Es wird Zeit von einem Projekt zu berichten, dass Julian Ausserhofer, Axel Kittenberger und ich im Anschluss an ein Seminar von Axel Bruns seit Sommer dieses Jahres entwickelt haben und nun seit einigen Monaten intensiv bearbeiten: Die Analyse der Konversationsnetzwerke der österreichischen, innenpolitischen Twittersphere. PolitikerInnen, JournalistInnen und andere professionelle Akteure des politischen System in Österreich nutzen Twitter zunehmend zur Kommunikation sowohl untereinander als auch nach “aussen”, also zu Menschen ausserhalb des Arena professioneller politischer Kommunikation. Dabei entsteht ein – mehr oder weniger – spezifischer innenpolitischer Diskursraum in dem relativ offene, niederschwellige Kommunikationsprozesse stattfinden. Dieser Austausch ist dazu geneigt, die Beziehungen der Akteure des politischen Systems untereinander als auch die Beziehung dieser Akteure zu Umwelt des politischen Systems zu intensivieren.
Wir analysieren nun die Strukturen und Themen der österreichischen innenpolitischen Diskussion auf Twitter mit dem Ziel, die politischen Themensetzungs- und Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren des politischen Systems (und anderen) in diesem Medium zu beschreiben. Wir fragen dabei sowohl nach den Interaktionsstrukturen und daraus ableitbaren Beziehungskonstellationen (Opinion Leading & Sharing) zwischen Akteuren und Akteursgruppen, als auch nach den Konversationsformen im Verhältnis zu tradierten Formen. Im Gegensatz zu themenzentrierten Ansätzen (Diskurse innerhalb von ‚Hashtags’) in der Twitterforschung (z.B. Axel Bruns und KollegInnen an der Queensland UT, Tamara Small an der U Gualph in Kanada oder die norwegischen Kollegen Moe & Larsson), analysieren wir das gesamte Kommunikationsverhalten von 400 NutzerInnen über längere Zeiträume und unterschiedliche Themenfelder hinweg.
Die Auswahl dieser NutzerInnen erfolgte im Sommer 2011 durch eine dreimonatige strukturierte Beobachtung von Mitteilungen rund um spezifische politische Reizwörter. Die NutzerInnen wurden anschließend auf Basis ihrer Profilinformationen in PolitikerInnen, JournalistInnen, andere professionelle Akteure des politischen Systems und Akteure ausserhalb des Systems, kategorisiert. Seit 8. Oktober 2011 sammeln wir nun alle Tweets dieser User sowie alle Tweets anderer, die eine/n dieser 400 erwähnen (@-mentions). Wir haben nun vier Wochen examplarisch ausgewählt. Mit den Daten aus diesen Wochen werden wir sowohl getrennte als auch kombinierte Analysen der Konversationsnetzwerke auf Basis der @-mentions vornehmen (zentrale Akteure, Cluster, etc.).
Zudem können wir, Dank einer Kooperation mit Super-Fi, alle Tweets dieser vier Wochen nach ausgewählten Themen analysieren. So können wir nicht nur Themenentwicklungen zeitlich nachvollziehen, sondern durch Kombination mit der Netzwerkanalyse unterschiedliche Themennetzwerke identifizieren und unter die Lupe nehmen. Wir werden beispielsweise zeigen können, welche NutzerInnen in den Diskursen zu Studiengebühren, zu den Auswirkungen der Eurokrise auf Österreich oder zur Affäre rund um Niko Pelinka zentral waren, welche Kommunikationscluster sich rund um diese Themenfelder entwickelt haben und wie offen die Akteure des politischen Systems bei diesen und anderen Themen für Anregungen von Twitter-NutzerInnen ausserhalb des Systems waren.
Die Kodierung ist noch im Gang, die Analyse wird im März abgeschlossen sein und die Ergebnisse werden wir dann im April öffentlich in Wien und im Mai voraussichtlich bei der CeDem in Krems (Review pending) sowie bei der DGPuK Konferenz in Berlin vorstellen. Wir erwarten uns dadurch nicht nur tiefe Einblicke in die konkrete österreichische innenpolitische Twittersphere sondern auch spannende Erkenntnisse im Kontext der Fragen rund um die Potentiale von Social Media für die Transparenz und Zugangsoffenheit politische Kommunikationsprozesse, also der “alten” Frage nach den Potentialen des Internet für die Demokratie.
