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Twitter in Österreich: Strukturen, Formen und Themen österreichischer Tweets

Im Wintersemester 2009/10 habe ich mit Studierenden meiner Übung Kommunikationsforschung eine Studie zu Twitter in Österreich durchgeführt, deren Ergebnisse nun endlich vorliegen. Ziel war die Erhebung grundlegender Daten zu Strukturen, Formen und Inhalten der in Österreich über Twitter abgesetzten Kurznachrichten (Tweets) sowie zu den Unterschieden zwischen dem Durchschnitt österreichischer Tweets und den Kurznachrichten der österreichischen Top-100 NutzerInnen. Methodisch waren dabei einige Probleme zu lösen, die die TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung und mich vor knifflige Aufgaben gestellt haben. So ist z.B. es nur mit einigen Tricks möglich, eine Grundgesamtheit österreichischer Tweets (in einem bestimmten Zeitraum) zu identifizieren, da nationale Grenzen in der Twitter-Suche unbekannt sind.

Einige der hervorstechendsten Ergebnisse auf Basis unserer beiden Stichproben “Österreich” (n=926) und “Austria Top-100″ (n=317):

  • Englisch hält sich mit Deutsch als Kommunikationssprache die Waage, ein Indiz für die internationale Ausrichtung der Nutzung.
  • Top-100 NutzerInnen verlinken 2,5 mal öfter als durchschnittliche Twitterer
  • Hashtags nur in 10,5 (Stichprobe Österreich) bzw. 8,1% (Top-100) der Tweets
  • 43% der Tweets enthalten eine @-Useransprache, bei den Top-100 nur 23,1%
  • In der Österreich-Stichprobe überwiegen tendentiell private Themen (51,3%) vor tendentiell öffentlichen (34,8%), bei den Top-100 ist das umgekehrt
  • 40% der Top-100 Tweets thematisieren Produkte und Dienstleistungen
  • Top-100 geben vor allem Tipps (45%) und verfassen Neuigkeiten (38,4%), durchschnittliche Tweets haben eher die Form einfacher Notizen (37,5%).
  • 39,5 Prozent der Links in Tweets verweisen auf redaktionelle Medien

Studie zum > Download (PDF) <

Auffällig erscheint die seltene Verwendung von Hashtags als Strukturelement (10, 8% in der Österreich-Stichprobe bzw. 8,1% in der Stichrpobe aus den Top-100) sowie der deutliche Unterschied zwischen den beiden Stichproben bei der Einbindung von Links: Die Tweets der Top-100 (70,7%) verweisen 2,5 mal häufiger auf Webseiten als der Gesamtdurchschnitt (28,3%). Umkehrt verweisen Top-100 User etwa halb so oft mittels @-Zeichen auf andere User (23,1% ggü. 43%), wobei der Anteil der als Retweets gekennzeichneten Verweise an den Gesamtverweisen bei den Top-100 deutlich höher bzw. als Anteil der Gesamttweets ähnlich ist (8,9 / 7,3 %)

Es zeigt sich, dass in österreichischen Tweets zu einem etwas höheren Teil private als öffentliche Themen aufgegriffen werden. Tendentiell private Themen aus dem persönlichen beruflichen bzw. Bildungsumfeld (6,8%), dem Freizeit- (13,0%) und Alltagbereich (18,3%) sowie Tweets die soziale Beziehungen thematisieren (13,2%) machen zusammen 51,3% der Tweets in der Gesamtstichprobe aus. Produkte & Dienstleistungen (12,3%), Kultur und Medien (11,4%) und Politik und Weltgeschehen (11,1%), die tendentiell einem öffentlichen Themenfeld zugeordnet werden machen 34,8% aus. Ganz anders bei der Stichprobe der Top-100: Ganze 40,2% der Tweets haben einen Bezug zu Produkten und Dienstleistungen, 26,4% zum aktuellen Weltgeschehen. Soziale Beziehungen (3,2%) werden ebenso wie der persönliche Alltag (11,4) deutlich seltener thematisiert als in den Tweets der Gesamtstichprobe. Das Ergebnis überrascht jedoch insofern nicht, als öffentliche Themen tendentiell grössere Gruppen von Menschen (hier: Follower) ansprechen als private.

Den Gesamtbericht der Studie mit allen Ergebnissen gibt es nun hier als Download über Slideshare:

14 comments

  1. Sehr interessante Studie. Was ich eine schöne Erkenntnis deiner Studie finde, ist die Tatsache, dass es bei Twitter ähnlich läuft wie in der Blogosphäre. In der Blogosphäre werden die persönlichen Dinge zwar auch von den meisten besprochen aber eben nur in ihren kleinen Netzwerken. Sobald die Zuschauerzahl größer wird, werden auch die Themen gesellschaftlich relevanter.

    Mich würde schon interessieren, wie ihr das mit der österreichischen Stichprobe gemacht habt? Steht ja vielleicht im Bericht, schau ich mir dann mal an.

  2. Pingback: Twitter in Österreich // Internetforschung

  3. @martin: interessanter aspekt der vergleich mit der blogosphere. twitter ist ja eben auch nur “microblogging”. wäre durchaus interessant sich anzusehen, ob weitere parallelen existieren.

    die stichprobe haben wir im wesentlichen so gezogen: über eine karte aus google maps kreise gezogen, um österreich vernünftig abzudecken, 14 an der zahl. dann ein kleines programm geschrieben, mit dem wir alle tweets innerhalb diese kreise mit mittelpunkt (location länge/breite) und radius (in meilen) aus der twitter API abrufen konnten. dann eine zahl an zeitfenstern im untersuchungszeitraum ausgewählt (jeweils 10min), und die tweets aller kreise in diesen zeitfenstern analysiert. entsprechend haben wir eine nach orten und tageszeiten proporional geschichtete stichprobe erhalten.

  4. @Alicia: Ja, ist eine Momentaufnahme im Untersuchungszeitraum Jänner 2010, ohne Trends.

  5. Sehr schön, ich finds immer fein, wenn aus einer LV auch was herzeigbares rauskommt.

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  11. Johannes Weissmueller

    11/06/2010 @ 12:33

    Untersuchungszeitraum: 12. – 20. Jänner 2010 ? 8 Tage?
    Das reicht um eine Studie so aufzublasen?

    LG JW

  12. @Johannes Weissmüller: Weiss nicht, was du mit “aufblasen” meinst, aber 8 tage sind für die fragen die wir gestellt haben voerst mal genug, um einen ersten eindruck zu gewinnen. und um nichts anderes ging es hier, um das erstmalige erheben von daten zu einem (recht) neuen kommunikationskanal, eine orientierung für themen, strukturen und arten von tweets eben. wenn man genauere daten haben möchte, müsste man das ganze natürlich über einen länegren zeitraum erstrecken und auch etwas mehr (vielleicht doppelt so viele) tweets analysieren, auch um auszuschliessen, dass bestimmte ereignisse ergebnisse verfälschen. unsere woche war übrigens recht “normal” hinsichtlich der öffentlichen themenlage (also keine “extremen” ereignisse). lg, axel

  13. Pingback: Intermediation, Identität im Social Web – Meine LVs im WiSe 2010 – Axel Maireder

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