SCORES No 10 // PHILOSOPHY ON STAGE #4. NIETZSCHE ET CETERA.

COMMENTS

please comment on our research festival

Thinking depends on forces which take hold of thought //
Das Denken hängt ab von den Kräften, die sich seiner bemächtigen.
(Deleuze, Nietzsche und die Philosophie)


(c) by esel.at [fotos # 1-6] (c) by peter stamer [foto #7] (c) elisabeth schäfer [foto #8]

From 26th-29th November 2015 in Halle G and the Studios of Tanzquartier Wien, the PEEK-Project “Artist Philosophers. Philosophy AS Arts-Based-Research” and Tanzquartier Wien were joining forces to investigate emerging interdisciplinary connections between philosophy and the arts.
Over the course of four days, more than 60 philosophers and artists came together to explore whether the arts in connection with philosophy can constitute a laboratory for the future.

your comments and thoughts

Thank you for your comments and thoughts on our festival-corpus – we invite you to leave them directly on our website:

5 Responses to COMMENTS

  1. Eva-Maria Aigner says:

    Lieber Arno,
    wir hatten am 2. Dezember ein Tutorium mit offener Diskussion zum Festival. Ein paar Eindrücke von unserem Treffen:

    Wie in den letzten Sitzungen waren bis zu 30 Leute da, es gab eine schöne Schwingung und viel Gesprächsbedarf, auch eine gewisse Vertrautheit zwischen den Studierenden, stärker als vor dem Festival.

    Zunächst wieder sehr viel Lob und Dank an die Organisation, was ich gerne weitergebe! Eine Studentin sagte, dass im Laufe der gesamten Veranstaltung eine ganz besondere, verdichtete Stimmung entstanden sei, die sie immer
    noch mit sich trägt und die weiter in ihr nachhallt.

    Sehr viel wurde über das Raumkonzept gesprochen, der Raum wurde als sehr einladend und dynamisch erlebt (einige Studierende haben aus den Kuben eigene Sitzkonstruktionen gebaut und den Raum selbst verändert). Auch die Möglichkeit, selbstständig eine andere Perspektive auf das Geschehen wählen zu können, wurde sehr positiv erlebt – in dem Zusammenhang wurde auch von Barbara gesprochen, die es als erste geschafft hat, den Raum
    vollständig umzudrehen und in Bewegung zu versetzen. Es wurde auch thematisiert, dass die Universität den Studierenden sonst sehr wenig (Bewegungs)raum gewährt, während die Veranstaltung als sehr gastfreundlich
    und Raum-öffnend erlebt wurde, ich hatte den Eindruck, das war für viele eine wichtige Erfahrung.

    Wichtig fand ich auch, dass es eine angeregte Diskussion darüber gab, wie man die Impulse und Eindrücke nutzen kann, um eigene Aktionen im als zu eng erlebten akademischen Diskurs zu setzen und Verschiebungen zu
    bewirken. Es war eine große Begeisterung dafür zu spüren, dass das Erlebte Auswirkungen auf die eigene philosophische Praxis haben muss. In dem Zusammenhang haben wir auch nochmals auf Manning/Massumi verwiesen (Erfolg der Veranstaltung=Bewegung erzeugen, Bewegungsimpulse weitergeben) und Ideen zu konkreten Handlungsmöglichkeiten angesprochen (auch im Sinne von sublin/mes: philosophiert von unten, turn IT on!).

    Oft im Raum stand die Frage nach dem Entstehungsprozess verschiedener Performances, wie z.B. Mersch/Gansterer. Bei Ofczarek und Aljafari/Noeth/Granzer kam auch die Frage nach der Autorenschaft des vorgetragenen Textes (ich fand es interessant, dass das doch zu einem wichtigen Thema wurde). Angesprochen
    wurde in dem Kontext auch der Kontrast zwischen Einar Schleef und Wolfgang Michaels Lesung sowie die Entwicklung, die Graham und Helen Parkes’ Performance seit der ersten Präsentation in der Ringvorlesung genommen hat. Sublin/mes und Tanja fanden auch eine gute Resonanz (kleine Enttäuschung
    darüber, dass es am Sonntag keine Lesung mehr gab).

    Außerdem haben wir über die Auswirkungen der Schlaflosigkeit und der Erschöpfung diskutiert (wie haben sich Gespräche und Aufnahme der Performances verändert, Abbau von körperlichen Hemmungen wie z.B. die
    Feldbetten zu nutzen, sich im Raum zu bewegen, mitzutanzen). Ich habe das Thema des Fragmentarischen angesprochen, das in vielen Performances anwesend war (v.a. im Zusammenhang mit Manoras Schrift – da ging es um den Impuls, das ergatterte Schriftfragment wieder in seinen “ursprünglichen” Kontext zu stellen, was unmöglich war).

    Kritisch bemerkt wurde, dass in manchen Performances der Dialog von Kunst und Philosophie noch nicht weit genug entwickelt war, u.a. gab es Uneinigkeit über Puchners Lecture.

    Besonders schön fand ich die Aussagen “Die Pausen waren etwas zu lange” und “Schade, dass es am Sonntag dann so schnell vorbei war” :)

    Alles Liebe,
    Eva-Maria

  2. Sandra Yvonne Freregger says:

    Lieber Herr Universitätsdozent,

    vielen Dank nochmals für die Vermittlung einer Eintrittskarte zu „Philosophy on Stage“. So durfte ich dieses Forschungsfestival miterleben – ich ging jedes Mal inspiriert und beschwingt nachhause.

    Wenn das Leben, wie Nietzsche in §586 von „Menschliches, Allzumenschliches“ schreibt, aus „seltenen einzelnen Momenten von höchster Bedeutsamkeit und aus unzählig vielen Intervallen“ besteht, dann erlebte ich an jenen Novembertagen Momente, die mich berührten und „ganz zum Herzen“ redeten. Die „Schattenbilder jener Momente umweben“ mich bis heute.

    Es waren auch Momente dabei, die tatsächlich etwas Neues, Unerwartetes als Funken in mir aufblitzen ließen. Glückte hier vielleicht eine Art „Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“?

  3. Bernadette Anzengruber says:

    Grundsätzlich wollte ich sagen, dass ich mich als Künstlerin unglaublich gut betreut gefühlt habe durch den ganzen Vorbereitungsprozess und auch am Event selbst. Das Tanzquartier war natürlich auch ein toller Ort, als Setting aber auch von der technischen Betreuung, was ja immer wichtig ist, damit die Dinge am Ende so aussehen, wie sie sollen.

    Besonders toll fand ich, dass es einen gemeinsamen Prozess gab, sich dem Thema Nietzsche anzunähern – die großen Treffen vorab und den Lesekreis.
    Ich habe, glaube ich, auch mal angesprochen, dass ich es mittlerweile als Künstlerin sehr problematisch finde, permanent in der Situation zu sein, zu kuratorischen Projekten brandneue Arbeiten zu liefern, die sich mit einem bestimmten Thema, das manchmal sogar wenig mit der eigenen Praxis zu tun hat, auseinandersetzen. Man ist in diesen Prozessen meist sehr auf sich gestellt und es gibt nur wenig Austausch.
    Da war Philosophy On Stage ein sehr vorzeigewürdiges Gegenbeispiel – der Fokus war für mich nicht nur auf den Outcome gerichtet, sondern auf auch sehr stark auf den gemeinsamen Prozess und es war denke ich vielmehr eine gegenseitige Bereicherung als nur das Hinarbeiten auf eine große Präsentation und ich habe mir auch selbst sehr viel von den Treffen mitnehmen können – das ist für mich eigentlich der forscherische Ansatz, der hier gut ins Rollen gebracht wurde und ich würde eine solche Arbeitsweise sehr gerne viel öfter sehen! Ich fände es sehr spannend, wenn für ein zukünftiges Event der gemeinsame Prozess noch ausgeweitet werden könnte, dafür gibt es sicherlich unterschiedliche Möglichkeiten wie Zwischenpräsentationen, das Entstehen von kollaborativen Projekte etc.

    Zum Event selbst:
    Ich fand es schade, dass ich nicht alle Beiträge sehen konnte bzw. sind mir einige Beiträge entgangen, die ich sehr gerne gesehen hätte, da die Tage einfach zu lange für mich waren. Ich weiß nicht, ob es eine Überlegung wäre, parallel Veranstaltungen laufen zu lassen und auch kürzere Pausen zu machen. Dann könnte man sich das individuelle Programm besser zusammenstellen, Dinge auslassen, die einen weniger interessieren und stattdessen zu einem anderen Beitrag hinzustoßen oder eigene Pausen legen …
    Die viel kritisierte Bühnenarchitektur fand ich persönlich sehr gut, weil ich sie viel stärker von der praktischen Seite betrachtet habe – es gab unterschiedliche Ebenen, die den Raum multifunktional gemacht haben und die unterschiedliche Perspektiven ermöglicht haben, auch Gleichzeitigkeiten. Es war trotz dunkler und tageslichtferner Situation ein Raum, in dem man sich konzentrieren, ausruhen, aufhalten, bequem sitzen konnte über längere Zeit – was wirklich eine große Herausforderung ist! Vor allem fand ich es gut, dass es keine zentrale Bühne gegeben hat und sich somit die Situation von Performer_innen und Publikum immer wieder durchmischt hat.

    ganz allgemein:
    ich finde Philosophy on Stage ein mutiges Event, vor allem auch seitens der Personen, die sich letztlich auf die Bühne wagen – weil ich glaube, dass sich beide Seiten, die Theorie wie auch die bildende/darstellende Kunst auf ein Terrain wagen, dass ihnen nicht alltäglich vertraut ist. In einigen der Beiträgen ist das für mich total gut aufgegangen (Peter Stamer zum Beispiel), in anderen weniger. Ich habe mir noch längere Tage Gedanken darüber gemacht und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich es eigentlich total spannend fände, wenn es verstärkt Kollaborationen gäbe, in denen Philosoph_innen und Künstler_innen gemeinsam an einzelnen Stagings arbeiten würden, es also in kleinen Gruppen einen gemeinsamen Arbeitsprozess gäbe zu einzelnen kollaborativen Performances. Das ist teilweise passiert, könnte aber ruhig viel mehr sein. Dabei könnte man, denke ich, sehr in die Tiefe gehen.
    Ich wollte hierfür noch einen Beitrag als Beispiel herausgreifen, weil er mich sehr stark an eine Szene für ein Bühnenstück erinnert hat, das ich selbst im Kollektiv vor sehr vielen Jahren gemacht habe und er mich wahrscheinlich deshalb beschäftigt hat. Wir sind damals vor ähnlichen Problemen gestanden, wie ich sie an dem Wochenende auf der Bühne gesehen habe.Und zwar geht es um die Podiumsdiskussion zwischen den toten Philosophen: ich fand den Moment spannend, als Nietzsche Probleme hatte, sich als er selbst zu erkennen, ich fand Spinoza spannend, weil er sehr pointiert ein Charakter war. Generell fand ich aber, dass die Diskussion daran verloren hat, dass die Personen sehr beschäftigt waren, in der Rolle einer anderen Person zu argumentieren. Das hat die inhaltliche Ebene ein wenig ausgedünnt und das Format der Podiumsdiskussion ist nicht befragt worden in seiner Form und Bedeutung an sich. Man hätte hier viel weiter gehen können, dafür ist die Improvisation aber wahrscheinlich das falsche Format und es hätte jemanden gebraucht, der von der praktischen, visuellen, dramaturgischen Seite her mitmischt. Daher der Gedanke zu den kollaborativen POS Beiträgen für eine eventuelle Zukunft. Wir selbst wollten damals als Kollektiv in einer Szene unsere Arbeitsweise offenlegen innerhalb des Stücks und somit den Arbeitsprozess selbst auf die Bühne holen. Unsere Idee war – eine Podiumsdiskussion – gescriptet und vorbereitet. Beim Schreiben ist uns klar geworden, dass das Material sehr didaktisch und wenig interessant war. Letztlich haben wir uns zu einer Band-Szene entschieden, in der wir einen philosophischen Text geschrieben haben, der die Fragestellungen des Arbeitsprozesses auf eine andere Ebene gehoben hat, dazu Musik, ein rhythmisches Sprechen des Textes im Sinne eines Songs, teilweise chorisch und eine reduzierte Choreografie zusammengestellt aus Bewegungen, die ungewollt oder unbeachtet während einer Diskussionsrunde passieren (Beine überschlagen, Textkärtchen wechseln etc.)…

    Thank you so much and looking forward what the future will bring!

  4. Nikolaus Gansterer says:

    ihr lieben – danke fuer diese intensiven erfahrungen – die ihr durch eurer wirken und organisieren ermoeglicht.
    ich bewundere die ruhe die gelassenheit die ihr die ganze zeit (trotz alldem stress….der da wohl auch wo war ..) ausgestrahlt habt!

    ciao und alles liebe*

  5. Karlheinz Essl says:

    Ihr Lieben,

    es war ein wunderbarer Abend bei euch, für den ich mich herzlich bedanken möchte. Ich bin froh, dass ich unsere Nietzsche-Performance in Bild und Ton aufnehmen ließ, um sie so der Vergessenheit zu entreissen ;-) Aus diesem Material habe ich während einer langen Zugsfahrt ein 12-minütiges Video mit dem Anfang unserer Performance gebaut:

    https://www.youtube.com/watch?v=fmYNcfp2J0E

    Könnt Ihr gerne weiterschicken, verlinken etc.

    Die Tonaufnahme habe ich editiert und klanglich optimiert. Kann sie euch bei Interesse gerne schicken.

    Hoffentlich ist alles bis zum Schluss noch gut gelaufen! Jetzt müsst ihr euch erstmal erholen…

    Ganz herzliche Grüße,
    Karlheinz