Entwicklungslinien der Motivationsforschung
ÜBERBLICK
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Um 1900:
"Motiv" = Begründung, die man sich bei einer Willensentscheidung
zueigen macht.
Motivationsprobleme beziehen sich auf
a) den Willensakt (Entscheidung, Wahl) und
b) die Willenshandlung (willentliche Steuerung des Handelns).
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1936:
P. T. Young´s "Motivation and Behavior" = erstes Buch,
das "Motivation" im Titel trug.
Bedürfnisse und Tendenzen bestimmen – je nach
Maßgabe – das Verhalten.
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20 Jahre später:
Darstellungen, Monographien, Überblicke und Handbücher
drängen sich immer dichter aufeinander.
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Gegenwärtig
ist die Motivationsforschung immer noch weit davon
entfernt, in ihren Fragestellungen, Variablen, Methoden und Theorien
ein einheitliches Forschungsfeld zu sein.
Unsere VISION:
Entwirrung der einzelnen Problemstränge, die in der gegenwärtigen
Forschung zu erkennen sind, in ihrer geschichtlichen Entwicklung
Die Generation der Pioniere

3 maßgebende Überzeugungen
verwandelten die alte Willenspsychologie des Menschen in eine Motivationspsychologie
mit individuellen Dispositionsunterschieden:
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Bestehen einer graduellen
Übergangsreihe zwischen den einzelnen Tierarten und dem Menschen
® Erklärungen
für tierisches Verhalten müssen auch eine gewisse Gültigkeit
für menschliches Verhalten haben
a) William McDougall:
machte Instinkte zum hauptsächlichen Erklärungs-
begriff (instinkttheoretischer
Strang der Mf)
b) Siegmund Freud: führte
das Verhalten neurotischer Patienten auf eine
verborgene Triebdynamik zurück
(persönlichkeitstheoretischer Strang
der Mf)
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Langfristig gesehen ®
nur Fortpflanzung solcher Lebewesen, die sich – aufgrund ihrer Ausstattung
– den jeweiligen Umweltbedingungen anpassen Þ
Intelligenz, die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen, muss
in hohem Maße eine arterhaltende Funktion besitzen
Edward Lee Thorndike
und Iwan Petrowitsch Pawlow – Änderung von Reiz-Reaktions-Assoziationen
(assoziationstheoretischer Strang der Mf)
a) Thorndike: Reaktionen werden
durch andere, erfolgreichere ersetzt
b) Pawlow: Klassisches Konditionieren
– die ursprünglich reaktionsaus-
lösenden Reize werden
durch andere, ehemals neutrale Reize ersetzt
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Besonderheiten in Körperbau
und Verhalten, die einen Vorteil bei der natürlichen Auslese verschaffen
® individuelle
Unterschiede Þ
diagnostische Erfassung; in den 30-er Jahren ®
Eingang in den persönlichkeitstheoretischen Strang der Mf
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Trias der psychologischen
Sachverhalte seit Platon und Aristoteles:
Kognition – Emotion – Motivation
(= Erkennen – Fühlen – Wollen)
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David Hume: versuchte, das
Wollen zum Verschwinden zu bringen ®
alle seelischen Vorgänge sind auf Wahrnehmungen und auf Vorstellungen
sowie Assoziation zurückzuführen
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Heterogenetische Willenstheorien
® Gefühlstheorien
des Willens oder Vorstellungs-, Empfindungs- oder intellektualistische
Theorien (je nach vermuteter Quelle); Bestreben, den Willen rein introspektionistisch
zu bestimmen
Die intellektualistische
Theorie von Ernst Meumann:
Wille = Verlauf intellektueller
Vorgänge, durch die sich unsere Zustim-mung in Handlung umsetzt und
das intellektuelle Seelenleben auf die Umgebung heraustritt
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Autogenetische Willenstheorie
von Wilhelm Wundt ®
Prozesse der Informationsverarbeitung sind von Willenshandlungen geleitet;
Willensvorgang = eigenständige Synthese aus vorangehenden Affekten,
die sich ursprünglich in äußere pantomimische Ausdrucksbewegungen
auflösten – hinzu treten noch Verbindungen von Vorstellungen und Gefühlen
("Motive")
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Vorstellung, Erscheinungen des
höheren Seelenlebens experimentell anzugehen, fiel lange Zeit
schwer ®
Phänomene des Wollens deshalb lange bloss beschrieben ®
erste Ansätze einer experimentellen Willens-
forschung: volitionstheoretische
Auffassung verschiedener Handlungsab-
läufe, Willensakt experimentell
induzieren
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Erstes volitionspsychologisches
Experiment von Ludwig Lange (1888):
trug seinen Vp auf, die Aufmerksamkeit
entweder auf den Reiz oder auf die motorische Reaktion zu richten; entdeckte,
dass die Reaktionszeit kürzer ist, wenn Aufmerksamkeit auf die motorische
Reaktion und nicht auf den Reiz gerichtet wird ("sensorielle" und
"muskuläre" Reaktion)
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Erkenntnis der Würzburger
Schule: Denkverläufe bleiben über weite Strecken unanschaulich,
müssen aber dennoch geordnet verlaufen, weil die Lösung
des gestellten Problems unvermittelt auftaucht.
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"Determinierende Tendenz" von
Narziß Ach: bei Denk- als auch bei motorischen Aufgaben ®
"determinierende Tendenzen" am Werk, d.s. Tendenzen zur Realisierung
der intendierenden Zielvorstellung ohne bewusst zu werden
Bedeutung für die Messung
der Willensstärke: Konkurrieren einer willentlichen Tendenz (die
Instruktion auszuführen) mit einer Ausführungsgewohnheit (habit)
® setzt
sich die determinierende Tendenz durch, so ist die Willenstärke größer
als die vorher erzeugte Assoziations-
stärke
Ach: befasste sich ausschließlich
mit Volitionsproblemen
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Ansatz der Löwener Schule:
Albert Michotte ®
provozierte den Willensakt nicht nachträglich, sonder brachte ihn
"frisch hervor": zwar auch Anweisung des Vl zu realisieren; offen
war jedoch, welche von zwei möglichen Ausführungsmöglichkeiten
man wählen sollte Þ
Introspektion über die 4-5 sec der Wahlentscheidung ®
gewisse Regelmäßigkeit in der Abfolge von Phasen erkennbar:
Hemmung oder Pause vor der Entscheidung, Lösung der Erwartungs- und
Muskelspannung danach
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HEUTE: Wirksamkeiten der "determinierenden
Tendenz" und der volitionstheoretische Teil der Würzburger Schule
sind wieder in das Programm der psycholgischen Forschung aufgenommen worden!
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William James: Instinkt
® auslösende
Reizbedingungen führen aufgrund vorgegebener nervöser Strukturen
im Lebewesen zu einem automatischen Verhaltensablauf, der weder vorheriges
Lernen voraussetzt noch die Voraussicht eines zu erreichenden Zielzustandes
zum Inhalt hat.
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Wilhelm Wundt: brachte
Instinkt eng mit Trieb und diesen mit zielgerichte-
tem Verhalten zusammen und
führt Instinkthandlungen auf frühere Willens-
handlungen zurück, die
sich inzwischen mechanisiert haben
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William McDougall:
in Auseinandersetzung mit Wundt und James ®
Verwurf der Hemmung eines der konkurrierenden Motive als Prinzip der Willensentscheidung
zugunsten der Verstärkung eines der beiden Motive durch einen hinzukommenden
Impuls, der der Selbstachtung entstammt
Instinkte ("Neigungen)"
= angeboren, haben eine antreibende und steuernde Funktion, enthalten in
geordneter Abfolge prädisponierte Prozesse der Wahrnehmungsverarbeitung,
der emotionalen Erregung und der motorischen Handlungsbereitschaft
McDougall: Vorläufer
der Ethologie
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Konrad Lorenz: grenzte
das Instinktverhalten auf eine ererbte Bewegungs-
koordination ein; für
bestimmte Instinkthandlungen (zB das Nachfolgever-
halten junger Graugänse)
können während kurzer sensibler Phasen beliebige Objekte zu auslösenden
Schlüsselreizen werden – bleiben solche Schlüsselreize
über längere Zeit aus ®
Instinkt-Verhaltensfolgen rollen auch ohne äußere Reizauslösung
ab ("Leerlaufhandlung")
Lorenz nimmt für
jeden Instinkt eine handlungsspezifische Energie an; diese bildet sich
ständig neu und füllt ein Reservoir an; liegt die Ausführung
eines Instinkts längere Zeit zurück, kommt es – ohne äußere
Schlüssel-
reize – zum Überlaufen,
d.h. zum Ablaufen der betreffenden Instinkthandlung (Leerlaufhandlung)
instinkttheoretische Auffassung
der Agression: ständige Produkion einer Art agressiver Energie
im Organismus; diese staut sich gefährlich an, wenn keine Gelegenheit
gegeben wird, sie in harmlosen Ersatzaktivitäten abzubauen
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Probleme werden ausschließlich
humanpsychologisch angegangen ®
Motivation = wichtiger Schlüsselbereich zur Beschreibung und
zum tieferen Verstehen von Persönlichkeit schlechthin oder von Unterschieden
zwischen Individuen
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Siegmund Freud: analysierte
Hysterien und anderen Neurosen mittels Hypnose, Traumdeutung, der freien
Assoziation und vor allem scharf-
sinnig-schlussfolgernden Spekulationen,
um die Wirksamkeit unbewusster Prozesse zu erfassen; war überzeugt,
dass verborgene, nicht-bewusste Prozesse das Handeln lenken
und Bewusstseinsinhalte beeinflussen; sah im "Unbewussten" Triebe
in einer hin- und hergewogenen Konfliktdynamik am Werk
Freuds Motivationstheorie
= Triebreduktionsmodel: Lust-Unlust-Prinzip, d.h. der Organismus
ist umso mehr im Gleichgewicht, je niedriger der ange-staute Triebreizpegel
ist; jede Verminderung ist von Lustgefühlen, jede Erhöhung von
Unlustgefühlen begleitet
4 Aspekte an jedem Triebgeschehen:
- Drange eines Triebes:
motorisches Moment, das repräsentiert wird
- Ziel eines Triebes:
die Befriedigung (Aufhebung des Reizzustandes)
- Objekt eines Triebes:
dasjenige, an welchem oder durch welches der
Trieb sein Ziel erreichen kann
- Quelle eines Triebes:
Vorgang in einem Organ oder Körperteil, dessen
Reiz im Seelenleben durch den
Trieb repräsentiert wird
Weitere wichtige Punkte:
1) Seelenleben ®
drei stockwerkartige Instanzen; der Lustsuche ("Es")
steht eine moralische Kontrolle
("Über-Ich") gegenüber, und zwischen
beiden sucht eine Instanz zur
Realitätsanpassung ("Ich") ständig zu
vermitteln und Kompromisse
herzustellen
2) Erwachsene Persönlichkeit
= Ergebnis von Triebschicksalen während
der Kindheit; frühere
Störungen haben Nachwirkungen ®
können die
Arbeits- und Liebesfähigkeit
eines Menschen schwer beeinträchtigen
3) Inganghaltung der
Triebentwicklung wie in einem dramatischen Drei-
Personen-Stück, das ein
verheiratetes Paar und einen aussenstehenden
Liebhaber umfasst; "Ödipuskomplex":
Kind, das zum gegengeschlecht-
lichen Elternteil sexuelle
Beziehungen aufnehmen möchte und sich dabei
vom gleichgeschlechtlichen
Elternteil bedroht sieht
Freud: bis heute tiefe
Beeinflussung von Theorien und Forschungen zur Persönlchkeitsentwicklung
und zur Motivgenese
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Kurt Lewin: Persönlichkeitstheoretiker
in allgemeinpsychologischer Hinsicht; erklärt das Verhalten ganz aus
dem jeweils bestehenden (gegen-
wärtigen) Feld psychologischer
Kräfte; "Feldtheorie": psychologische Kräfte als Vektoren
gehen von Objekten und Regionen der Umwelt aus, die einen Aufforderungscharakter
(Valenz) haben – Kräfte wirken sich auf die Person aus und determinieren
ihr Handeln
Personmodell der Motivation:
Anhäufung von einzelnen, zentralen oder mehr periphären Regionen;
jede Region stellt ein Bedürfnis oder Quasi-
Bedürfnis dar;
je nach Bedürfniszustand ist eine solche Region ein mehr oder weniger
entspanntes System, das über die Exekutivfunktionen (zB die Motorik)
nach Entspannung strebt ®
tragendes Motivationsprinzip:
Wiederherstellung eines
gestörten Gleichgewichtes
Handeln = Funktion von
Person und wahrgenommener Umgebung
Lewin: Forschungsinteresse
galt mehr den Wirkungen von Situationsunter-schieden und weniger
den Wirkungen individueller Unterschiede zwischen Personen