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Religion als die tradierte Wissenschaft von unserem Innenleben
1-2-3-4-Der Mensch

1. 1. Woher wir kommen.
1. 2. Genetische Variabilität.
1. 3. Der Vorteil des Denkens.
1. 4. Fruchtlose Grübeleien über den Tod...
1. 5. ... Oder doch eine Lösung?
1. 6. Gott?
1. 7. Menschenwerk.
1. 8. Religion - Erfindung von uns Menschen?
1. 9. Krise der Religionen.
1.10. Sprache und Tradition.
1.11. Denken kann Probleme lösen.
1.12. Die Vorstellungskraft.
1.13. Versuch und Irrtum.
1.14. Das Geheimnis unseres Erfolgs.
1.15. Der Vorteil eines guten Gedächtnisses.
1.16. Was wir uns merken, und was wir vergessen.
1.17. Emotionen.
1.18. Neurobiologische Grundlagen.
1.19. Strategien des Lernens.
1.20. Latein und Mathematik.
1.21. Emotionale Einfärbung eines Lehrinhalts.
1.22. Unvermeidliche Begleiterscheinung?
1.23. Prähistorische Lehrer.
1.24. Die Sintflut.
1.25. Vorgeschichtliches Einwickelpapier.
1.26. Das Paradies.
1.27. Die Schmerzen der Geburt.
1.28. Die Entdeckung des DU.
1.29. Erinnerungen an das Paradies?
1.30. Die Genealogie der Sprachen.
1.31. Im Anfang war das Wort.
1.32. Des Menschen bester Freund.

1.1. Woher wir kommen.
Am Anfang waren wir Menschen wie die Tiere. Manche werden vielleicht sagen: Ein Jammer, daß wir nicht mehr so sein können. Ich sage das nicht, denn es macht mir Spaß, diese Zeilen aufzuschreiben, und Tiere können bekanntlich nicht schreiben. Gemessen an den anderen Arten waren die Tiere, die wir einmal waren, ausgesprochen selten. Man kann auch nicht behaupten, daß sie besonders erfolgreich waren. Meistens existierten nebeneinander mehrere einander ähnliche Arten, und alle bis auf eine sind inzwischen wieder ausgestorben (darunter auch der einstmals in Europa heimische Neandertaler). Übrig geblieben sind nur wir: wir Menschen. T

1.2. Genetische Variabilität.

Wann haben wir aufgehört, Tiere zu sein? Wann und wodurch sind aus den Tieren Menschen geworden? Wir wissen es nicht. Unsere Erinnerung reicht nicht soweit zurück. Die genetische Variabilität heute lebender Menschen erlaubt die Schlußfolgerung, daß vor 100.000 bis 200.000 Jahren 3.000 bis 20.000 genetisch moderne Menschen gelebt haben, auch wenn diese Hypothese von manchen immer noch angezweifelt wird. Diese Menschen waren schon so schlau wie wir es heute sind, und haben wahrscheinlich auch schon gesungen und gelacht, aber sie wohnten noch nicht in Häusern, betrieben noch keinen Ackerbau, und konnten weder schreiben noch lesen. Sie haben uns so gut wie nichts hinterlassen, aber sie müssen schon über eine gemeinsame Sprache verfügt haben, aus der alle modernen Sprachen hervorgegangen sind. Sie haben zuerst nur in Afrika gelebt, aber schließlich, über einen Zeitraum von vielen Jahrtausenden, die ganze Welt besiedelt. T

1.3. Der Vorteil des Denkens.

Was war das Geheimnis unseres Erfolges? Waren wir überhaupt erfolgreich? Wenn man die Anzahl betrachtet, in der wir heute die Erde bevölkern, muß man zugeben, daß es unsere Art immerhin auf eine beachtliche Populationsstärke gebracht hat. Wir verdanken das unserer Fähigkeit, logisch zu denken. Immerhin verfügen wir (in Relation zur Körpergröße) über das größte Gehirn aller Lebewesen. Unsere Stärke ist es, durch wiederholte Beobachtung Zusammenhänge zu erkennen und Vorhersagen zu treffen. Und wir können die Einsichten, zu denen wir auf diese Weise gelangt sind, zu unserem Vorteil nutzen und sie darüber hinaus unseren Mitmenschen und Nachkommen mitteilen. Damit waren wir auf allen Gebieten äußerst erfolgreich. T

1.4. Fruchtlose Grübeleien über den Tod...

Eines haben wir allerdings bis heute nicht erreicht, trotz aller Bemühungen: Wir können nichts dagegen tun, daß jeder einzelne von uns eines Tages sterben muß. Die Aussicht, eines Tages unweigerlich sterben zu müssen, ist eine besonders bittere Pille. Tausende und Abertausende sehr gescheiter Menschen haben über einen Zeitraum von vielen Jahrtausenden intensiv über dieses Problem nachgedacht. Hier wurden ganz offensichtlich eine ganze Reihe von Zehnerpotenzen an Mannjahren in den Sand gesetzt, denn viel ist bei diesen Grübeleien ja nicht herausgekommen, oder? T

1.5. ... Oder doch eine Lösung?

Wir Menschen fanden ein Mittel gegen Kälte und Dunkelheit; wir bauten Behausungen gegen die Launen des Wetters; Probleme mit der Ernährung wachsender Populationen lösten wir durch den Einsatz von ertragreichen Kulturpflanzen und durch das Halten von Haustieren; über kurz oder lang fanden wir für alles eine Lösung. Aber wir fanden kein Mittel gegen den Tod. Irgendwann müssen wir das eingesehen haben; aber wir wären keine Menschen, wenn uns nicht doch etwas eingefallen wäre. Wir erfanden etwas völlig Neues für ein Problem, das wir auf herkömmliche Art und Weise nicht lösen konnten: die Religion. T

1.6. Gott?

Natürlich wird es viele geben, die jetzt sagen werden: Moment, Moment! Nicht wir erfanden die Religion; nein, so war das nicht. Denn diese Welt wurde von Gott erschaffen, der auch uns erschaffen hat (angeblich sogar 'nach Seinem Ebenbild', aber das sind schon Details, über die wir hier nicht unbedingt streiten müssen). Er hat uns erschaffen, und er hat sich uns offenbart, damit wir darüber auch richtig Bescheid wissen. Er hat uns die ersten Gesetze gegeben, und schließlich auch ein Buch, in dem genau aufgeschrieben ist, wie alles war vom Anbeginn der Zeiten an. Und in diesem Buch steht zu lesen, daß wir nicht sterben werden, sondern daß wir leben werden in alle Ewigkeit (einige von uns, zumindest; unter bestimmten Voraussetzungen). T

1.7. Menschenwerk.

Tatsache ist, daß alles, was im Zusammenhang mit Religion steht - mit welcher Religion auch immer - Menschenwerk ist: die Bücher, die Requisiten, die Bauwerke, einfach alles. Es wird zwar behauptet, daß es in grauer Vorzeit Vorbilder aus der Hand namentlich genannter Gottheiten gegeben hat, aber dafür gibt es keinen einzigen Beweis. Auch heute geht es selbst im tiefsten Inneren sämtlicher sogenannter Heiligtümer dieser Welt zutiefst menschlich zu: Die Stoffe der Gewänder, in die die Würdenträger der zahlreichen Religionen gekleidet sind, stammen nachweislich und zugegebener Maßen von Menschenhand; und auch das sogenannte 'Ewige Licht' des katholischen Tabernakels verlischt, wenn sich nicht Menschenhände darum kümmern. T

1.8. Religion - Erfindung von uns Menschen?

Nehmen wir einmal an, wir Menschen hätten sie erfunden, die Religion (eine provokante Behauptung), weil wir es nicht ertragen konnten, nichts gegen unseren Tod ausrichten zu können. Wir haben etwas erfunden, das uns darüber hinwegtrösten sollte, daß wir und daß die Menschen, die wir lieben, eines Tages sterben müssen. Unabhängig voneinander, überall auf dieser Welt, wo Menschen leben, sind immer wieder Religionen erfunden wurden, und in allen spielte der Tod eine große Rolle, und unser angeblicher Fortbestand über diesen Tod hinaus. Es fehlt auch nicht an Zeugen, die Menschen nach deren Tod lebendig wiedergesehen haben wollen, wenngleich ihnen eine geradezu überwältigende Mehrheit von Menschen gegenübersteht, die niemals dergleichen gesehen hat. T

1.9. Krise der Religionen.

Objektiv und nüchtern betrachtet, hat keine Religion dieser Welt das Problem des Todes lösen können. Und in der westlichen Industriegesellschaft, in der die Religionen zunehmend an Einfluß verlieren, bezeichnen sich immer mehr Menschen zumindest als Skeptiker und versuchen, das Problem des Todes ohne ausdrücklich religiösen Bezug zu bewältigen. Wie sie wirklich damit umgehen, ist schwer zu sagen, denn man kann in keinen Menschen hineinschauen. Vielleicht ist das Problem des Todes ohne ein gewisses Minimum an religiöser Gedankenarbeit, was auch immer man jetzt darunter verstehen mag, nicht zu bewältigen, und wenn sich diese Gedankenarbeit auch ausschließlich innerlich abspielen mag, ohne für die Mitmenschen sichtbar zu werden. T

1.10. Sprache und Tradition.

Vor 100.000 bis 200.000 Jahren hatten wir Menschen bereits alle Fähigkeiten, die uns heute auszeichnen. Daß wir heute um soviel mehr können als damals liegt daran, daß wir gewonnene Einsichten und Erfahrungen von einer Generation auf die nächste weitergeben können. Wahrscheinlich stand die Erfindung der Sprache an der Wiege der modernen Menschheit, wenngleich auch schon ein wesentlich älterer Ursprung vermutet wurde. Die längste Zeit waren wir auf mündliche Überlieferung angewiesen; erst in den letzten Jahrtausenden kamen schriftliche Aufzeichnungen dazu. Worin die mündliche Überlieferung vergangener Zeitalter bestanden hat, können wir heute natürlich nicht mehr wissen; wir können nur vermuten, daß sie ihren Zweck erfüllt hat. Wir sind aber in der Lage, die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen zu lesen, auch wenn wir heute längst andere Sprachen und andere Schriftzeichen gebrauchen. Und wovon ist in diesen ältesten erhaltenen Überlieferungen immer wieder die Rede? Von religiösen Inhalten, von Fragen über Leben und Tod, von Gottheiten. T

1.11. Denken kann Probleme lösen.

Warum waren religiöse Themen für unsere Vorfahren von so großer Bedeutung? Liegt es daran, daß sie damals noch nicht wußten, daß es sinnlos ist, über den unausweichlichen Tod nachzudenken? Damals hat man über den Tod nachgedacht wie über andere Probleme auch, von denen sich viele als lösbar erwiesen hatten. Wir Menschen waren dahintergekommen, daß sich viele Probleme durch konsequentes Nachdenken tatsächlich lösen lassen, und der Tod war und ist zweifellos ein besonders großes Problem für uns. Es gehört sozusagen zu unserer Natur, über alle Probleme nachzudenken; wir geben nie auf. Und wenn die eine Generation zu keiner Lösung gelangt ist, so nimmt die nächste den Faden auf und spinnt ihn weiter. T

1.12. Die Vorstellungskraft.

Wenn wir versuchen, ein Problem durch Nachdenken zu lösen, so wenden wir immer wieder die gleiche Strategie an: Wir versuchen, hinter allen Vorgängen eine Ursache zu erkennen, wir versuchen, diese Ursache möglichst genau zu benennen, und schließlich stellen wir Überlegungen dazu an, auf welche Weise wir eingreifen könnten in das Geschehen, das durch die vermeintlich erkannte Ursache hervorgerufen wird. Mit dieser Strategie waren wir bei allen praktischen Dingen immer sehr erfolgreich. Vereinfacht ausgedrückt besteht die Strategie darin, nur auf unsere Vorstellungskraft gestützt herumzuprobieren, während man auf das tatsächliche, praktische Herumprobieren einstweilen noch verzichtet und im Regelfall still dasitzt und ins Leere starrt. T

1.13. Versuch und Irrtum.

Natürlich folgt auf das bloße Nachdenken der praktische Versuch, um festzustellen, ob das, was wir uns vorgestellt haben, auch tatsächlich eintritt. Meistens erleben wir dann eine Überraschung: In 9 von 10 Fällen tritt etwas anderes ein als wir vorausgesagt haben, und wir müssen zugeben, daß wir uns geirrt haben. Wenn wir neugierig einen uns unbekannten Gegenstand in unseren Händen bewegen, dann vollführen wir innerhalb von wenigen Minuten eine ganze Reihe von Zyklen zusammengesetzt aus Phasen des Überlegens, des Vorhersagens, des Ausprobierens, Beobachtens, und des neuerlichen Überlegens. Schon jedes Hantieren eines Gegenstandes weist alle Merkmale eines wissenschaftlichen Experimentes auf. T

1.14. Das Geheimnis unseres Erfolgs.

Korrekte Vorhersagen bestärken uns in der Überzeugung, auch die Ursachen für andere Vorgänge richtig erkennen zu können. Nach und nach setzen wir eine Vorhersage auf die andere, errichten schöne kleine Gedankengebäude, und manche von uns machen es sich zur Lebensaufgabe, an einem solchen Gebäude herumzufeilen und da und dort immer noch ein Türmchen draufzusetzen. Die wahre Stärke von uns Menschen aber erweist sich erst in unserer Fähigkeit, Erkenntnisse, die oft über den Verlauf eines ganzen Menschenlebens mühevoll zusammengetragen wurden, an andere Menschen weiterzugeben. Wir können das, was Generationen von Menschen vor uns an Wissen zusammengetragen, geordnet, und immer wieder neu durchdacht haben, in relativ kurzer Zeit zu unserem eigenen Wissen machen. Das ist das eigentliche Geheimnis unseres Erfolges. T

1.15. Der Vorteil eines guten Gedächtnisses.

In den letzten 100.000 Jahren unseres Menschseins wurde Wissen von einer Generation auf die nächste zum überwiegenden Teil durch mündliche Überlieferung und praktische Demonstration weitergegeben. Bis vor ca. 5.000 Jahren, bis zur Entwicklung der Schrift, war die erfolgreiche Weitergabe des Wissens von einer Generation auf die nächste vom guten Gedächtnis der Lernenden abhängig. Jene Inhalte wurden am besten in Erinnerung behalten, die den stärksten Eindruck hinterlassen haben. T

1.16. Was wir uns merken, und was wir vergessen.

Jeder von uns hat sicher schon die Erfahrung gemacht, daß man sich manche Dinge besser, andere weniger gut merken kann. Es gibt viele Ereignisse im Leben, die treten nur ein einziges Mal auf, und dennoch behalten wir sie ein Leben lang in Erinnerung; und dann gibt es wieder andere Dinge, die tagtäglich geschehen, und die wir schon nach kurzer Zeit wieder vergessen haben. Dinge, an die man sich gewöhnt hat, vergißt man schnell, weil man ihnen keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Andererseits können Ereignisse, die uns emotional stark betreffen, binnen Sekundenbruchteilen unsere volle Aufmerksamkeit erwecken. Wir Menschen haben ein gutes Gedächtnis für Erlebnisse, die mit besonders großem Leid, oder auch mit besonders großer Freude vebunden waren. Durchschnittliche Erlebnisse vergessen wir relativ schnell. T

1.17. Emotionen.

Auf einen einfachen Nenner gebracht, sind alle Ereignisse, die uns emotional stark betreffen, für unser Überleben von großer Bedeutung. Die emotionale Reaktion auf bestimmte Eindrücke gehört gewissermaßen zur hardware unseres Gehirns und tritt bei allen Menschen mehr oder weniger gleich auf; mehr oder weniger deshalb, weil es bekanntermaßen Mutigere und Ängstlichere gibt, solche, die den Sinnesfreuden mehr zugeneigt sind, und andere, die sich eher zurückhaltend verhalten. Aber im Grunde wissen wir alle ganz genau, was Hunger ist, was Schmerz ist, und welches Gefühl sich bei Befriedigung eines Bedürfnisses einstellt. T

1.18. Neurobiologische Grundlagen.

Alle Erlebnisse, die mit Angst, mit Freude, mit Schmerz, mit einem großen Schrecken, oder auch mit großem Wohlbehagen verbunden sind, bleiben besser im Gedächtnis haften als Ereignisse, die nur in das graue Einerlei der Alltags eingebettet sind. Das hat seine große Bedeutung und Zweckmäßigkeit, kann durchaus lebensrettend sein, und es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum sich diese hardware als günstig erwiesen und somit durchgesetzt hat. Darin liegt auch nichts spezifisch Menschliches, diese hardware teilen wir mit allen Tieren (soweit sich das bei Tieren überhaupt feststellen läßt). Man muß davon ausgehen, daß auch während der ganzen langen Menschheitsgeschichte die Weitergabe von Wissen von einer Generation auf die nächste dann am besten funktioniert hat, wenn Emotionen mit im Spiel waren. T

1.19. Strategien des Lernens.

Emotionen können die Weitergabe von Wissen auf verschiedene Weise erleichtern. (1.) Die Emotion kann aus dem Lehrer/Schüler-Verhältnis resultieren, sowohl im positiven als auch als negativen Sinn. Ein Schüler, der seinen Lehrer liebt, wird leichter lernen als ein Schüler, der seinen Lehrer verachtet oder ihm gleichgültig gegenübersteht. Es gilt aber auch, daß ein Schüler, der seinen Lehrer fürchtet, besser lernt, und es ist durchaus etwas daran, daß Wissen in Schüler hineingeprügelt werden kann, eine Strategie, die immer wieder gerne angewendet worden ist. (2.) Die Emotion kann aus der Bedeutung resultieren, die der Lehrinhalt für den Lernenden hat. (3.) Ein an sich für den Lernenden bedeutungsloser Lehrinhalt kann mit einer Geschichte verbunden werden, die starke Emotionen auslöst. T

1.20. Latein und Mathematik.

Auf dem Umweg über die emotionale Bindung zwischen Lehrendem und Lernendem läßt sich die Aufnahme praktisch jedes beliebigen Lehrinhaltes beschleunigen und verbessern, und selbst wenn es sich um die bloße Aneinanderreihung von Silben zu Pseudowörtern ohne erkennbare Bedeutung handeln würde. Im Zeitalter der allgemeinen Schulpflicht wissen davon Generationen von im Grunde ihres Herzens an Latein und Mathematik völlig desinteressierten Schülern ein Lied davon zu singen. Anders verhält es sich mit der emotionellen Einfärbung des Lehrinhaltes selbst. Ein derart eingefärbter Inhalt wird sich über viele Generationen hinweg tradieren, auch ohne die Bemühungen talentierter oder besonders trickreicher Lehrer. T

1.21. Emotionale Einfärbung eines Lehrinhalts.

Das, was wir Menschen Tradition nennen, ist im Grunde nichts anderes als die Summe von emotional eingefärbten Lehrinhalten, die sich praktisch von selbst, ohne das Bemühen von professionellen Lehrern, über viele Generationen in einem bestimmten Kulturkreis erhalten haben. Damit ist nicht nur Information in Form von Sprache gemeint, sondern es sind auch Verhaltensweisen gemeint, bis hin zu Bekleidungsvorschriften und zum Ablauf bestimmter Rituale. Viele dieser Vorgänge, die eine gewisse Kontinuität und Uniformität einer größeren Gruppe von Menschen bewirken, laufen ab, ohne daß wir uns ihrer bewußt werden. Es ist nicht nötig, daß es uns auffällt, solange alles reibungslos funktioniert. Die Tradition strukturiert den Ablauf eines Tages, eines Jahres, eines ganzen Lebens, ohne daß wir uns ständig fragen müssen, was wir tun sollen, ohne daß wir uns anstrengen müssen. Das hat seine Vorteile, und birgt gewisse Gefahren. T
1.22. Unvermeidliche Begleiterscheinung?

Kehren wir zurück zum Thema Religion. Wir können nach dem eben Gesagten Religion als eine komplexe Verbindung aus sich selbst tradierenden sprachlichen und rituellen Inhalten verstehen. Die gute Tradierbarkeit wird durch eine starke emotionale Einfärbung garantiert, die daraus resultiert, daß eine Religion immer praktisch alle Lebensbereiche betrifft, und gerade jene auf besonders deutlich sichtbare Weise, die mit den stärksten Emotionen verbunden sind. Damit ist noch nichts über die Qualität einer Religion ausgesagt, sondern nur der Versuch unternommen worden, zu erklären, warum Religionen schlicht und einfach existieren, ja warum das Auftreten von Religionen in menschlichen Kulturkreisen gewissermaßen unvermeidlich war und ist. T

1.23. Prähistorische Lehrer.

Nehmen wir einmal an, irgendwann vor Zigtausenden von Jahren, als wir schon gute Fortschritte in unserer Fähigkeit gemacht hatten, logisch zu denken, quälten sich die Menschen mit der Frage, warum sie eigentlich auf dieser Welt waren. Einer von ihnen, der schon besonders viel über diese Frage nachgedacht hatte, gab als Erklärung, daß wir Menschen aus keinem bestimmten Grund auf dieser Welt wären, und daß wir unsere Existenz eigentlich dem Zufall verdanken. Ein anderer, der mit dieser nüchternen Erklärung nicht zufrieden war, erklärte, daß diese Welt und auch wir Menschen das Werk eines allmächtigen Wesens wären. Beide prähistorischen Lehrer fanden Gehör, aber die Erklärung mit dem Zufall löste bei den Zuhörern weit weniger Emotionen aus als die Geschichte mit dem allmächtigen Wesen. Ein solches Wesen konnte man verehren, konnte man lieben und fürchten. Die zweite Erklärung hatte gegenüber der ersten den entscheidenden Vorteil, daß sie emotional eingefärbt war. Infolgedessen hat sie sich gegenüber der ersten durchgesetzt: die Menschen konnten sie sich leichter merken. T

1.24. Die Sintflut.

Ein anderes Beispiel: Als zum Ende der letzten Eiszeit (vor ca. 9.000 Jahren) weltweit große Landstriche im steigenden Meer versanken und es an mehreren Orten durch das Freisetzen großer Wassermassen aus den abschmelzenden Eisschilden zu katastrophalen Überschwemmungen kam, versuchten sich die schon damals äußerst erklärungshungrigen Menschen einen Reim auf die für sie völlig unverständlichen Ereignisse zu machen. Es mag verschiedene Erklärungsversuche gegeben haben, und die Erinnerung an das eine oder andere spektakuläre Ereignis aus dieser Zeit des klimatischen Umbruchs mag sich einigermaßen authentisch über ein paar Dutzend Generationen gehalten haben. Bis in historische Zeiten herauf haben sich nur jene Varianten erhalten, die die Katastrophe als die Strafe eines allmächtigen Wesens (z.B. 1. Mose 6:7) interpretiert haben. Diese Erklärungsversuche gaben emotional am meisten her und wurden daher auch am besten tradiert. T

1.25. Vorgeschichtliches Einwickelpapier.

Alte Mythen bestehen immer aus mindestens zwei verschiedenen Elementen: (1.) Aus der Erinnerung an ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis; und (2.) aus der emotionalen Einfärbung, die dafür gesorgt hat, daß die Geschichte besser im Gedächtnis haften konnte. Wenn wir heute am Wahrheitsgehalt solcher Mythen interessiert sind, so sind wir gut beraten, alles, was die Emotion anspricht, mit großer Skepsis aufzunehmen. Wenn in der Bibel steht, daß Gott die Sintflut geschickt hat, um die Menschen von der Erde zu vertilgen, so sollte man diese Geschichte nehmen, das 'Papier', in das sie gewickelt ist und das sie über die Jahrtausende vor dem Vergessen bewahrt hat, entfernen, und nüchtern konstatieren, daß uns hier Mitteilung von einer großen, katastrophalen Flut gemacht wird. Wir brauchen heutzutage dieses 'Einwickelpapier' nicht mehr, denn wir verfügen mit der Schrift über ein weit probateres Mittel, Informationen vor dem Vergessen zu bewahren; wir sind nicht mehr bloß auf das individuelle (allzu) menschliche Gedächtnis angewiesen. T

1.26. Das Paradies.

Betrachten wir noch einen anderen Mythos des christlichen Kulturkreises: den Mythos vom Paradies. Zuerst packen wir die Geschichte aus: Wir lassen die Behauptung weg, ein allmächtiger Gott habe die ersten Menschen geschaffen, und dieser Gott habe den ersten Menschen etwas verboten, wogegen sie schließlich doch verstoßen hätten, weswegen sie von eben diesem Gott aus dem Paradies vertrieben wurden. Übrig bleibt, daß die ersten Menschen sorglos in den Tag hinein gelebt haben; daß sie unbekleidet waren, ohne zu frieren; und daß sie später dieses Paradies verließen, nachdem sie den Unterschied zwischen Gut und Böse erkannt hatten, und daß sie sich von da an bekleideten, weil sie sich nackt voreinander schämten (1. Mose 3:7). Die Legende berichtet auch, daß die Menschen erst nach Verlassen dieses Paradieses 'ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts verdienen' (1. Mose 3:19) und die Frauen ihre Kinder 'unter Schmerzen' gebären mußten (1. Mose 3:16). T

1.27. Die Schmerzen der Geburt.

Tatsache ist, daß erst wir modernen Menschen in der Millionen Jahre währenden Entwicklungsgeschichte der Hominiden das maximale Gehirnvolumen erreicht habe und damit auch einen maximalen Schädelumfang. Ein weiteres Anwachsen dieser Größen war nicht möglich, da der Kopf des Kindes bei der Geburt sonst nicht mehr durch das Becken der gebärenden Frau gepaßt hätte. Die Entwicklung ging also soweit, bis sie an eine natürliche Grenze gestoßen ist, und es ist anzunehmen, daß für die 'moderne Frau' das Gebären mit größeren Belastungen verbunden war als es noch bei ihren Vorfahren der Fall war. Tatsache ist auch, daß unsere ersten modernen Vorfahren im warmen Afrika gelebt haben und von dort nach Asien und Europa gelangt sind. Dabei sind sie mit rauheren klimatischen Bedingungen konfrontiert worden, zumal die Zeit dieser Ausbreitung mit der letzten großen Eiszeit zusammengefallen ist. Kein Wunder also, daß sie dabei auf das Tragen von Kleidung angewiesen waren. T

1.28. Die Entdeckung des DU.

Bemerkenswert ist die Erwähnung, die Menschen hätten das Paradies verlassen als sie Gut und Böse voneinander unterscheiden konnten, und daß sie sich von da an ihrer Nacktheit geschämt hätten. Mag sein, daß es sich auch dabei nur um emotionales Beiwerk handelt, das zur besseren Tradierbarkeit der Geschichte beigetragen hat. Beides könnte aber auch eine Folge der Erfindung der Sprache gewesen sein, vor allem nach Erreichen eines gewissen grammatikalischen Niveaus, das unter anderem die sprachliche Unterscheidung von Personen (1., 2., 3. Person) ermöglichte. Tatsache ist, daß die modernen Menschen im Gegensatz zu fast allen Tieren in ihrer sexuellen Aktivität an keine bestimmte Zeit des Jahres gebunden sind. Das legt nahe, daß ihre sexuelle Aktivität nicht mehr allein der Fortpflanzung diente, sondern zusätzlich wichtige soziale Aufgaben erfüllte. Auffallend ist weiter, daß im Gegensatz zu unseren nächsten Verwandten unter den Primaten die Genitalanatomie der Frau die Kopulation frontal zu frontal als am naheliegendsten erscheinen ließ. Während die so wichtige Aufgabe der Fortpflanzung bei Tieren völlig einem zeitlich eng begrenzten Automatismus unterworfen ist, beginnen die Menschen im Zuge ihrer 'Menschwerdung' sich selbst immer mehr aus einem selbstverständlich erscheinendem Vorgang herauszunehmen. Sie entdecken das 'Du' und entwickeln zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was es bedeutet, sein Leben nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern auch zum Vorteil anderer zu führen. In diesem Zusammenhang erscheint es als sinnfällig, daß dem Menschen gemäß der Schrift die Frucht, die zur Erkenntnis des Guten und Bösen führt, von seinem Mitmenschen gereicht wird. T

1.29. Erinnerungen an das Paradies?

Daß in den Mythen verschiedener Völker auch noch nach Jahrtausenden Erinnerungen an tatsächlich stattgefundene Ereignisse lebendig sind, wenn auch durch allerhand Beiwerk verbrämt, mag uns heute durchaus plausibel erscheinen, zumal wir mit modernen wissenschaftlichen Methoden das eine oder andere der behaupteten Ereignisse bestätigen konnten. Ungleich schwerer fällt es uns allerdings, daran zu glauben, daß der Mythos vom Paradies ebenfalls auf tradiertem Wissen beruht. In diesem Fall müßte die tradierte Überlieferung über ca. 100.000 Jahre zurückreichen, und die Erinnerung müßte sich auf einen langsamen Wandel in der Lebensweise über Hunderte von Generationen hinweg beziehen, nicht auf ein einziges spektakuläres Ereignis. Die Tatsache, daß es diesen Mythos vom Paradies gibt, mit all seinen verblüffend sinnfälligen Details, wirft die Frage auf, ob die 'Vertreibung aus dem Paradies', also die 'Sich-seiner-selbst-Bewußtwerdung' des Menschen, sich tatsächlich über einen sehr langen Zeitabschnitt erstreckt hat, oder ob dieser Prozeß nicht doch nur einige wenige Generationen in Anspruch genommen hat, einen Zeitraum, der für das Instrument der menschlichen Tradition erfassbar war. Mag sein, daß mit der Entdeckung einer ersten elementaren Form der Sprache in einer überschaubaren Gruppe von Menschen die Qualität der sozialen Kontakte schon in relativ kurzer Zeit auf ein völlig neues Niveau gehoben wurde. T

1.30. Die Genealogie der Sprachen.

Im Mythos vom Paradies kommt das Thema Sprache nicht vor. Wie selbstverständlich ist davon die Rede, daß Gott spricht (z.B. 1. Mose 2:16, 2:18, 3:9), und daß auch der Mensch spricht. Und bereits kurz nach dem Bericht von der Sintflut ist davon die Rede, daß es in der Welt mehrere verschiedene Sprachen gab, und daß es dadurch auch zu gewissen Schwierigkeiten gekommen sein soll (1. Mose 11:1-9). Wenn sich der Sintflut-Mythos der Bibel tatsächlich auf die Zeit nach der letzten Eiszeit bezieht (was nicht unbedingt sein muß; es mag auch schon davor während der Eiszeit, ausgelöst durch kurze Warmperioden, katastrophale Überschwemmungen gegeben haben), fällt der Bericht vom 'Turmbau zu Babel' und von der sogenannten 'Sprachenverwirrung' in eine Zeit, zu der es nach unserem heutigen Wissensstand von der Genealogie der Sprachen bereits eine große Anzahl verschiedener Sprachen gegeben haben muß. T

1.31. Im Anfang war das Wort.

Wahrscheinlich hieße es, die Leistungsfähigkeit der Tradition zu überschätzen, würde man in den alten Mythen nach einem Hinweis auf eine Sprachfindung suchen. Schließlich war diese Form der Weitergabe von Erkenntnissen erst möglich geworden, nachdem die Sprache bereits ein gewisses Niveau erreicht hatte. Die Tradition kann aus diesem Grund gar nicht in eine vorsprachliche Zeit zurückreichen. Der tiefste Blick, den sie uns vermitteln kann, reicht in eine Zeit zurück, als wir schon einigermaßen gut mit dieser Errungenschaft umgehen konnten. Immerhin könnte in diesem Zusammenhang der Beginn des Johannes-Evangeliums zu denken geben: 'Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort ... Alle Dinge sind durch [das Wort] gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht ...' T

1.32. Des Menschen bester Freund.

Übrigens haben genetische Untersuchungen an Wölfen und an 67 Hunderassen im Jahr 1997 ergeben, daß sich fast alle Rassen auf eine einzige geglückte Domestizierung des Wolfes vor etwa 135.000 Jahren zurückführen lassen. Auch wenn diese Zeitangabe mit einer großen Unsicherheit behaftet ist, deutet sie darauf hin, daß die Domestizierung des Wolfes etwa zur gleichen Zeit erfolgt sein könnte, als wir Menschen aus unserem gemütlichen Paradies in die weite Welt hinaus aufgebrochen sind. Mag sein, daß die Unterstützung durch den neuen Gefährten Hund ein entscheidender Vorteil bei der Erkundung neuer Jagdgründe war. Andererseits mag die eben entdeckte Sprache diese Domestizierung erst möglich gemacht haben. So wie die sich ihrer selbst bewußt werdenden Menschen den Mitmenschen entdeckten, so haben sie auch die Affektion zum sozial auf beinahe gleich hohem Niveau stehenden Wolf entdeckt. T

1-2-3-4-Die Leere
2. 1. Kommunikation und Tradition.
2. 2. Eine nie dagewesene Situation.
2. 3. Das Aussterben der Elfen, Feen und Kobolde.
2. 4. Wunder.
2. 5. Ein 'Hoch' auf unseren logischen Verstand.
2. 6. 'Höhere Wesen' haben ausgedient.
2. 7. Die Spielregeln des Lebens.
2. 8. Kein Interesse an alten Weisheiten?
2. 9. Unglaubwürdige Inhalte.
2.10. Schlechte Zeiten.
2.11. Neuentdeckung der tradierten Inhalte.
2.12. Das Aha-Erlebnis.
2.13. Graben nach Gold.
2.14. Anleitung zum Gebrauch des Hausverstandes.
2.15. Was ist Religion?
2.16. Das Recht auf eine eigene Meinung.
2.17. Die wahren Abenteuer sind im Kopf.
2.18. The 'hard' problem.
2.19. Die reine Wahrheit.
2.20. Wasser, das den Durst für immer stillt.

2.1. Kommunikation und Tradition.
Für die Vorstellung, die wir Menschen uns von der Welt in der Vergangenheit gemacht haben, spielte immer schon die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Wir waren immer schon angewiesen auf Mitteilungen, die uns von anderen Menschen gemacht wurden, die andere Erfahrungen gemacht hatten als wir selbst. Diese Mitteilungen waren umso unzuverlässiger, je mehr Stationen sie zurückgelegt hatten, denn bei jedem einzelnen Informationsträger bestand die Gefahr, daß er etwas mißverstehen, überhören, oder einfach wieder rasch vergessen würde, oder daß er aus irgendwelchen persönlichen Motiven heraus mehr oder weniger wichtige Details hinzufügen oder weglassen würde. Erst der Gebrauch der Schrift seit relativ kurzer Zeit eröffnete die Möglichkeit, Informationen zu konservieren, unabhängig davon, ob sie in den Köpfen der Menschen präsent blieben oder nicht. T

2.2. Eine nie dagewesene Situation.

Wenn man erst einmal begriffen hat, welch große Bedeutung der Erwerb von Wissen durch Kommunikation für uns Menschen hat, empfindet man eine gewisse Unruhe und Irritation, wenn man sich vor Augen führt, welch dramatischer Veränderung die zwischenmenschliche Kommunikation in den letzten 100 Jahren unterworfen war: Wir blicken über das Fernsehen in die entferntesten Winkel dieser Welt; wir können jederzeit mit jedermann, wo auch immer er sich auf dieser Welt befindet, via Telefon oder Internet kommunizieren; die wissenschaftliche Forschung beantwortet mehr Fragen, als die meisten Menschen überhaupt stellen können; und alles, was Millionen und Abermillionen von gescheiten Menschen in den letzten Jahrhunderten gedacht, überlegt, erfunden, berechnet haben ist in ebenso vielen Dokumenten nachzulesen, eigentlich für jedermann (wenn auch nicht jedermann von dieser Möglichkeit Gebrauch macht). Noch nie waren wir mit einer so großen Anzahl von Meinungen verschiedener Zeitgenossen konfrontiert, noch nie war die Qualität dieser auf uns einströmenden Informationen so unterschiedlich. Jemand, der seine Informationsquellen mit ausreichender Skepsis und Vorsicht beurteilt, ist heutzutage in einem noch nie dagewesenen Ausmaß in der Lage, sich Informationen von hervorragender Qualität zu verschaffen. Jedoch: gerade wir Wissenschaftler entwickeln mit der Zeit auch ein gesundes Mißtrauen gegenüber allzu spektakulären Neuigkeiten und einen guten Blick für die nüchtern-rationale Essenz einer Mitteilung. T

2.3. Das Aussterben der Elfen, Feen und Kobolde.

Eine Folge dieser fortschreitenden Erhöhung der Informationsdichte und -güte ist augenfällig: In den letzten Jahrhunderten sind nach und nach aus den unserer Meinung nach für unser Überleben relevanten Informationen Elemente wie Zauberei, Geister, Wunder und, nicht zuletzt, Gottheiten verschwunden. Der 'aufgeklärte Mensch' glaubt nicht mehr an diese Dinge, die aber in früheren Zeiten eine besonders tragende Rolle in den Überlieferungen gespielt haben. Fast möchte man glauben, die Götter, Zauberer, Elfen und Kobolde hätten, aus lauter Angst vor dem modernen technischen Rüstzeug der nun hochtechnisierten menschlichen Art, die Flucht ergriffen und diese Welt, in der sie ihrer Geheimnisse nicht mehr sicher sind, verlassen. Davon kann natürlich gar keine Rede sein. Die Feen und Geister spukten auch in der Vergangenheit nur in den Köpfen der leichtgläubigen Menschen umher, nie in der Wirklichkeit. Aus diesen Köpfen sind sie inzwischen (nahezu) verschwunden, in der Welt haben sie nie existiert. Das gilt für alle Formen der Zauberei, und auch für diverse mysteriöse Inhalte unserer 'Heiligen Schriften'. T

2.4. Wunder.

Wenn wir heutzutage von 'Wundern' sprechen und von 'übernatürlichen' Erscheinungen, so haben wir bei der näheren Definition dieser Begriffe gegenüber unseren Altvorderen einen entscheidenden Vorteil: Wir wissen (ziemlich) genau, wovon wir reden. In unserem heutigen Sprachgebrauch verstehen wir unter 'Wunder' ein spektakuläres Ereignis, für das es keine naturwissenschaftliche Erklärung gibt. Damit ist eigentlich auch schon klar ausgesprochen, daß es Wunder nicht gibt, nicht geben kann, und auch nie gegeben hat. Früher hat man die Bezeichnung 'Wunder' nicht in diesem ausschließlich negativ abgegrenzten, modernen Sinn verwendet, denn das Rüstzeug für eine solche Abgrenzung, die moderne Naturwissenschaft, hat nicht - oder nur in sehr rudimentärer Form - existiert. Früher hat man Ereignisse als 'Wunder' bezeichnet, die 2 Voraussetzungen erfüllten: (1.) Sie waren außergewöhnlich, kamen also nicht alle Tage vor; und (2.) sie konnten in einem bestimmten Sinnzusammenhang gesehen werden, paßten in ein Szenario, das sich die Menschen im Verlauf zahlreicher Generationen zurechtgelegt hatten. T

2.5. Ein 'Hoch' auf unseren logischen Verstand.

Direkte Zeugen für Wunder gab es jeweils nur wenige, und die Bedeutung eines Wunders nimmt oft mit der Anzahl der tradierenden Generationen zu. Man denke in diesem Zusammenhang nur an das Wunder von der jungfräulichen Geburt des Jesus von Nazareth, das erst Jahrhunderte nach dem angeblichen Ereignis zu Kontroversen Anlaß gegeben hat. Wir neigen gelegentlich dazu, uns wegen unserer langweiligen Nüchternheit, die keine Wunder mehr kennt, selbst zu bemitleiden. Wir haben keinen Anlaß dazu. Im Gegenteil, wir sollten froh sein über die Fülle an klaren Einsichten, die uns die modernen Naturwissenschaften verschaffen. Und wir sollten uns freuen über die Leistungsfähigkeit unseres klaren, logischen Verstandes. Seit Tausenden von Generationen hat uns dieser Verstand ausgezeichnete Dienste geleistet. Und das wunderbare Instrument der Tradition hat die Früchte dieses kollektiven Nachdenkens für die jeweils Nachfolgenden bewahrt. T

2.6. 'Höhere Wesen' haben ausgedient.

In dem Maße, in dem die Menschen heute in allmählich wachsenden Teilen dieser Welt in Sicherheit und Wohlstand leben, in dem Maße suchen sie auch immer weniger Unterstützung und Hilfe von irgendeinem 'Höheren Wesen'. Für viele Menschen läuft eigentlich alles bestens; sie hätten gar keine Zeit und auch keine Lust, sich irgendwelche tiefgründigen Gedanken zu machen. Sie erledigen ihre arbeitstägliche Pflicht, und lassen sich abends von einem inzwischen schier unerschöpflich reichhaltigen Fernsehprogramm unterhalten. Das funktioniert sehr gut. Die Leute treiben sich nicht mehr so oft wie früher auf der Straße oder in Lokalen herum. Sie konzentrieren sich auf die selben einfachen Dinge und empfinden es als angenehm, wenn sie dabei nicht gestört werden. Was ist dagegen zu sagen? Wo ist das Problem? T

2.7. Die Spielregeln des Lebens.

Natürlich haben wir ein Problem, wir nehmen es aber nicht gerne wahr: Das Alter, die Krankheit, der Verlust an Lebensfreude, die Einschränkung unserer Möglichkeiten bei fortschreitender Hinfälligkeit, und schließlich das Problem des Todes, unseres eigenen Todes, und des Todes von Menschen, die uns vertraut sind. Wir haben mehr und mehr eine Art Gleichgültigkeit gegenüber solchen Themen entwickelt, eine Strategie, die darauf hinausläuft, sich solange man dazu in der Lage ist vom Kuchen Leben seinen Teil abzuschneiden, und dann, wenn es schließlich so weit ist, wie ein fairer, guter Verlierer auszuscheiden aus dem Spiel, und den anderen die Fortsetzung des Spiels zu gönnen. Fast ist es schon so gekommen, daß alte oder kranke, hilflose Menschen sich ihrer Gebrechen und Behinderungen schämen müssen. Sie tun es auch, ziehen sich zurück, reden nicht gern darüber, nicht nur, weil sie der irrigen Meinung sind, niemand möchte ihnen zuhören: Nein, es ist tatsächlich so, daß ihnen niemand zuhören will, und sie spüren das, sie wissen das, sie finden das sogar meistens ganz in Ordnung; und nicht wenige von ihnen setzen ihrem Leben schließlich selbst ein vorzeitiges Ende. Wir tun so, als wären das die Spielregeln, mit denen wir uns alle quasi bei unserer Geburt einverstanden erklärt haben: Jeder hat so und so viele Jahre, der eine mehr, der andere weniger, und danach soll man sich nicht mehr in den Vordergrund drängen, danach bleibt man still und artig für sich, stört und irritiert die Jungen nicht an Plätzen, wo sie ihrem happy young life frönen, und reißt sich halt zusammen, damit man nicht allzu unangenehm auffällt. T

2.8. Kein Interesse an alten Weisheiten?

Das ist heute das Schicksal, das den meisten von uns bevorsteht. Und wir haben kein Problem damit? Wir glauben, daß wir uns nicht damit befassen müssen, was Tausende von Generationen, was die Tradition dazu zu sagen hat? Warum sind wir heute gerade in diesem Punkt gegenüber unseren Altvorderen so überheblich und abweisend? Vielleicht liegt es daran, daß die Fassade vieler Weltreligionen heutzutage kein besonders einladendes Bild bietet. Die Religionen dieser Welt gründen sich zwar auf dem reichhaltigen Wissen und auf den Erkenntnissen unzähliger Generationen von lauter sehr gescheiten Leuten, aber die Institutionen, zu denen sie alle ohne Ausnahme geworden sind, haben für viele Menschen, die durchaus auf der Suche nach diesen Schätzen wären, etwas Abschreckendes an sich. Meistens geht es bei den institutionalisierten Weltreligionen für den außenstehenden Beobachter in erster Linie darum, strenge Regeln einzuhalten. Oft wird eine gewisse Uniformiertheit zur Schau getragen, die auf potentielle Interessenten irritierend und beängstigend wirkt. T

2.9. Unglaubwürdige Inhalte.

Vielleicht liegt es aber auch daran, daß unserem wissenschaftlich geschultem Verstand die Vergänglichkeit allen Lebens als selbstverständlich erscheint, und daß wir in einem immer größer werdenden Maß davon überzeugt sind, daß es neben der den Naturgesetzen unterworfenen Realität nichts anderes gibt. Die Glaubensinhalte der Religionen rücken damit für uns immer mehr in die Nähe von Märchen und Aberglauben. Wir stehen also vor der unglücklichen Situation, daß ein wertvolles, die Bemühungen und Erfahrungen von unzähligen Generationen wiederspiegelndes Wissen brachliegt, weil es in einer Form angeboten wird, die in Mißkredit geraten ist. Wir müssen zwar nicht fürchten, daß dieses Wissen deshalb in absehbarer Zeit verloren gehen wird. Zu dieser Sorge besteht kein Anlaß, denn gerade die Inhalte der religiösen Traditionen wurden sehr genau aufgezeichnet. Es fragt sich allerdings, wie lange wir auf diese Inhalte werden verzichten müssen, wieviel Zeit vergehen muß, ehe sich wieder eine neue Generation ihrer besinnen wird. T

2.10. Schlechte Zeiten.

Momentan scheint unser Verhältnis zu den alten Religionen ein recht zwiespältiges zu sein. Diejenigen Glaubensgemeinschaften, die noch ihre Gesellschaft stark dominieren, tun dies auf eine die Freiheit des einzelnen Menschen stark einschränkende Weise. Hier werden genaue Vorgaben gemacht, was den Tagesablauf betrifft, Bekleidungsvorschriften, Ernährungsgewohnheiten, die Beziehung zwischen den Geschlechtern, jeder Lebensbereich ist reglementiert und einer gewissen Überwachung unterworfen. Angst scheint der dominierende Faktor zu sein, der diese Gemeinschaften zusammenhält. Auf der anderen Seite laufen Religionen, die den Gläubigen in wachsendem Maße in ihre persönliche Freiheit entlassen, Gefahr, ihr Profil zu verlieren. Auch wenn heutzutage jedem einigermaßen nachdenklichen Menschen einleuchten sollte, daß Religion mehr mit unseren Gedanken und Gefühlen als mit der materiellen Realität zu tun hat, sind Gedanken und Gefühle für viele Menschen einfach zu wenig, um einer Religion anzuhängen. T

2.11. Neuentdeckung der tradierten Inhalte.

Vielleicht gibt es nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: Wenn uns an dem wertvollen tradierten Wissen im Zusammenhang mit in weitestem Sinne religiösen Themen gelegen ist, müssen wir versuchen, uns außerhalb der etablierten Weltreligionen damit auseinanderzusetzen. Würde es da genügen, ein paar Bücher zu lesen? Gehört zu einer Religion nicht auch immer ein bestimmter Ritus, ein Zeremoniell, die sozialen Kontakte in einer Gruppe? Nicht unbedingt; vor allem dann nicht, wenn man gerade zu diesen äußeren Erscheinungen ein gespanntes Verhältnis hat. Dann tut es ganz gut, sich einmal die eigentlichen 'Glaubensinhalte' anzusehen, ohne das ganze Klimbim drumherum. Erinnern wir uns daran: Erkenntnisse unserer Vorfahren sind vor Erfindung der Schrift nur dann weitergegeben worden, wenn sie mit starken Emotionen in Verbindung gebracht wurden. Ein großer Teil des tradierten religiösen Wissens mag dieser zweiten Kategorie 'Emotionen' angehören. Unsere Aufgabe wäre es heute, aus dem ganzen Wust an überliefertem religiösem Wissen das herauszulesen, was darin an echten menschlichen Erkenntnissen, erlangt vor Tausenden von Jahren, enthalten ist. T

2.12. Das Aha-Erlebnis.

Wenn man sich über solche Dinge den Kopf zerbricht, so tut es gut, sich darüber im Klaren zu sein, daß Menschen tatsächlich zu Erkenntnissen kommen. Man sollte auch ungefähr eine Vorstellung davon haben, wie das vor sich geht, und wie man sich dabei fühlt. Man ist in einem angenehmen, konzentrierten geistigen Zustand. Man sieht (innerlich) etwas, was man nie zuvor gesehen hat. Und man verspürt das Bedürfnis, anderen Menschen davon Mitteilung zu machen. Tatsächliche Erkenntnisse schlagen ein wie ein Blitz. Sie stellen plötzlich Zusammenhänge her, wie man sie bisher nicht gesehen hat. Oder sie lassen einen Zusammenhang unter einem völlig neuen Blickwinkel erscheinen. Am Beginn jedes einzelnen Elements unseres großen Wissensgutes steht die plötzliche Erkenntnis durch einen einzelnen Menschen, der heute nur noch in den seltensten Fällen auch tatsächlich namentlich bekannt ist. Das verhält sich auch mit religiösen Einsichten nicht anders. T

2.13. Graben nach Gold.

Grob gesprochen, lassen sich überlieferte Wissensinhalte religiöser Art (so wie alle überlieferten Wissensinhalte) in zwei Gruppen einteilen: In Wahrheiten, und in Lügen. Der Ausdruck 'Lüge' mag in diesem Zusammenhang etwas hart erscheinen. Vielleicht sollte man besser von 'Unwahrheiten' sprechen, denn im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man ja unter einer Lüge das absichtsvolle, bewußte Aussprechen der Unwahrheit, während man jemanden, der von dem, was er sagt, tatsächlich überzeugt ist, nicht unbedingt als Lügner bezeichnet, auch wenn das, was er sagt, falsch ist. Ich glaube, es wäre sogar recht zweckdienlich, zwischen diesen beiden Kategorien der Unwahrheit zu unterscheiden. Somit könnten wir überliefertes Wissen in die Kategorien Wahrheit, Irrtum und Lüge einteilen. Als vierte Kategorie ließe sich noch all das zusammenfassen, was als banal und wenig überliefernswert erscheint, ungeachtet dessen, ob es jetzt wahr, unwahr oder sogar gelogen sei. Fehlt nur noch eine Strategie, die geeignet wäre, diverse Aussagen der Überlieferung diesen Kategorien zuzuordnen. T

2.14. Anleitung zum Gebrauch des Hausverstandes.

Um gleich einem möglichen Mißverständnis vorzubeugen: Hier geht es nicht um die letzten Wahrheiten, um Absolutes und Endgültiges. Es geht um den Zugang zu religiösen Fragen eines jeden Einzelnen, und um einfache Ratschläge, wie man ein bißchen Ordnung schaffen kann in diesem Dschungel aus Vorurteilen, Ängsten, Sentimentalitäten, Mißverständnissen, nicht aufgearbeiteten Kindheitstraumatas, enttäuschten Hoffnungen, vagen Ahnungen; eine Anleitung zum Gebrauch des eigenen gesunden Hausverstandes, eine Ermutigung, sich doch auch einmal an ein scheinbar so sperriges, hoffnungslos verfahrenes Thema heranzuwagen. Jeder mag für sich selbst entscheiden, welches Thema ihm in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist. Genauso subjektiv wird natürlich auch meine Themenauswahl ausfallen. Ich gehe dabei nach 2 Gesichtspunkten vor: (1.) Ich versuche, mich mit Inhalten auseinanderzusetzen, die mir persönlich wichtig sind; und (2.) ich wähle Themen aus, bei denen ich eine Chance sehe, die eigentliche message aus dem Berg an Überlieferungen herauszufiltern. Da wir Menschen im Grunde einander recht ähnlich sind, besteht die Chance, daß ich dabei nicht nur zu ausschließlich für mich interessanten Ergebnissen komme. T

2.15. Was ist Religion?

Was sind überhaupt religiöse Themen? Ich habe das Adjektiv 'religiös' bisher ziemlich inkritisch verwendet, ohne mir die Mühe einer Definition zu machen. Gerne wird in diesem Zusammenhang auf das lateinische Verb 'religare' verwiesen, aber viel bringt das nicht, denn schon die alten Römer haben unter dem Substantiv 'religio' so ziemlich das Gleiche verstanden wie wir heute unter 'Religion'. Auf die Entstehungsgeschichte des Wortes mag die Vorsilbe 're-' ein gewisser Hinweis sein, weil damit der Bezug zu etwas angesprochen wird, möglicherweise der Bezug zu Althergebrachtem, vielleicht auch zu althergebrachten Werten. Schon die alten Römer haben aber ihr Wort 'religio' auch zur Bezeichnung von Frömmelei und Heuchelei verwendet. Wir verwenden das Wort 'Religion' heutzutage eigentlich nicht in diesem negativen Sinn. T

2.16. Das Recht auf eine eigene Meinung.

Der Bezug auf alte Werte: sind es nicht genau diese 'alten Werte', die wir aufspüren möchten, die wir dem Kitsch und der Versteinerung entreißen möchten, von denen sie heute meistens umgeben sind? Alte Weisheiten und Erkenntnisse mögen an ihrem Anfang gestanden haben, und von einem Kommunikationsinstrument mit dem Namen 'Tradition' wurden sie in Form von Riten, Zeremonien, Gebräuchen, Tabus und Mythen gleichsam für die Nachwelt konserviert. Schon in der für uns einigermaßen nachvollziehbaren historischen Menschheitsgeschichte gab es immer wieder Phasen, in denen die Menschen besonderen Wert auf ihre eigene spontane Urteilskraft gelegt haben; man denke nur an das klassische Griechenland, an die Renaissance, und an die Zeit der sogenannten Aufklärung. Zwischendurch hat das Pendel immer wieder auch in die andere Richtung ausgeschlagen, und es konnte für viele Menschen gefährlich werden, eine eigene Meinung zu äußern (die meisten sind jedoch gar nicht auf den Gedanken gekommen, sie könnten eine haben). In weiten Teilen der modernen Welt wird das Recht auf freie Meinungsäußerung für ein hohes Gut gehalten. Heutzutage darf jeder denken was er will, und er darf es auch aussprechen, wenn es auch Ausnahmen gibt (Verleumdung wird mit Strafe bedroht). T

2.17. Die wahren Abenteuer sind im Kopf.

Obwohl wir heute in einer Zeit leben, in der so viele Menschen wie noch nie zuvor ihre Meinung sagen dürfen, ohne gleich um Leib und Leben fürchten zu müssen, geschieht es doch relativ selten, daß man etwas wirklich Wichtiges und Interessantes zu hören bekommt. Uns werden pausenlos die Ohren vollgesungen mit billigem Ramsch und langweiligen Ladenhütern. Wir hören schon gar nicht mehr hin. Wie oft kommt es vor, daß wir aufmerksam die Ohren spitzen um etwas wirklich Interessantes zu hören? Einmal in der Woche? Dreimal im Jahr? Die meisten Menschen hätten zwar die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden, aber die wenigsten machen davon tatsächlich Gebrauch. Sie kommen nicht auf den Gedanken, daß es nur auf das ankommt, was sich in ihrem Kopf abspielt, und auf sonst nichts. In Wahrheit schätzen sie das, was sich in ihrem Kopf befindet, nicht besonders hoch ein; und sie sind sich nicht darüber im Klaren, daß sie sich damit selbst nicht besonders hoch einschätzen. Es gibt nicht viele Themen, über die sie eine Meinung haben, und wenn sie eine haben, dann meistens nicht ihre eigene. T

2.18. The 'hard' problem.

Aber jeder Mensch, egal wie gebildet er sein mag, ob er sich nun für Atomphysik interessiert oder für die Backstreet Boys, ob er vor dem Fernseher sitzt oder vor dem Computer, ob er seine Meinung ausspricht oder sich keine zutraut: jedem wird eines schönen Tages klar, daß das Leben nicht ewig dauern wird, daß es ein Ende haben wird, und daß dieses Ende früher oder später kommen wird, ohne daß wir uns es aussuchen können. Warum soll nicht auch jeder erfahren, wie schon unzählige Generationen von Menschen vor ihm mit diesem Problem fertig geworden sind? Warum wollen wir diesen Vorteil, den uns unsere einmalige Befähigung zur Weitergabe von Wissen von einer Generation auf die nächste und übernächste verschafft, den wir in materiellen Dingen so hervorragend zu nutzen verstanden haben, warum wollen wir diesen Vorteil nicht auch im Zusammenhang mit eher geistigen, ideellen Dingen nützen? Sind diese 'geistigen' Dinge weniger wichtig für uns? Ganz im Gegenteil! Sie sind sogar sehr wichtig, werden von den meisten Menschen als wichtiger eingestuft als Wäschewaschen, Einkaufen, Autofahren, Fernsehen oder Golfspielen. T

2.19. Die reine Wahrheit.

Trotzdem wird fast jeder mißtrauisch, sobald von Religion die Rede ist. Vielleicht liegt es daran, daß unserem gesunden Menschenverstand in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten so manche haarsträubende Behauptung im Zusammenhang mit Religion aufgetischt wurde, und wir es inzwischen einfach müde sind, uns von lästigen Psychopathen und Neurotikern länger vollquatschen zu lassen. Unseren Kindern erzählt man heute noch das Märchen vom Himmel und von der Hölle, und die meisten Menschen kommen Zeit ihres Lebens nicht über dieses Niveau hinaus. Nein, das ist es nicht, was wir hören möchten, das staubt uns schon lange zu den Ohren heraus. Die Kirchen der Welt setzen auch im 20. Jahrhundert immer noch auf die alten Ammenmärchen, und ihr Erfolg schwindet, denn die Menschen lassen sich nicht länger für dumm verkaufen. Die wenigen, die auch in unserer schläfrig machenden Konsumgesellschaft noch die Wahrheit wissen wollen, wollen die reine Wahrheit wissen, ohne das ganze Lametta drum herum. T
2.20. Wasser, das den Durst für immer stillt.

Diese 'reine Wahrheit' scheint - auf den ersten Blick zumindest - weit weniger spektakulär zu sein als es sich unsere Sensationslust wünschen würde. Aus irgendeinem, tief in unserem Hirn verwurzeltem Grund haben wir einen schier unstillbaren Hunger nach Neuigkeiten. Die einen stillen ihn mit Tratsch und Klatsch, die anderen mit Kriminalromanen zweifelhafter Qualität, wieder andere (oder auch dieselben), indem sie sich jeden Tag mehrere Fernsehfilme reinziehen; und das sind noch relativ harmlose Methoden, sich die Zeit zu vertreiben. Im Grunde mag diese ständige Gier nach Neuem auch hinter weniger sympathischen Erscheinungen stehen wie Drogensucht, Gewalttätigkeit und Verschwendungssucht. Es gibt ein schönes Jesus-Wort, gesprochen zu der Frau am Brunnen: "Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird nie wieder dürsten." Das ist die Sorte Wahrheit, die wir hier aufspüren möchten, und ich bin davon überzeugt, daß es sie gibt und daß wir Menschen im Verlauf unserer Geschichte schon öfter auf sie gestoßen sind. Sie wurde immer wieder zur Geburtsstunde einflußreicher Religionen, deren über die Jahrhunderte sich anhäufender Ballast die eigentliche Erkenntnis allmählich verdeckt hat, bis das Zierrat wichtiger war und die Menschen mehr beschäftigt hat als die Kernaussage, die damit bewahrt und tradiert werden sollte. T

1-2-3-4-Der Eine Gott
3. 1. Zum Beispiel das Alte Testament.
3. 2. Ein Gott Namens 'Ich werde sein'.
3. 3. Wer erfand den Ein-Gott-Glauben?
3. 4. Das Wesen, das als Einziges ist.
3. 5. Haben Sie eine Lieblingszahl?
3. 6. Von der Scheu, auf Fugen zu treten.
3. 7. Jede Menge Unsinn.
3. 8. Schlechte Angewohnheit?
3. 9. Erfolgreiche Strategien!
3.10. Generationen im Irrtum.
3.11. Maßnahme gegen den Aberglauben.
3.12. Eine Sammlung von Vorschriften.
3.13. Hammurabbi.
3.14. Morden und Stehlen.
3.15. Nutzeffekt von Vorschriften.
3.16. Du sollst Vater und Mutter ehren.
3.17. Was ist so schlimm am Sex?
3.18. Etwas befolgen, auch wenn man es nicht versteht.
3.19. Wenn aus Glauben Selbstverständlichkeit wird.
3.20. Von schlechten Lehrern und dummen Schülern.
3.21. Theorien von Scharlatanen sind von kurzer Dauer.
3.22. Texte, die noch nach Jahrtausenden lebendig sind.

3.1. Zum Beispiel das Alte Testament.
Im Folgenden möchte ich anhand einiger Beispiele aus dem christlich-mosaischen Überlieferungsschatz demonstrieren, worauf ich hinaus will, einfach deshalb, weil ich mit anderen Religionen zu wenig vertraut bin. Ich meine aber, daß man hinter vielen (wenn nicht sogar allen) Religionen dieser Welt Grundaussagen entdecken könnte, die einander sehr ähnlich sind (eine Behauptung, für die ich allerdings - zumindest vorläufig - einen Beweis schuldig bleiben muß). Mit dieser Tradition hab ich mich ja schon weiter oben einige Male befaßt: Mit den Berichten von der Sintflut und vom Paradies, mit dem Turmbau zu Babel, mit der Vorstellung von Himmel und Hölle, und mit einem Wort des Jesus von Nazareth. Diesmal wollen wir uns an ein Thema von besonders großer Bedeutung für die lebendige Praxis des christlich-mosaischen Glaubens heranwagen: An die sogenannten 'Zehn Gebote'. T

3.2. Ein Gott Namens 'Ich werde sein'.

Die ersten drei dieser Gebote befassen sich mit 'dem einen Gott'. Für die Geburtsstunde dieser Religion (bzw. dieser Religionen) dürfte es entscheidend wichtig gewesen sein, von einem einzigen Gott zu sprechen. Das scheint etwas Besonderes gewesen zu sein. In den ältesten schriftlichen Aufzeichnungen wird für diesen einen Gott ein Name genannt, den man am besten mit 'Ich bin' oder 'Ich werde sein' übersetzen könnte. Ein Gläubiger glaubt also strenggenommen nicht an einen Gott, sondern an das Wesen, das ist. Schüchterne Versuche, Näheres zu erfahren, wurden von diesem Wesen angeblich mit Donner, Blitz und Zorn beantwortet, und nicht mit der gewünschten Auskunft. Den Menschen blieb also nichts anderes übrig als ihren einen Gott mit den einzigen Worten zu benennen, die er ihnen als Antwort gegeben hat auf ihre Frage, wer er denn sei, mit den Worten: 'Ich bin.' Punkt, aus. Das mußte genügen, nähere Details gingen sie einen feuchten Kehricht an. Und die Menschen haben das akzeptiert und haben daraus sogar so etwas wie ein Kernelement ihres Glaubens gemacht. Der ebenfalls in der mosaisch-christlichen Tradition stehende Islam verbietet konsequenter Weise bis zum heutigen Tag jeglichen Versuch einer bildhaften Darstellung des einen Gottes, ein Verbot, das einem Michelangelo zum Glück nicht auferlegt war. T

3.3. Wer erfand den Ein-Gott-Glauben?

Woher stammt nun diese Idee? Welcher Gedanke steckt dahinter? Wir müssen wohl davon ausgehen, daß die Menschen schon lange vor der Entstehung des Eingottglaubens den Begriff 'Gott' gekannt haben. Was brachte sie auf den Gedanken, es wäre interessant, statt an viele verschiedene Götter nur mehr an einen Gott zu glauben? War es eine beliebige Modeerscheinung, die sich zufällig durchgesetzt hat? Liegt es daran, daß es tatsächlich diesen einen Gott gibt, und daß irgendein schlauer Mensch diese Tatsache eines Tages erkannt hat? T

3.4. Das Wesen, das als Einziges ist.

Moderne Exegeten der Heiligen Schriften werden nicht müde uns zu versichern, daß man den Inhalt dieser Schriften mit Vorsicht genießen muß, und daß man auf keinen Fall alles wortwörtlich nehmen sollte, was da geschrieben steht. Ich mache mich also in unserer 'aufgeklärten' Zeit keiner Blasphemie schuldig, wenn ich zaghaft die Möglichkeit in Erwägung ziehe, dieser 'eine Gott', der mit Auskünften über sich selbst so zurückhaltend war, habe sich in Wirklichkeit gar nicht 'in einem brennenden Dornbusch' offenbart, und seine Stimme hat nicht 'aus den Wolken' gesprochen. Was bleibt, ist die bedingungslose Unterordnung der Gläubigen unter ein Wesen, das als einziges ist. Dieses Wesen geht über alles und läßt nicht zu, daß sich die Menschen anderwärtig unterordnen, weder unter andere Götter, noch unter ihre eigenen Wünsche und Begierden. Sie haben einzig und allein dem Einen zu dienen, der ist. Mit dieser Forderung wurde den frühen Menschen ziemlich viel abverlangt. Bis dahin mag es sich wohl immer wieder als vorteilhaft oder einfach nur unvermeidlich ergeben haben, sich in Abhängigkeiten zu schicken, jemandem zu dienen der größer und mächtiger war, den man auch lieben und verehren konnte, oder den man fürchtete. Aber dieser Herr mit seinem unbegrenzten Absolutheitsanspruch, der es nicht einmal für nötig hält, sich vorzustellen, bedeutete etwas Neues. T

3.5. Haben Sie eine Lieblingszahl?

Wir Menschen haben eine merkwürdige Eigenheit: Wir neigen zum Aberglauben. Wir tun das von Kindesbeinen an. Gerade Kinder habe oft ganz erstaunliche Vorlieben und Abneigungen, von denen sie nur schwer abzubringen sind. Mit fünf Jahren hatte ich eine Lieblingszahl: die Zahl drei. Was hat das eigentlich bedeutet? Ich fürchte, ich weiß es heute nicht mehr so genau, aber es hatte etwas damit zu tun, das Eintreten und den Ablauf von scheinbar zufälligen Ereignissen zu beeinflussen. Ich verstehe heute nicht, woher ich das hatte. Es war auf jeden Fall ein großes Geheimnis, und nie durfte ich mich dabei erwischen lassen, dieser meiner Lieblingszahl zuliebe etwas genau dreimal zu tun, dreimal zu sagen, mit leiser Stimme, nur hörbar für mich selbst. Später, mit etwa 8 Jahren, vollzog ich von einem Tag auf den anderen eine radikale Abkehr von der Zahl drei. Auslöser dürfte eher kein konkretes Ereignis gewesen sein, sondern eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben, eine Stimmungslage, für die es eigentlich - soweit ich mich erinnere - keinen konkreten Anlaß gegeben hat. Ich wechselte zur Zahl vier, und mied fortan die Zahl drei wie die Pest. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich also zwei bedeutungsvolle Zahlen: eine gute, und eine schlechte. Auf dem Schulweg achtete ich darauf, wie oft die gute und die schlechte Zahl in den Kennzeichen der Autos vorkam, ein Spiel, das ich gelegentlich noch heute mit mir spiele. Bei monoton mehrmals hintereinander ausgeführten Bewegungen, wie z.B. beim Aufpumpen eines Fahrradschlauches, gelingt es mir aufgrund dieses jahrzehntelangen Trainings ohne Weiteres, Gruppen von bis zu 64 Bewegungsabläufen spontan zu erfassen, und es kostet mich immer noch eine gewisse Überwindung, mich nicht an diesen 'guten' Zahlen zu orientieren. T

3.6. Von der Scheu, auf Fugen zu treten.

Wahrscheinlich hat jeder von uns so seine kleinen Marotten, über die er nicht gerne spricht. Relativ weit verbreitet scheint eine gewisse Irritation zu sein, die uns befällt, wenn wir auf einem regelmäßig strukturierten Untergrund gehen, wie z.B. auf Plastersteinen oder Steinplatten mit größeren Abständen zwischen den Fugen. Soll man auf die Fugen treten, oder soll man sich die Schritte so einteilen, daß das gerade nicht passiert? Was mich betrifft, habe ich als Kind und Jugendlicher streng darauf geachtet, nicht auf die Fugen zu treten; heute tue ich es gelegentlich justament, und empfinde eine gewisse Belustigung dabei. Meistens lege ich aber heute meine Wege zurück, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ich nun auf Fugen oder auf Platten trete. Ich muß auch sagen, daß mir diese zuletzt genannte Methode als die einzig wirklich vernünftige erscheint; alles andere sind Kindereien und Spinnereien, die man lieber niemandem erzählt, wenn man nicht für verrückt gehalten werden möchte. T

3.7. Jede Menge Unsinn.

Warum haben die meistens Menschen eine Lieblingszahl? Warum haben so viele von uns skurrile Angewohnheiten, die sie lieber für sich behalten, ehe sie sich auslachen lassen? Ist das krankhaft, oder ist das zutiefst menschlich? Wo liegt die Grenze? Für uns ist es heute relativ einfach abzuschätzen, was vernünftig und was unvernünftig ist, vor allem für uns Erwachsene. Wir haben in der Schule gelernt, was möglich und was unmöglich ist. Selbst jene von uns, die sich aus Bildung wenig machen, verfügen über ein Wissen, das darauf beruht, was Tausende von Generationen vor uns in der Auseinandersetzung mit der uns umgebenden Wirklichkeit erfahren haben. Wir wissen, daß es egal ist, ob wir morgens mit dem rechten oder mit dem linken Fuß zuerst aufstehen, und daß es egal ist, ob die Katze, die uns über den Weg läuft, schwarz oder weiß ist. Aber ein Kind weiß das nicht, und die frühen Menschen, als sie gerade erst gelernt hatten, logisch zu denken, wußten es auch noch nicht. Sowohl in unserer langen Kulturgeschichte, als auch in der persönlichen Geschichte eines jedes Einzelnen von uns gab es eine Phase des Herumprobierens in der Auseinandersetzung mit der Welt, und unter all den Dingen, die wir ausprobiert haben, war naturgemäß auch jede Menge Unsinn. T

3.8. Schlechte Angewohnheit?

Inzwischen haben wir viel Zeit gehabt, uns davon zu überzeugen, daß so manches, was wir als Kind für möglich gehalten haben, Unsinn ist. Und in der Schule hat man uns beigebracht, wie die Wirklichkeit höchstwahrscheinlich funktioniert. Trotzdem ist ein gewisser Rest an Aberglauben nicht auszurotten. Woran liegt das? Ich glaube, es liegt an unserer natürlichen Neigung, Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten in der Natur mit der Strategie des Herumprobierens auf die Spur zu kommen. Das ist unsere große Stärke und hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Schon als Kind haben wir das Bedürfnis, unserer Natur zu folgen: Wir stellen Theorien auf, ohne zu ahnen, was wir da tun, überprüfen sie, verwerfen sie, und wir wissen noch nicht, was vernünftig ist und was nicht. Manche machen damit auch als Erwachsene weiter. Schon immer gab es Menschen mit etwas absonderlichen Vorlieben; viele dieser Vorlieben genießen allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz. Ein gutes Beispiel dafür sind Glücksspiele und Lotterien, oder die Beschäftigung mit den sogenannten Tierkreiszeichen. Zu früheren Zeiten unserer Menschheitsgeschichte mag es wesentlich schwieriger gewesen sein, zu entscheiden was vernünftig und was unvernünftig war. Vieles hat sich erst durch sorgfältige Beobachtung über mehrere Generationen hinweg bestätigen lassen. Oft standen die Phänomene miteinander in einem indirekten Zusammenhang, den zu durchschauen die frühen Menschen einfach noch nicht die technischen Möglichkeiten hatten. Dennoch konnten sie von einmal durchschauten Zusammenhängen, so sehr sie sich auch einer einfachen logischen Erklärung entzogen, profitieren. T

3.9. Erfolgreiche Strategien!

Für die frühen Menschen gab es keinen Aberglauben. Es gab nur erfolgreiche, und weniger erfolgreiche Strategien. Die Annahme, hinter den Naturgewalten stünden Wesen mit Bewußtsein, die man durch Geschenke und Opfer beeinflussen kann, war eine solche Strategie. Wenn wir es heute nicht besser wüßten, Hand aufs Herz: Wer würde nicht gelegentlich auch auf diese Idee kommen? Es ist keineswegs so weit hergeholt, z.B. hinter dem Wetter das Walten eines absichtsvollen Wesens zu vermuten, das darauf aus ist, uns das Wochenende zu verderben. Es mag auch immer wieder vorgekommen sein, daß eine Taktik, die auf einer irrigen Annahme beruhte, dennoch zum Erfolg geführt hat, ohne daß die Menschen die tatsächlichen Zusammenhänge durchschauten. Den Erfolg nahmen sie als Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Annahmen und konstruierten auf diese Weise ein Weltbild, das erst viel später aufgrund neuer Erkenntnisse unhaltbar wurde. Der Drang, Ereignisse zu erklären, scheint für uns Menschen so stark zu sein, daß wir auch für Phänomene, die nach unserem jeweiligen Wissensstand nicht zu erklären sind, Erklärungen vorschlagen, auch wenn sie völlig aus der Luft gegriffen sind. Wir können es einfach nicht lassen. T

3.10. Generationen im Irrtum.

Ich behaupte, daß der Glaube an Gottheiten bei unseren Vorfahren nur auf das Fehlen von Wissen, gepaart mit der schier unbezähmbaren Sehnsucht nach Erklärungen, zurückzuführen war. Keine dieser Gottheiten hat es wirklich gegeben. Hier haben also viele Generationen geirrt (von Lüge kann man in diesem Zusammenhang wohl nicht sprechen), allerdings ohne dadurch gravierende Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Im Gegenteil: Oft mag sich ein solches Weltbild eher stabilisierend auf die gesellschaftliche Ordnung ausgewirkt haben. Die frühen Menschen brauchten einfach ihre Götter, sie gehörten zur Normalität. Sie fanden nichts dabei. Interessanterweise ist keine einzige historische oder prähistorische Kultur bekannt, die ohne die Vorstellung von einer oder mehreren Gottheiten ausgekommen ist. T

3.11. Maßnahme gegen den Aberglauben.

Nur noch an einen einzigen Gott zu glauben, muß vor diesem Hintergrund als ausgesprochen revolutionär erschienen sein. Eine solche Entwicklung wirkt wie ein Schritt hin zu mehr Vernunft und Rationalität. So betrachtet könnte man die provokante These vertreten, die ersten drei, den 'einen Gott' betreffenden Gebote der christlich-mosaischen Religionen richten sich in erster Linie gegen den Aberglauben, und plädieren im weiteren Sinne für die menschliche Vernunft. Aus unserer heutigen Sicht könnte man in ihnen sogar Vorschriften gegen einen Glauben an Gott sehen. Daß bereits die frühesten Träger der mosaischen Tradition zumindest eine Ahnung von dieser letzten Konsequenz ihres Eingottglaubens hatten, läßt sich bereits dem Bericht vom Paradies entnehmen: Gott läßt die ersten Menschen aus dem Garten Eden vertreiben, damit sie nicht auch noch vom Baum des ewigen Lebens essen und so werden wie er, der eine Gott der ist. T
3.12. Eine Sammlung von Vorschriften.

Wie sieht es nun mit den anderen Geboten aus? Wir sollen Vater und Mutter ehren; wir sollen nicht töten; wir sollen nicht die Ehe brechen; wir sollen nicht stehlen; wir sollen nicht lügen; und wir sollen unserem Nächsten nicht die Frau (bzw. den Mann) ausspannen. An diesen Vorschriften sind zwei Tatsachen besonders interessant: (1.) Die meisten sind auch von vielen anderen Kulturen bekannt; und (2.) sie halten den einzelnen dazu an, seine Interessen nicht zum Nachteil anderer durchzusetzen. So betrachtet, ist überhaupt nichts spezifisch Religiöses an diesen Geboten. Wir würden heute doch auch nicht auf die Idee kommen, unsere Gesetze in einem religiösen Zusammenhang zu sehen. Aber wir haben heute ein anderes Verhältnis zu Religion als die Menschen früherer Zeitalter. Wir betrachten heute die Religion als eines jeden Menschen Privatsache, und in religiösen Dingen kann jeder tun und lassen was er will. Das heißt im Klartext, daß man heute nach Belieben gegen mehr als die Hälfte der 10 Gebote verstoßen darf, ohne daß man deshalb zur Rechenschaft gezogen wird. Nur beim Töten und beim Stehlen ist man auch heute noch etwas zimperlich. T

3.13. Hammurabi.

Auch wenn der älteste Teil der mosaisch-christlichen Tradition, der vermutlich zur Zeit der sogenannten Babylonischen Gefangenschaft in Mesopotamien zum ersten Mal in schriftlicher Form niedergelegt wurde, als 'Heilige Schrift' bezeichnet wurde, handelt es sich dabei nicht um ein Werk rein religiösen Inhalts. Über weite Abschnitte ist es ein historisches Werk, in dem die Geschichte eines Volkes festgehalten wird. Andere Abschnitte können als eine Sammlung von Vorschriften im Sinne eines Gesetzbuches verstanden werden. Die gemeinsame Klammer, die daraus ein einheitliches 'Heiliges Buch' macht, ist der Wille des einen Gottes, des Gottes der einfach ist: Er hat die Geschichte gelenkt, und er hat die Gesetze erlassen, ja er hat sogar die Tafeln, auf die die Gesetze geschrieben waren, dem Anführer Moses persönlich in die Hand gedrückt. Bemerkenswerter Weise decken sich viele dieser Gesetze mit jenen, die einst Hammurabi, der erste uns historisch bekannte Gesetzgeber, in Babylonien hat niederschreiben lassen, und zwar schon bevor die Juden nach Babylonien verschleppt worden sind. Haben die Juden von Hammurabi abgeschrieben? Wahrscheinlicher ist, daß weltweit in praktisch allen Kulturkreisen Gesetze gegen Mord und Diebstahl als erste eingeführt wurden, unabhängig voneinander. T

3.14. Morden und Stehlen.

Heute gilt es 99.9% aller Menschen als selbstverständlich, daß Mord und Diebstahl abzulehnen sind. Das war nicht immer so. Wir können uns das zwar kaum vorstellen, aber wir sind uns heute ziemlich sicher, daß es einmal eine Zeit gegeben hat, da wir Menschen noch keine Menschen waren. Erinnern wir uns an das erste Buch Mose: Wir mußten das Paradies verlassen, als wir den Unterschied zwischen Gut und Böse erkannt hatten. Wie weiter oben ausgeführt, könnte dieser Wandel mit dem Prozeß der Sprachfindung zusammenhängen und damit sehr weit zurückliegen. Schon seit mehreren Zehntausenden von Jahren dürfte es als 'böse' gelten, zu töten und zu stehlen. Diese Erkenntnis stand gewissermaßen an der Wiege unserer Menschwerdung. Sie wurde zum Inhalt der ersten Traditionen und ist auch uns modernen Menschen keineswegs angeboren. Sie wurde zum selbstverständlichen Inhalt auch der oberflächlichsten Erziehung. Am Anfang allerdings muß irgend jemand von sich aus auf die Idee gekommen sein, daß es günstig sein könnte, das Morden und das Stehlen zu unterlassen, jemand, dem das nicht durch Tradition und Erziehung mitgegeben worden war, sondern der aufgrund seiner Vernunft und durch logisches Nachdenken zu dieser Erkenntnis gekommen ist. Wie mögen wohl seine Gedankengänge gewesen sein? Und wie mag er versucht haben, seine Mitmenschen davon zu überzeugen? T

3.15. Nutzeffekt von Vorschriften.

Es fällt uns heute nicht wirklich schwer, uns seine Gedankengänge vorzustellen, wieviel Zeit seitdem auch immer verstrichen sein mag. Wir wollen an dieser Stelle aber gar nicht den Versuch unternehmen, diese Argumente nachzuvollziehen, denn letztendlich wird wahrscheinlich nicht die zwingende Logik seiner Argumentation den Ausschlag gegeben haben, sondern der langfristige Nutzeffekt einer Einhaltung erster grundlegender Verhaltensregeln. Die Bewährung einer Verhaltensanleitung über mehrere Generationen war wohl wichtiger als die klarsten logischen Argumente dafür. Mord und Diebstahl werden heutzutage in modernen zivilisierten Staaten in erster Linie durch das Strafgesetz geregelt und nicht durch 'Heilige Schriften'. Die Gerichtsbarkeit obliegt in solchen grundlegenden Angelegenheiten der weltlichen Autorität. T

3.16. Du sollst Vater und Mutter ehren.

Wenn ein Gebot gleich nach den drei Geboten kommt, die sich auf den einen Gott beziehen, dann muß es wohl recht wichtig sein (wichtiger als das Verbot, zu töten?): Das Gebot der Hochachtung, die man Vater und Mutter entgegenbringen soll. Dieses Gebot ist bestimmt mehr als eine bloße Aufforderung zur Dankbarkeit. Es ist nichts anderes als die Verpflichtung zur Tradition. Damit bildet es praktisch das Fundament für den Erfolg der Menschen als Art. In allen Kulturen dieser Welt spielt die Ahnenverehrung eine große Rolle. Nach allem, was bisher gesagt wurde, ist es wohl entbehrlich, im Detail auf die Vorteile einzugehen, die mit der Einhaltung eines solchen Gebotes verbunden waren. T

3.17. Was ist so schlimm am Sex?

Unter allen Geboten der mosaisch-christlichen Religionen ist keines so vielschichtig wie jenes, das sich gegen den Ehebruch richtet. Es ist gar nicht so leicht, der 'Heiligen Schrift' zu entnehmen, was damit im Detail alles gemeint ist. Wenn man lang genug nachforscht, landet man schließlich mitten in jenem Teil der Schrift, der bis ins Kleinste eine Unzahl von Verboten festlegt, nicht nur aus dem Bereich der Sexualität, sondern auch aus den Bereichen Ackerbau, Tierhaltung und Zubereitung von Speisen. Es handelt sich dabei (wenn es erlaubt ist, das offen auszusprechen) um den mit Abstand langweiligsten Abschnitt dieser ehrwürdigen Schrift, langweilig deshalb, weil es dabei ausschließlich um sehr praktische Dinge geht, die mit uns heute nicht mehr das Geringste zu tun haben. Was das Thema Sexualität betrifft, so wird in schier endlosen Litaneien aufgezählt, wer mit wem 'nicht darf'. Eine große Zahl dieser Vorschriften laufen schlicht und einfach auf ein Inzest-Verbot hinaus, und das hatte, wie wir heute auch wissenschaftlich begründen können, durchaus seine Berechtigung. Aber ist es wirklich genau das, was mit dem berühmt-berüchtigten 'sexten' Gebot gemeint war? Damit würde ja ein rein praktischer Aspekt im Vordergrund stehen, und ein Inzest-Verbot kennt unser modernes Strafrecht auch, abseits aller religiösen Überlegungen. Sogar der Ehebruch wurde bis vor nicht allzu langer Zeit auch in den 'fortschrittlichsten' Gesellschaften strafrechtlich verfolgt. Wo wäre dann der eigentlich religiöse Gehalt der 10 Gebote, jetzt von den ersten 3 Geboten einmal abgesehen? T

3.18. Etwas befolgen, auch wenn man es nicht versteht.

Ich meine, daß man durchaus davon ausgehen kann, daß den nicht direkt auf den einen Gott bezogenen Geboten der mosaisch-christlichen Religionen nichts von dem innewohnt, was wir heute als religiös empfinden. Uns erinnern sie heute eher an eine Reihe von Kernaussagen eines einfachen Strafgesetzbuches. Warum sahen frühere Generationen darin geradezu die entscheidenden Kernaussagen ihrer religiösen Überzeugung? Ich behaupte, weil diese Gebote lange Zeit von ihnen etwas verlangten, was sie selbst noch nicht völlig verstehen konnten. Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit ihrer Einhaltung hat nur einigen wenigen spontan eingeleuchtet, jenen, die in weiterer Folge zu Religionsgründern wurden. Nach deren Tod übernahmen Sprache und Ritus die Weitergabe ihres Wissens im Rahmen der Tradition. Auf diese Weise konnte das Wissen vor dem Vergessen bewahrt werden, selbst dann, wenn nicht jeder, der an dieser Stafette beteiligt war, alles verstand, was er da tradierte. T

3.19. Wenn aus Glauben Selbstverständlichkeit wird.

Mit der Zeit verstanden immer mehr Menschen, was ursprünglich nur einer als erster verstanden hatte, bis es fast alle kapiert hatten, und dann war diese Erkenntnis nicht mehr Teil der Religion, sondern eine Selbstverständlichkeit. Heute sind wir über die meisten der alten mosaisch-christlichen Gebote hinausgewachsen. Wenn man bedenkt, wie viele Jahrtausende seit ihrer Einsetzung inzwischen vergangen sind (wir wissen nicht einmal genau, wie viele; es könnten drei, aber auch wesentlich mehr sein), so wundert man sich eigentlich darüber, daß sie inzwischen nicht alle ohne Ausnahme überholt sind. Entweder gibt es ein paar Gebote, die wir bis heute nicht richtig kapiert haben, oder wir interpretieren sie heute ganz anders als sie ursprünglich gemeint waren. T

3.20. Von schlechten Lehrern und dummen Schülern.

Ist es möglich, daß wir Menschen etwas von Generation zu Generation besser verstehen? Steht nicht jede Generation vor derselben Aufgabe? Die Frage ist gleichbedeutend mit der Frage nach der Ursache des technischen Fortschritts und hängt eng mit den Mechanismen unserer Tradition zusammen. Die Menschen sind verschieden, und es ist nicht selbstverständlich, daß sie einander verstehen. Die schönste Erkenntnis nützt dem Fortschritt nicht, wenn sie nicht weitergegeben wird. Man soll die Schwierigkeiten, die mit der erfolgreichen Weitergabe von Wissen verbunden sind, nicht unterschätzen. In der Stafette der Wissensweitergabe ist es leider fast die Regel, daß Lehrern, die mit Freude und Engagement ihr Wissen weitergeben wollen, irgendwelche Idioten zugeführt werden, die eigentlich gar kein Interesse an diesem Wissen haben, oder daß umgekehrt junge, wissensdurstige Leute an langweilige, vertrocknete Neurotiker geraten, die nichts von dem, was sie da tradieren sollten, wirklich verstanden haben. Unter diesem Gesichtspunkt muß die erfolgreiche Wissensweitergabe geradezu als glücklicher Zufall betrachtet werden. Die Situation verbesserte sich in dem Maße, in dem die Methoden verbessert wurden. Eine gute Methode ermöglicht es auch dem langweiligen Neurotiker, Wissen weiterzugeben, auch wenn er selbst dieses Wissen gar nicht hat. Und im Laufe der Generationen tauchen immer wieder genug gescheite Leute auf, die die Methoden weiter verbessern. Damit ist es heute einer Generation möglich, sich ein Wissen anzueignen, das von Hunderten von Generationen zusammengetragen worden ist. T

3.21. Theorien von Scharlatanen sind von kurzer Dauer.

Auch wenn wir Menschen alle recht verschieden voneinander sind, manche fundamentale Einsichten fallen bei jedem nahezu gleich aus. Eine funktionierende Überlieferungstechnik eröffnet jedem heute die Chance, zu Erkenntnissen zu kommen, die andere vor ihm ein ganzes Leben lang beschäftigt haben. Damit meine ich nicht nur den formalen Inhalt, sondern die Erkenntnis an sich (das sogenannte 'Aha-Erlebnis'). Wir haben schon erwähnt, daß ein Traditionsträger nicht unbedingt über eine tiefere Einsicht in das von ihm tradierte Wissen verfügen muß, aber es erleichtert ihm seine Aufgabe erheblich, wenn er sie hat. Im Idealfall löst bei uns Wissensempfängern die Weitergabe von Wissen jene Denkprozesse aus, die seinerzeit schon dem Entdecker dieses Wissens widerfahren sind. Es wäre natürlich vorstellbar, daß ein Wissensentdecker in Wahrheit nur so getan hat, als hätte er etwas entdeckt, während er sich in Wirklichkeit nur etwas zusammengesponnen hat, um seine Mitmenschen zu beeindrucken. Damit eine Tradition wirklich über einen langen Zeitraum Bestand haben kann, muß es aber wenigstens ein paar Traditionsträger geben, die das 'Urwissen' vollinhaltlich nachvollziehen konnten und für ihre Mitmenschen quasi als lebender Beweis für die Glaubwürdigkeit des Traditionsinhaltes fungieren. Wir Menschen haben ein gutes Gespür dafür, ob jemand etwas ehrlich meint oder nur Theater spielt. Theorien von Scharlatanen und Dummköpfen haben, in kulturhistorischen Zeiträumen gedacht, kein langes Leben. T

3.22. Texte, die noch nach Jahrtausenden lebendig sind.

Die Aussagen der mosaisch-christlichen Urtradition, wie sie im 'Alten Testament' schriftlich niedergelegt sind, setzen bei Lektüre auch heute noch in den Köpfen moderner Menschen gelegentlich beachtliche Denkprozesse in Gang. Nicht zuletzt ist das der poetischen Kraft zu verdanken, die aus den meist kurzen und in einfachen Worten gehaltenen Sätzen spricht. Meistens allerdings denken wir heute weit über das von den 'Traditionsstiftern' ursprünglich Gemeinte hinaus. Man denke nur, um ein Beispiel zu nennen, an den Satz: 'Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden.' Der Satz würde uns heute kaum mehr interessieren, wenn wir ihm nicht schon längst eine übertragene Bedeutung gegeben hätten (tatsächlich hat das schon Paulus vor fast 2000 Jahren getan). Interessant ist, daß viele dieser alten Vorschriften später auch (oder sogar vor allem) in ihrer übertragenen Bedeutung ernst genommen und befolgt wurden, und zum Teil uns heute noch nachdenklich stimmen (auch wenn kaum mehr ein Mensch auf die Idee kommt, mit Hilfe eines Ochsen zu dreschen). Auf mysteriöse Weise sind wir nach so langer Zeit immer noch in der Lage, die ursprüngliche Intention hinter dem Wortsinn einer Aussage zu erkennen. Denn es gab doch wohl eine ursprüngliche Intention, die über den rein tierschützerischen Aspekt der angesprochenen Vorschrift hinausging, nicht wahr? So betrachtet, handelt es sich beim 'Alten Testament' (zumindest stellenweise) um hervorragende Literatur. Von religiöser Bedeutung ist der Text heute allerdings nicht mehr. Alles, was hier in verschlüsselter Form der Tradition auf den Weg mitgegeben wurde, hat sein Ziel mehrfach erreicht und somit seine Funktion (schon sehr lange) erfüllt. Seit Jesus von Nazareth, seit Paulus, und spätestens seit Augustinus hat das 'Alte Testament', was seine religiöse Bedeutung betrifft, ausgedient. T

1-2-3-4-Das Licht

4. 1. Traditionsverlust?
4. 2. Wen interessiert schon heute Religion?
4. 3. Es geht um Leben und Tod!
4. 4. Schriftgelehrte und Pharisäer.
4. 5. Gläubig ist, wer nicht versteht.
4. 6. Was man verstanden hat, muß man nicht mehr glauben.
4. 7. Die Außen- und die Innenwelt.
4. 8. Der Blick in den Kopf des anderen.
4. 9. Die Wissenschaft vom Innenleben.
4.10. Die Erleuchtung.
4.11. Die meisten sind zum Denken zu faul.
4.12. Wem ein Licht aufgeht.
4.13. Jeder muß selbst auf die Suche gehen.

4.1. Traditionsverlust?
Ich glaube, wir leben heute in (religiös betrachtet) entscheidenden und sehr wichtigen Zeiten. Wenn schon nicht die Gefahr eines Traditionsverlustes besteht, so findet gegenwärtig doch eine Art Stillstand statt. Das Wissen um 'religiöse Wahrheiten', das über die letzten Zehntausenden von Jahren ständig gewachsen ist, hat in den letzten Jahrhunderten (eigentlich eine lächerlich kurze Zeit) einen Rückschlag erlitten. Es kann zwar nicht mehr verloren gehen, was Menschen einmal erkannt haben, denn alles ist unauslöschlich in vielfacher Form aufgezeichnet und niedergeschrieben (Gott sei Dank!), aber die Zahl derjenigen, die den aktuellen und letzten Stand dieses Wissens heute lebendig repräsentieren, ist meiner Meinung nach kleiner als in früheren Zeiträumen, jedenfalls wenn man diese Zahl in Relation sieht zur Gesamtzahl der Menschen, die aktiv in irgendeiner Form an der Traditionsbildung beteiligt sind. Das liegt hauptsächlich daran, daß die Wissensvermittlung im Bereich der verschiedenen Religionen dieser Welt heute hauptsächlich in den Händen von Leuten liegt, die die ursprüngliche Intention der Religionsgründer nie verstanden haben. T

4.2. Wen interessiert schon heute Religion?

Wir leben heute in einer Zeit des 'religiösen Vergessens'. Solche Zeiten gab es auch schon in der Vergangenheit immer wieder, und man muß sich deshalb nicht wirklich Sorgen machen. Zu bedauern sind nur die heute lebenden Menschen, die auf der Suche nach Religion im weitesten Sinne des Wortes sind, und die keine (oder nur falsche) Antworten erhalten. Früher oder später wird wieder jemand in Erscheinung treten, der das Zeug dazu hat, seinen Zeitgenossen die wesentlichen Inhalte der Religion (und ich glaube, im Grunde gibt es nur eine Religion mit vielen verschiedenen Erscheinungsformen im Laufe der Menschheitsgeschichte) wieder nahezubringen. Einer der Letzten, die das geschafft haben, ist Martin Luther gewesen, der nach Erfindung der Buchdruckerkunst die erste deutschsprachige Bibel und damit zugleich die erste einheitliche Deutsche Sprache überhaupt geschaffen hat. Obwohl es heute einfacher als je zuvor ist, Informationen zu verbreiten oder sich zu beschaffen, erscheint es mir manchmal so, als wäre es gerade deshalb besonders schwer geworden, Informationen höchstrangiger Wichtigkeit zu verbreiten. Die Menschen sind unkonzentriert, ihre Empfangskanäle werden überschwemmt mit Banalem und Betäubendem. Nachdem Heerscharen von Werbefachleuten schon alle Tricks anwenden, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, dringt die einfache Mitteilung 'Dein Haus brennt! Rette dich!' nicht mehr zu ihnen durch. T

4.3. Es geht um Leben und Tod!

Die wenigsten Menschen verstehen heute wirklich, worum es bei dem Thema 'Religion' geht. Es geht um nichts Geringeres als um Leben und Tod! Merkwürdigerweise ist es nach all den Jahrtausenden der Beschäftigung des Menschen mit diesem Thema immer noch schwierig, den Menschen klar zu machen, daß es sich lohnt, sich mit diesem Thema zu befassen. Viele betrachten Religion als Altweiberkram, Frömmelei, bis hin zum Aberglauben. Viele scheuen sich, öffentlich Religiosität zur Schau zu tragen (jetzt einmal von fragwürdigen 'Fundamentalisten' jeglicher Couleur abgesehen), viele beschränken ihre Aktivitäten in diesem Bereich darauf, gelegentlich bei unvermeidlichen Begräbnissen das eine oder andere Gebet mechanisch mitzumurmeln. Das ist aber auch verständlich, wenn man mitverfolgt, wie dummdreist Vertreter der offiziellen Amtskirche immer wieder agieren, und wie wenig sie offensichtlich ihren Paulus und ihren Augustinus verstanden haben. Es ist - ganz ungeschminkt ausgedrückt - ein Jammer, von welchen Trotteln sich immer wieder die großen Geister der Vergangenheit interpretieren lassen müssen, und wie viele Menschen auch heute noch eher auf neurotische Agitatoren hereinfallen, als den großen, über Jahrtausende hin zusammengetragenen Wahrheiten Gehör zu schenken. T

4.4. Schriftgelehrte und Pharisäer.

Schon ein Jesus von Nazareth hatte seine liebe Not mit den 'Schriftgelehrten und Pharisäern', die sich als die bürokratischen Verwalter einer immer komplexer werdenden Sammlung von Vorschriften gebärdeten, ohne noch eine Empfindung für den eigentlichen Sinn dieser Gebote zu haben. Der Hinweis Jesu auf den eigentlichen Sinn hinter diesen Vorschriften kam einer Provokation gleich, und die etablierte Bürokratenklasse hat es ihm entsprechend heimgezahlt - mit seiner Hinrichtung. Trotz des scheinbaren Siegeszuges der sich auf ihn berufenden Kirchen über Europa und später auch über große Teile der übrigen Welt gab es immer wieder lange Zeitabschnitte, in denen sich die amtlichen Würdenträger aufführten wie seinerzeit die 'Schriftgelehrten und Pharisäer'. Plötzlich rückten wieder die Gesetze und Vorschriften in den Vordergrund, und von der Liebe und vom 'Ewigen Leben' war nur noch am Rande die Rede. Heute besteht diese Gefahr nicht, im Gegenteil: Die durch Einfluß und weltliche Macht in den letzten 1.500 Jahren so sehr verwöhnte Kirche in der Nachfolge Jesu verliert gegenwärtig beinahe stündlich an Bedeutung, und man fragt sich, wohin das noch führen soll. Meine Elterngeneration hatte noch ein ganz anderes Bild von ihrer Kirche (von deren Elterngeneration ganz zu schweigen), während meine Kinder wieder eine völlig veränderte Kirche kennenlernen. Man könnte sich darüber freuen, wenn es eine Änderung zum Besseren wäre, zu mehr Wahrheit, näher zum eigentlichen Kern der religiösen Tradition. Aber das ist leider nicht der Fall. Der eigentliche Kern jeder religiösen Tradition droht mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten (zumindest bei den Lebenden, nicht in den Schriften), und das, was in früheren Jahrhunderten Tausende zu ihrem ganzen Lebensinhalt gemacht haben, lockt heute nur noch wenige Schüler in den schon lange nicht mehr verpflichtenden Religionsunterricht. T

4.5. Gläubig ist, wer nicht versteht.

Wir wären damit wieder bei einem Thema angelangt, daß wir schon ein paar Mal gestreift haben: Die Frage nach dem Wesenskern jeder religiösen Tradition. Schon weiter oben haben wir an einer Stelle versucht, eine Definition für Religion zu geben: Eine Sammlung von Anleitungen und Vorschriften, deren Bedeutung denen, die sie befolgen sollen, nicht (noch nicht) völlig klar ist. Nach einer solchen Definition ist auch verständlich, warum man die Anhänger einer Religion Gläubige nennt: Sie richten ihr Leben ein nach Grundsätzen, die sie nicht verstehen, an die sie also glauben müssen. Betrachtet man im Lichte dieser Definition unser modernes Zeitalter, so wird rasch klar, daß heute die Wissenschaft die mit Abstand wichtigste aller Religionen geworden ist. Kein Mensch auf dieser Welt ist in der Lage, auch nur ein Promille des gesamten Wissens der Menschheit nachzuvollziehen; nicht nur die Mehrheit der Laien, sondern auch die Genialsten ihrer Zunft sind gezwungen, mehr als 99.9% von dem, was die Wissenschaft lehrt, zu glauben. Wir alle sind Gläubige, egal ob Laie oder Forscher; und es geht dabei noch nicht einmal um Leben und Tod (zumindest nicht in erster Linie; muß es erst um Leben und Tod gehen, damit man auch die Wissenschaft als Religion bezeichnen darf?). T

4.6. Was man verstanden hat, muß man nicht mehr glauben.

Allerdings: Nicht jeder, der an etwas glaubt, ist religiös. Es kommt darauf an, woran man glaubt. Begriffe wie Schuld, Sünde, Gewissen, Reue, Sühne, Liebe, Hoffnung, Angst, Mut, Freundschaft, usw. sind einer exakten Naturwissenschaft fremd. Auf der anderen Seite befaßt sich heutzutage kaum mehr irgendeine der großen Weltreligionen mit Themen wie Materie, Sonne, Mond und Sterne, Diphterie und Tetanus, den Primzahlen, dem genetischen Code, oder der Anzahl der Ordnungen der Gliederfüßer (das war allerdings nicht immer so...). Wohlweislich, aus bitterer Erfahrung schöpfend, hüten sich die Weltreligionen heute davor, Aussagen über Themen zu wagen, die mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methodik zu erforschen sind (auch wenn es - man glaubt es kaum - immer noch Sekten gibt, die den Lieben Gott auf einem ganz bestimmten Stern unserer Milchstraße vermuten). Es scheint also spezifisch religiöse Themen zu geben, Themen über die keiner von uns mit absoluter Sicherheit definitive Aussagen machen kann. Sobald zu irgendeiner Frage klare Antworten auf dem Tisch liegen, verliert sie ihre religiöse Relevanz. Man denke nur an die Aussage des ersten Kosmonauten Juri Gagarin, er habe nirgends über den Wolken Gott gesehen. In früheren Jahrhunderten waren die religiösen Werke voll von Spekulationen über diesen Ort, mit zum Teil äußerst prächtigen künstlerischen Darstellungen. Inzwischen hat die religiöse Literatur ein wesentlich nüchterneres Erscheinungsbild angenommen. Sie orientiert sich an dem, was sichtbar ist, und wagt es nicht mehr, den Boden der wissenschaftlichen Realität zu verlassen. T

4.7. Die Außen- und die Innenwelt.

Heute unterscheidet man zwischen der materiellen Welt einerseits, und einer Art 'Innenleben' jedes einzelnen Menschen. Das, was Menschen tun und sagen, spielt sich in der ersteren, quasi 'äußerlichen' Welt ab, und was sie sich denken, was sie empfinden und wollen, das kann von außen praktisch nie mit Sicherheit festgestellt werden, das weiß man eigentlich nur von sich selbst (oft genug nicht einmal das...). Man vermutet es von anderen, soweit man an Eigenschaften glaubt, die uns allen eigen sind, an ähnliche Reaktionen auf gleiche Einflüsse. Bei Menschen, die einem 'nahe stehen', die man gut kennt, glaubt man ziemlich genau zu wissen, was sie denken und was sie empfinden. Aber Vorsicht: Wie viele haben sich da nicht schon gewaltig geirrt! Man kann nie wirklich genau wissen, was in einem anderen Menschen vorgeht. T

4.8. Der Blick in den Kopf des anderen.

Es ist für mich immer wieder eine beeindruckende Erfahrung, die ich nicht missen möchte, wenn ich unter Einsatz meiner ganzen Vorstellungskraft und all meiner sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten versucht habe, jemandem etwas zu erklären, und ich danach feststellen muß, daß ich gründlich mißverstanden wurde, auf eine Weise, die ich nie für möglich gehalten hätte. Manchmal gelingt es mir, meinem Gesprächspartner sozusagen 'in sein Mißverständnis hinein' zu folgen, es mir gewissermaßen zu eigen zu machen, und ihm klar zu machen, daß ich meinerseits immerhin verstehe, was er glaubt daß ich gemeint habe. Dann kann man mit viel Geduld mit dem Zuhörer zusammen den Rückweg aus der Sackgasse antreten und versuchen, ihn behutsam in die richtige 'Gasse' zu bugsieren. Ich finde, der Moment des Verstehens, in dem beide sozusagen einen kurzen Blick in den Kopf des anderen werfen können, hat immer etwas Besonderes an sich. Es ist ein großer, erhabener Moment, der allerdings auch sehr flüchtig sein kann und oft sofort vom nächsten Mißverständnis abgelöst wird. Vielleicht sind gerade wir Wissenschaftler süchtig nach solchen Momenten und verbeißen uns deshalb so in unsere Profession. Wir zelebrieren dieses gegenseitige Verstehen auf dem Niveau einer derart hohen Komplexität, daß es möglich wird, mit dem größten Teil aller auf der Welt lebenden Menschen, die mit unserem spezielles Problem etwas anfangen können, gerade einmal einen übersichtlichen Hörsaal zu füllen. Das nennt man dann ein denkwürdiges Symposium... T

4.9. Die Wissenschaft vom Innenleben.

Die Religion ist nichts anderes als die Wissenschaft von unserem Innenleben. Einerseits ist sie damit eine äußerst unsichere Sache, denn wie wir gesagt haben, weiß jeder eigentlich nur über sein eigenes Innenleben Bescheid, und nur vage über das der anderen Menschen. Andererseits ist sie damit eine Sache, die uns mehr angehen müßte als so manches andere, das im Grunde nur die Außenwelt um uns herum betrifft. Ist es nicht merkwürdig? Die meisten Menschen beschäftigen sich wie verrückt mit dieser Außenwelt, und das Innenleben lassen sie frei dahinlaufen, ohne viel Aufmerksamkeit darauf zu verschwenden. Das haben die Menschen seit es sie gibt immer schon so gehalten. Nur hie und da hat sich ein 'Verrückter' zu Wort gemeldet und verworrenes Zeug geredet, von einer Welt jenseits der Welt die wir sehen, von etwas, das sich in unserem Inneren befindet und doch nicht greifbar ist. Wie kamen sie darauf? Und warum haben sie diese Ideen für so wichtig gehalten? T

4.10. Die Erleuchtung.

Ich glaube, am Anfang jeder Religion steht immer derselbe Gedanke: Enttäuschung über die scheinbare Wertlosigkeit unseres Daseins. Dabei waren die großen Religionsbegründer und -erhalter keine blassen, dünnblütigen Erscheinungen, an denen das Leben vorbeigelaufen wäre. Der Heilige Paulus war vor seiner Wandlung ein gar unheiliger Saulus, und auch Augustinus soll es in jungen Jahren nicht zu knapp getrieben haben. Beide entdeckten ziemlich plötzlich ihren religiöse Auftrag. Gemäß der Schrift umleuchtete Saulus 'ein Licht vom Himmel'; er fiel zu Boden und blieb drei Tage lang blind. Von Anfang an hatte die mosaisch-christliche Tradition die Überwindung von Götzendienst und Aberglauben auf ihre Banner geheftet. Dennoch dringt in der historischen Berichterstattung immer wieder ein bißchen Hokuspokus durch: Die kirchliche Lehre spricht vom 'Heiligen Geist', der Saulus erfüllt haben soll, wie auch die Apostel anläßlich des Pfingst-Ereignisses. Dieser 'Heilige Geist' wird gerne wie ein von Gott gesandter Erleuchtungsstrahl dargestellt: Feuer, Blitz, ein ziemlich pyromanes Ereignis. In Wirklichkeit dürfte es sich bei all diesen Schilderungen nur um den Versuch handeln, ein subjektives Erleben in Worte zu fassen: den Augenblick des plötzlichen Begreifens und Verstehens (siehe oben). Irgendwelche Bilder mußte man ja schließlich dafür verwenden, die dann später von verständnislosen Nachgeborenen leider (wie so oft) nur allzu wörtlich genommen worden sind. Daß solch fulminante Augenblicke oft erst gestandenen Männern widerfahren sind wie Saulus und Augustinus, die für ihre Zeit über ein überdurchschnittliches Wissen verfügt haben, legt nahe, daß dieses 'religiöse Aha-Erlebnis' keineswegs trivial ist. Hier gilt es etwas zu begreifen, was so einfach nicht zu begreifen ist! Der Glaube läßt sich somit bestimmt nicht auf die einfache Formel reduzieren: 'Sei hübsch brav, damit du in den Himmel kommst'. T

4.11. Die meisten sind zum Denken zu faul.

Auch Jesus ist es in seiner kurzen, dafür umso spektakulärer verlaufenen Tätigkeit als Religionsvermittler nicht in erster Linie darum gegangen, seine Zeitgenossen auf die Einhaltung von Geboten und Vorschriften einzuschwören. Deshalb hat er es sich ja auch schon recht bald mit den orthodoxen Hütern der Landesreligion verscherzt. Hier stand einer auf und wagte es, auf den Sinn zu verweisen, der hinter den Vorschriften lag, und diesen Sinn höher zu bewerten als die Vorschriften selbst. Was für ein Sakrileg! Hier hatte tatsächlich einer die Stirn, einer Priesterschaft, die seit vielen Jahrhunderten ein immer komplexer werdendes Netz von Regeln und Anweisungen verwaltete und sich dabei unendlich wichtig vorkam, ohne zu kapieren, worum es eigentlich ging, Lehren zu erteilen - wie die Geschichte gezeigt hat, ein lebensgefährliches Unterfangen. Vielleicht stehen wir heute wieder vor einer vergleichbaren Situation: Seit Jahrhunderten predigt jene Kirche, die behauptet, in der Nachfolge des Jesus von Nazareth zu stehen, zum Teil abstruse Märchen von Himmel, Hölle, Fegefeuer, von Engeln und Teufeln, und so manche ihre Vertreter gebärden sich um keinen Deut besser als seinerzeit die 'Schriftgelehrten und Pharisäer'. Vielleicht würde einer, der aufsteht und sagt, wie es wirklich ist, nicht gleich ans Kreuz geschlagen werden. Immerhin (und Gott sei Dank) hat die Kirche in diesen Dingen nicht mehr das Sagen. Aber ich denke, ein solcher Prediger würde auch heute in unserer angeblich so toleranten und 'aufgeklärten' Zeit einen schweren Stand haben. Ich behaupte: 99% aller Leute, die sich heute als religiös bezeichnen, klammern sich an Bilder und Gleichnisse, entworfenen von den wenigen historischen Persönlichkeiten, die wirklich verstanden haben, verstehen aber letzten Endes nicht, worum es geht. T

4.12. Wem ein Licht aufgeht.

Es müßte uns alle doch wirklich neugierig machen, um welche Erkenntnis es sich da handelt, die uns von jenen, denen sie zuteil geworden ist, nur in Form von Gleichnissen und Bildern mitgeteilt werden konnte. Kaum jemand hat diese Bilder verstanden, sodaß diese hilflosen Versuche, das Unsagbare doch zu sagen, meistens zur Geburtsstunde nahezu kindisch anmutender Märchen wurden. Nicht einmal die Jünger Jesu, von denen die meisten zwar nicht gerade hoch gebildet waren, die aber doch einen besonders drastischen Anschauungsunterricht genossen haben (quasi aus der ersten Bank): nicht einmal sie haben verstanden. Erst Wochen nach der Kreuzigung ging ihnen ein Licht auf (der Überlieferung nach sogar im wahrsten Sinne des Wortes), und 'sie fingen an, in fremden Zungen zu predigen'. Das war die eigentliche Geburtsstunde der ersten frühchristlichen Gemeinde. Nie wieder sollten auf derart engem Raum so viele Menschen beisammen sein, die verstanden hatten, worum es bei der über so lange Zeit erhaltenen und gewachsenen mosaisch-christlichen Religion im Wesenskern tatsächlich ging, bis zum heutigen Tag nicht. T

4.13. Jeder muß selbst auf die Suche gehen.

Vielleicht ist so mancher, der bis hierher gelesen hat, inzwischen tatsächlich ein wenig neugierig geworden und liest jetzt weiter in der Erwartung, es würde nun bald ein Versuch unternommen werden, das große Geheimnis zu lüften, das den Religionen zugrunde liegt. Ihn muß ich an dieser Stelle enttäuschen: Ich kenne das Geheimnis nicht. Ich weiß nur, daß etwas Großes darauf wartet, entdeckt zu werden, etwas, das nicht einfach mitzuteilen ist und das jeder scheinbar erst für sich selbst entdecken muß. Schon lange mühe ich mich damit ab, hinter das unsagbare Rätsel zu kommen, aber noch nie hat mich 'ein Licht vom Himmel umleuchtet', und ich fiel auch noch nie zu Boden und hörte die 'Stimme des Herrn'. Ich habe noch nie erlebt, daß ein Blinder sehend wurde, oder daß ein Gelähmter plötzlich wieder gehen konnte. Ich weiß nur eines: Es handelt sich um mehr als um die recht banale Erkenntnis, daß 'der eine Gott' nur eine notwendige Erfindung während einer bestimmten Entwicklungsphase einer menschlichen Gesellschaft gewesen sei. Allein aufgrund einer solchen Erkenntnis hätte sich Augustinus nicht von seinem munter bewegten irdischen Treiben abgewendet, und auch einen Paulus hätte diese Erkenntnis wohl kaum zu Boden geworfen. Versucht es herauszufinden! Verschafft Euch Literatur; sucht nach erleuchteten Menschen, von denen es auch heute ein paar geben mag, ohne daß sie deshalb in unserer gedankenlosen oberflächlichen Zeit gleich im Rampenlicht stehen müssen. Die Überlieferung lebt, wie sie seit Jahrtausenden gelebt hat, und jeder einzelne von uns hat die Chance, die Wahrheit zu entdecken. T

MB 10/98

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anmerkungen


Die meisten Bibelzitate nützen den 'Christlichen Internetdienst' und 'The Bible Gateway', mit Ausnahme einiger Stellen des Neuen Testaments, für die die Übertragung von Alexander Zwettler (Verlag Veritas Wien-Linz-Passau 1960) herangezogen wurde. LINKS zu Journalen gestatten jenen Zugang, der ohne Registrierung möglich ist. Letzte Überprüfung der LINKS: Oktober 2002.

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siehe auch J.L.Barrett (2000) Exploring the natural foundations of religion. Trends in Cognitive Sciences 4, 29-34. M. Afzal Upal (2011) Memory, mystery and coherence: does the presence of 2-3 counterintuitive concepts predict cultural success of a narrative? J Cognit Cult 11, 23-48. R

R.A.Kerr (1998) Black sea deluge may have helped spread farming. Science 279, 1132. H.Josenhans, D.Fedje, R.Pienitz, J.Southon (1997) Early humans and rapidly changing holocene sea levels in the Queen Charlotte islands-Hecate strait, British Columbia, Canada. Science 277, 71-74. R, T

1. Mose 6:7:...und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe. R

1. Mose 3:7: Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. R

1. Mose 3:19: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. R

1. Mose 3:16: Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Schmerzen [Luther] sollst du Kinder gebären. [In der revidierten Fassung von 1984 ist nicht mehr von 'Schmerzen', sondern von 'Mühen' die Rede; in der Vulgata hieß es allerdings 'in dolore', also 'unter Schmerzen'.] R

Rupert Riedl (1994) Mit dem Kopf durch die Wand: Die biologischen Grenzen des Denkens (Stuttgart, Klett-Cotta). Im Kapitel 'Über Dispositionen, Prädispositionen und constraints', S 30f. R, T
Am Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie haben Mark Stoneking und Mitarbeiter Gensequenzen von 26 Kopf- und 14 Kleiderläusen bestimmt. Sie schließen aus ihren Ergebnissen, daß Kleiderläuse von Kopfläusen abstammen und vor etwa 72.000 Jahren als genetisch eigenständige Art entstanden sind (Kittler et al. 2003, Molecular evolution of pediculus humanus and the origin of clothing. Current Biology 13, 1414-1417). R

1. Mose 3:6: Und das Weib sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. R

Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten... (1. Mose 2:16) Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut daß der Mensch allein sei... (1. Mose 2:18) Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? (1. Mose 3:9)R

1. Mose 11:1-9: Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laßt uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der HERR hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, laßt uns hernieder fahren und dort ihre Sprache verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, daß sie aufhören mußten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder. R, T

L.G.Thompson, T.Yao, M.E.Davis et al. (1997) Tropical climate instability: The last glacial cycle from a Qinghai-Tibetan ice core. Science 276, 1821-1823. G.Bond, W.Showers, M.Cheseby et al. (1997) A pervasive millennial-scale cycle in north atlantic holocene and glacial climates. Science 278, 1257-1265. R

Nach Gray & Atkinson (2003, Language-tree divergence times support the Anatolian theory of Indo-European; Nature 426, 435-38) ist eine der Ursprachen der Menschheit, das Indo-Europäische,  zur Zeit der Erfindung des Ackerbaus in Anatolien vor 8.000 bis 9.500 Jahren entstanden ("jungsteinzeitliche Revolution") R

Johannes 1:1-3, R

C.Vilà, P.Savolainen, J.E.Maldonado et al. (1997) Multiple and ancient origins of the domestic dog. Science 276, 1687-1689 (siehe Kommentar ibidem 1647-1648). Eine neuere Studie deutet auf einen späteren Zeitpunkt vor ca. 15.000 Jahren hin: P.Savolainen, Y-p.Zhang, J.Luo et al. (2002) Genetic evidence for an east asian origin of domestic dogs. Science 298, 1610-1613. R, T
Roger Penrose versucht in seinem Buch 'The emperors new mind' (1990; Deutsch: Computerdenken, Spektrum der Wissenschaft VerlagsGmbH, 1991) die Gedanken zu beschreiben, die neuen Erkenntnissen unmittelbar vorausgehen (wie schon Jacques Hadamard in 'The Psychology of Invention in the Mathematical Field' vor ihm, Princeton University Press 1945), unter Heranziehung von schriftlichen Selbstzeugnissen berühmter Forscher wie u.a. Albert Einstein. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß der "zündende" Gedanke nie in klare Worte zu fassen ist ('Nicht-Verbalität des Denkens'), sondern eher einem diffusen Bild, einer sehr schematischen geometrischen Figur entspricht (Kapitel 10: Worin besteht die Physik des Geistes?). R

Johannes 4:14: Wer dagegen von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit keinen Durst mehr leiden. Das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden, die ins ewige Leben strömt. R, T

2. Mose 20:3-11: (1) Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! ... (2) Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. (3) Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun ... R

2. Mose 3:13-14: Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: «Ich werde sein», der hat mich zu euch gesandt. R

vergleiche Jean Piaget (1926) La représentation du monde chez l'enfant (Presses Universitaires de France) bzw. Das Weltbild des Kindes (DTV 1988), Kapitel IV (Der Realismus und die Ursprünge der Patizipation: magische Praktiken beim Kind). R, T

Literatur? R

vergleiche 3. Mose 19:26 (...Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben) und 19:31 (Ihr sollt euch nicht wenden zu den Geisterbeschwörern und Zeichendeutern...) R

1. Mose 3:22-23 (Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, daß er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, daß er die Erde bebaute, von der er genommen war.) R


2. Mose 20:12-17: (4) Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt. (5) Du sollst nicht töten. (6) Du sollst nicht ehebrechen. (7) Du sollst nicht stehlen. (8) Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. (9) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. (10) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. R, T

z.B. 3. Mose 18:6-18: Keiner unter euch soll sich irgendwelchen Blutsverwandten nahen, um mit ihnen geschlechtlichen Umgang zu haben; ich bin der HERR. Du sollst mit deinem Vater und deiner leiblichen Mutter nicht Umgang haben. Es ist deine Mutter, darum sollst du nicht mit ihr Umgang haben. Du sollst mit der Frau deines Vaters nicht Umgang haben; denn damit schändest du deinen Vater. Du sollst mit deiner Schwester, die deines Vaters oder deiner Mutter Tochter ist, sie sei in oder außer der Ehe geboren, nicht Umgang haben. Du sollst mit der Tochter deines Sohnes oder deiner Tochter nicht Umgang haben, damit schändest du dich selbst. Du sollst mit der Tochter der Frau deines Vaters, die deinem Vater geboren ist und deine Schwester ist, nicht Umgang haben. Du sollst mit der Schwester deines Vaters nicht Umgang haben; denn sie ist deines Vaters Blutsverwandte. Du sollst mit der Schwester deiner Mutter nicht Umgang haben; denn sie ist deiner Mutter Blutsverwandte. Du sollst den Bruder deines Vaters nicht damit schänden, daß du seine Frau nimmst; denn sie ist deine Verwandte. Du sollst mit deiner Schwiegertochter nicht Umgang haben, denn sie ist deines Sohnes Frau; darum sollst du nicht mit ihr Umgang haben. Du sollst mit der Frau deines Bruders nicht Umgang haben; denn damit schändest du deinen Bruder. Du sollst nicht mit einer Frau und mit ihrer Tochter Umgang haben, noch mit ihres Sohnes Tochter oder ihrer Tochter Tochter; denn sie sind ihre Blutsverwandten, und es ist eine Schandtat. Du sollst die Schwester deiner Frau nicht zur Nebenfrau nehmen und mit ihr Umgang haben, solange deine Frau noch lebt... R, T

vergleiche Johannes 16:12-13 (Noch vieles hätte ich [Jesus] euch [den Jüngern] zu sagen, doch ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die volle Wahrheit einführen...) & 16:25 (Dies habe ich zu euch bildhaft geredet; es kommt die Stunde, da ich nicht bildhaft zu euch reden, sondern euch in voller Offenheit über den Vater Kunde geben werde.) R

5.Mose 25:4, R

1. Korinther 9:9 (Im Gesetz des Moses heißt es doch: Du sollst dem Ochsen beim Dreschen nicht das Maul verbinden. Ist es Gott etwa nur um den Ochsen zu tun? Oder meint er nicht hauptsächlich damit uns?); siehe auch 1. Timotheus 5:18. R, T

siehe z.B. Matthäus 23:16--28: Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht? Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden. Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht? Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und laßt das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt! Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird! Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und die Gräber der Gerechten schmückt... R, T

Ein Beispiel dafür sind die Mormonen, die Angaben zum Wohnort Gottes im Weltall machen. R

Apostelgeschichte 9:3-9: "Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht." Eine Erschütterung des Hinterkopfes (z.B. infolge eines Sturzes) kann tatsächlich zu einem Verlust der Sehfähigkeit führen, allerdings nur für wenige Stunden (und nicht gleich für 3 Tage; siehe R.D. Adams & M. Victor, Principles of Neurology; 3rd ed. McGraw-Hill 1985, S. 648); die Frist von 3 Tagen wurde vom Evangelisten Lukas (dem Autor der Apostelgeschichte) wahrscheinlich in Anlehnung an die Frist zwischen Kreuzigung und Auferstehung Jesu gewählt. R, T

Apostelgeschichte 2:3: Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten und auf jeden einzelnen von ihnen niederließen. R

Apostelgeschichte 2:4: Sie alle wurden mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen zu sprechen eingab. R, T



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Fortsetzung