Makromoleküle
oder Komplex aus mehreren Makromolekülen, meistens mit Zuckerresten,
können in Membran eingelagert oder frei in Lösung sein; haben also
vielfältige chemische Eigenschaften. Zum Rezeptor wird eine solche Struktur,
wenn ihre Eigenschaften durch einen niedermolekularen Bindungspartner verändert
werden können, mit charakteristischen physiologischen Konsequenzen.
Beispiele:
| Bindungsstelle |
physiologische Konsequenz |
| Lösliche Rezeptoren im Cytoplasma,
für Steroidhormone wie Östradiol und Progesteron |
Rezeptor-Steroid-Komplex
wandert in den Zellkern und stimuliert die Transkription bestimmter DNA-Abschnitte
(Änderung der Genexpression) |
| Rezeptoren auf der Oberfläche
von Lymphozyten (T-Zell-Rezeptor): Erkennung von Fragmenten fremder Proteine |
Immunantwort |
| Rezeptoren auf Muskelfasern
für den Transmitter Acetylcholin, der von motorischen Nervenenden freigesetzt
wird |
Bindung des Transmitters
führt zur Öffnung eines Na+-Kanals in der Muskelzelle
(Depolarisation) |
Rezeptoren
sind immer Vermittler von Wirkungen. Daß diese Vermittler konkrete
Moleküle sind wurde bereits in den 30er-Jahren postuliert; bis in die
70er-Jahre konnten Rezeptoren jedoch nur funktionell studiert werden, ein
direkter biochemischer Nachweis gelang nicht. Heute gelingt er in der Bindungsstellenanalyse.
Bindungsstellenanalysen sind einfacher durchzuführen als funktionelle
Studien, man darf aber nie vergessen, daß eine Bindungsstelle erst
durch ein funktionelles Korrelat zum Rezeptor wird. Beschränkt man sich
auf die Messung der Bindung von Ligandmolekülen, sollte man nicht von
Rezeptoren sprechen, sondern eben nur von Bindungsstellen.
Weitere
Begriffe:
| Ligand |
(von ligare) Eine Substanz,
die an ein biologisches Material gebunden wird; mit der Bezeichnung 'Ligand'
ist noch nichts über eine mögliche Wirkung der Substanz ausgesagt. |
| Agonist |
(von agere) Eine Substanz,
die an ein biologisches Material bindet und mit dem Material etwas tut. |
| Antagonists |
Eine Substanz, die an ein
biologisches Material bindet und den Effekt eines Agonisten hemmt. Ein Antagonist
hat für sich allein keine Wirkung. |
| Transmitter |
(Übermittler) Ein
physiologischer Agonist, der von einer Zelle 'auf Kommando' freigesetzt
wird und in unmittelbarer Nachbarschaft wirkt. |
Wieviele
Rezeptoren kann man in einem biologischen Material erwarten?
Rezeptormoleküle
sind äußerst aufwendige biologische Produkte (einige 100 bis über
1000 Aminosäuren), werden von einer Zelle so sparsam wie möglich
hergestellt. Im Extremfall sollte es sogar möglich sein, daß
Zellen eines Gewebsverbands auf eine niedermolekulare Substanz reagieren
(Hormon, Transmitter), für die jede Zelle nur einen einzigen Rezeptor
besitzt (die Bindung eines Liganden kann eine Kaskade von sich lawinenartig
verstärkenden Effekten auslösen). Milchmädchenrechnung zur
Abschätzung einer Untergrenze der Rezeptordichte:
| Durchmesser einer Eukaryontenzelle |
10 µm |
| Anzahl der Zellen pro Milligramm
(= mm3) |
1.000.000 |
| Rezeptormoleküle pro
Milligramm |
1.000.000 |
| 1 Mol |
6 . 1023 Moleküle |
| 0,001 fMol (10-18
Mol) |
600.000 Moleküle |
1.000.000
Moleküle sind also nur etwas mehr als 0.001 fMol (1 femtomol = 10-15
Mol); auch bei einem Molekulargewicht von 100.000 sind das nur 0.1 pg Protein
pro Milligramm Gewebe. Die meisten heute bekannten Bindungsstellen zeigen
um einen Faktor 10.000 – 100.000 höhere Gewebskonzentrationen (10 -
100 fMol/mg Gewebe); daraus kann man schließen, daß es von diesen
Bindungsstellen wesentlich mehr als nur ein Molekül pro Zelle gibt.
Aber sogar das ist immer noch sehr wenig für konventionelle analytische
Nachweisverfahren.
Die Natur spart nicht nur bei den Rezeptormolekülen,
sondern auch bei den niedermolekularen Bindungspartnern. Die meisten binden
schon bei Konzentrationen im nanomolaren Bereich (10-9 Mol/Liter)
an den Rezeptor, sodaß auch davon nur kleine Mengen synthetisiert
werden müssen (hohe Affinität des Liganden zur Bindungsstelle).
Die Bindung erfolgt nicht-kovalent und reversibel, durch:
| 1. |
ionische Wechselwirkung |
| 2. |
Ausbildung von Wasserstoffbrücken |
| 3. |
hydrophobe Wechselwirkung |
| 4. |
Kation-pi Wechselwirkung |
| 5. |
Van-der-Waals-Kräfte |
Die Bedeutung
der Bindungsstärke soll an 2 Extrembeispielen
erläutert werden:
1. Es
gibt Liganden (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren), die schon im picomolaren
Bereich (10-12 Mol/Liter) an einen Rezeptor binden; die Bindung
ist dann so stark, daß sie praktisch irreversibel verläuft. Das
gebundene Peptid wird - gemeinsam mit dem Rezeptor - in die Zelle internalisiert;
führt zu einer langsam einsetzenden, aber lang anhaltenden Wirkung
(über eine Änderung der Genexpression).
2. Das
andere Extrem sind schwache Wechselwirkungen, die erst im mikromolaren Bereich
(10-6 Mol/Liter) auftreten. In diesem Fall ist die Bindung von
nur geringer Selektivität, d.h. eine breite Palette von Molekülen
kann die gleiche Wirkung auslösen. Alle Liganden zeigen schwache Bindung
an vielerlei schwache Bindungsstellen, meist ohne jegliche physiologische
Bedeutung (unspezifische Bindung).
Die meisten Wechselwirkungen
zwischen physiologischen Liganden und Rezeptoren
# finden
bei nano (10-9) bis micromolaren (10-6) Konzentrationen
statt,
# verlaufen
unter physiologischen Bedingungen rasch (im Millisekunden-Bereich), und
# die
Wechselwirkung verläuft stereoselektiv (d.h. es gibt zumindest 3 Stellen
des Liganden, die mit der Bindungsstelle in Kontakt treten.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen
Gleichgewichtskonstante und Energiebillanz (∆Go)?
Gleichgewichtskonstante
der Assoziation:
| B + L →
BL |
KA = [BL]/([B]
. [L])
|
Van't Hoff-Gleichung:
| ln KA = -∆Go/RT |
| ∆ Go = -2.303 . RT . log KA |
R = 1.987 cal/(Mol . °K) bzw. 8.314 J/(Mol . °K) [1 cal = 4.184 J]
|
Temperatur
|
|
kcal/Mol
|
kJ/Mol
|
|
0°C (273°K)
|
∆Go =
|
-1.25 . log KA
|
-5.23 . log KA
|
|
20°C (293°K)
|
∆Go = |
-1.34 . log KA
|
-5.61 . log KA
|
|
37°C (310°K)
|
∆Go =
|
-1.41 . log KA
|
-5.90 . log KA
|
In Worten
ausgedrückt: Ändert sich die Energiebillanz einer Bindung um 1.34
kcal (5.61 kJ) pro Mol, so ändert sich die Gleichgewichtskonstante
um einen Faktor 10 (bei 20°C). Die Gleichgewichtskonstanten für
typische Ligand-Rezeptor-Assoziationen liegen zwischen 10+7 und
10+9 M-1. Gebräuchlicher ist es, die Konstanten für die
entsprechenden Dissoziationen anzugeben (KD = 1/KA); KD-Werte
liegen also meist zwischen 10-7 und 10-9 M. Man beachte,
daß hier - nicht ganz korrekt - mit
Logarithmen dimensionierter Größen umgegangen wird: KD hat die
Dimension einer Konzentration, KA die einer reziproken Konzentration.
| ln KD = ∆Go/RT |
| ∆Go =
2.303 . RT . log KD |
|
2.303 . RT
(293 °K) = 1.336 kcal/Mol |
|
|
|
∆Go (20°C) |
|
KA
|
KD
|
kcal/Mol |
kJ/Mol |
|
107 M-1
|
10-7 M
|
-9.4
|
-39.3
|
|
108 M-1
|
10-8 M
|
-10.7
|
-44.8
|
|
109 M-1
|
10-9 M
|
-12.0
|
-50.2
|
Die meisten KD-Werte
liegen zwischen 1 und 100 nM; Schlußfolgerung: Bei der Bildung eines
Ligand-Rezeptorkomplexes nimmt die freie Energie Go
meistens um 9 bis 12 kcal/Mol ab.
|
∆Go = ∆Ho - T . ∆So/R
|
Gibbs-Helmholtz
|
ln KD
= ∆Ho/R . 1/T - ∆So/R
|
Van't Hoff-Plot
|
Über
die Temperaturabhängigkeit der Dissoziations-Gleichgewichtskonstanten
läßt sich erkennen, zu welchen Anteilen die Abnahme der Enthalpie
(Ho) oder die Zunahme der Entropie (So) für eine Bindung verantwortlich
ist. Zu diesem Zweck wird ln KD
gegen 1/T (T in °K) aufgetragen.
Worauf kann die
Abnahme der freien Energie zurückgeführt
werden? Was können die 5 genannten Wechselwirkungsarten beitragen?
ad 1, ionische
Wechselwirkung
Weitreichende Anziehungskraft zweier entgegengesetzter
Ladungen (e1 und e2), vermutlich für die erste
Annäherung der Bindungspartner wichtig. Anziehungskraft proportional
|
e1.e2/(D.r2)
|
r ... Abstand zwischen den Ladungen |
Ionische
Wechselwirkung am stärksten im Vakuum (Dielektrizitätskonstante
D = 1). In einem apolaren Lösungsmittel ist sie etwa halb so groß
(Hexan: D = 1.9), im wässrigen Milieu sehr klein (H2O: D
= 78). Welche Rolle die ionische Wechselwirkung für eine bestimmte Ligand-Rezeptor-Wechselwirkung
spielt, ist schwer vorauszusagen, der Beitrag kann allerdings dann groß
sein, wenn in der unmittelbaren Mikro-Umgebung der Bindungsstelle Wassermoleküle
ausgeschlossen sind. Erfolgreicher empirischer Ansatz: "Gleitende" Konstante,
mit Maximalwert (78) bei großer Distanz, und Minimalwert (1) bei Berührung
(Ajay & Murcko 1995, J.Med.Chem. 38, pp 4961).
ad 2, Wasserstoffbrücken
Die Ausbildung einer Wasserstoffbrücke (typische
Länge 2.6 - 3.1 Å) führt je nach Orientierung zu einer Energieabnahme
von 3 - 7 kcal/Mol. Theoretisch könnten also schon 2 solcher H-Brücken
zu einer hochaffinen Bindung führen. In einem wässrigen Milieu
sind allerdings alle Positionen der Bindungspartner, die H-Brücken eingehen
könnten, durch Wassermoleküle besetzt; damit sich eine H-Brücke
zwischen den Bindungspartnern ausbilden kann, müssen zuerst H-Brücken
gelöst werden. Die Enthalpie-Billanz ∆Ho ist daher unergiebig, doch die Freisetzung
von Wassermolekülen führt immer zu einer günstigen Entropie-Billanz
T . ∆So (Gibbs-Helmholtz: ∆Go = ∆Ho - T . ∆So). Pro Mol Wasser werden allein dadurch
1.4 - 2.0 kcal frei:
B-H2O + L-H2O
→ B-L + 2 H2O
|
nach Dunitz (1994)
Science 264, 670
|
ad 3, hydrophobe Wechselwirkung
Bei hinreichend großer Annäherung werden
die Bindungspartner von einer gemeinsamen Hydrathülle umgeben; zur Hydratisierung
des Komplexes sind weniger Wassermoleküle erforderlich als zur Hydratisierung
der einzelnen Komponenten. An hydrophoben Flächen nimmt Wasser eine
stark geordnete Struktur an, um alle möglichen intermolekularen H-Brücken
auszubilden. Zur günstigen Energiebillanz trägt daher bei einer
'hydrophoben WW' vorallem der entropische Term T . DSo bei. Empirische Faustregel: Energieänderung
(in kcal/Mol) = -0.03 . F, wobei F = Fläche (in Ų), die
durch die hydrophobe Wechselwirkung vor den Wassermolekülen verborgen
wird. Beispiel Wechselwirkung von Phenylresten (Nature 248, 338; JMC 38,
4953; JRecSignTransdRes 17, 459):
|
Benzolring, Durchmesser
|
ca 6 Å
|
|
Fläche
|
ca 30 Ų
|
|
Ligand & Rezeptor
|
x 2 = 60 Ų
|
|
Ober- + Unterseite
|
x 2 = 120 Ų
|
|
frei werdende Energie
|
x 0.03 = 3.6 kcal/Mol
|
Bei diesem Beispiel werden für
einen Phenylrest des Liganden 2 Phenylreste der Bindungsstelle benötigt;
nicht immer kann dieses Maximalergebnis erzielt werden.
ad 4, Kation-pi Wechselwirkung
Überall dort, wo
zu einer einfachen kovalenten Bindung zweier C-Atome (sprich: ein gemeinsames
Elektronenpaar) ein weiterer Austausch von Elektronen dazukommt, ergeben
sich Anknüpfungspunkte für positiv geladene Partner (Kationen).
Das ist der Fall (A) bei Doppel- und Dreifachbindungen, und (B) bei Aromaten.
In beiden Fällen bilden die zusätzlich gemeinsam "besessenen"
Elektronen eine "Wolke" negativer Ladung rund um die primäre Bindung.
Vor allem mit den aromatischen Aminosäurereste phe, tyr und trp treten
positiv geladene funktionelle Gruppen (Aminogruppen) in Kontakt, wobei es
zu Energieabnahmen zwischen 2 und 4 kcal/Mol kommen kann (siehe Zacharias
& Dougherty 2002, TIPS 23/6, 281). Zahlreiche prominente Transmittersubstanzen
gehen mit Rezeptoren diese Art der WW ein: Acetylcholin, GABA, Glutaminsäure,
Glycin, 5-HT, Dopamine (also praktisch alle...).
ad 5, Van-der-Waals-Kräfte
Kommen einander 2 Atome auf 3 - 4 Å nahe, so
führt das zu einer Energieabnahme von 0.5 - 1 kcal/Mol. Die Reichweite
dieser Kraft ist gering (Abnahme mit r6), und auch zu große
Nähe ist energetisch ungünstig (Abstoßung nimmt mit r12
zu, sehr wenig Spielraum).
| |
anziehend
|
abstoßend
|
|
'Lennart-Jones-Potential':
|
- k1 /
r6
|
+ k2 /
r12
|
Die
Wahrscheinlichkeit, daß eine größere Anzahl von Atomen
des Liganden durch Zufall genau die passende Distanz zu Atomen der Bindungsstelle
haben, ist äußerst gering. Hohe Selektivität und Stereospezifität
gehen auf Van-der-Waals-Wechselwirkungen zurück.
pre-organisation: bestimmte Substituenten, die nicht
selbst in WW mit der Bindungsstelle treten, bringen den Liganden in freier
Lösung in eine für die Bindung günstige Konformation. Perola
& Charifson (2004, JMC 47:2499) beschreiben bei 40% der von ihnen studierten
Ligand/Protein-Wechselwirkungen strain energies von 5 bis 9 kcal/Mol, d.h. die Konformation
eines gebundenen Liganden kann deutlich von seinem Energieminimum abweichen.
Bei der Bindung wird also aus einer Vielzahl wechselnder Konformationen meistens
eine eher unwahrscheinliche "herausgefangen" und in finalen Anpassungsschritten
optimiert (induced fit).
Schon allein die physikochemischen Eigenschaften eines
Liganden erlauben gewisse Vorhersagen bezüglich der zu erwartenden Wirkung.
Hydrophobe Liganden fungieren meist als Antagonisten
mit hoher Affinität (KD 1 nM und darunter). Im Rahmen einer
hydrophoben Wechselwirkung setzt die Bildung des Ligand/Rezeptor-Komplexes
Wassermoleküle frei, wodurch das Wasser eine weniger geordnete Struktur
annehmen kann (starke Zunahme der Entropie S, starke Abnahme der Energie,
hohe Affinität). Die meisten Agonisten
sind eher hydrophil; ihre Bindung allein kann zu keiner starken Abnahme des
Gesamtenergieinhalts führen; sie bewirken aber eine Konformationsänderung
eines größeren Bereiches des bindenden Makromoleküls. Im
Zuge dieser Konformationsänderung kommt es zu einer Vielzahl kleiner
Energieverluste, wodurch sich am Ende eine für die Stabilisierung der
Bindung ausreichende Billanz ergeben kann.
Willkürliches
Zahlenbeispiel für einen 'normalen' Liganden
mit den Eigenschaften
# neutral
# 1 funktionelle
Gruppe, die die Ausbildung einer H-Brücke erlaubt
# 1 hydrophobe
Domäne
# optisch
aktive Substanz.
Folgende
Beiträge zur Bindungsstärke können erwartet werden (stark
vereinfacht):
|
Ursache
|
Energieänderung
|
|
Ausbildung einer
H-Brücke
|
-5 kcal/Mol
|
|
Verlust einer H-Brücke
mit H2O
|
+5 kcal/Mol
|
|
Freisetzung zweier
H2O-Moleküle
|
-3 kcal/Mol
|
|
hydrophobe WW über
einen Phenylsubstituenten
|
-3 kcal/Mol
|
|
6 Atome mit Van-der-Waals-Kontakten
|
-4.7 kcal/Mol
|
|
Summe
|
-10.7 kcal/Mol
|
Bei diesem
Beispiel würde das Ausmaß der Energieabnahme eine Affinitätskonstante
von 10 nM voraussagen. Was passiert, wenn wir das andere Enantiomer einsetzen?
Wenn wir annehmen, daß dann nicht mehr 6, sondern nur mehr 3 Van-der-Waals-Kontakte
zustande kommen und sich der Beitrag aus dieser Wechselwirkung von -4.7 auf
-2.4 kcal/Mol verändert, würde sich eine Summe von nur mehr -8.4
kcal/Mol ergeben; die Affinität wird dadurch auf 0.6 µM geschwächt,
ein durchaus realistisches Resultat.
Grundvoraussetzungen für die analytische
Erfassung einer Ligand/Rezeptor-Wechselwirkung:
# Die Nachweistechnik
muß empfindlich genug sein, um auch noch einige Femtomole des Ligand-Rezeptorkomplexes
quantitativ exakt erfassen zu können.
# Um zu
vermeiden, daß die geringe Menge an hochaffinen Bindungsstellen überlagert
wird von einer zu starken unspezifischen Komponente, dürfen nur nanomolare
Ligandkonzentrationen eingesetzt werden.
Diese Vorraussetzungen
wurden erst durch die Synthese von radioaktiv markierten Liganden mit hoher
spezifischer Aktivität erfüllt (70er Jahre). Das nach wie vor beliebteste
Radionuklid für die Markierung von Liganden ist Tritium (3H).
Eigenschaften von 3H:
Zerfallsart: ß-Zerfall
|
Halbwertszeit: 12.4 Jahre
|
| maximale Emissionsenergie:
18.6 keV |
| maximale Reichweite in Wasser/
in Luft: 6 µm/ 6 mm |
Reicht
die spezifische Aktivität von 3H
aus, um Femtomole eines Ligand-Rezeptorkomplexes registrierbar zu machen?
Annahme: Ein Atom 3H pro Ligandmolekül
|
Zerfallsrate
dA/dt = -k.A = -(ln2/t1/2).A
|
A...Anzahl der aktiven Atomkerne
|
|
k...Zerfallskonstante
|
|
t1/2...Halbwertszeit
|
Übliche
Aktivitätseinheit für Zählgeräte: decays per minute
(dpm, Zerfälle pro Minute).
Näherungsweise
gilt für 1 Mol:
|
∆A/min (dpm) =
|
- (ln2/t1/2) . 6,02 . 1023
|
für 1 Mol |
| |
- ln2 . 6,02 . 1023 / (12,4
. 365 . 24 . 60)
|
t1/2 in min
|
| |
- 64,1 . 1015
|
dpm pro Mol
|
| |
- 64,1
|
dpm pro fMol
|
64.1 dpm
ist eine Aktivität, die sich gerade noch gut messen läßt
- in den meisten Fällen beobachtet man mehrere fMole an Ligand-Rezeptor-Komplexen.
Übliche
Einheit der spezifischen Aktivität bei Radioliganden:
|
1 Ci ('Curie')
=
|
3,7 . 1010 Bq |
1
TBq = 1012 Bq ('Bequerel') =
|
1012 dps (decays
per s) |
|
=
|
2,22 . 1012
dpm |
=
|
60 . 1012 dpm |
| ca. 27 Ci
= 1 TBq |
|
ca. 27 µCi
= 1 MBq
|
64,1
. 1015 dpm/Mol = 64,1 . 1012 dpm/mMol = 28,9 Ci/mMol
= 1,07 TBq/mMol.
Die meisten
3H-markierten Radioliganden werden
mit ungefähr dieser spezifischen Aktivität angeboten, also im
Durchschnitt mit einem Atom 3H pro
Molekül. Die höchsten angebotenen spezifischen 3H-Aktivitäten liegen bei ca. 100
Ci/mMol (3-4 3H-Atome /Molekül).
Halbwertszeiten einiger
für Radioliganden wichtiger Nuklide:
|
3H
|
12,4 Jahre
|
|
14C
|
5.730 Jahre
|
|
35S
|
87,4 Tage
|
|
125J
|
59,6 Tage
|
14C-markierte Substanzen
eignen sich kaum als Radioliganden (t1/2 462 x länger, daher
462 x schwächere spezifische Aktivität). Durch den Einbau von
35S (t1/2 87.4 d) oder
125J (t1/2 59.6 d) lassen
sich wesentlich höhere spezifische Aktivitäten als mit 3H
erzielen. Allerdings sind diese Atome nur in wenigen pharmakologisch interessanten
Molekülen enthalten. Zusätzlicher Einbau von Jod ist möglich
(vor allem bei Peptiden üblich), kann aber die Eigenschaften des Moleküls
deutlich verändern.
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