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| Die Geschichte der Schrift |
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Lochstab |
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Vorsichtig zog er sich in das Dickicht zurück, das ihn vor der Aufmerksamkeit der Wisentherde schützte. Dann wandte er sich ab und im zügigem Trott ging es zum Lager des Stammes. Gut, dass er ein Rindenstück bei sich hatte. Für jeden Bullen hatte er eine große Kerbe eingeritzt, für Muttertiere eine kürzere und für die Kälber eine ganz kleine. Im Lager berichtete er, ob in wohlgesetzten Worten oder mit gutturalen Lauten, sei dahingestellt. Die Anderen betrachteten das Rindenstück und jeder erkannte, wie groß die Herde war. Sie kannten die Gegend, wussten von der kleinen Schlucht und die Natur hatte ihnen vor vielen Sommern gezeigt wie mit Feuer eine so große Aufgabe zu erledigen war. Es wurde eine erfolgreiche Jagd! Viele Tiere fanden vor dem Feuer flüchtend, ihr Ende in der schmalen Schlucht. So viele, dass der Nachbarstamm zu einem Fest eingeladen wurde. Es war immer gut, Freunde zu haben und zu teilen in Zeiten der Fülle. Am Abend vor dem Lagerfeuer ging das Rindenstück von Hand zu Hand. Die Gäste konnten sich davon überzeugen wie groß die Herde war, wie reich die Beute sein musste. So oder ähnlich wird es sich wohl abgespielt haben, als zum ersten mal eingeritzte Zeichen zum Träger und Archiv von Informationen wurden. Die Zeichen sind komplizierter geworden, ihre Inhalte auch. Die Schrift war entstanden. |
| Länge 16.5 cm |
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Unter Schrift verstehen wir heute ein System aus Zeichen und Symbolen, das zur Weitergabe und Archivierung von Informationen dient. Schon sehr früh dürfte man auf Ritzzeichen in Steinen oder Kerben in Hölzern zurückgegriffen haben, um zu kennzeichnen oder nur um Wissen aufzubewahren. Die ältesten Kerb- und Zählzeichen, die man auf Steinen, Hölzern oder Knochen gefunden hat lassen sich bis weit 30.000 v.Chr. datieren. Besitz dürfte dem frühen Menschen schon sehr wichtig gewesen sein, denn Zahl- und Besitzzeichen zählen zu den ältesten archaischen Fundstücken. Zentren der frühen Schriftentwicklung lagen in Südosteuropa, Ägypten, Mesopotamien, dem Industal und in China. |
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Zu den ältesten Fundstücken eines nachweisbaren Schriftsystems zählen die Tontafeln von Tartaria ( ca. 5500 v.Chr.) im rumänischen Transsylvanien. Die altägyptischen Hieroglyphen und die sumerische Keilschrift sind die nächste Stufe auf der Entwicklungsleiter (< 3300 - 2600 v.Chr.) der Geschichte. Die Linear A ( Kreta) und Linear B (mykenisch - griechisch) folgen um ca. 2500 v.Chr. nach. Reger Handel sorgt für eine weite Verbreitung der einzelnen Schriften und zur Entstehung regionaler Formen. Altsemitische Inschriften aus Bylos (1750 v.Chr.) zählen zu den ältesten Funden unserer Mutterschrift. Die um 1300 v.Chr. entstandene Inschrift auf einem Sarkophag ebenfalls aus Bylos zeugt von einem 22 Buchstaben umfassenden phönizisch - altsemitischen Alphabet. |
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Keilschrift |
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300 Jahre später, um 1000 v.Chr. gelangt die chinesische Schrift zur vollen Ausbildung. Um 600 v.Chr. findet die phönizische Schrift auf Umwegen über Griechenland zu den Etruskern und Latinern, die daraus die lateinische Schrift entwickeln. Diese Schrift( 100 n.Chr), die CAPITALIS MONUMENTALIS (sie beinhaltet schon die römischen Zahlen), die sich an Quadrat, Kreis, und Dreieck hält, spaltet sich in mehrere Varianten auf. Die Capitalis quadrata (wird hauptsächlich auf Pergament geschrieben), die Capitalis rustica (als Schnellschrift) und in die Cursiva (wird als Verkehrsschrift benutzt). Um 300 n.Chr. entsteht die hauptsächlich mit der breitgeschnittenen Rohrfeder geschriebene Uncialis (Unziale), sie rundet die üblichen geraden Buchstaben und wird von den Christen übernommen, welche sie über Jahrhunderte als Buchschrift verwenden. Fast gleichzeitig entsteht die Halbunziale und auch die Schreibschrift entwickelt sich weiter. In der Cursiva bilden sich immer mehr die Ober- und Unterlängen aus. |
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Etwa um 350 n.Chr. übersetzt Wulfila (Ulfilas) die Bibel ins gotische und begründet damit das germanische Schrifttum, während in China die chinesische Normalschrift entsteht. An der Schwelle zum 9.Jahrhundert entwickelt Abt Alkuin von York in Tours die karolingische Minuskel. Diese verband die bestehenden Schriften zu einer neuen Form, der ersten echten Minuskelschrift. Auch das Wissen um Papier gelangt über die Seidenstraße aus China nach Europa. In China gab es um diese Zeit ( 870 n.Chr.) schon ein erstes gedrucktes Buch und 100 Jahre später ist die chinesische Enzyklopädie (1000 Bücher) fertiggestellt. Im Europa der nächsten Jahrhunderte entsteht die Textura als hochentwickelte Form der Buchschrift zusammen mit der Rotunda, sowie etliche Bastarda Schriften. Um 1350 halten die arabischen Ziffern in Europa Einzug und werden lange Zeit, wegen der Null, verteufelt. Ende des 14. Jahrhunderts gibt es in Deutschland schon eine eigene Papierfabrikation. Mit der beginnenden Renaissance und ihrer Rückbesinnung auf die Antike entstehen wieder neue Formprinzipien. Die neue Schreibschrift, die humanistische Minuskel brachte die damalige Geisteshaltung zum Ausdruck. Die Erfindung des mechanischen Buchdrucks um 1450 durch Johannes Gutenberg aus Maiz sorgte für eine tiefgreifende Veränderung in der Geschichte der Schrift. Es entstand eine Schrifttechnologie, welche die europäische Zivilisation nachhaltig veränderte. |
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Die um 1500 entstehende Fraktur sorgte in Folge für einen Schriftenstreit, der sich bis in die jüngste Zeit zog. Den Fraktur- standen die Antiquabefürworter entgegen. Als Schreibschrift wurde die Fraktur bald von der deutschen Kanzleischrift abgelöst. Die Buchstabenformen werden nun von Typographen gestaltet und es entsteht eine Vielzahl von Alphabeten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen sich drei Richtungen der Typographie gegenüber. Die traditionelle Buchtypographie mit Fraktur und Antiqua, die kunstgewerbliche Gebrauchs- und Akzidenztypographie mit der Egyptienne und die moderne Typographie mit der Grotesken, welche in Paul Renners Futura einen Höhepunkt fand. 1938 erfand Konrad Zuse einen mechanischen Rechner mit binärem Zahlensystem - der erste Computer der Geschichte. 1980 kommt es zum totalen Durchbruch der neuen Schriftsatzsysteme. Mit dem World Wide Web entstehen Pixelschriften und Matthew Carter gestaltet mit der Verdana eine Schrift, die eigens für das Lesen am Bildschirm gestaltet wurde. Bis zum Jahr 2000 explodiert die Anzahl an Fonts. Die Schriftgestaltung aber verkümmert so bleibt die Antiqua der Renaissance die Verkehrsschrift der westlichen Welt. |
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| Verdana |
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