1. Qualitativer
Nachweis einer Bindungsstelle, z.B. mittels immunologischer Verfahren. Dazu
braucht man natürlich einen Antikörper gegen das Bindungsprotein.
Die Wahrscheinlichkeit, daß der Antikörper mit der pharmakologisch
relevanten Ligandbindungsstelle reagiert, ist gering, sodaß man aus
solchen Experimenten meistens nichts über die Art der Ligand-Rezeptor-Wechselwirkung
erfährt.
2. Quantitative
Messung der Menge an Ligand-Rezeptor-Komplexen. Dazu braucht man einen markierten
hochaffinen Liganden und ein Verfahren, gebundenen und nicht gebundenen Liganden
voneinander zu trennen.
Im Folgenden
werden Methoden vorgestellt, die bei der Verfolgung der 2. Strategie Anwendung
finden. Dabei sollen die Komponenten einer einfachen Reaktion quantitativ
erfaßt werden:
| B + L* →
BL* |
B ...... unbesetzte Bindungsstelle
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L* .... freier, markierter Ligand
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BL* ...Ligand-Rezeptor-Komplex
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Alle verwendeten
Verfahren stehen vor dem Problem, den Komplex aus Bindungsstelle und markiertem
Liganden vor dem Hintergrund des freien markierten Liganden zu bestimmen.
Da beide gleich markiert sind, müssen sie voneinander getrennt werden.
Dafür kommen alle biochemischen Techniken in Frage, die rasch niedermolekulare
von hochmolekularen Molekülen bzw. Zellfragmenten trennen können.
Durch die Trennung der Komponenten voneinander wird jedoch das Gleichgewicht
gestört, mit der Konsequenz daß die Werte verfälscht werden,
wenn der gestörte Zustand zu lange anhält. Deshalb muß die
Trennung möglichst rasch erfolgen.
Das einzige Verfahren, daß die exakte Bestimmung der
Konzentrationen aller miteinander im Gleichgewicht stehenden Komponenten erlaubt,
ohne das Gleichgewicht zu stören, ist die
Gleichgewichtsdialyse
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Nur die niedermolekularen Ligandmoleküle
(L*) können die semipermeable Membran durchdringen und erreichen schließlich
innen und außen die gleiche Konzentration.
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Die Aktivitäten
L* und BL* + L* können direkt gemessen werden, ohne das Gleichgewicht
zu stören. Bei besonders schwachen Bindungen (rasche Dissoziation) die
einzige praktikable Methode.
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Nachteile:
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Immer gilt: L* >> BL*; daher ergibt
sich BL* als Differenz zweier annähernd gleich großer Zahlen (ungenau)
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Umständliches Verfahren, erlaubt
keine große Anzahl von gleichzeitigen Bestimmungen
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Große Oberflächen, oft Probleme
mit Adsorption des Liganden oder der Bindungsstelle an Dialysemembran oder
Gefäßwand
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Alle übrigen
Methoden arbeiten außerhalb des Gleichgewichts. Die Phase des Ungleichgewichts
dauert je nach Methode Sekunden bis Minuten. Bei hochaffinen Bindungen spielen
derart kurze Zeiträume des Ungleichgewichts keine Rolle, da die Assoziations-
und Dissoziationsprozesse äußerst langsam ablaufen (oft über
Stunden).
Die Gleichgewichtsdialyse
läßt sich bei gelösten (z.B. Steroidrezeptor; solubilisierter
Rezeptor) und bei partikulären Bindungsstellen (Membranpräparation)
anwenden. Die übrigen Verfahren (Nicht-Gleichgewichtsverfahren) eignen
sich jeweils entweder für die eine oder die andere Form von Bindungsstellen.
Nicht-Gleichgewichtsverfahren für
Bindungsstellen in Lösung
Man macht
sich zunutze
# das stark
unterschiedliche Molekulargewicht von Ligand und Ligand-Rezeptor-Komplex,
# Unterschiede
in der Löslichkeit, oder
# unterschiedliche
Adsorptionseigenschaften.
Gel-Filtration
Säulenchromatographie
mittels Sephadex G50
Es genügt
ein Gelvolumen von 2 ml; nach Einstellung des Gleichgewichts wird die Mischung
aus Ligand und Ligand-Rezeptor-Komplex aufgetragen und eluiert. Der hochmolekulare
Komplex eluiert VOR dem freien Liganden.
Aktivkohle-Adsorption
Die Trennung
beruht ebenfalls auf unterschiedlichem Molekulargewicht. Im Herstellungsprozeß
der Aktivkohle entstehen durch die Einwirkung von heißem Dampf winzige
Poren (< 1 nm), in denen kleine Moleküle gut haften; große Moleküle
werden nicht absorbiert. Vorgangsweise: Nach Einstellung des Gleichgewichts
Zugabe einer eiskalten Aktivkohle-Suspension und sofortige Zentrifugation.
Der freie Ligand wird praktisch sofort gebunden und dadurch dem Gleichgewicht
entzogen ® Ligand-Rezeptor-Komplex beginnt zu zerfallen
(man muß rasch arbeiten!).
Präzipization
Die klassischen
Methoden der Proteinfällung werden kaum eingesetzt (Ammonsulfat, Zinksulfat).
Übliche Methode: Fällung mit 10 - 15% Polyethylenglykol (PEG) mit
anschließender Filtration über Zelluloseacetat-Filter. Üblicher
Polymerisierungsgrad von PEG: Molekulargewicht 6.000 - 8.000. Als Carrier
wird 1 mg/ml -Globulin zugesetzt. Probleme kann es bei Peptidliganden ab gewissen
Kettenlängen geben (Mitfällung; z.B. Insulin, Glucagon). Die Fällung
benötigt 10 - 20 min, die Vakuum-Filtration der viskosen Mischung dauert
ziemlich lange; dennoch scheint diese lange Zeit des Nicht-Gleichgewichts
nur wenig Probleme zu machen (langsame Diffusionsgeschwindigkeiten im zähen
Medium).
Adsorbtion an Glasfiberfilter
Glasfiberfilter
stellen eine anionische Silikatmatrix dar, an der positiv geladene Moleküle
gut adsorbiert werden. Rezeptorproteine sind jedoch selbst meistens Polyanionen,
mit einem isoelektrischen Punkt im schwach sauren Bereich (4.4 - 6.3[A1-Rez.,
FASEB 5, 2673]), sodaß sie nur schlecht binden würden. Sättigt
man jedoch die Silikatmatrix zuvor mit einem Polykation, so kehrt sich dadurch
der Charakter der Matrix um, und die meisten Rezeptorproteine werden dann
sehr gut gebunden. Das Verfahren eignet sich gut für basische oder neutrale
Liganden, nicht für saure (hoher background). Vorbehandlung der Glasfiberfilter:
1 h 0.3% Polyethylenimin (PEI). Diese Technik wurde unter anderen bereits
erfolgreich für solubilisierte muskarinische und NMDA-Rezeptoren eingesetzt.
Nicht-Gleichgewichtsverfahren für
partikuläre Bindungsstellen
Suspendierte
partikuläre Bindungsstellen können natürlich zentrifugiert
oder filtriert werden. Bei Bindung an ganze Gewebsschnitte gestaltet sich
die Entfernung des ungebundenen Radioliganden noch einfacher. Experimentelle
Details zu diesen Techniken werden später gebracht (siehe
Kapitel 5),
hier seien zunächst nur die wichtigsten Vor- und Nachteile genannt.
Filtration über
Glasfiberfilter
Das mit
Abstand am häufigsten eingesetzte Verfahren; eignet sich nur für
hochaffine Liganden (KD < 10 nM), denn meistens bedeutet hohe
Affinität auch langsame Dissoziation des Ligand-Rezeptor-Komplexes.
Einfach und rasch durchzuführen, für hohen Probendurchsatz automatisierbar.
Probleme bei hydrophilen Liganden mit geringer Rezeptordichte wegen einer
relativ hohen unspezifische Bindung an die hydrophile Filtermatrix.
Zentrifugation
Verfahren
der Wahl für hydrophile Liganden mit relativ schwacher Affinität.
Erfordert den Einsatz von Röhrchen, die hohe Schwerefelder tolerieren
(bis 40.000 x g) und direkt im Szintillationszähler gezählt werden
können. Etwas zeitaufwendiger als die Filtrationstechnik, nicht automatisierbar.
Probleme kann es mit lipophilen Radioliganden geben, wenn sie stark an Kunststoffe
binden (Vorversuche mit verschiedenen Röhrchen).
Dünnschnitt-Autoradiographie
Erfordert
den Einsatz eines Mikrotoms zur Anfertigung der Schnitte (5 - 20 µm).
Sehr vielseitige Methode, praktisch auf alle Radioliganden anwendbar. Bei
Verwendung eines Densitometers mit angeschlossenem Computer können die
Autoradiogramme exakt quantitativ ausgewertet werden. Hohe neuroanatomische
Auflösung (< 0.1 mm). Will man die Möglichkeiten dieser Technik
voll nützen, sind gewisse Investitionen erforderlich (Mikrotom, Densitometer,
Computer incl. Programm). In den letzten Jahren lösen elektronische
"screens" die traditionellen Filme ab.
Zubereitung partikulärer
Rezeptorpräparationen
Für
die Filtrations und die Zentrifugationstechnik (gelegentlich auch für
das Dialyseverfahren) benötigt man eine feindisperse Suspension von
Rezeptor-tragenden Zellmembranpartikeln. Zu diesem Zweck wird ein Gewebsstück,
das die gesuchte Bindungsstelle enthält, homogenisiert, und aus dem
Homogenat werden durch Zentrifugation die Zellmembranen gewonnen.
Ideal
für die Homogenisation: ein nach Potter benannter Homogenisator aus
Glas und Teflon. Ein runder Teflonkolben paßt genau in ein Glasrohr
(5-50 ml, Spielraum 0.1-0.2 mm); Teflon und Glas schließen auch am
Boden des Kolbens ab (kein Freiraum). Der Kolben wird mit der Hand oder mittels
eines langsam drehenden Motors (5-10 Umdrehungen/sec) bewegt. Das Gewebsstück
wird dabei vollständig desintegriert, bis in den subzellulären
Bereich (Freisetzung der Zellorganellen). Manche Gewebe sind zu zäh
für diese Methode und müssen mit dem Ultraturrax homogenisiert
werden (Stab mit rasch drehenden Messern, weniger schonendes Verfahren).
Für sehr kleine Gewebsstücke bietet sich die Homogenisation mittels
Ultraschall an (Volumen 200 µl - 1 ml).
Als Homogenisationsmedium
kommt alles in Frage, was die Rezeptorproteine nicht denaturiert (kein organisches
LM; neutraler pH; möglichst niedrige Temperatur, jedoch keine Eiskristalle).
Manche Bindungsstellen verlangen die Homogenisation in einem isotonen Medium,
die meisten werden allerdings hypoton homogenisiert, um durch osmotischen
Schock die vollständige Desintegration der Zellen zu erleichtern (man
richte sich nach einer publizierten Arbeitsvorschrift).
Präparation der 'Gesamtmembranen':
10 min 35.000 x g genügt (ein Teil der Microsomen wird dabei nicht erfaßt,
das spielt aber keine Rolle).
Präparation
einer synaptosomalen Fraktion
Bei Homogenisation
in einem isotonen Medium schließen sich die abgetrennten Nervenendigungen
zu eigenständigen Membrankompartimenten ('Synaptosomen'). Sie verhalten
sich gegenüber der Zentrifugalbeschleunigung so ähnlich wie Mitochondrien
und können gemeinsam mit diesen als 'P2' gewonnen werden ('P1': alles
was bei ca. 8.000 x g abzentrifugiert wird; was aus dem P1-Überstand
bei ca. 17.000 x g abzentrifugiert wird, nennt man P2, für 'pellet #
2'). Synaptosomen können in einem Dichtegradienten von Mitochondrien
(schwerer, enthalten DNA) abgetrennt und in verschiedene Fraktionen aufgetrennt
werden. Für Bindungsanalysen werden die Synaptosomen zuletzt in einem
hypotonem Medium lysiert (Freisetzung des löslichen Inhalts) um die synaptosomalen
Membranen zu gewinnen. Ein vereinfachtes Verfahren verzichtet auf den Dichtegradienten
und arbeitet mit der rohen P2-Fraktion (oft 'buffy coat membranes' genannt).
Auch
hypoton behandelte Membranpartikel können niedermolekulare Substanzen
festhalten (Glutaminsäure, Glycin, GABA, Peptide, Fettsäuren, ...).
Sie müssen daher mehrmals 'gewaschen' werden (Resuspension in frischem
Puffer, nochmalige Zentrifugation). Erwärmen auf 37°C (10-15 min)
beschleunigt das Freisetzen niedermolekularer Substanzen; manchmal ist Zusatz
von einem Detergens notwendig (0.02-0.08 % Triton X-100). Nach 3 - 5 maligem
Waschen wird die Membransuspension aliquotiert und eingefroren (-80°C;
nur wenige Bindungsstellen vertragen ein Einfrieren nicht). Vor dem Einsatz
in einem Bindungsexperiment sollte eine aufgetaute Membransuspension noch
einmal gewaschen werden, um Substanzen, die beim Frieren oder Auftauen freigesetzt
wurden, zu entfernen.
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