Karl Kraus und der Sozialismus

Es ist unmöglich, Karl Kraus gegenüber neutral zu sein. Auch heute noch, 40 Jahre nach dem Tod des großen Satirikers und Moralisten, ist der Streit um ihn nicht verstummt. Dieses Buch greift in den Streit ein; es gilt der widerspruchsvollen politischen Rolle, die Karl Kraus im Laufe seines Lebens gespielt hat. Karl Kraus war ein Bürgerlicher, der die bürgerliche Gesellschaft einer vernichtenden Kritik unterwarf; er stand zeitweilig in engster Verbindung mit der sozialistischen Arbeiterbewegung, hat aber auch sie nicht mit seiner Kritik verschont. Es gibt also keine schnelle, glatte Antwort auf die Frage, ob er für oder gegen den Sozialismus gewesen sei. Er war ein Einzelgänger, eine »Partei für sich«. Der Politologe Alfred Pfabigan hat eine politische Biographie geschrieben. Er analysiert die wechselvolle Entwicklung von Karl Kraus, dessen Kampf gegen die Korruption, den Krieg, die Heuchlerei, den »Übermut der Ämter«, das soziale Unrecht; er zeigt, wie für Karl Kraus das Allgemeine stets nur im Besonderen erkennbar war, und demonstriert Stärke und Schwäche dieser personalistischen Betrachtungsweise.

Norbert Leser über dieses Buch: »Pfabigan hat mehr geleistet als nur noch eine Arbeit mehr auf einem schon stark zerpflügten Feld: Er untersucht Karl Kraus wohl im Hinblick auf eine spezifische, zunächst durchaus speziell anmutende Problematik. Bei näherem Zusehen aber stellt sich heraus, dass die Darstellung des Verhältnisses von Karl Kraus zum Sozialismus unversehens zu einem viel vollständigeren Bild seiner Persönlichkeit und seines Werkes gerät... Gerade im Fall von Karl Kraus ist die Stellung zum Sozialismus, der sich in seiner Lebenszeit als heraufziehende Kraft und als Alternative zur bestehenden Gesellschaft entwickelte, der Prüfstein des eigenen Anspruches und die eigentliche Herausforderung an ihn.« (beide: Klappentext)

 

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