Medium zu beschreiben. Wir fragen dabei sowohl nach den <strong>Interaktionsstrukturen</strong> und daraus ableitbaren <strong>Beziehungskonstellationen</strong> (Opinion Leading &amp; Sharing) zwischen Akteuren und Akteursgruppen, als auch nach den Konversationsformen im Verhältnis zu  tradierten Formen. Im Gegensatz zu themenzentrierten Ansätzen (Diskurse innerhalb von ‚Hashtags’) in der Twitterforschung (z.B. Axel Bruns und <a href="http://www.mappingonlinepublics.net/">KollegInnen an der Queensland UT</a>,  <a href="http://www.uoguelph.ca/polisci/tamara-small">Tamara Small an der U Gualph</a> in Kanada oder die norwegischen Kollegen <a href="http://hm.uib.no/">Moe</a> &amp; <a href="http://www.andersoloflarsson.se/">Larsson</a>), analysieren wir das gesamte Kommunikationsverhalten von 400 NutzerInnen über längere Zeiträume und unterschiedliche Themenfelder hinweg.</p>
<p>Die Auswahl dieser NutzerInnen erfolgte im Sommer 2011 durch eine dreimonatige strukturierte Beobachtung von Mitteilungen rund um spezifische politische Reizwörter. Die NutzerInnen wurden anschließend auf Basis ihrer Profilinformationen in PolitikerInnen, JournalistInnen, andere professionelle Akteure des politischen Systems und Akteure ausserhalb des Systems, kategorisiert. Seit 8. Oktober 2011 sammeln wir nun alle Tweets dieser User sowie alle Tweets anderer, die eine/n dieser 400 erwähnen (@-mentions). Wir haben nun vier Wochen examplarisch ausgewählt. Mit den Daten aus diesen Wochen werden wir sowohl getrennte als auch kombinierte Analysen der Konversationsnetzwerke auf Basis der @-mentions vornehmen (zentrale Akteure, Cluster, etc.).</p>
<p>Zudem können wir, Dank einer Kooperation mit <a href="http://www.mikromischkonzern.eu/">Super-Fi</a>, alle Tweets dieser vier Wochen nach ausgewählten Themen analysieren. So können wir nicht nur <strong>Themenentwicklungen</strong> zeitlich nachvollziehen, sondern durch Kombination mit der Netzwerkanalyse unterschiedliche <strong>Themennetzwerke identifizieren</strong> und unter die Lupe nehmen. Wir werden beispielsweise zeigen können, welche NutzerInnen in den Diskursen zu Studiengebühren, zu den Auswirkungen der Eurokrise auf Österreich oder zur Affäre rund um Niko Pelinka zentral waren, welche Kommunikationscluster sich rund um diese Themenfelder entwickelt haben und wie offen die Akteure des politischen Systems bei diesen und anderen Themen für Anregungen von Twitter-NutzerInnen ausserhalb des Systems waren.</p>
<p>Die Kodierung ist noch im Gang, die Analyse wird im März abgeschlossen sein und die Ergebnisse werden wir dann im April öffentlich in Wien und im Mai voraussichtlich bei der <a href="http://www.donau-uni.ac.at/en/department/gpa/telematik/edemocracy-conference/edem/vid/16842/index.php?URL=/en/department/gpa/telematik/edemconferences/16842">CeDem</a> in Krems (<em>Review pending</em>) sowie bei der <a href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/v/dgpuk2012/">DGPuK Konferenz </a>in Berlin vorstellen. Wir erwarten uns dadurch nicht nur tiefe Einblicke in die konkrete österreichische innenpolitische Twittersphere sondern auch spannende Erkenntnisse im Kontext der Fragen rund um die <strong>Potentiale von Social Media für die Transparenz und Zugangsoffenheit politische Kommunikationsprozesse</strong>, also der &#8220;alten&#8221; Frage nach den Potentialen des Internet für die Demokratie.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>‚Sharing’ als soziale Praxis: Publikum, Interaktion und Identität</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 13:58:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gestern Abend haben Julian Ausserhofer und ich im Museumsquartier in Wien einige zentrale Ergebnisse einer qualitativen Studie zum &#8220;Sharing&#8221; von Medieninhalten in sozialen Medien vorgestellt, an der wir rund ein Jahr gearbeitet haben. Ausgangspunkt war eine meiner Lehrveranstaltungen &#8220;Übung Kommunikationsforschung&#8221; im vergangenen Wintersemester (2010/11), in der wir mit einer Gruppe Studierender Fragestellung und Erhebungsinstrument (relativ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_8761" class="wp-caption alignright" style="width: 230px"><a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/IMG_0020.jpg"><img class="size-medium wp-image-8761 " title="IMG_0020" src="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/IMG_0020-300x200.jpg" alt="" width="220" /></a><p class="wp-caption-text">Präsentation der Studie am 5.Dez 2011 im MQ. Foto: Lisa Stadler. Danke!</p></div>
<p>Gestern Abend haben <a href="http://twitter.com/boomblitz">Julian Ausserhofer</a> und ich im Museumsquartier in Wien einige zentrale Ergebnisse einer qualitativen Studie zum &#8220;Sharing&#8221; von Medieninhalten in sozialen Medien vorgestellt, an der wir rund ein Jahr gearbeitet haben. Ausgangspunkt war eine meiner <a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/2010/08/intermediation-identitat-im-social-web-lvs-im-wise2010/">Lehrveranstaltungen &#8220;Übung Kommunikationsforschung&#8221;</a> im vergangenen Wintersemester (2010/11), in der wir mit einer Gruppe Studierender Fragestellung und Erhebungsinstrument (relativ offenes Leitfadeninterview mit von Befragten eingebrachten Stimuli und Anfertigung von Publikums-Zeichnungen) ausgearbeitet haben.<span id="more-8757"></span></p>
<p>Die Studis, und an dieser Stelle auch allen nochmals herzlichen Dank, haben dann eine Reihe Interviews geführt, von denen wir 41 verwenden konnten. Die Auswertung haben Julian und ich durchgeführt, ein wissenschaftlicher Artikel wurde bei einem Journal eingereicht &#8211; Review ist noch ausständig. Hier nun ein erster Überblick über die Ergebnisse ohne weitere wissenschaftliche Kontextualisierung, wie auch schon auf der Website der <a href="http://internetforschung.univie.ac.at">Gruppe Internetforschung</a> gepostet.<em></em></p>
<p><em><a href="http://www.univie.ac.at/internetforschung/2011/12/sharing-in-sozialen-medien_zentrale-ergebnisse/">[Zuerst erschienen auf dem Blog der Gruppe Internetforschung</a>]</em></p>
<p><em>[Die vorliegende Zusammenfassung richtet sich an eine interessierte Öffentlichkeit. Auf eine breitere Kontextualisierung wurde dabei ebenso verzichtet wie auf die Einbindung in den Forschungsstand. Ein wissenschaftlicher Artikel in englischer Sprache wurde bereits bei einem internationalen Journal eingereicht, kann vorerst aber noch nicht veröffentlicht werden.]</em></p>
<p><em><a href="http://www.univie.ac.at/internetforschung/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/SharingStudie_Zusammenfassung.pdf">Zusammenfassung </a>als PDF (5 Seiten)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Wie und warum Menschen auf Facebook und Twitter Medieninhalte ‚teilen’</h3>
<p>Zusammenfassung zentraler Ergebnisse der Studie von <em><strong>Axel Maireder</strong> &amp; <strong>Julian Ausserhofer</strong></em>, präsentiert am 5. Dezember 2011 im Museumsquartier in Wien.</p>
<p><em> </em>Internetnutzer beteiligen sich heute intensiv an der Verbreitung von Medieninhalten. Insbesondere soziale Medien wie Facebook und Twitter erlauben es, Nachrichten, Texte, Fotos oder Videos schnell und unmittelbar an das eigene Netzwerk zu verteilen. Social Media werden damit zu wesentlichen Plattformen in der Kommunikation von Politik und Markt. Das Wissen um die Motive und Praktiken des Sharing, Liking und Tweeting und die damit verbundenen Diffusionsprozesse von Medieninhalten ist bislang jedoch relativ beschränkt.</p>
<p>Wir legen nun eine der – auch im internationalen Vergleich – ersten Studien vor, die auf konkrete Praktiken der Vermittlung von Medieninhalten über Social Media fokussiert. Im Zentrum steht die Frage, wie und warum Menschen Medieninhalte auf Facebook und Twitter teilen und welche Überlegungen dahinter stehen. Auf Basis von 41 qualitativen Interviews mit österreichischen Nutzern gehen wir diesen Fragen auf den Grund. Für die Interviews wurden Nutzer ausgewählt, die eine ausgeprägte Sharing-Praxis zeigen, aber ein begrenztes Publikum mit nicht mehr als 2000 Facebook-Freunden bzw. Twitter-Followern haben. Wir haben mit 26 Männern und 15 Frauen im Alter zwischen 21 und 46 Jahren mit durchschnittlich 349 Facebook Freunden und/oder 440 Twitter-Followern gesprochen. Die Interviews wurden in einem zyklischen, hypothesengenerierenden Prozess ausgewertet und zu zentralen Thesen verdichtet.<em></em></p>
<h3>‚Sharing’ als soziale Praxis</h3>
<p><strong>‚Sharing’ ist ungeplant, zufällig</strong><br />
Der Konsum und das Teilen von Medieninhalten ist eine Praxis, die in den Alltag integriert ist und für die viele Nutzer Routinen entwickelt haben. Die interviewten Nutzer sind, z.B. über ihr Smartphone, fast immer ‚online’ und konsumieren Medieninhalte in unterschiedlichen Lebenssituationen. Das ‚Teilen’ von Medieninhalten wird kaum geplant. Über die Medieninhalte, die sie ‚sharen’, ‚stolpern’ die Nutzer im Kontext ihrer alltäglichen Nutzung. Welche Artikel oder Videos sie weiterleiten, hängt von einer Reihe von Faktoren wie dem aktuellen eigenen Interesse, der aktuellen ‚Agenda’ in den Massenmedien und den sozialen Medien oder dem antizipierten Interesse des Publikums ab (mehr dazu unten).</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Täglich von zehn bis vier sitze ich am PC und da passiert sehr viel nebenbei […] und da wird halt alles, über das ich jetzt drüber stolpere, gepostet, verlinkt.“</p></blockquote>
<p><strong>Kommentare zur Herstellung von Bezügen</strong><br />
Wenn Medieninhalte für sich selbst sprechen, teilen Nutzer diese oft ohne ein zusätzliches Kommentar abzugeben. In anderen Situationen überlegen sie einige Minuten, wie sie einen bestimmten Medieninhalt mit einem Kommentar begleiten können, wie sie Interesse dafür wecken können. In den Kommentaren werden die Medieninhalte bewertet und/oder in andere Kontexte eingeordnet, vielfach unter Rückgriff auf Humor und Ironie. Oftmals wird auch ein persönlicher Bezug hergestellt.</p>
<h3>Publikumskonstruktion</h3>
<p>Beim ‚Sharen’, ‚Liken’ und ‚Tweeten’ machen sich Nutzer ein Bild von ihrem Publikum. Die Facebook-Freunde oder Twitter-Follower, das potenzielle Primärpublikum, stellen sich die Nutzer als unterschiedliche, oftmals überlappende, Kreise von Personen aus den unterschiedlichen persönlichen Lebensbereichen vor. Da Statusmeldungen und Tweets sich jedoch viral verbreiten, können Nutzer niemals das gesamte mögliche Publikum abschätzen.</p>
<p>Durch die Schnelllebigkeit der Medienkanäle und die entsprechende Unklarheit darüber, wer eine Mitteilung liest, ist das tatsächliche Publikum kaum fassbar. Likes, Kommentare und Weiterleitungen anderer Nutzer sind hochrelevant, da sie die einzigen Hinweise darauf liefern, wer eine Mitteilung gelesen hat. Social Media Nutzer passen die Vorstellung von ihrem Publikum laufend an. Neue Kontakte und jene Personen, mit denen häufig interagiert wird bzw. mit denen zuletzt interagiert wurde, sind in der Publikumsvorstellung im Vordergrund.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Ich denk mir, ich habe so die Leute im Kopf die auch viel machen, die mir halt auch bewusst sind wenn ich auf Facebook bin, also man liest da halt dann so durch und die Leute, die viel machen die hat man dann quasi im Bewusstsein, und von den Leuten die nicht so viel posten die hat man dann nicht so im Bewusstsein, wenn man was auch reinschreibt“</p></blockquote>
<h3>Interaktion mit dem Publikum</h3>
<p><strong>Mitteilungen an spezifische Teile des Publikums</strong><br />
Je nach Situation und zu teilendem Medienobjekt intendieren Nutzer oftmals nur spezifische Kreise von Personen als Publikum, auch wenn die Mitteilung technisch an alle gerichtet ist. Dabei werden die Mitteilungen dem antizipierten Interesse dieser Zielgruppe angepasst. Die Nutzer setzen bei der Zielgruppe ein spezifisches, zum Teil auch persönliches, Kontextwissen voraus und richten die Mitteilung daraufhin aus.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Da ich (&#8230;) davon ausgehe, dass eben ein spezieller Post wie hier von diesem Pferd eher an den Kreis meiner Reiterfreunde gerichtet ist (&#8230;) gehe ich davon aus, dass jeder weiß wovon hier die Rede ist“</p></blockquote>
<p><strong>Kontext-Kollaps</strong><br />
Auch wenn Mitteilungen begrenzte intendierte Empfängergruppen haben, gehen sie technisch an alle. Dadurch kommt es zu einem Kontext-Kollaps. Dieser tritt ein, wenn Teilen des Publikums Lebensbereiche, Interessen und Einstellungen gezeigt werden, die sie diesen in ‚traditionellen’ sozialen Situationen nicht zeigen würden. Nutzer betonen dabei jedoch eine Reihe von positiven Konsequenzen, vor allem die Intensivierung oder Wieder-Aktualisierung von Beziehungen oder die Aktivierung von latenten Verbindungen („Freunde von Freunden“). Schließlich kommt es dadurch auch zu einer Anpassung der aktuellen Publikumsvorstellung.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Es ist gut, wenn man zu Sachen von anderen verlinkt, weil dann bemerken sie dich wieder“</p></blockquote>
<p><strong>Mitteilungen an das gesamte Publikum</strong><br />
Mitteilungen werden nicht nur an spezifische intendierte Teil-Publika gerichtet, sondern zuweilen auch an das Gesamtpublikum. In der Einschätzung der Interessen des Gesamtpublikums folgen die Nutzer einem Zirkelschluss, vor allem bei Twitter: „Menschen folgen mir, weil sie das Zeug mögen, das ich poste, weil sie sich für ähnliche Dinge interessieren wie ich“. Die Interessen des idealen Publikums werden demnach als Spiegelbild der eigenen Interessen betrachtet.</p>
<p><strong>Ziel: einen Unterschied machen</strong><br />
Nutzer haben Annahmen über das kollektive, geteilte Wissen ihres Publikums und richten sich danach. Wiewohl sie auf das Wissen in der Formulierung ihrer Mitteilungen aufbauen, wollen sie mit den Medieninhalten, die sie teilen, einen Unterschied machen. Sie suchen das Spezifische, das Besondere, das aktuell Reizvolle für ihr ‚Publikum’. Sie teilen tendenziell Medieninhalte, von denen sie annehmen, dass sie ihr soziales Umfeld noch nicht kennt. So ist das Ziel des Teilens von Medieninhalten oftmals, neue Meinungen und Perspektiven in Diskurse einzubringen, auf Randthemen aufmerksam zu machen und Interaktionen anzustoßen.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Wenn ich davon ausgehe, dass zum Beispiel in meinem sozialen Umkreis sehr viele Leute den Standard oder [andere] österreichische Zeitungen lesen, dann sage ich halt ok ja, diese oder jene Information werden sie nicht bekommen, dann share ich halt genau diese Information.“</p></blockquote>
<p><strong>Feedback</strong><br />
Dabei wird der Nutzen von Feedback durch Kommentare, (Re)tweets oder „Gefällt mir“-Markierungen zum Teil kritisch gesehen. Während sich alle Nutzer über dieses Feedback freuen und einige betonen, daraus auch zu lernen wie man Nachrichten ‚strategisch’ gezielt absetzen kann, betonen andere die Gefahr sich durch positives Feedback zu geteilten Medieninhalten ihrem Publikum bei weiteren Mitteilungen zu sehr anzubiedern.</p>
<h3>Identitätsmanagement</h3>
<p><strong>Geteilte Medieninhalte als Ausdruck von Identität</strong><br />
Die Praxis des Sharing ist zutiefst geprägt von einer der zentralen Funktionen sozialer Medien: dem Identitätsmanagement. Menschen nutzen Facebook und Twitter, um sich gegenüber ihren Freunden, Kollegen und Bekannten darzustellen. Neben Profil und Statusmeldungen tragen auch „geteilte“ Medieninhalte zu dieser Selbstpräsentation bei. Denn mit der Vermittlung bestimmter Texte, Bilder und Videos an ihre Kontakte zeigen Menschen, welche Themen für sie relevant sind, welche Quellen sie für vertrauenswürdig halten und welche Meinungen und Weltanschauungen sie teilen oder ablehnen.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „In erster Linie glaube ich, dass es hauptsächlich darum geht dass es [der Medieninhalt] mir gefällt und dass ich das bin.“</p></blockquote>
<p><strong>Selbstdarstellung als wesentliches Motiv</strong><br />
Die Pflege der Onlineidentität prägt nicht nur das Teilen von Medieninhalten, sie stellt auch ein wesentliches Motiv für diese Praxis dar. Die Befragten sind sich im Klaren darüber, dass sie mit den geteilten Inhalten assoziiert werden und orientieren sich entsprechend. Wiewohl viele einschlägige Begriffe wie „Personal Branding“ und „self promotion“ zur Beschreibung ihrer Praxis ablehnen, ist ihnen die Konstruktion einer authentischen Online-Identität wichtig. So stellen Nutzer in den begleitenden Kommentaren häufig, aber nicht immer auch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem eigenen Leben und Erleben und den geteilten Medieninhalten her.</p>
<blockquote><p><em>Zitat aus einem Interview:</em> „Irgendein Kontext [zu mir] muss da sein, sonst ist es absurd, einen Link reinzustellen.“</p></blockquote>
<p><strong>Authentizität als multiple Facetten des Selbst</strong><br />
Social Media Nutzer sehen Online-Identitätsmanagement als Präsentation multipler Facetten des Selbst. Menschen bestimmte Lebensbereiche, Interessen und Einstellungen zu zeigen, die sie diesen in traditionellen sozialen Situationen nicht zeigen würden, sehen viele jedoch weniger als Problem als Chance. Sie präsentieren sich gerne als „authentisches Ganzes“ und heben die Intensivierung und Aktivierung von Beziehungen als positive Effekte hervor. Natürlich gibt es auch Grenzen dieser „Authentizität“: Nutzer vermeiden es, Medieninhalte zu teilen, die die Identitätskonstruktion, an der sie arbeiten, fragwürdig erscheinen lassen.</p>
<h3>Conclusio</h3>
<p>Die Praxis des ‘Sharing’ erscheint im Spannungsfeld von Eigeninteresse und antizipiertem Publikumsinteresse als integraler Bestandteil des Identitätsmanagements in sozialen Medien. Das Teilen von Medieninhalten dient darüber hinaus der Beziehungspflege, dem „Networking“, als es dazu geeignet ist, bestehende Beziehungen zu intensivieren und latente Verbindungen zu aktivieren. Es werden tendenziell solche Medieninhalte geteilt, an die Nutzer mit eigener Erfahrung und/oder ihrer Meinung anschließen können, mit denen sie sich in der einen oder anderen Weise identifizieren können und mit denen sie innerhalb ihres sozialen Netzwerkes einen Unterschied machen können. Sharing ist Teil des „social reality testing“ von Nachrichten, der gesellschaftlichen Aushandlung der Bedeutung des Weltgeschehens und schafft neue Potenziale für Menschen an den Kommunikationsprozessen von Politik und Markt teilzunehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nachrichten als soziale Erfahrung: Selektion in Facebook und Twitter</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:55:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[[Zuerst erschienen im APA OTS-Blog]. Werner Faymanns verfehlte Social Media ‚Strategie’ ist nur das momentan prominenteste Beispiel für das – teilweise eben auch bei PR-Profis wie jenen im @teamkanzler &#8211; vorhandene Unverständnis zu Kultur und Praxis der Kommunikation in sozialen Medien. Eine Kommunikationskultur, die &#8211; wie an anderer Stelle ausgeführt &#8211; mit den tradierten Strategien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>[Zuerst erschienen im <a href="http://www.ots-blog.at/allgemein/nachrichten-als-soziale-erfahrung/">APA OTS-Blog</a>]</em>. Werner Faymanns verfehlte Social Media ‚Strategie’ ist nur das momentan prominenteste Beispiel für das – teilweise eben auch bei PR-Profis wie jenen im @teamkanzler &#8211; vorhandene <strong>Unverständnis</strong> zu Kultur und Praxis der Kommunikation in sozialen Medien. Eine Kommunikationskultur, die &#8211; wie an anderer Stelle <a href="../../../2011/11/meine-2-cent-zu-faymann-und-social-media/">ausgeführt</a> &#8211; mit den tradierten Strategien politischer Kommunikation und Marktkommunikation oftmals inkompatibel ist. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man sich als Partei, Organisation oder Unternehmen zuerst an professionelle Vermittler – Journalisten &#8211; wendet oder direkt an das ‚<a href="http://archive.pressthink.org/2006/06/27/ppl_frmr.html">vormalige Publikum’</a>.<span id="more-8569"></span></p>
<p><strong>Nachrichten werden sozial erlebt und verarbeitet.</strong> Nun, das wurden sie immer schon; Denken wir nur an Gespräche über das aktuelle Tagesgeschehen mit Freunden oder Kollegen. Auf Facebook und Twitter können Nutzer jedoch mit ungleich mehr Menschen gleichzeitig ‚reden’. Sie teilen und kommentieren Nachrichten – unabhängig von zeitlicher und räumlichen Kopräsenz – mit einem größeren ‚Publikum’. So werden Internetnutzer zunehmend zu Vermittlern von Informationen, ihre aggregierten individuellen Handlungen spielen eine heute kaum zu überschätzende Rolle bei der <strong>Verbreitung von Medieninhalten</strong> aller Art. Gleichzeitig nutzen immer mehr Menschen Social Media als Kanäle des Zugangs zu aktueller, öffentlicher Information, wie <a href="http://www.pewinternet.org/Reports/2010/Online-News/Summary-of-Findings.aspx">aktuelle</a> <a href="http://www.mediaresearch.ca/en/projects/socialmedia.htm">Studien</a> zeigen.</p>
<p>Wenn Social Media-Nutzer Inhalte teilen, haben sie eine <em>relativ </em>konkrete Vorstellung an wen sie sich wenden und passen ihre Mitteilungen an das antizipierte aktuelle Interesse ihres persönlichen ‚Publikums’ (oder Teile desselben) an. Ganz im Gegensatz zu Journalisten, die von ihrem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Disperses_Publikum">dispersen</a> Massenpublikum nur eine vage Idee haben und sich an einer abstrakten Vorstellung allgemeiner Informationsinteressen orientieren. Entsprechend unterschiedlich werden <strong>Selektionsentscheidungen </strong>getroffen. Social Media Nutzer suchen das Spezifische, das Besondere, das aktuell Reizvolle für ihr ‚Publikum’; sie suchen Medieninhalte, mit denen sie in ihrem sozialen Umfeld einen Unterschied machen können; und sie posten Texte, Bilder oder Videos, um spannende, humorvolle oder ergreifende Medienerfahrungen in ihrem sozialen Netz zu teilen.</p>
<p>Die Praxis ist zutiefst geprägt von einer der zentralen Funktionen sozialer Medien: dem <strong>Identitätsmanagement</strong>, wie <a href="http://www.schmidtmitdete.de/">Jan Schmidt</a> es nennt. Menschen nutzen Facebook und Twitter, um sich gegenüber ihren Freunden, Kollegen und Bekannten darzustellen. Neben Profil und Statusmeldungen tragen auch „geteilte“ Medieninhalte zu dieser Selbstpräsentation bei. Denn mit der Vermittlung bestimmter Texte, Bilder und Videos an ihre Kontakte zeigen Menschen, welche Themen für sie relevant sind, welche Quellen sie für vertrauenswürdig halten und welche Meinungen und Weltanschauungen sie teilen oder ablehnen. Oftmals verknüpfen sie in den begleitenden Kommentaren die geteilten Medieninhalte zusätzlich mit persönlichen Kommentaren und stellen so Verknüpfungen zwischen dem öffentlichen, aktuellen Tagesgeschehen und dem eigenen Leben und Erleben her.</p>
<p>Die Facebook- und Twitter-Netzwerke einer Person setzen sich zumeist aus Menschen zusammen, die diese aus unterschiedlichen sozialen Kontexten (bei Twitter z.T. auch gar nicht) kennt. So zeigen die Nutzer den Teilen ihres ‚Publikums’ oftmals Lebensbereiche, Interessen und Einstellungen, die sie diesen in traditionellen sozialen Situationen nicht zeigen würden. Sie präsentieren <strong>multiple Facetten ihres Selbst</strong>, zeigen sich als „authentisches Ganzes“ in einer Praxis, die dazu geeignet ist, bestehende Beziehungen zu vertiefen oder neue, im sozialen Netzwerk ‚naheliegende’ Beziehungen <a href="http://www.indiana.edu/%7Etisj/readers/abstracts/18/18-5-Haythornthwaite.html">(&#8216;latent ties&#8217;)</a> einzugehen.</p>
<p>Diese, zwar nicht grenzenlose aber weitgehende, Authentizität erwarten sie auch von anderen Akteuren in Facebook und Twitter; von Privatpersonen ebenso, wie von Personen des öffentlichen Lebens, Unternehmen und Organisationen. Sie erwarten eine &#8211; im Rahmen des möglichen – persönliche Form der Kommunikation; und sie erwarten Kommunikation, die dem niederschwelligen Charakter des Mediums entspricht: Sie erwarten Austausch, keine Durchsagen; sie erwarten Gespräche, kein ‚Broadcasting’.</p>
<p><em>Der Beitrag baut auf einem Forschungsprojekt zu „Sharing in sozialen Medien“ von Axel Maireder und Julian Ausserhofer auf, dass am 5. Dezember 2011, 18:30h im Museumsquartier in Wien (Quartier 21, QDK, Raum D) präsentiert wird. Nähere Infos auf der Website der Gruppe Internetforschung an der Universität Wien.</em></p>
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		<title>Meine 2 Cent zu Faymann und Social Media</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 12:13:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Notizen]]></category>
		<category><![CDATA[@teamkanzler]]></category>
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		<description><![CDATA[[Gestern habe ich der Zeit im Bild 2 zu diesem Thema ein Interview gegeben, leider wurde nichts davon gesendet - Deswegen nun auf diesem Weg meine Gedanken zu Werner Faymann und der Social Media Strategie von @teamkanzler] Er hatte eigentlich keine Chance. Zu einem Zeitpunkt, an dem das Vertrauen in die Regierung, das Vertrauen in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><em>[Gestern habe ich der <a href="http://tv.orf.at/zib2/">Zeit im Bild 2</a> zu diesem Thema ein <a href="https://twitter.com/#%21/ArminWolf/status/138687922462408704">Interview</a> gegeben, leider wurde nichts davon <a href="https://twitter.com/#%21/ArminWolf/status/138745249647435776">gesendet</a> <img src='http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_sad.gif' alt=':-(' class='wp-smiley' />  - Deswegen nun auf diesem Weg meine Gedanken zu Werner Faymann und der Social Media Strategie von @teamkanzler]</em></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Er hatte eigentlich keine Chance.</strong> Zu einem Zeitpunkt, an dem das Vertrauen in die Regierung, das Vertrauen in Politik allgemein auf einem absoluten <a href="http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/697393/Demokratiebefund_75-Prozent-vertrauen-Politik-nicht">Tiefpunkt</a> angelangt ist, bietet er mit seinem <a href="http://www.facebook.com/bundeskanzlerfaymann">Facebook Profil</a> eine Adresse, an der sich der Frust entladen kann. Aber, er hätte die Erwartungen nicht so hochschrauben müssen. <span id="more-8452"></span>Sinngemäß anzukündigen, am symbolträchtigen 26. Oktober ein neues Zeitalter der politischen Kommunikation in Österreich einzuläuten, weil ER, der Kanzler, nun mit den Menschen in den neuen &#8220;2.0&#8243;-Dialog tritt, war vollkommen überzogen; und spiegelt genau jene Vorstellung von einem &#8220;PR-Coup&#8221; wieder, den KommunikatorInnen für Massenmedien konstruieren müssen um von diesen Medien Aufmerksamkeit zu bekommen.</p>
<p style="text-align: left;">Nur so funktioniert das Social Web nicht. JournalistInnen treffen Selektionsentscheidungen anders als Social Media NutzerInnen. In Facebook geht es um Identifikation. Identifikation durch Persönlichkeit, durch Emotion, durch &#8216;Ehrlichkeit&#8217;, durch Authentizität; und es geht noch viel stärker als im Journalismus um &#8220;das Besondere&#8221;, um Humor, um neue Einblicke, um interessante Perpektiven, um Eigentümlichkeiten und Eigenartigkeiten, um einen Blick hinter die Kulissen. Es soll den Alltag bereichern, Spass machen, spannend sein (<a href="http://www.univie.ac.at/internetforschung/2011/11/studien-praesentation_sharing-in-sozialen-medien/">mehr dazu bei unserem Vortrag am 5. Dezember</a>). Die Beobachtung klassischer politische Kommunikation ist in den seltensten Fällen spannend, und noch seltener macht sie Spass.</p>
<p style="text-align: left;">Faymanns Social Media Auftritt(e) werden nur als neuer Kanal zur <strong>Vermittlung derselben alten, geschliffenen, meist einigermassen aussagelosen Mitteilungen</strong> genutzt. Der einzige Unterschied ist, dass NutzerInnen nun direkt neben diesen &#8216;Botschaften&#8217; schreiben können, was sie davon halten. Sie müssen dabei noch nicht einmal jene Normen zwischenmenschlicher Kommunikation beachten, die in &#8216;klassischen&#8217; Gesprächen gelten, denn sie kommunizieren mit &#8216;Anonym&#8217;. Ein &#8216;Team&#8217; aus neun Beamten des Kanzleramts kann keine Persönlichkeit entwickeln, geschweige denn vermitteln. Wenn Menschen wissen, wen sie vor sich haben; wenn sie diese Person zu kennen glauben, weil sie ihre Art zu kommunizieren beobachtet haben, weil sie mit ihr selbst schon mal ein Gespräch geführt haben, dann verändern sie ihren Ton.</p>
<p style="text-align: left;">Niemand erwartet ernsthaft, dass der Bundeskanzler selbst laufend seine Facebook-Page betreut oder tweetet. Aber <strong>Menschen erwarten, dass sie mit <em>jemandem</em> kommunizieren, nicht mit <em>irgendjemandem</em>.</strong> Mit einer Person, die dem Kanzler nahe ist, die ihn begleitet, die seine Höhen und Tiefen, seine glorreichen und weniger glorreichen Momente, seine Befindlichkeiten kennt und auch (in einem gewissen Masse) darüber sprechen darf und kann. Jemand, der den Kanzler hier &#8220;vertritt&#8221;, jemand mit Persönlichkeit, zu dem man eine (virtuelle) Beziehung aufbauen kann. Und wenn dann tatsächlich einmal ER, Faymann himself, eine interessante, vielleicht humorvolle Botschaft sendet, einem/r Nutzer/in antwortet, dann schafft er jene seltenen <strong>Momente der besonderen Aufmerksamkeit</strong>, die auch die JournalistInnen wieder interessieren könnten.</p>
<p style="text-align: left;">PolitikerInnen muss klar werden, dass soziale Medien nicht als geekiges Randthema (© <a href="http://twitter.com/boomblitz">@boomblitz</a>) abzuhaken sind. Sie sind gesellschaftliche Massenphänomene, die eine neue Kommunikationskultur erfordern. Eine Kultur, die in vielerlei Hinsicht in krassem Widerspruch zu den tradierten Strategien politische Kommunikation mit und über Massenmedien stehen. &#8220;Markets are conversations&#8221;, die zentrale Botschaft des <a href="http://www.cluetrain.com/" target="_blank">cluetrain manifesto</a>, formuliert schon in den späten 90er Jahren, ist heute auch und insbesondere für den politischen Markt relevant.  In der klassischen Kommunikation zwischen Politik und BürgerInnen besteht jedoch ein <strong>für Konversationen ungeeignetes kommunikatives Ungleichgewicht</strong>, dass auch auf die strukturelle (technische) Ungleichgewichtung von Kommunikationsmöglichkeiten im Pre-Internet Zeitalter zurückzuführen war.</p>
<p style="text-align: left;">Facebook und Twitter sind Kommunikationsräume, in denen dieses strukturelle Ungleichgewicht sehr schwach ist. Hier können, und dies erwarten auch die NutzerInnen dieser Medien, tatsächlich Konversationen geführt werden. Das bedeutet nicht nur, auf Anfragen zu antworten. Es bedeutet, Konversationen laufend zu beobachten, sich an ihnen auf Augenhöhe mit den anderen TeilnehmerInnen zu beteiligen. Dann, und nur dann, wird ihr Beitrag auch angenommen, dann haben politische KommunikatorInnen die Chance diese verteilten Konversationen im Social Web zu prägen, haben <strong>die Chance einen Unterschied zu machen</strong>.</p>
<p><em>[Und an dieser Stelle nochmal der Hinweis auf <a href="http://twitter.com/boomblitz">Julian Ausserhofer</a>s und meinen Vortrag zu "Sharing in sozialen Medien" am<a href="http://www.univie.ac.at/internetforschung/2011/11/studien-praesentation_sharing-in-sozialen-medien/"> 5. Dezember</a>]</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Potentiale für Gewalt auf Social Network Sites (preprint)</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 12:22:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[cyber bullying]]></category>
		<category><![CDATA[cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[facebook]]></category>
		<category><![CDATA[gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[jugendliche]]></category>
		<category><![CDATA[nutzung]]></category>
		<category><![CDATA[social media]]></category>

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		<description><![CDATA[Cybermobbing im Kontext sozialer Praktiken des Kommunikationsraums Social Network Sites (SNS) stellen als soziale Kommunikationsräume Potentiale für Gewalt bereit, insbesondere unter Jugendlichen ist ‚Cybermobbing’ ein verbeitetes Phänomen. In dem Beitrag diskutieren wir auf Basis eines qualitativen, explorativen Forschungsprojektes die sozialen Prozesse, in die solche Gewalthandlungen eingebettet sind. Dabei beziehen wir die Spezifika des Kommunikationsraumes ebenso [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Cybermobbing im Kontext sozialer Praktiken des Kommunikationsraums</h2>
<p>Social Network Sites (SNS) stellen als soziale Kommunikationsräume Potentiale für Gewalt bereit, insbesondere unter Jugendlichen ist ‚Cybermobbing’ ein verbeitetes Phänomen. In dem Beitrag diskutieren wir auf Basis eines qualitativen, explorativen Forschungsprojektes die sozialen Prozesse, in die solche Gewalthandlungen eingebettet sind. <span id="more-8235"></span>Dabei beziehen wir die Spezifika des Kommunikationsraumes ebenso in die Analyse ein wie die Regeln und Normen, die sich in der Aneignung von SNS etabliert haben.</p>
<p>[Preprint des Textes von Manuel Nagl und mir, erschienen in <em>Medien Journal – Zeitschrift für Kommunikationskultur</em>, 34/3 (2010). Themenheft "Europas Jugend im Social Web: Soziale Perspektiven“. Studienverlag: Innsbruck. S. 36-48; erhältlich <a href="http://www.studienverlag.at/page.cfm?vpath=buecher/buchdetail&amp;bookclass=&amp;titnr=%204924">hier</a>]</p>
<p><em>Abstract</em><em> in English:</em><strong><em><br />
</em>Potentials for Violent Behaviour on Social Network Sites: Cybermobbing Within the Social Practices of the Communication Space</strong><em><br />
</em>Social network sites (SNS) provide specific potentials for violent behaviour – ‚cyberbullying’ is a widespread phenomenon, particularily among teenagers. Based on data from an exploratory, qualitative research, we discuss the broader social processes violent behaviour online is part of. In doing so, we particularily take both the character of the communication spaces SNS provide and the social rules and norms developed within the media adoption processes, into account.</p>
<p>&gt;&gt; <a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-content/MairederNagl_GewaltimSocialWeb_web.pdf">Download Paper (PDF)</a></p>
<p><strong>VOLLTEXT HTML:</strong></p>
<div>
<p><em></em><span style="color: #808080;"><strong>Disclaimer:</strong> Dieser Artikel basiert auf Teilergebnissen des vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Auftrag gegebenen und finanzierten Projektes „Jugend – Medien – Gewalt“ unter der wissenschaftlichen Leitung und Supervision von Univ. Prof. Dr. Thomas A. Bauer, Universität Wien. Die Originalversion des Textes ist erschienen in <em>Medien Journal – Zeitschrift für Kommunikationskultur</em>, 34/3 (2010). Themenheft &#8220;Europas Jugend im Social Web: Soziale Perspektiven“. Studienverlag: Innsbruck. S. 36-48; <em>Zur Zitierung bitte die Version im Medien Journal heranziehen; Paginierung und Text sind nicht ident!</em></span></p>
<p><strong><em></em>1. Einleitung</strong><em></em></p>
</div>
<p>Social Network Sites (SNS) stellen, wie jedweder Kommunikationsraum in dem sich soziale Prozesse abspielen, Potentiale für Gewalt bereit. Insbesondere unter Jugendlichen sind Beschimpfungen, Beleidigungen, Verleumdungen und Denunzierungen als Akte psychischer Gewalt in den internetbasierten, soziotechnischen Kommunikationsräumen wie SchülerVZ, Netlog oder Facebook Teil ihres alltäglichen sozialen Erlebens im Rahmen der Auseinandersetzung mit den Peers. Zahlreiche Befragungen im amerikanischen Raum (Kowalski/Limber 2007; Williams/Guerra 2007; Juvonen/Gross 2008) sowie in Deutschland (MPFS 2008; Grimm et al 2008; Jäger et al 2009) konnten dies zeigen, wobei die Zahlen zu den Betroffenen je nach Land und auf Grund unterschiedlicher Erhebungsmethoden durchaus divergieren. In einer österreichischen Befragung unter elf- bis 19-Jährigen (vgl. OIAT 2010) gaben jedenfalls 34 Prozent der Jugendlichen an, dass Freunde online schon einmal beschimpft wurden. Bei 20 Prozent der Jugendlichen wurde schon einmal ein Foto online gestellt, das unangenehm war, und 18 Prozent gaben an, dass ihr Profil schon einmal gehackt und von anderen mutwillig verändert wurde.</p>
<p>In Soziologie und Sozialpsychologie wird – wie auch im öffentlichen Diskurs – auf diese Phänomene als ‚Cybermobbing’ bzw. der englischen Entsprechung ‚Cyberbullying’ verwiesen. Cyberbullying wird dabei als Übertragung traditioneller Formen des Mobbing in den ‚Cyberspace’ verstanden, als wiederholtes, „aggressives Verhalten“ (Grimm et al 2008, 229) im Internet bzw. digitalen Technologien, mit dem Ziel Anderen zu schaden: „Any behavior performed through electronic or digital media by individuals or groups that repeatedly communicates hostile or aggressive messages intended to inflict harm or discomfort on others“ (Tokunaga 2010, 2). Willard (2007, 5ff.) unterscheidet acht Formen von Cyberbullying, auf die in neueren Studien immer wieder Bezug genommen wird: <em>Flaming</em> (kurzlebige Auseinandersetzung in roher, vulgärer Sprache), Harassment (wiederkehrende Beschimpfung über persönliche Kommunikationskanäle), Denigration (Veröffentlichung von beleidigenden Aussagen, Denunzation), Impersonation (im Namen einer anderen Person Handlungen durchführen, die auf diese zurückfallen), Outing and Trickery (Veröffentlichen von privaten Kommunikationselementen einer anderen Person)<em>, </em>Exclusion (Ausschluss einer Person aus den Kommunikationskanälen anderer)<em>, </em>Cyberstalking (wie Harassment, aber extremer und verbunden mit Drohungen) und Cyberthreats (Drohungen jemandem physisch zu schaden)<em>. </em>Agatston et al. (2007, 46ff.) fügen diesen acht Formen noch Happy Slapping als physische Gewalt gegen andere, die aufgezeichnet (Handyvideos) und anschließend veröffentlicht wird, hinzu.<em></em></p>
<p>Ein Großteil der Studien zum Thema beschäftigt sich mit Formen von Cybermobbing, mit Alters-, Geschlechts- und Persönlichkeitsunterschieden der TäterInnen sowie Auswirkungen auf schulische Parameter wie Leitung und Devianzverhalten, wie Tokunaga (2010) in einem Review einschlägiger Literatur feststellt. Auch die oben angesprochene definitorische Nähe von Cyber- zu traditionellem Mobbing spiegelt sich in der Forschungspraxis oftmals wieder, insbesondere bei jenen Studien, die versuchen Zusammen­hänge zwischen traditionellem Mobbing und jenem über Onlinemedien zu ergründen. So konnten Raskauskas/Stoltz (2007) als auch Katzer et al (2009) zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen Tätern und Opfern online und in der Schule besteht. Schulbullies wären entsprechend „signifikant häufiger als andere Jugendliche auch Chatbullies“ (ebd., 1). Ybarra et al. (2007) kamen im Rahmen einer Online-Befragung wiederum zum Ergebnis, dass 64 Prozent der Jugendlichen, die online Mobbing erleben, keine Erfahrung mit Mobbing in der Schule haben. Die AutorInnen vermuten, dass zwischen der Gruppe derjenigen, die online und jenen die in der Schule gemobbt werden, durchaus ein Unterschied besteht, der auf die spezifischen kommunikativen Möglichkeiten im Internet zurückzuführen ist. Auch Fawzi (2009) betont den Unterschied zwischen Cyber- und traditionellem Mobbing. Sie identifiziert zentrale Merkmale von Cybermobbing, um anschließend basierend auf ExpertInneninterviews vor allem mangelnde soziale Kompetenz und mangelnde Medienwirkungskompetenz gepaart mit ausreichender technischer Medienkompetenz als Problemkonstellation im Hinblick auf das Cybermobbing-Verhalten von „TäterInnen“ auszumachen.</p>
<p>Diesen spezifischen Aspekten, die Cybermobbing von traditionellem Mobbing unterscheiden, wird in der Forschung oftmals kaum Rechnung getragen, wie Fawzi (ebd., 32) anmerkt. Soziale Kommunikation in internet­basierten, soziotechnischen Räumen unterliegt jedoch spezifischen Möglichkeiten und Einschränkungen, die durch die Spezifikationen der technischen Systeme, dem Code (vgl. Lessig 2006; Schmidt 2006), vorgegeben werden. In der Aneignung der Systeme durch die Jugendlichen ergeben sich eine Reihe an Herausforderungen und Chancen für die in und über dieses Medium laufenden Kommunikationsprozesse, die für die Ausbildung von sozialen Regeln und Normen grundlegend sind. Erst in der Analyse dieses Kontextes werden jene Praktiken sichtbar und dadurch verständlich, denen wir – zumindest von einer Außenperspektive aus betrachtet – Gewalt zuschreiben.</p>
<p>Antworten darauf, welche Funktionen Gewalt in Social Media für die Jugendlichen haben kann, in welchen Kontexten sie sich vollzieht und welche Rolle sie im Rahmen von Kommunikationsprozessen innerhalb der Peergroups in einer Gesamtbetrachtung spielt, konnte die bisherige Forschung nur vereinzelt im Rahmen der wenigen qualitativen Studien (EU Kommission 2007; Agatston et al 2007; Smith et al 2008; Grimm et al 2008; Fawzi 2009) geben, die zu diesem Thema durchgeführt wurden. Diesen Studien, auf die wir im Rahmen der Aufarbeitung unserer Ergebnisse noch vereinzelt zurückkommen werden, ist gemeinsam, dass sie die Phänomene aus der Perspektive von tatsächlich erfolgten Gewalthandlungen bewerten. Die Kontexte rund um die Gewalthandlungen werden in deren Analyse nur dann mit einbezogen, wenn sie sich als Ursachen oder Konsequenzen der Gewalthandlungen zeigen. Dadurch bleibt die Beschreibung von ‚Cybermobbing’ tendenziell auf den konkreten Phänomenbereich beschränkt. Hier setzt nun unsere Studie an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>2. Forschungsziel &amp; Forschungsdesign</strong></p>
<p>Ziel der vorliegenden Studie ist die Beschreibung des Phänomens ‚Gewalt in Social Network Sites’ bzw. ‚Cybermobbing’ unter Einbeziehung (a) der sozialen Praktiken und Normen, die sich in Social Media unter den Jugendlichen in der Aneignung von SNS Applikationen etabliert haben, und (b) der (auch ‚Offline’-)Kommunikationsprozesse, in die entsprechende Gewalthandlungen in SNS eingebettet sind. So richten wir unseren Fokus auf Strukturen und Prozesse, die sich im gegenseitigen Wechselspiel der Spezifika der medialen Infrastruktur, den sozialen Regeln und Normen des Kommunikationsraumes und konkreter sozialer Praktiken entfalten und unter bestimmten Konstellationen in Gewalthandlungen münden können.</p>
<p>Das Forschungsdesign orientiert sich an interpretativen, rekonstruktiven Methoden der empirischen Sozialforschung und der theoriegeleiteten Analysepraxis der Grounded Theory (vgl. Strauss/Corbin 1996) sowie der auf Kurt Lewin (1946) zurückgehenden Tradition der Aktionsforschung (‚action research’). So wurden die ‚Forschungsobjekte’ selbst zu TeilnehmerInnen des Forschungs- und Erkenntnisprozesses gemacht, um sie zu befähigen, den entsprechenden Ausschnitt ihrer Lebenswelt besser zu verstehen und ihre Handlungen diesem Verständnis anzupassen (vgl. Atweh et al 2002).</p>
<p>Konkret wurden mit sechs Gruppen von jeweils 10-12 SchülerInnen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren jeweils zwei mehrstündige, multimethodische Workshops an fünf Schulen unterschiedlichen Typs und in vier Bundesländern durchgeführt, wobei neben Gewalt im Social Web auch Gewalt in Computerspielen und in gewalthaltige Internetvideos Themen waren, die jedoch für den vorliegenden Text ausgespart werden.</p>
<p>Während die ersten Workshops, durchgeführt im Frühjahr 2009, vor allem der Exploration des Feldes dienten und entsprechend offen und sehr diskursiv gehalten waren, wurden im Rahmen der zweiten Workshops auf den Ergebnissen der ersten aufbauend konkrete Problemszenarien bearbeitet. Beide Workshops zeichneten sich durch ihre Offenheit gegenüber den von den Jugendliche eingebrachten Inhalten aus, so wurde unter anderem der Begriff Gewalt als solcher zu Beginn nicht vorgegeben, sondern von den Jugendlichen in ihrer Auslegung des Begriffes eingebracht.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> Die Auseinandersetzung mit dem Thema wurde von einer breiten Palette an Arbeitsmethoden angeregt: Assoziationsübungen, Planspiele, szenische Spiele, Mind-Mapping und vieles mehr. Die Workshops wurden komplett auditiv und bei einigen Übungen auch audiovisuell aufgezeichnet und eine thematisch orientierte breite Auswahl der Mitschnitte wurde transkribiert. Diese Transkripte, im Feld angefertigte Notizen und die im Rahmen des Workshops von den SchülerInnen angefertigten schriftlichen Aufzeichnungen wurden in eine schrittweise Kodierung und Interpretation mit einbezogen, die sich an hypothesengenerierenden Techniken der interpretativen Kommunikationsforschung (vgl. Krotz 2005), insbesondere der Grounded Theory orientierte (vgl. Strauss/Corbin 1996).</p>
<p>Im Folgenden werden wir nun jene aus der Interpretation der Diskussionen der Jugendlichen generierten Thesen möglichst dicht wiedergeben, die sich als zentral für das Verständnis der Bewertungen und Prozesse von Cybermobbing herausgestellt haben. Die Praktiken und ihre Bewertung durch die Jugendlichen, wie wir sie hier beschreiben, sind dabei grundsätzlich als allgemeine Praktiken und Bewertungen zu verstehen. Der Gewaltbegriff, den wir nachfolgend verwenden, orientiert sich nicht direkt am Begriffsverständnis der SchülerInnen, denn dieses hat sich im Rahmen der Workshops – wie schon erwähnt – gewandelt. Vielmehr ist “Gewalt” in diesem Text als Sammelbegriff für all jene Handlungen und Prozesse zu verstehen, die das soziale Gefüge wesentlich stören in dem sie kulturell erwartbare Handlungsabläufe zwischenmenschlicher Kommunikation unterbrechen.</p>
<p align="left"><strong>3. </strong><strong>Eskalations- und Deeskalationspotentiale </strong></p>
<p>Soziale Kommunikation in SNS hat im Vergleich zu anderen Kommunikationsmodi eine Reihe von spezifischen Vor- und Nachteilen für die verschiedenen Kom­muni­kations­bedürfnisse der Jugendlichen, deren Bewusstsein für und implizite Wissen über die Spezifika des Kommunikationsraumes durchaus ausgeprägt sind. So entscheiden sie sich auf Basis dieses impliziten Wissens situationsabhängig für oder gegen die Nutzung internetbasierter Kommunikationskanäle, wobei drei Spezifika für die Jugendlichen von besonderer Relevanz sind:</p>
<p><em>(a) Räumliche Distanz: </em>Das Fehlen der Möglichkeit zur physischen Intervention des Gegenübers senken die Angst der SchülerInnen vor direkten physischen Konsequenzen auf Grund von verbalen (verschriftlichten) Gewaltakten und somit auch die Schwelle für entsprechende Handlungen. Gleichzeitig bietet die Kommunikation im Internet auch einen Schutz vor zu starker emotionaler Involvierung durch die fehlende Möglichkeit physische Reaktionen zu beobachten, z.B. wenn für den/die Kommunikations­partnerIn unangenehme Mitteilungen zu machen sind.</p>
<p>(b) <em>Schriftform:</em> Da in schriftlicher Kom­munikation leicht Miss­verständ­nisse entstehen können, die auch durch den Einsatz von Smilies oder Inflektiven (z.B. *gähn*, *kopfkratz*) nicht unbedingt vermieden werden können, eignet sich die SNS Kommunikation kaum für Kommunikationsprozesse, die eine hohe emotionale Sensibilität beider Kom­munikations­partnerInnen erfordern. Entsprechende Missverständ­nisse werden zum Teil auch zum Auslöser von Gewalt, wobei die SchülerInnen sich dieses Umstandes bewusst sind und versuchen potentiell missverständliche Gespräche face-to-face oder zumindest per Telefon zu führen.</p>
<p>(c) <em>Asynchronität</em>: Die häufige Asynchronität von Kommunikation verleiht den Jugendlichen eine stärkere Kontrolle über die Kommunikationsprozesse, da mehr Zeit zur Verfügung steht, um über das von Anderen Geschriebene nachzudenken und die eigene Antwort zu konstruieren. Unmittelbare, unter Umständen heftige emotionale Reaktionen auf eine unangenehme Mitteilung oder auf die Gewalthandlungen eines Anderen werden so oft nicht zurückvermittelt. Dies kann sich sowohl eskalierend als auch deeskalierend auswirken: So bleibt Zeit, die Antwort auf einen Vorwurf innerhalb eines Streitgespräches möglichst sensibel zu formulieren, um den Kom­muni­kations­prozess wieder auf eine sachlichere oder weniger aggressive Ebene zu bringen. Doch kann die Zeit auch dazu genutzt werden, Antworten zu konstruieren, die das Gegenüber emotional besonders empfindlich treffen.</p>
<p>Dieser Potentiale für die Eskalation und Deeskalation von Kommunikationssituationen sind sich die Jugendlichen bewusst. Je nachdem ob sie eine Situation anspannen oder beruhigen wollen, bedienen sie sich dieser Kommunikationskanäle in der einen oder anderen Weise. Die persönliche Kontrolle über die Dynamik von Situationen ist entsprechend höher, da sie die Jugendlichen bis zu einem gewissen Grad vor vorschnellen, unüberlegten, emotional zu stark aufgeladenen Kommunikationsakten bewahrt. Anderseits können im Rahmen sozialer Onlinekommunikation auch Hemmungen überwunden werden, die in anderen Kommunikationssituationen bestünden. Insbesondere Jugendliche, die in Face-to-Face-Kommunikationssituationen über verhältnismäßig wenig Selbstbewusstsein und/oder Schlagfertigkeit verfügen, um in Konflikten angemessen reagieren zu können, nutzen SNS zur Kommunikation in Konfliktkontexten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>4. Gewalt in persönlichen Öffentlichkeiten </strong></p>
<p>Zentral für die Einschätzung von Gewalthandlungen in SNS ist die Sichtbarkeit entsprechender Kommunikationsinhalte innerhalb der Systeme, definiert durch die Friendlist sowie Systemeinstellungen zu Privatsphäre. Die Praxis des ‚friendens’ und die daraus folgende Zusammensetzung der Friendlist definiert die Teilhabe von Personen und Personengruppen am individuellen kommunikativen Raum, der persönlichen Öffentlichkeit (vgl. Schmidt 2009) der Jugendlichen. Die Friendlist setzt sich dabei immer aus Personen zusammen, die die Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten kennen. Die Kommunikation mit diesen Personen erfolgt in SNS jedoch innerhalb ein und desselben Kommunikationsraums, da die allermeisten Aktivitäten, die innerhalb der SNS gesetzt werden, innerhalb dieses Kommunikationsraumes öffentlich sind. Einschränkungen durch die genaue Definition von Privatsphäre-Einstellungen innerhalb der Systeme (z.B. Definition von Gruppen, an die bestimmte Informationen ergehen und solche an die sie nicht ergehen) werden von den Jugendlichen kaum genutzt, obwohl sie sich selbst ein hohes Bewusstsein für Privatheit bescheinigen – ein ‚Privacy Paradox’, wie es auch Bryce/Klang (2009) und Boyd/Ellison (2007) ansprechen. Gründe für die Schere zwischen Problembewusstsein und tatsächlich gesetzten Handlungen sind fehlende Nutzungskompetenz, der hohe Verwaltungsaufwand solcher Einstellungen und die fehlende Dynamik der Einstellungen, die in der Alltagskommunikation jedoch notwendig wäre.</p>
<p><em>4.1. Zeugenschaft und Ressource bei Gewalthandlungen</em></p>
<p>Im Rahmen von Gewalt in SNS hat dieses Netzwerk für die Jugendlichen zwei Funktionen: Zum einen wird dieses Zeuge der sich in dem Kommunikationsraum manifestierenden Gewaltakte. Die Zeugenschaft konstituiert eine, zumindest passive, Beteiligung am Geschehen. Die Jugendlichen sprechen davon als ‚in etwas hineingezogen zu werden’. Eine aktive Beteiligung am Geschehen gehen sie dann ein, wenn sie das (in diesem Falle als solches angesehene) ‚Opfer’ einer Gewalthandlung unterstützen, indem sie es verbal verteidigen oder in der einen oder anderen Weise gegen die ‚TäterInnen’ vorgehen.</p>
<p>Tatsächlich bleibt gewalttätiges Verhalten meistens weder unbemerkt noch ohne Reaktion seitens der Peers. Insbesondere dann, wenn das ‚Opfer’ diese aktiv um Hilfe bittet. Das sich so einschaltende Kollektiv kann Handlungen setzen, die das Gegenüber deutlich empfindlicher treffen als Einzelaktionen (z.B. kollektives Flaming). Das Netzwerk stellt so auch eine Ressource für initiative Gewalt dar, unterstützt durch den Umstand, dass keine gemeinsame zeitliche oder räumliche Anwesenheit der Beteiligten erforderlich ist. So schildert eine 14-jährige Schülerin im folgenden Beispiel einem Online-Mobbing-Vorfall, bei dem Teile des persönlichen Netzwerks aktiviert wurden, um auf die Verleumdungen durch ein anderes Mädchen zu reagieren:</p>
<blockquote><p>w: [...] (     ) und dann hat sie mir über=s Profil; mir ein Kommentar geschrieben am Foto. dass ich fett bin; oder sowas. und dass ich noch Tokio Hotel hör; oder so. ein Blödsinn halt geschrieben; was nicht stimmt. und dann haben sie alle irgendwelche; weil eine Freundin von mir hat sich ur aufgeregt und haben sie gleich zurück gemobbt. @alle gegen einen@</p></blockquote>
<p>Zudem lässt sich am Beispiel des soeben erwähnten „kollektiven Flamings“ zeigen, dass sich neue Täter-Opfer- wie auch Mittäter-Mitopfer-Konstellationen auftun, die sich in kurzen Intervallen dynamisch verschieben können. Die traditionellen Täter-/Opfer-Konstellationen samt den dazugehörigen Rollenzuschreibungen sind für die Analyse des dynamischen Rollenverhaltens in internetbasierten Kommunikationsräumen ungenügend. Gewalt­formen bzw. -kontexte, die sich, speziell in soziotechnischen Systemen, schnell und relativ aufwandslos, auf viele „TeilnehmerInnen“ ausweiten können und damit neue Gewalt-Partizipationsformen ermöglichen, brauchen andere Problemzugänge und -beschreibungen.</p>
<p align="left"><em>4.2. Öffentlichkeit als Grund und Regulativ für die Einschätzung als Gewalt</em></p>
<p>Bestimmte Handlungen werden von den Jugendlichen erst deswegen als Gewalt angesehen, weil sie innerhalb des Netzwerks öffentlich sind. Das Zeigen eines für den/die Abgebildete/n peinlichen Fotos mag innerhalb des Freundeskreises oder auch der erweiterten Peer-Group problemlos sein, nicht jedoch in einer persönlichen Öffentlichkeit, der auch Respektspersonen und Verwandte angehören. Als Beispiel folgt die Aussage eines 16-jährigen Burschen zu den Problemen, die daraus entstehen, wenn die eigene Semi-Öffentlichkeit bestimmte Respektspersonen umfasst:</p>
<blockquote><p>m1: Ja; wenn jetzt irgendwer Gerüchte über mich verbreitet und ich hab in facebook ur viele Familienmitglieder; Cousins; Cousinen; Onkels und ähnliches; und die würden sich dann auch was denken. also; <em><span style="text-decoration: underline;">das</span></em> wär eigentlich das. so; wenn <em><span style="text-decoration: underline;">er</span></em> das liest; <em><span style="text-decoration: underline;">er</span></em> kennt mich; <em><span style="text-decoration: underline;">er</span></em> weiß; ich bin nicht so; wie derjenige das behauptet; aber</p></blockquote>
<p>Verleumdungen oder Beschimpfungen, die in der Face-to-Face-Kommunikation von Jugendlichen als unproblematisch angesehen werden, da sie Teil der Jugendsprache sind oder innerhalb einer Gruppe von Peers als wiederkehrendes ‚Necken’ verstanden werden, können in der erweiterten Öffentlichkeit der SNS problematisch sein. Die Ausgestaltung der persönlichen Öffentlichkeit reguliert so die individuelle Zuschreibung von Gewalt zu bestimmten Kommunikationsakten als auch das eigene Verhalten. So wollen Jugendliche auch nicht, dass ihr gesamtes SNS-Netzwerk sehen kann, wie sie selbst Gewalthandlungen ausführen.</p>
<p>Ein wesentliches Problemfeld liegt in Diskrepanzen hinsichtlich der Zusammensetzung der persönlichen Öffentlichkeiten zweier Personen. Die Jugendlichen projizieren die eigene Praxis auf die Praxis anderer, d.h. nehmen oft an, dass die Art und Weise wie sie ihre persönliche Öffentlichkeit regeln dem entspricht wie es andere auch tun. Da dies oftmals nicht der Fall ist, können eine Reihe von Missverständnissen auftreten, die für den jeweils anderen Kommunikationspartner zu unangenehmen Situationen führen und deshalb die damit verbundenen Kommunikationsakte als Gewalt angesehen werden können. Als Beispiel wäre das Posten und namentliche Verlinken eines Fotos zu sehen, dass eine andere Person in einer misslichen Lage zeigt. Während im Verständnis desjenigen, der das Foto veröffentlicht, das Gezeigte für den anderen nicht als „peinlich“ eingeschätzt wird, da es nur die „Peers“ sehen könnten, mag es für den Abgebildeten durchaus unangenehm sein. Der Grund für diese Divergenz mag neben der möglicherweise unterschiedlichen Einschätzung des Gezeigten an sich auch die jeweils unterschiedliche Zusammensetzung der persönlichen Öffentlichkeit sein, die beim Veröffentlichenden nur die „Peers“ enthält, aber bei der gezeigten Person unter Umständen auch Respektspersonen.<strong><br />
</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>5. Identitätsarbeit und Identitätsraub</strong></p>
<p>Freundschaftsnetzwerke und das Feedback, das Jugendliche aus diesen Netzwerken bekommen, stellen wichtige Ressourcen bei der Konstruktion der eigenen Identität dar (Boyd 2006; Zhao et al 2008). Die Vergegenwärtigung der (aktuellen) persönlichen Öffentlichkeit führt zu Identitätsdarstellungen, die als ‚mehrheitsfähig’ konstruiert werden. Die Wahrnehmung der eigenen Person durch eine/n Andere/n soll unabhängig von der Beziehungsnähe gleichermaßen positiv wie authentisch sein. Ambivalenzen in der eigenen Identitätsdarstellung werden so gut es geht vermieden, da zum Beispiel entfernte Bekannte solche mangels Personenkenntnis missverstehen und dadurch negativ interpretieren könnten. So mag ein Jugendlicher, der als draufgängerischer Partylöwe gilt und sich gegenüber seinen entsprechenden Peers auch so darstellt, in Facebook auf Schilderungen allzu ausschweifender nächtlicher Lokalrunden ebenso verzichten wie auf die Mitteilung des Umstandes, dass er aus Gründen der schulischen Testvorbereitung nicht zum Stadtfest kommen kann. Auf erstere Darstellung würde er verzichten, weil dies auch seine braven und geschwätzigen Cousinen mitbekämen die dadurch ein ganz anderes Bild von ihm entwickeln könnten, und auf zweitere, weil er sonst vor seinen Saufkumpanen als Streber gelten würde.</p>
<p><em>5.1. Implizite Konventionen der Identitätsarbeit</em></p>
<p>Zur Darstellung der eigenen Identität gehören neben Photos und einem Profil auch Statusmeldungen. Diese werden in hohem Maße dazu genutzt, um aktuelle Gefühle mit anderen zu teilen. Dieses ‚Gefühls-Sharing’ muss allerdings auch innerhalb der Grenzen des sozial Akzeptablen stattfinden, also hinsichtlich Intensität und Intimität der Äußerung angemessen sein. Negative Aspekte des Lebens, wie Gefühle der Niedergeschlagenheit oder der Trauer, sollten, laut den Jugendlichen, nicht explizit in der Statusmeldung artikuliert werden. Zu offenes bzw. zur Schau gestelltes Gefühls-Sharing wird in der Regel als Versuch Mitleid zu erheischen aufgefasst und ist innerhalb der Peer Group äußerst negativ belegt. So wird Jugendlichen, die ihre innersten Gefühle ‚hinausposaunen’, in der Regel fehlende soziale Kompetenz zugeschrieben. Leichtfertiger Umgang mit solcherart privater bzw. intimer Information wird von den Jugendlichen stark negativ bewertet und wird zum Teil auch, z.B. in Form sozialer Exklusion, sanktioniert. Das folgende Beispiel, eine Unterhaltung zwischen zwei 16-jährigen Mädchen, zeigt diese Problematik aus der Sicht der Jugendlichen im Original:</p>
<blockquote><p>w1: Wenn=s <em>[Anmerkung: andere, bestimmte Jugendliche]</em> so öffentlich ihre ganzen Probleme schildern; vor allem da wollen=s irgendwie nur Aufmerksamkeit; dass sie irgendwer bemitleidet; find ich.</p>
<p>w2: Das denk ich mir auch; manchmal schreiben=s; ja gestern war das das und das; da denk ich mir; <span style="text-decoration: underline;">oida; bitte;</span></p></blockquote>
<p>Die Jugendlichen haben jedoch Strategien entwickelt, mit diesem Problem umzugehen: Wollen sie Gefühle oder Gedanken nur an einen definierten Personenkreis richten, passen sie ihre Kommunikationsakte an das Interpretationsvermögen des Adressatenkreises an, welcher sich nach dessen Insiderwissen richtet. Gern und häufig genutzte Formen dieser indirekten Emotionsvermittlung sind das Posten von Musiktexten, Gedichten, Zitaten oder auch von Videos bzw. Bildern aus dem Netz. Diese konnte auch Enochsson (2007) beobachten, wurde aber dort nicht weiter kontextualisiert.</p>
<p>Direkte Emotionsvermittlung, wie z.B. das explizite Posten eines Gemütszustandes als Statusmeldung oder Kommentar, stellt einen Verstoß gegen implizite Konventionen auf Social Media- Plattformen dar. Auch leichtfertiger Umgang mit privaten Informationen wird von den Jugendlichen negativ bewertet, und wenn er mehrmals vorkommt auch sanktioniert. Verstößen gegen diese sozialen Konventionen wird nicht selten mit Gewalt als Form sozialer Sanktionierung begegnet. Auch eine landesweite, amerikanische Studie der Ofcom (2008) konnte zeigen, dass übertriebene Selbstdarstellung von den Friends als störend eingestuft und ihr oftmals mit Zynismus begegnet wird.</p>
<p><em>5.2. Identitätsraub</em></p>
<p>Eines der schwersten ‚Vergehen’, das in der Wahrnehmung der Jugendlichen in Social Media begangen werden kann, und das durchgängig als gewalttätiges Verhalten in unserem Sinne verstanden wird, ist der ‚Raub der Identität’ – der grob Willards ‚Impersonation’ entspricht (vgl. Willard 2007) – wobei auf Basis unserer Ergebnisse drei unterschiedliche Praktiken zu identifizieren sind:</p>
<p>(a) Kopieren von Teilen einer anderen Identitätsdarstellung: Dabei kopieren NutzerInnen Fotos und Texte aus dem Profil von anderen NutzerInnen oder bedienen sich bestimmter Ideen Anderer für die Darstellung der eigenen Identität.<em></em></p>
<p>(b) Fälschung des Profils: Noch ärgerlicher ist für die Jugendlichen die Fälschung des eigenen Profils, d.h. wenn ein/e andere/r NutzerIn ein neues Profil mit demselben UserInnennamen wie das Original anlegt und zuweilen auch Bild, Text und Gestaltung übernimmt. In diesem Fall existieren innerhalb eines Social Media Systems zwei praktisch gleiche Profile, die für die NutzerInnen kaum unterscheidbar sind. Problematisch wird dies dann, wenn der/die ‚Fake-UserIn’ in Erscheinung tritt und im Namen eines/r anderen Kommentare abgibt, in Gästebücher schreibt, private Nachrichten an Bekannte des ‚Fake-Opfers’ schickt und vieles mehr.<em></em></p>
<p>(c) Hacken: Damit bezeichnen die Jugendlichen die Vorgehensweise, wenn jemand anderes mit Hilfe des persönlichen UserInnennamens und Passwortes für kurze Zeit ‚Besitz’ von der eigenen Onlineidentität ergreift. Um an solche Passwörter zu gelangen, gibt es diverse Softwareanwendungen, die gängige Passwörter der Reihe nach in ein Login-Fenster eingeben und so nach ein paar Stunden das Passwort herausfinden. Im folgenden Gesprächsauszug zwischen Workshop-Moderator und einem 14-jährigen Burschen schildert dieser einen entsprechenden Vorfall:</p>
<blockquote><p>m: Bei mir hams; mein myspace Account is schon amal gehackt worden.</p>
<p>y: Ok, was hast du dann gemacht? auf sein eigenes Profil gestellt oder was?</p>
<p>m: Na der hat alles auf dänisch gestellt; und hat irgendwie bei der sexuellen Orientierung auf schwul tan und so (         ); ich weiß nicht wer das war; nein aber ich weiß nicht lauter so Sachen; dann hat er als Hintergrund gmacht irgendwie so Brüste von Frauen.</p></blockquote>
<p>Denn die die Jugendlichen verlieren als ‚Opfer’ einer solchen ‚Tat’ die Kontrolle über die eigene Identitätsdarstellung, und da all jene von den IdentitätsräuberInnen vorgenommenen Veränderungen für jede Person in der Friendslist sichtbar sind, konterkariert Identitätsraub die Bemühungen der positiven Selbstdarstellung, nach der die sozialen Konventionen verlangen.</p>
<p>Von den guten Freunden in der Friendslist erwarten die Jugendlichen, dass sie sofort erkennen, wenn die eigene Identität gefakt wurde, wozu u.a. sowohl falsche oder ambivalente Profilinformationen als auch in falschem Namen übermittelte Beleidigungen in Form von Statusmeldungen oder Kommentaren gehören. Da jedoch ein großer Teil der Friendslist mangels Personenkenntnis das Fake nicht erkennen könnte, sind die Jugendlichen in solchen Fällen vehement darum bemüht falsche oder bloßstellende Aussagen richtigzustellen sowie den/die TäterIn auszuforschen und gegebenenfalls von AdministratorInnenseite entfernen zu lassen, um die Integrität des Selbstprofils wieder herzustellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>6. Mobbing als kommunikationsraumübergreifender Prozess</strong></p>
<p>Gewaltprozesse laufen – wie Peer-Kommunikationsprozesse im Allgemeinen – quer durch die verschiedenen Kommunikationsräume, wie Schule und SNS, ab. Streit kann in der Schule beginnen, und in Facebook oder Netlog fortgesetzt werden, ebenso wie sich Mobbingprozesse in gewalttätigen Handlungen sowohl in der Schule als auch in in Social Media manifestieren. Für die Jugendlichen ist es unerheblich, ob die „Initialzündung“ für einen sozialen Prozess, in dem gewalttätiges Verhalten vorkommt,  in dem einen oder anderen Kommunikationsraum erfolgt ist. Je nach Situation wählen sie auf Basis ihres impliziten Wissens über die Spezifika der Kommunikations­räume und der jeweiligen Situation entweder die Schule (bzw. andere nicht-medienvermittelte Räume) oder Social Media (oder andere Kom­muni­kations­medien) zur Weiterführung eines Prozesses. Kein Kommunikationsraum bzw. -medium fördert oder hemmt Gewalt an sich, ermöglicht aber unterschiedliche Ausprägungen von Gewalt und macht Anpassungen des Kom­muni­kations­verhaltens notwendig.</p>
<p>Immer wieder wurde von den Jugendlichen hervorgehoben, dass sich SNS jedoch für eines definitiv nicht eignen: Versöhnung. Bedingt dadurch, dass in Social Media Gefühle nur schwer ausgedrückt werden können bzw. man die Mimik/Gestik des Kommunikationspartners/der Kommunikationspartnerin nicht sehen kann, fällt es auch schwer beispielweise die Ernsthaftigkeit von Entschuldigungsversuchen einschätzen zu können. Versöhnung muss daher auf andere Räume, wie z.B. den der Schule, ausgelagert werden, wodurch jener im Kontext von Versöhnung und Streitschlichtung an Bedeutung gewinnt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>7. Conclusio</strong></p>
<p>Im Rahmen unserer Studie konnten wir soziale Praktiken und deren Gewaltpotentiale identifizieren, wie sie sich in den neuen Kommunikationsräumen der Social Network Services zeigen und etabliert haben. Anders als bisherige Studien (vgl. Tokunaga 2010), hatten wir die sozialen Prozesse rund um die vielfältigen Phänomene, die als „Cybermobbing“ zusammengefasst werden können, im Blick. So konnten wir Beschreibungen und Bewertungen der Jugendlichen zu verschiedenartigen Gewaltformen im Rahmen der allgemeinen sozialen Praxis in Social Media analysieren und dadurch ein besseres Verständnis dafür gewinnen, welche Herausforderungen und Probleme diese neuen Gewaltphänomene tatsächlich schaffen und wie diese – fernab von der zuweilen starken medialen Hysterie – zu bewerten sind.</p>
<p>Es zeigt sich, dass Cybermobbing kaum losgelöst vom erweiterten sozialen Umfeld Jugendlicher bewertet werden kann: Gewalthandlungen in Social Media sind immer Teil kommunikationsraumübergreifender sozialer Prozesse. Gleichzeitig sind sie Ausdruck hybrider Regeln sozialen Austausches in einem soziotechnischen Raum, in dem NutzerInnen proaktiv in Gewaltprozessen mitwirken und auf solche Prozesse einwirken. So zeigen sich Momente der (Selbst)Regulation in den miteinander vernetzten persönlichen Netzwerken, die Gewaltprozesse fördern, fortführen und hemmen können.</p>
<p>Kommunikation über Social Network Services unterliegt jedenfalls bestimmten (technisch bedingten) Strukturen, die spezifische kommunikative Möglichkeiten und Einschränkungen schaffen. Die Jugendlichen sind sich dieser Spezifika und den damit verbundenen Herausforderungen und Problemen vielfach durchaus bewusst und nutzen die internetbasierten sozialen Kommunikationsräume zum Teil auch entsprechend funktionsorientiert. Abseits der bewussten Nutzung von SNS für Gewalthandlungen zeigen sich Probleme oftmals im Graubereich der – in einem laufenden Aus­handlungs­prozess befindlichen – sozialen Normen, deren Einhaltung von den NutzerInnen zwar erwartet wird, die jedoch zum Teil noch nicht ausreichend beziehungsweise überall gleichermaßen verfestigt sind. So sind die Jugendlichen gefordert, Form und Inhalt der Kommunikation mit ihren Peers nicht nur an die Struktur der eigenen persönlichen Öffentlichkeit anzupassen, sondern auch an diejenige der jeweiligen Kom­muni­kations­partnerInnen. Vom Erfolg oder Misserfolg der hier notwendigen Antizipation hängt oftmals ab, wie Kommunikationsakte von den anderen Kom­muni­kations­teil­nehmer­Innen bewertet werden – und ob „Gewalt“ im Sinne einer wesentlichen Störung des sozialen Gefüges, einer Unterbrechung der kulturell erwartbaren Handlungsabläufe, vorliegt oder nicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p align="left"><strong>Literatur</strong></p>
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<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dabei zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler Gewalt in erster Linie mit physischer Gewalt gleichsetzen. Formen psychischer Gewalt, wie sie im Rahmen von Mobbing und Cybermobbing vorkommen, werden zwar als problematisch und für die Betroffenen sehr unangenehm empfunden, wurden aber zu Beginn der Workshops nicht mit dem Begriff Gewalt belegt. Dies änderte sich im Laufe der Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema.</p>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nutzungsrepertoirs und Social News Streams: Meine LVs im WiSe 2011</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Sep 2011 08:57:32 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dieses Semester halte ich zwei &#8220;Übungen Kommunikationsforschung&#8221; im Bakk-Studienplan, beide mit Themen die sehr nahe an meinem eigenen Dissertationsprojekt liegen: &#8220;Repertoirs in der crossmedialen Mediennutzung&#8221; und, als Ersatz für meine Step 5 neu hinzugekommen, &#8220;Social News Streams&#8221;. Wie in den vergangenen Semestern ist es das Ziel der LV, mit Studierenden gemeinsam ein sinnvolles und im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Semester halte ich zwei &#8220;<a href="http://online.univie.ac.at/vlvz?titel=UE+KFOR&amp;action=Suchen&amp;semester=current">Übungen Kommunikationsforschung</a>&#8221; im Bakk-Studienplan, beide mit Themen die sehr nahe an meinem eigenen Dissertationsprojekt liegen: &#8220;Repertoirs in der crossmedialen Mediennutzung&#8221; und, als Ersatz für meine Step 5 neu hinzugekommen, &#8220;Social News Streams&#8221;. Wie in den <a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/2010/08/intermediation-identitat-im-social-web-lvs-im-wise2010/">vergangenen Semestern</a> ist es das Ziel der LV, mit Studierenden gemeinsam ein sinnvolles und im besten Fall später publikationsfähiges Forschungsprojekt zu entwickeln.<span id="more-7493"></span></p>
<p>Neu ist aber die zentrale Organisations- und Arbeitsmethode der beiden LVs. So werde ich ein <a href="http://www.mediawiki.org">MediaWiki </a>nutzen, um den Studierenden zu ermöglichen kollaborativ an gemeinsamen Aufgabenstellungen zu arbeiten. Angeregt durch einen <a href="http://learningthroughdigitalmedia.net/how-i-used-wikis-to-get-my-students-to-do-their-readings">Artikel</a> von <em></em><a href="http://blog.ulisesmejias.com/">Ulises A. Mejias</a>, erhoffe ich mir davon einerseits eine intensivere Auseiandersetzung mit dem Thema und den zu lesenden Texten, andererseits einen besseren Überblick über die individuellen Beiträge der Studierenden zu den Gruppenarbeiten. Bin schon gespannt wie&#8217;s funktioniert und werde dann am Ende gerne berichten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zu den Themen:</span></p>
<p><strong>Repertoirs in der crossmedialen Mediennutzung</strong> &#8211; UE KFOR Gruppe 8<br />
Menschen können Nachrichten und andere Medieninhalte aus einer unüberschaubaren Vielzahl von Quellen und über verschiedenste Medienkanäle beziehen. MediennutzerInnen haben zur Reduktion dieser Komplexität individuelle Repertoires von Quellen/Kanälen angelegt, die sie habitualisiert nutzen. In der LV werden wir Fragen nach der Ausgestaltung dieser Repertoires und des Zusammenspiels zwischen ihren Elementen empirisch nachgehen.</p>
<p><strong>Social News Streams</strong> &#8211; UE KFOR Gruppe 12<br />
Menschen rezipieren Nachrichten in Social Media im Rahmen von rückwärts-chronologisch organisierten &#8220;Social Awareness Streams&#8221; (Naaman et al., 2010). Diese enthalten Mitteilungen der jeweiligen Kontakte zu privaten, semi-öffentlichen und öffentlichen Themen in einer eklektischen Mischung aus Urlaubsfotos, Musikvideos, Klatsch und Tratsch, persönlichen Erlebnissen und, eben auch, Nachrichten. Der Nutzen, den Menschen aus ihren persönlichen Streams ziehen, ist dabei stark abhängig von der Aktivität dieser Kontakte (Burke et al., 2009). In der LV konzipieren wir Social News Streams als spezifische Organisationsform von aktueller Information uns stellen uns Fragen zu Struktur und Inhalt dieser Ströme als auch zu den entsprechenden Rezeptionspraktiken.</p>
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		<title>Evolution of News in Networked Publics (#diata11)</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 11:27:28 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Last week, I attended and presented at the Düsseldorf Interdisciplinary Workshop on Twitter Analysis (diata11), which I consider one of the best, most informative and discursive academic gatherings I vistited in the last years. Thanks to the invitation policy of Cornelius Puschmann and Katrin Weller, all presentations were well done and really interesting &#8211; without [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Last week, I attended and presented at the<a href="http://nfgwin.uni-duesseldorf.de/de/diata11-program"> Düsseldorf Interdisciplinary Workshop on Twitter Analysis </a>(diata11), which I consider one of the best, most informative and discursive academic gatherings I vistited in the last years. Thanks to the invitation policy of <a href="http://twitter.com/#%21/coffee001">Cornelius Puschmann</a> and <a href="http://twitter.com/#%21/kwelle">Katrin Weller</a>, all presentations were well done and really interesting &#8211; without exception, and that&#8217;s really not the usual case at most conferences <img src='http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/php/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Besides the good insights in the running projects of my fellow Twitter-researchers, it was the final discussion which I will most likely remember for a long time: <span id="more-7295"></span>We talked about the very basics of what we are actually doing, both the significance of our methods and the way we can actually describe the kind of communicationwe are observing within social media (I will write another post on this discussion soon).</p>
<p>My own presentation was on some preliminary results of the project on the evolution of news I am working on right now; with support from the <a href="http://www.ots.at/">Austrian Press Agency&#8217;s Original Text Service</a> (APA OTS) and <a href="http://www.sensemetric.com/">Sensemetric</a>. <!--more-->Here&#8217;s the abstract:</p>
<blockquote><p><strong>Evolution of News in Networked Publics</strong></p>
<p>In the past, diffusion research was mostly done through telephone interviews. Today, social media not only allows us to trace the diffusion of news but the evolution of a news story through content analysis. We set up and tested a research design to analyse the cross-medial diffusion and evolution of news in different, clear-cut cases, asking for how the dynamics are shaped by different types of media. We also ask for the differences in the way news media reports on a story and the way social media users talk about it.</p>
<p>We code publishing time and content aspects (distinct pieces of information of central relevance) of a wide array of available texts including news stories in online newspapers, blog entries and tweets, that all deal with a certain topic. After homogenizing the material structure and chronologically ordering it, we start by selecting the first item and defining the main aspects included in its content. For each of the following texts, we code whether those aspects are included or not. Each time a new aspect, a new piece of relevant information is added in a text, the code sheet is extended respectively. Our goal is to trace the evolution of a story according to the aspects people write about.</p></blockquote>
<p>Our first case was <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Scheuch">Uwe Scheuch</a>&#8216;s (the deputy governor of Carinthia) <a href="http://derstandard.at/1311802705513/Hintergrund-Wofuer-Uwe-Scheuch-wirklich-verurteilt-wurde">conviction</a> in early August this year. Even though the data was not completely coded when I presented at diata11, I was able to provide some first results on the course of the reporting and discussion on Twitter and the news media on the first day of events. Please browse my slides for some of those results &#8211; embedded in a discussion of diffusion research and presentation of our method:</p>
<div style="width: 425px;"><strong style="display: block; margin: 12px 0 4px;"><a title="Evolution of News in Networked Publics" href="http://www.slideshare.net/axelmaireder/evolution-of-news-in-networked-publics">Evolution of News in Networked Publics</a></strong><object id="__sse9319913" width="425" height="355" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=diata11presentationpublic-110919055413-phpapp01&amp;stripped_title=evolution-of-news-in-networked-publics&amp;userName=axelmaireder" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="__sse9319913" width="425" height="355" type="application/x-shockwave-flash" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=diata11presentationpublic-110919055413-phpapp01&amp;stripped_title=evolution-of-news-in-networked-publics&amp;userName=axelmaireder" allowFullScreen="true" allowScriptAccess="always" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></div>
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<div style="padding: 5px 0 12px;">View more <a href="http://www.slideshare.net/">presentations</a> from <a href="http://www.slideshare.net/axelmaireder">Axel Maireder</a>.</div>
</div>
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