Documentation Philosophy On Stage #4

Ecce Homo // Performance-Text

Lecture-Performance by Corinna Kirchhoff [CV] und Wolfgang Michael [CV]

Wolfgang Michael:
Re-enactment Ecce Homo (Einar Schleef Thalia Theater Hamburg)
Corinna Kirchhoff:
Liest Nietzsche-Text von Arno Böhler

Wolfgang:
Achtzehnhundertneunundachtzig. In Voraussicht, dass ich über Kurzem mit der schwersten Aufgabe an die Menschheit herantreten muss, die je an sie gestellt wurde, scheint es mir unerlässlich, zu sagen, wer ich bin. Im Grunde dürfte man’s wissen: denn ich habe mich nicht „unbezeugt gelassen“. Das Missverhältniss aber zwischen der Grösse meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner Zeitgenossen ist darin zum Ausdruck gekommen, dass man mich weder gehört, noch auch nur gesehn hat. Ich lebe auf meinen eignen Credit hin, es ist vielleicht bloss ein Vorurtheil, daß ich lebe? … Ich brauche nur irgend einen „Gebildeten“ zu sprechen, um mich zu überzeugen, dass ich nicht lebe … Unter diesen Umständen giebt es eine Pflicht, gegen die im Grunde meine Gewohnheit, noch mehr der Stolz meiner Instinkte revoltirt, nämlich zu sagen: Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht!
Ich bin durchaus kein Popanz, kein Moral-Ungeheuer, —ich bin sogar eine Gegensatz-Natur zu der Art Mensch, die man bisher als tugendhaft verehrt hat. Unter uns, es will mir scheinen, dass gerade Das zu meinem Stolz gehört. Ich bin ein Jünger des Philosophen Dionysos, ich zöge vor, eher ein Satyr zu sein als ein Heiliger.
Durch eine lange Erfahrung, welche [meine] Wanderung[en] im Verbotenen [mit sich brachten], lernte ich die Ursachen, aus denen bisher philosophiert und moralisirt wurde, sehr anders ansehn als es erwünscht sein mag: die verborgene Geschichte der Philosophen, die Psychologie ihrer grossen Namen kam für mich an’s Licht. — Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist? Das wurde für mich immer mehr der eigentliche Werthmesser. Irrthum ist nicht Blindheit, Irrthum ist Feigheit … Jede Errungenschaft, jeder Schritt vorwärts in der Erkenntniss folgt aus dem Muth, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich … Ich widerlege die Ideale nicht, ich ziehe bloss Handschuhe vor ihnen an …

Corinna:
Wagen wir im Folgenden also den Versuch, gerade hier, wo Philosophen tradi¬tionell nicht mehr zu zweifeln wagen, unser großes Fragezeichen zu setzen: Ob man nämlich nicht gerade hier umlernen muss, dass unser Bewusstsein unseren Af¬fekten und Instinkten nicht entgegengesetzt ist, wie bisher meistens ver¬mutet wurde, weil man den größten Teil des bewussten Denkens noch zu den Instinkttätigkeiten rechnen muss, „sogar im Falle des philosophischen Den¬kens;“.
Zu lange, so könnte man mit Nietzsche sagen, haben Philosophen bislang verabsäumt zu fragen, was der Appetit strebender Körper von sich aus alles zu leisten vermag. Zu lange haben sie sich allein auf die Analyse geistig-men¬taler Tätigkeiten fokussiert und dabei die große Vernunft des Leibes aus den Augen verloren, in der die Natur schlafwandlerisch operiert.
Dass Philosophen, bekanntlich waren sie bisher fast ausschließlich männ¬lichen Geschlechts, die Frage nach den dunklen Zonen der Körper kaum ge¬stellt haben, geschieht, zumindest für Nietzsche, nicht zufällig. Hat man ihnen nämlich erst einmal lange genug zwischen die Zeilen und auf die Fin¬ger geschaut, kommt man unweigerlich zu der Einsicht, dass dieses Versäumnis mit ihrer asketischen Begehrensstruktur zu¬sammenhängt. Irgendetwas, das ihre Leiblichkeit durchherrscht, irgendein tiefeingefleischter Instinkt hat ihnen kategorisch befohlen, der Frage nach dem Eigensinn von Körpern auszuweichen, um an die Stelle begehrlicher Körper ein freies, von der Sinnlichkeit unberührtes intelligibles Subjekt zu setzen. Offen¬kundig liegt ihnen ein solches näher als das empirische Subjekt, auf das sie in ihrer eigenen Leibes-Tiefe stoßen. – Zumindest insgeheim; denn hier nicht zum Bewusstsein zu kommen, gehört ganz entscheidend zur Struk¬tur ihres philosophischen Begehrens; – zu jener Strebensart also, die sie grosso modo dahin treibt, nach übersinnlichen Ideen und einer intelligiblen Freiheit zu suchen, um die Blöße ihres empirischen Charakters zu verdecken; lässt sich der historische Tatbestand doch kaum leugnen:

Zitat Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, Kritische Studienausgabe Bd. 5, S. 350:
„Es besteht unbestreitbar, so lange es Philosophen auf Erden giebt und überall, wo es Philosophen gegeben hat (von Indien bis England, um die entgegengesetzten Pole der Begabung für Philosophie zu nehmen) eine eigentliche Philosophen-Gereiztheit und -Rancune gegen die Sinnlichkeit – Schopenhauer ist nur deren beredtester und, wenn man das Ohr dafür hat, auch hinreissendster und entzückendster Ausbruch –;“ Ende des Zitats.

Wolfgang:
Die Aufklärung vom Ressentiment, die Freiheit vom Ressentiment — wer weiss, wie sehr ich zuletzt auch darin meiner langen Krankheit zu Dank verpflichtet bin! […] Wenn irgend Etwas überhaupt gegen Kranksein, gegen Schwachsein geltend gemacht werden muss, so ist es, dass in ihm der eigentliche Heilinstinkt, das ist der Wehr- und Waffen-Instinkt im Menschen mürbe wird. Man weiss von Nichts loszukommen, man weiss mit Nichts fertig zu werden, man weiss Nichts zurückzustossen. — Alles verletzt. Mensch und Ding kommen zudringlich nahe, die Erlebnisse treffen zu tief, die Erinnerung ist eine eiternde Wunde. Kranksein ist eine Art Ressentiment selbst.
— Hiergegen hat der Kranke nur Ein grosses Heilmittel — ich nenne es den russischen Fatalismus, jenen Fatalismus ohne Revolte, mit dem sich ein russischer Soldat, dem der Feldzug zu hart wird, zuletzt in den Schnee legt. Überhaupt nichts annehmen, an sich nehmen, in sich hineinnehmen, — überhaupt nicht mehr reagiren … Die Vernunft dieses Fatalismus, der nicht immer nur der Muth zum Tode ist, als lebenserhaltend unter den lebensgefährlichsten Umständen, ist die Herabsetzung des Stoffwechsels, dessen Verlangsamung, eine Art Wille zum Winterschlaf. Ein paar Schritte weiter in dieser Logik, und man hat den Fakir, der wochenlang in einem Grabe schläft … Weil man zu schnell sich verbrauchen würde, wenn man überhaupt reagirte, reagirt man gar nicht mehr: dies ist die Logik.
Und mit Nichts brennt man rascher ab, als mit den Ressentiments-Affekten. Der Ärger, die krankhafte Verletzlichkeit, die Ohnmacht zur Rache, die Lust, der Durst nach Rache, das Giftmischen in jedem Sinne — das ist für Erschöpfte sicherlich das Nachteiligste. [...]

Das Ressentiment ist also das Verbotene an sich für den Kranken: leider auch sein natürlichster Hang. — Dies begriff jener tiefe Physiolog Buddha. Seine „Religion“, die man eher als eine Hygiene bezeichnen dürfte, um sie nicht mit so erbarmungswürdigen Dingen wie das Christenthum ist, zu vermischen, machte ihre Wirkung abhängig vom Sieg über das Ressentiment: die Seele davon frei machen — erster Schritt zur Genesung. „Nicht durch Feindschaft kommt Feindschaft zu Ende, sondern durch Freundschaft kommt Feindschaft zu Ende“: das steht am Anfang der Lehre Buddha’s — so redet nicht die Moral, so redet die Physiologie. — Das Ressentiment, aus der Schwäche geboren, Niemandem schädlicher als dem Schwachen selbst, — im andren Fall, wo eine reiche Natur die Voraussetzung ist ein überflüssiges Gefühl, über das Herr zu bleiben beinahe der Beweis des Reichthums ist. Wer den Ernst kennt, mit dem meine Philosophie den Kampf mit den Rach- und Nachgefühlen bis in die Lehre vom „freien Willen“ hinein aufgenommen hat, wird verstehn, weshalb ich gerade hier mein persönliches Verhalten, meine Instinkt-Sicherheit in der Praxis beispielhaft voranstelle. In den Zeiten der décadence verbot ich sie mir als schädlich; sobald das Leben wieder reich und stolz genug dazu war, verbot ich sie mir als unter mir.
Jener „russische Fatalismus“, von dem ich eingangs sprach, trat darin bei mir hervor, dass ich an unerträglichen Lagen, Orten, Wohnungen, Gegebenheiten lieber Jahre lang zäh festhielt, [...] — als sich gegen sie aufzulehnen … Mich in diesem Fatalismus stören, mich gewaltsam aufwecken nahm ich damals tödlich übel: — in Wahrheit war es auch jedes Mal tödlich gefährlich. — Sich selbst wie ein Fatum nehmen, nicht sich „anders“ wollen — das ist in solchen Zuständen die grosse Vernunft selbst.

Corinna:
Nicht der Wille zur Wahrheit, sondern der Widerwille gegen die Sinnlichkeit ist für Nietzsche der entscheidende Beweggrund, der klassische Philoso¬phen nach intelligiblen Ursachen, übersinnlichen Ideen und einer interesselosen Anschauung des Lebens Ausschau halten ließ. Sie taten dies nicht aus selbstlosen Beweggründen, sondern „aus dem allerstärksten, allerpersönlichsten Interes¬se: dem des Torturirten, der von seiner Tortur, der Sinnlichkeit, loskommen möchte“. In der Regel wollten sie alle nur eines: „Ruhe in den Souterrains“. Und fehlte das asketische Begehrensmoment an einem Philosophen, dann konnte man sicher gehen, dass er nur ein sogenannter „Philosoph“ war. Ein Philosoph unter Anführungszeichen, dem Entscheiden¬des fehlte, um ein echter, wahrer, ernst zu nehmender Philosoph genannt zu werden.
Wenn wir uns also fragen, was es bedeutet, dass Philosophen bislang dem asketischen Ideal huldigten, so bekommen wir für Nietzsche an dieser Stelle einen ersten Wink: Philosophen wollten durch die Bejahung asketischer Ideale von der Tortur ihrer Sinnlichkeit loskommen. Sie brauchten die Konstruktion imaginärer Ursachen, um die Blöße ihrer Leibes-Tiefe zu verdecken. Nannte die Metaphysik diesen Akt der Verstellung bislang nicht Wahrheit?

Wolfgang:
Religiöse Schwierigkeiten kenne ich nicht aus Erfahrung. Es ist mir gänzlich entgangen, in wiefern ich „sündhaft“ sein sollte. Insgleichen fehlt mir ein zuverlässiges Kriterium für das, was ein Gewissensbiss ist: nach dem, was man darüber hört, scheint mir ein Gewissensbiss nichts Achtbares.
[...] Ganz anders interessirt mich eine Frage, an der mehr das „Heil der Menschheit“ hängt, als an irgend einer Theologen-Curiosität: das ist die Frage der Ernährung. Man kann sie sich, zum Handgebrauch, so formuliren: „wie hast gerade du dich zu ernähren, um zu deinem Maximum an Kraft zu gelangen?“ — Meine Erfahrungen sind hier so schlimm als möglich; ich bin erstaunt, diese Frage so spät gestellt zu haben. Nur die Nichtswürdigkeit unsrer deutschen Bildung — ihr „Idealismus“ — erklärt mir, warum ich hier gerade rückständig bis zur Heiligkeit war. Diese „Bildung“, die von vornherein die Realitäten aus den Augen verlieren lehrt, um durchaus problematischen, sogenannten „idealen“ Zielen nachzujagen, zum Beispiel der „klassischen Bildung“: — als ob es nicht absurd wäre, „klassisch“ und „deutsch“ in einen Begriff zu einigen! Mehr noch, ein solches Begriffskonstrukt wirkt erheiternd, — man denke sich einmal einen „klassisch gebildeten“ Leipziger!
In der That, ich habe bis zu meinen reifsten Jahren immer nur schlecht gegessen, — moralisch ausgedrückt „selbstlos“, „unpersönlich“, „altruistisch“. Sich zum Zwecke unzureichender Ernährung auch noch den Magen verderben — dies Problem scheint mir die deutsche Küche zum Verwundern glücklich zu lösen. Aber die deutsche Küche überhaupt — was hat sie nicht Alles auf dem Gewissen! So versteht man auch die Herkunft des deutschen Geistes — aus betrübten Eingeweiden … Der deutsche Geist ist eine Indigestion, er wird mit Nichts fertig. [...] — Alkoholika sind mir nachtheilig; ein Glas Wein oder Bier des Tags, ja, reicht vollkommen aus, mir aus dem Leben ein „Jammerthal“ zu machen, — in München leben meine Antipoden.
[…] Wasser thut’s … Ich ziehe Orte vor, wo man überall, aus fliessenden Brunnen schöpfen kann; […] In vino veritas: es scheint, dass ich auch über diesen Begriff „Wahrheit“ mit aller Welt uneins bin: — bei mir schwebt der Geist über dem Wasser […] — So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, — in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurtheile kommen aus den Eingeweiden. — Das Sitzfleisch, die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist. —

Ich nehme als Gleichniss den Verkehr mit Büchern. Der Gelehrte, der im Grunde nur noch Bücher „wälzt“ verliert zuletzt das Vermögen, von sich aus zu denken. Wälzt er nicht, denkt er nicht. Er antwortet auf einen Reiz (— einen gelesenen Gedanken), wenn er denkt. Der Gelehrte giebt seine ganze Kraft im Jasagen und Neinsagen, in der Kritik von bereits Gedachtem ab, — er selber denkt nicht mehr … Der Instinkt der Selbstvertheidigung ist bei ihm mürbe geworden; im andren Falle würde er sich gegen den Verkehr mit Bücher wehren. Frühmorgens beim Anbruch des Tags, in aller Frische, in der Morgenröthe seiner Kraft, ein Buch lesen — das nenne ich lasterhaft! — —

Corinna:
In der neueren Philosophiegeschichte findet Nietzsche das ehrwürdigste Beispiel einer asketischen Denkfigur im Denken Arthur Schopenhauers. Wenn Schopenhauer die Erfahrung des Schö¬nen als eine ästhetische Empfindung beschreibt, die „der geschlechtlichen ‚Inte-ressiertheit‘ entgegenwirke“, dann bringt er ganz unverblümt den äußersten Glückszustand zur Sprache, den er selbst am eige¬nen Leib zu empfinden im Stande war. Ganz im Gegensatz etwa zu Stendhal, der die entscheidende Wirkung des Schönen gerade in der „Erregung des Willens durch das Schöne erkennt“. Ganz im Sinne Nietzsches deutet er das Schöne als Sti-mulanz des Lebens – „das Schöne verspricht Glück“ –, während Schopenhauer in seiner höchsten ästhetischen Empfindung gerade die Erlösung vom schnöden Willensdrang des Lebens feiert, wie er selbst sagt, wenn er schreibt. Zitat:
„[d]as ist der schmerzlose Zustand, den Epikur als das höchste Gut und als den Zustand der Götter pries; wir sind, für jenen Augenblick, des schnöden Willensdrangs entledigt, wir feiern den Sabbat der Zuchthausarbeit des Wollens, das Rad des Ixion steht still.“ Ende des Zitats.
Nicht das aktive, schaffende „frei wozu“ ist bei Scho¬penhauer das treibende Element des Schönen in Kunst und Natur, sondern ein den Lebenswillen hemmender, zurückdrängender Affekt, der uns vom Schmerz des Lebens befreit und damit von der Knechtschaft des Willens erlöst, die uns an das Feuerrad des Lebens bindet. Die kon¬templative Wirkung des Schönen auf seine Physis war ihm oberste sinnliche Gewissheit; eine Erfahrung, die ihn ohne Zweifel am eigenen Leib regel¬mäßig heimsuchte und bis in die äußersten Enden seiner Leiblichkeit hinein entzückte.
Und doch schleicht sich für Nietzsche gerade hier, in der Selbstinterpreta¬tion seines eigenen ästhetischen Empfindens, bei Schopenhauer ein gravieren¬des Missverständnis gegenüber dem Leben ein: Dort, wo er die kontemplative Wirkung des Schönen auf sein eigenes Gemüt als Akt der Lebensverneinung deutet. Bei dieser In¬terpretation handelt es sich für Nietzsche um eine glatte Verkehrung der wirk¬lichen Tatbestände. Denn das, was Schopenhauer in solchen Glücksmomenten erlebte, war gerade nicht die Verneinung der Zuchthausarbeit des Wollens, wie er selbst vermeinte, sondern das Aufblitzen einer Perspektive auf das Leben, die es ihm plötzlich erlaubte, das Leben insgesamt wieder zu bejahen und begeh¬renswert zu finden. Nicht die Negation des schnöden Willensdrangs, sondern der Wille zu seinem eigenen Optimum an Lebendigkeit war es, der Schopenhauer nach asketischen Lebensformen und Denkfiguren streben ließ. Denn: „Jedes Thier, auch la bête philosophe, strebt instinktiv nach einem Optimum von günstigen Be¬dingungen, unter denen es seine Kraft ganz herauslassen kann und sein Maxi¬mum im Machtgefühl erreicht; [...]“.
Wenn wir uns also fragen, was einen Philosophen klassischerweise dazu trieb, asketische Ideale zu bejahen, dann lautet die Antwort von Nietzsche nicht nur, dass er damit von der Tortur seiner eigenen Sinnlichkeit und Lei¬bes-Tiefe loskommen wollte. Er lächelte beim Anblick asketischer Ideale offenkundig auch „einem Optimum der Bedingungen höchster und kühnster Geis¬tigkeit zu, – er verneint damit also nicht ‚das Dasein‘ [überhaupt], er bejaht darin vielmehr sein Dasein und nur sein Dasein“.
Nicht die Tugendhaftigkeit oder gar Selbstlosigkeit der Philosophen ist es, die sie nach rationalen Vernunftgründen streben lässt, sondern der Appetit ihrer Körper, insofern er sich auf der Suche nach seinem Optimum an Kraft, an Macht, an „agendi potentia“ inmitten der Welt befindet. Sein leibliches Begehren ließ Schopenhauer insgeheim nach asketischen Idealen streben, Platon nach übersinnlichen Ideen Ausschau halten oder Kant ein in¬telligibles Freiheitssubjekt postulieren.

Wolfgang:
An dieser Stelle ist die Frage nicht mehr zu umgehn, wie man wird, was man ist. Damit berühre ich das Meisterstück in der Kunst der Selbsterhaltung — der Selbstsucht … Dass man wird, was man ist, setzt voraus, dass man nicht im Geringsten ahnt, was man ist. […] — Nach dieser Seite hin betrachtet ist mein Leben einfach wundervoll. Zur Aufgabe einer Umwerthung der Werthe waren vielleicht mehr Vermögen nöthig, als je in einem Einzelnen bei einander gewohnt haben, auch Gegensätze von Vermögen, die Kunst zu trennen, ohne zu verfeinden, ohne dass die Unterschiede sich stören, zerstören durften. Rangordnung von Vermögen; Distanz; Nichts vermischen; Nichts „versöhnen“; eine ungeheure Vielheit, die trotzdem das Gegenstück des Chaos ist — dies war die Vorbedingung, die lange geheime Arbeit und Künstlerschaft meines Instinkts. Seine höhere Obhut zeigte sich in dem Maasse stark, dass ich in keinem Augenblick auch nur geahnt habe, was in mir wächst, — dass alle meine Fähigkeiten plötzlich, reif, in ihrer letzten Vollkommenheit eines Tags hervorsprangen. Es fehlt in meiner Erinnerung, dass ich mich je bemüht hätte, — es ist kein Zug von Ringen in meinem Leben nachweisbar, ich bin der Gegensatz einer heroischen Natur. Etwas „wollen“, nach Etwas „streben“, einen „Zweck“, einen „Wunsch“ im Auge haben — das Alles kenne ich nicht aus Erfahrung. Noch in diesem Augenblick sehe ich auf meine Zukunft — eine weite Zukunft! — wie auf ein glattes Meer hinaus: kein Verlangen kräuselt sich auf ihm. Ich will nicht im Geringsten, dass Etwas anders wird als es ist; ich selber will nicht anders werden. Aber so habe ich immer gelebt. Ich habe keinen Wunsch gehabt.

Corinna:
Erst dort, wo die rationale Maskierung der Partikularität des eigenen Begeh¬rens gelingt, indem ihr massenhaft geglaubt wird, kann das eigene Begehren eine normative Funktion übernehmen und damit den hegemonialen Anspruch stellen, die maßgebliche Form von Begehren schlechthin zu sein. In Kontingenz, Hegemonie, Universalität haben Butler, Žižek und Laclau die Rhetorizität dieses Verfahrens schonungslos aufgedeckt. Zitat: „Damit es Hegemonie gibt, ist es nötig, dass die partiellen Ziele einer Gruppe als Name für eine Universalität fungie¬ren, die jene transzendiert – das ist die für die hegemoniale Verbindung konsti¬tutive Synekdoche.“ Ende des Zitats.
Nur unter dem Schutz-Schleier des rhetorischen Verfahrens, in dem ein spezifischer Modus des Begehrens die Funktion übernehmen konnte, die adäquate Form von Begehren überhaupt zu repräsentieren –– denken Sie z. B. an den Werbeslogan „geht es der Wirtschaft gut, geht es allen gut“ –– konnte die klassisch asketi¬sche Form des Begehrens den normativen Anspruch erheben, das echte Begeh¬ren jedes wahren Philosophen überhaupt zu sein. Solange dieser Anspruch von der Sittlichkeit der Sitte unbefragt als konstitutiver Bestandteil des klassischen Anforderungsprofils an Philosophen angesehen wurde, hatte diese Synekdoche eben auch die Macht, Kraft und Autorität, maßgeblich darüber zu entscheiden, ob es sich bei einem Bewerber der Philosophie um einen qualifizierten Bewer¬ber handelt, oder bloß um einen sogenannten „Philosophen“ unter Anführungs¬zeichen, dem es an der „rechten“ Art des Begehrens mangelt.

Wolfgang:
Das Leben ist mir am leichtesten, wenn es das Schwerste von mir verlangte. Wer mich in den siebzig Tagen dieses Herbstes gesehn hat, wo ich, ohne Unterbrechung, lauter Sachen ersten Ranges gemacht habe, die mir kein Mensch nachmacht — oder vormacht, mit einer Verantwortlichkeit für all die Jahrtausende nach mir, wird keinen Zug von Spannung an mir wahrgenommen haben, um so mehr eine überströmende Frische und Heiterkeit. Ich ass nie mit angenehmeren Gefühlen, ich schlief nie besser. — Ich kenne keine andere Art, mit grossen Aufgaben zu verkehren als das Spiel: dies ist, als Anzeichen der Grösse, eine wesentliche Voraussetzung. Der geringste Zwang, die düstre Miene, irgend ein harter Ton im Hals sind alles Einwände gegen einen Menschen, um wie viel mehr gegen sein Werk! … Man darf keine Nerven haben … Auch an der Einsamkeit leiden ist ein Einwand, — ich habe immer nur an der „Vielsamkeit“ gelitten … In einer absurd frühen Zeit, mit sieben Jahren, wusste ich bereits, dass mich kein menschliches Wort erreichen würde: hat man mich je darüber betrübt gesehn? — Ich habe heute noch die gleiche Leutseligkeit gegen Jedermann, ich bin selbst voller Auszeichnung für die Niedrigsten: in dem Allen ist nicht ein Gran von Hochmuth, von geheimer Verachtung. Wen ich verachte, der erräth, dass er von mir verachtet wird: ich empöre durch mein blosses Dasein Alles, was schlechtes Blut im Leibe hat … Meine Formel für die Grösse am Menschen ist, dass man Nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeiten nicht. Das Nothwendige nicht nur verhehlen, nicht nur ertragen — aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Nothwendigen —, sondern es lieben…

Corinna:
Soll das ganze Ausmaß der philosophischen Relevanz ermessen werden, die mit dem Problem asketischer Ideale zusammenhängt, dann genügt es für Nietzsche nicht, diese Frage nur auf die asketische Begehrensstruktur klassi¬scher Philosophen und Wissenschafter zu beziehen. Vielmehr muss man die Figur des asketischen Priesters in Analyse schicken, wenn man die Bedeutung dieser Frage für unser aller Leben wirklich verstehen möchte. Denn erst mit dieser paradoxen Figur „rücken wir dem Problem: was bedeutet das asketische Ideal? ernsthaft auf den Leib.“ Wird uns in ihr doch „das physiologische Ringen eines Menschen mit dem Tod“ vor Augen ge¬führt: „genauer: mit dem Überdrusse am Leben, mit der Ermüdung, mit dem Wunsche nach dem ‚Ende‘.“
Die lebensbedrohliche Gefahr, die für Nietzsche von der Lebensform asketischer Priester aus-geht, ist die, dass sich in diesem Sonderfall von Leben das Leben gegen sich selbst zu wenden beginnt, in dem es Wertschätzungen von sich kreiert, die ihm selbst nicht förderlich, sondern todfeind sind. „Dies ist Alles im höchsten Grade paradox: wir stehen hier nämlich vor einer Zwiespältigkeit, die sich selbst zwiespältig will, welche sich selbst in diesem Leiden geniesst und in dem Maasse sogar immer selbstgewisser und triumphierender wird, als ihre eigene Voraus¬setzung, die physiologische Lebensfähigkeit, abnimmt.“
Im Gegensatz zu anderen Lebensformen, denen an der Vermehrung von Freu¬de und Lebendigkeit gelegen ist, lebt diese Figur gerade von der Reduktion der potentia agendi lebender Körper. Nicht die Vermehrung von Lebenskraft und Wirkfähigkeit ist das Lebenselixier, in dem der asketische Priester am besten gedeiht; er findet vielmehr gerade dort seine günstigsten Bedingungen vor, wo das Leben in Men¬schen schwindet. Irgendein selbstdestruk¬tiver Todestrieb lässt diese Figur die Selbstzerstörung des Lebens insgesamt anstreben und jene dunkle Alchemie vollziehen, die schon Spinoza im Vorwort zu seinem Theologisch-politischen Traktat als geheime Basis tyran¬nischer Systeme beschrieben hatte, als er schrieb.
„Das große Geheimnis des monarchischen Systems und sein Hauptinteresse bestehen darin, die Menschen zu täuschen, indem sie die Furcht, mit der man sie im Zaum halten will, als Religion verkleiden; so dass sie für ihre Knechtschaft kämpfen, als handle es sich um ihr Heil.“ Ende des Zitats.
Worin aber kann das Interesse des Lebens selbst an einer solchen Lebensform liegen? Was will ein Wille, der sich gegen sich selbst wendet? Der sich selbst Todfeind geworden ist? Irgendein Interesse des Lebens muss es an diesem Ty¬pus von Lebewesen doch geben, das ihn über alle Kulturen und Stände hin¬weg regelmäßig zum Leben erweckt? „Erwägen wir doch, wie regelmäßig, wie allgemein, wie fast zu allen Zeiten der asketische Priester in die Erscheinung tritt; er gehört keiner einzelnen Rasse an; er gedeiht überall; er wächst aus allen Ständen heraus.“
Kann die Widernatur des Lebens, in der sich das Leben selbst Todfeind wird, selbst noch zur Definition von Leben gehören? Ist der real existierende Selbstwiderspruch, Leben gegen Leben, „[...] physiologisch nachgerechnet doch einfach Unsinn. Er kann nur scheinbar sein; er muss eine Zurechtmachung, ein psychologisches Missverständnis von Etwas sein, dessen eigentliche Natur lange nicht verstanden, lange nicht an sich bezeichnet werden konn¬te – ein blosses Wort, eingeklemmt in eine alte Lücke der menschlichen Erkenntnis.“
Hier taucht sie also wieder auf, die Forschungslücke der traditionellen Philo¬sophie, insofern sie in der Regel den schlafwandlerisch operierenden Appetit der Körper, samt ihren selbstdestruktiven Möglichkeiten, übersieht. Wenn es nämlich wahr ist, dass jedes Tier, auch „ein krankes Thier“, insgeheim nach dem Optimum der Bedingungen Ausschau hält, von denen es sich sein höchstes Glück verspricht, dann muss für Nietzsche in der Leibes-Tiefe solcher Menschen in der Tat „ein Res¬sentiment sonder Gleichen“ herrschen: „das eines ungesättigten Instinktes und Machtwillens, der Herr werden möchte, nicht über Etwas am Leben, sondern über das Leben selbst, über dessen tiefsten, stärksten, untersten Bedingungen; [...]“.

Wolfgang:
Ohne Zweifel, die Deutschen sind Idealisten. — Ich rede von ihrer Unzucht in historicis. Nicht nur, dass den deutschen Historikern der grosse Blick für den Gang, für die Werthe der Cultur gänzlich abhanden gekommen ist, sodass sie allesammt Hanswürste der Politik sind: […] Man muss vorerst „deutsch“ sein, „Rasse“ sein, [sagen sie], dann kann man über alle Werthe und Unwerthe in historicis entscheiden —„Deutsch“ ist [für sie] ein Argument, „Deutschland, Deutschland über Alles“ ein Princip, die Germanen sind die „sittliche Weltordnung“; im Verhältniss zum imperium romanum die Träger der Freiheit, im Verhältniss zum achtzehnten Jahrhundert die Wiederhersteller, die Wiederhersteller der Moral, des „kategorischen Imperativs“ … Es giebt eine reichsdeutsche Geschichtsschreibung, es giebt, fürchte ich, selbst eine antisemitische, — es giebt eine Hof-Geschichtsschreibung …
— Ich fühle es als meine Pflicht, den Deutschen einmal zu sagen, was sie Alles auf dem Gewissen haben. Alle grossen Cultur-Verbrechen von vier Jahrhunderten haben sie auf dem Gewissen! … Und immer aus dem gleichen Grunde, aus ihrer innerlichsten Feigheit vor der Realität, die auch eine Feigheit vor der Wahrheit ist, aus ihrer bei ihnen Instinkt gewordenen Unwahrhaftigkeit, aus „Idealismus“ … Sie haben Europa um die Ernte, um den Sinn der letzten grossen Zeit, der Renaissance-Zeit, gebracht, in einem Augenblicke, wo eine höhere Ordnung der Werthe […] zum Sieg gekommen war […] Luther, das Verhängniss von Mensch, hat die Kirche, hat das Christenthum wiederhergestellt, im Augenblicke, wo es unterlag … Das Christenthum, diese Religion gewordne Verneinung des Willens zum Leben! … Luther, ein unmöglicher Mönch, der, aus Gründen seiner „Unmöglichkeit“, die Kirche angriff und — folglich! — wiederherstellte … Ja, die Katholiken hätten doch Grund, Lutherfeste zu feiern, Lutherspiele zu dichten … Luther — und die „sittliche Wiedergeburt“! Zum Teufel mit aller Psychologie! — Ohne Zweifel, die Deutschen sind Idealisten. — Sie haben zwei Mal –– als eben mit ungeheurer Tapferkeit und Selbstüberwindung eine rechtschaffne, eine unzweideutige, eine vollkommen wissenschaftliche Denkweise erreicht war –– Schleichwege zum alten „Ideal“, Versöhnung zwischen Wahrheit und „Ideal“, im Grunde Formeln für ein Recht auf Ablehnung der Wissenschaft, für ein Recht auf Lüge zu finden gewusst. — Sie haben endlich, als auf der Brücke zwischen zwei décadence-Jahrhunderten eine force majeure von Genie und Wille sichtbar wurde, stark genug, aus Europa eine Einheit, eine politische und wirtschaftliche Einheit, zum Zwecke der Erdregierung zu schaffen, durch ihre „Freiheits-Kriege“ Europa um den Sinn, um das Wunder von Sinn in der Existenz Napoleon’s gebracht, — sie haben damit Alles, was kam, was heute da ist, auf dem Gewissen, diese culturwidrigste Krankheit und Unvernunft, den Nationalismus, die Verewigung der Kleinstaaterei Europa’s, der kleinen Politik: sie haben Europa um den Sinn, sie haben es um seinen Verstand — sie haben es in eine Sackgasse gebracht. — Weiss Jemand ausser mir einen Weg aus dieser Sackgasse?… Eine Aufgabe gross genug, die Völker wieder zu binden?…

Corinna:
Um von der hegemonialen Vormachtstellung eines Denkens loszukommen, das vornehmlich gegen den Affekt, und nicht „in affectus“denkt, muss man in Bezug auf das gängige Bild des Denkens offenkundig radi¬kal umlernen, indem man mit Nietzsche erkennt, dass „man noch den größten Theil des bewussten Denkens unter die Instinkt-Thätigkeiten rechnen muss, sogar im Falle des philosophischen Denkens;“, denn „das meiste bewusste Denken eines Philosophen ist durch seine Instinkte heimlich geführt und in bestimmte Bahnen gezwungen.“

Wolfgang:
Ich kenne mein Loos. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen, — an eine Krisis, wie es noch keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Collision, an eine Entscheidung heraufbeschworen gegen Alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit. — Und mit Alledem ist Nichts in mir von einem Religionsstifter — Religionen sind Pöbel-Affairen, ich habe nöthig, mir die Hände nach der Berührung mit religiösen Menschen zu waschen… Ich will keine „Gläubigen“, ich rede niemals zu Massen… Ich habe erschreckliche Angst, dass man mich eines Tags heilig spricht: Ich will kein Heiliger sein, lieber noch ein Hanswurst… Ja, vielleicht bin ich ein Hanswurst… Und trotzdem redet aus mir die Wahrheit. — Aber meine Wahrheit ist furchtbar: denn man hiess bisher die Lüge Wahrheit. — Umwerthung aller Werthe: das ist meine Formel für einen Akt höchster Selbstbesinnung der Menschheit, der in mir Fleisch und Genie geworden ist. Mein Loos will, dass ich der erste anständige Mensch sein muss … Ich erst habe die Wahrheit erkannt, dadurch, dass ich die Lüge als Lüge empfand — roch … Mein Genie liegt in meinen Nüstern … Ich widerspreche, wie noch nie widersprochen worden ist und bin trotzdem der Gegensatz eines neinsagenden Geistes. Ich bin ein froher Botschafter; erst von mir an giebt es wieder Hoffnungen. Und mit Alledem bin ich auch der Mensch des Verhängnisses. Denn wenn die Wahrheit mit der Lüge von Jahrtausenden in Kampf tritt, werden wir Erschütterungen haben, einen Krampf von Erdbeben, eine Versetzung von Berg und Thal, wie dergleichen nie geträumt worden ist. Der Begriff Politik ist dann gänzlich in einen Geisterkrieg aufgegangen, alle Machtgebilde der alten Gesellschaft sind in die Luft gesprengt: es wird Kriege geben, wie es noch keine auf Erden gegeben hat. Erst von mir an giebt es auf Erden grosse Politik. —

Corinna:
Für jene, die mit Nietzsche gelernt haben, Philosophen bei der Bestimmung ihres höchsten Guts zwischen die Zeilen und auf die Finger zu schauen, liegt offen zu Tage, dass auch den rationalen Überlegungen der Philosophen und ihrer systematischen Suche nach Vernunftgründen ein Subtext libidinöser Erwägun¬gen zugrunde liegt, die sie instinktiv dazu treiben, dem dominanten Instinkt ihres Begehrens denkerisch zum Ausdruck zu verhelfen.

Um ein wirkliches Gegenideal gegen asketische Wertschätzungen entstehen zu lassen, braucht es für Nietzsche daher, wie er in Jenseits von Gut und Böse schreibt, eine neue Gattung von Philosophen, die definitiv „irgend welchen an¬deren umgekehrten Geschmack und Hang haben als die bisherigen […]“. Künstlerphilosoph_innen, denen im Unterschied zu ihren Ahnen nicht mehr die Verwerfung der Sinnlichkeit, sondern ihre Nobilitierung am Herzen liegt und die daher bereit sind, die obskuren Zonen ihrer oft schlaf¬wandlerisch operierenden Körper aufzusuchen und zu kultivieren. Dieses neue Geschlecht von Künstlerphilosoph_innen, das Nietzsche, wie er in Jenseits von Gut und Böse schreibt, schon kommen sieht, wird das Denken definitiv nicht mehr als Befreiung von der Sinnlichkeit definieren, sondern als Form der In¬tensivierung und leiblichen Nobilitierung unseres Begehrens.

Friedrich Nietzsche, Nachlass, Kritische Studienausgabe Bd. 12, Herbst 1885-Herbst 1886, S. 119:
„Die Welt ist ein sich selbst gebärendes Kunstwerk – – Ist die Kunst eine Folge des Ungenügens am Wirklichen? Oder ein Ausdruck der Dankbarkeit über genossenes Glück?“



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Led by Arno Böhler, the PEEK-Projekt „Artist Philosophers. Philosophy AS Arts-Based-Research“ [AR275-G21] is funded by the Austrian Science Fund (FWF) as part of the programme for artistic development and investigation (PEEK). Research location: University of Applied Arts Vienna. Brought about in national and international cooperation with: Jens Badura (HdK Zürich), Laura Cull (University of Surrey), Susanne Valerie Granzer (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien/Max Reinhardt Seminar), Walter Heun (Tanzquartier Wien), Alice Lagaay (Zeppelin Universität Friedrichshafen). Postdoc: Elisabeth Schäfer (University of Applied Arts Vienna). The lecture series was produced in collaboration with: Institut für Philosophie Universität Wien, University of Applied Arts Vienna [Arno Böhler] and Institut für Theater- Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien [Krassimira Kruschkova].

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