Landwirtschaft, stabile Agrargesellschaft bis zum späten 19. Jh.; deutliche kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen Westfinnland (viele westeuropäisch-skandinavische Einflüsse, Ackerbau → Dorf als Grundeinheit der Gesellschaft) und Ostfinnland (altertümliche Züge in der Kultur, Brandwirtschaft → von Großfamilien besiedelte verstreute Höfe, Großfamilie als Grundeinheit).
Kulturelle und politische Einflüsse v.a. aus dem Mutterland Schweden:
westliche (katholische) Kirche, Reformation im 16. Jh. → beide Geschlechter lesekundig, Hervorhebung der persönlichen gesellschaftlich-moralischen Verantwortung
hierarchische, stark regulierte Gesellschaftsstruktur (Ständestaat → Stand, mehr als Geschlecht, definiert die Stellung der Frau), wichtige Rolle der Gesetze und Rechtstraditionen
eine relativ starke und aktive, politisch bedeutende freie Bauernklasse und eine relativ kleine Bürgerklasse → wichtige Rolle der arbeitenden Frau
Schwedisch als Sprache der Verwaltung und höheren Bildung, Umgangssprache in höheren Gesellschaftsschichten spätestens im 17. Jh.
Autonomes Großfürstentum im russischen Imperium 1809–1917: konservative gesellschaftliche Strukturen (Ständetag usw.) mit neuen Perspektiven für die Industrialisierung (→ (noch mehr) Frauenarbeit außerhalb der Familie!) und die nationalistische Bewegung (Finnisch allmählich als Staatssprache etabliert, ab Mitte 19. Jh.; Finnisierung der nationalistischen Intelligenzia). Erste Bewegungen für Frauenrechte, nach skandinavischen Vorbildern, im späten 19. Jh.
Selbständigkeit 1917, Bürgerkrieg im Frühling 1918 zwischen den (von Deutschland unterstützten) ‘Weißen’ und den (von Sowjetrussland unterstützten) ‘Roten’ (unter den Roten kämpfen auch bewaffnete Frauentruppen!), Terror auf beiden Seiten, Sieg der ‘Weißen’. Konsolidierende Demokratie (Rechtsextremismus und der illegale Kommunismus erfolgreich marginalisiert).
Krieg gegen die Sowjetunion 1939–40 (»Winterkrieg») und 1941–44 (»Fortsetzungskrieg»), »Abwehrsieg» (weder Okkupation noch Sowjetisierung, trotz der Verluste).
Nachkriegszeit 1945–: politische Neutralität (unter Bedingungen der »Freundschaft» mit der Sowjetunion: »Finnlandisierung»), bewusste kulturelle Zusammengehörigkeit mit Skandinavien, Westeuropa und Nordamerika. Rasche Industrialisierung und Urbanisation; Thematisierung von Gleichberechtigungsfragen, Feminismus und Frauenbewegung nach skandinavischen Vorbildern.
Frauen in den Gesetzen und im öffentlichen Leben
»Landfriede für Frauen» erklärt 1316.
Mittelalterliche Gesetze: Frauen sind für ihre evtl. Verbrechen verantwortlich, trotzdem immer unter Vormundschaft (auch Witwen brauchen einen männlichen Vormund für ihre Kinder!), vor Gericht zeugnisunfähig:
Nämä on lailliset estehet käräiäst pois olla. Ensimäinen, Jos mies sairasna maka eli hawois. [...] Cwdheis ioldej hän ole taidhosans ia täydhes mielesäns. Seitzemäs Jos hän on neitzy eli taitamatoin. Ja heidhen syynsä sanoia ei ole maalla eli lakicwnnas [...]
[‘Diese sind die gesetzlichen Gründe, vor dem Gericht fernzubleiben. Erstens: Wenn ein Mann krank oder verwundet im Bett liegt. [...] Sechstens: Wenn er nicht zurechnungsfähig und bei vollem Verstand ist. Siebtens: Wenn es eine Jungfrau oder eine zurechnungs-unfähige Person ist, und ihr Vormund nicht in dem Land oder Bezirk verweilt [...]’] Paras Kalu eli Tauara quin miehen Taloin Tarpeis on, se on henen laillisesti naitu Emändäns, Ioka sen warastapi häneldä, hän on corkein ia pahin waras, Sillä, se quin miehen Emännens haukuttele, ia iuoxe pois hänen cansans, Ios hän sen cansa käsitetän tuorelda työldä, nijn pitä hänen käreiän wietämän, Duomittaman ia ylöshirtettämän, ylitze caickia warkaita. Iollei mies suo hengiä Emännelläns, nijn wiedhen mös hän kärieiän ia duomitan eläuänä mahan kaiuetta.
[‘Das beste Gut und Ware im Hauseigentum eines Mannes ist seine gesetzlich angeheiratete Ehefrau. Wer ihm diese stiehlt, ist der höchste und schlimmste Dieb. Deshalb, wenn jemand die Ehefrau eines Mannes weglockt und mit ihr wegläuft, dabei auf frischer Tat ertappt wird, soll er vor Gericht gebracht, verurteilt und erhängt werden, hoch über alle Diebe. Wenn der Mann seiner Frau ihr Leben nicht vergönnt, wird auch sie vor Gericht gebracht und verurteilt, bei lebendigem Leibe begraben zu werden.’] (Landgesetz des Königs Christoffer, aus dem Schwed. ins Fi. übersetzt von »Herrn Martti» 1548)
In den Handwerkerzünften bis zum 19. Jh. waren keine Frauen erlaubt (Ausnahme: Witwen als Nachfolgerinnen ihrer Männer).
Erste Frauenvereine: Wiburger Damenverein 1836 (deutschsprachig und nach deutschen Vorbildern?; zuerst Wohltätigkeit »zum besten der Armen besseren Standes» aber auch für arme Waisenkinder usw.), weitere (schwedischspr.) Frauenvereine in den 1840er Jahren. Wohltätigkeit besonders zugunsten der Kinder und (armen, alten, arbeitslosen, verwitweten) Frauen.
Die langsame Finnisierung der oberen Gesellschaftsschichten:
»Die finnischsprachigen Schulen waren von Anfang an demokratisch, so waren auch die Mädchenschulen nicht nur für die Kinder von ‘gebildeten oder ständischen Eltern’ da, wie schon die Schulverordnung von 1843 festsetzt. -- Weil das Finnische seit dem Sprachmanifest von 1863 im Begriff war, die zweite Staatssprache zu werden, konnte eine finnischsprachige Schule günstiger für die Zukunft eines jungen Mannes sein, und ziemlich lange war es in vielen Familien [von Stand] üblich, die Söhne in eine finnischsprachige, die Töchter in eine schwedischsprachige Schule zu schicken. Diese Sitte hat natürlich die Finnisierung von Frauen verzögert. Man kann wohl mit Recht behaupten, dass die Familien [von Stand] nur durch den Willen des Mannes, des Familienoberhauptes – wenn überhaupt – finnisch geprägt wurden.» (Tuulio 1979)
»Den fennophilen Zeitgeist bringt [K. G. S.] Suomalainen [in seinem Handbuch zur Sprachrichtigkeit 1886] z.B. in das Gespräch ‘Neuer Stoff’ ein, wo Alma und Hilja, Schülerinnen der schwedischsprachigen Mädchenschule aber trotzdem eifrige Fennomaninnen, im Geschäft des Tuchhändlers Sofronow juussia [< schwed. ljus ‘hell’] oder mörkkiä [< schwed. mörk ‘dunkel’] tyykiä [< schwed. tyg ‘Stoff’] kaufen. ‘Aber wie ganz unwiderstehlich anmutig wären sie, würden sie sich nur ein kleines bisschen mehr um die finnische Sprache kümmern, die sie jedoch so unsagbar lieb haben!’ Die finnischen Wörter wären natürlich vaalea, tumma und kangas.» (Paula Sajavaara in Laitinen (Hg.) 1988.)
Die aktive Rolle der Frauen bei der Entstehung der modernen finnischen Sprache im 19. Jh. beschränkt sich fast gänzlich auf den Wortschatz der häuslichen Sphäre (Kodin sanasto von Ilmi Hallstn und Lilli Lilius 1896 präsentiert Neologismen wie jäätelö ‘Speiseeis’, kyljys ‘Kotelett’, vuoka ‘Backform’ oder lautasliina ‘Serviette’).
»Im Laufe der gesamten Geschichte sind in den Einteilungen in Geschlechtsrollen diejenigen Objektivierungen, die über das Alltagsleben hinausreichen – Moral, Religion, Politik, Recht, Staat, Kunst, Wissenschaft, Philosophie – für die Männer reserviert worden. [...] An die Frauen appellierte man vor allem in der Eigenschaft der Verwirklicherinnen von festgesetzten sprachlichen Normen. [...] In welchem Grad können wir von der Muttersprache sprechen, wenn vom modernen Finnisch die Rede ist? Als eine schriftliche Ausdrucksmodalität entstand und entwickelte sich das Finnische größtenteils als eine von Männern geschaffene Sprachform, wobei die europäische, auf der gesamten lateinischsprachigen literarischen Tradition basierende Literatursprache als Hintergrundfaktor wirkte. Das gesprochene Standardfinnisch seinerseits entstand vor hundert Jahren auf der Grundlage der geschriebenen Sprache: Da es keine gemeinsame Umgangssprache gab, begannen die Gebildeten, in der Schriftsprache zu sprechen. Ist die Fremdheit, die die Frau als Verwenderin ihrer eigenen Sprache erlebt [...], vor diesem historischen Hintergrund zu verstehen? Können wir sagen, dass die Frauen, die zu Verwenderinnen des modernen Finnisch wurden, einen ähnlichen sprachlichen Akkulturationsprozess durchgemacht haben wie das gemeine Volk bei dem Entstehen der finnischen Hochsprache?» (Laitinen & Vartiainen in Laitinen (Hg.) 1988)
Meilensteine in der Entwicklung der Frauenrechte in Finnland:
1864: unverheiratete Frauen ab 25 Jahren rechtsfähig; Frauen dürfen in Postämtern arbeiten
Grundbesitzerinnen (lokal) wahlberechtigt 1865 auf dem Lande, 1873 in allen Städten
1878: gleiches Erbrecht an Frauen auch auf dem Lande
1879: verheiratete Frauen zum Gewerbebetrieb berechtigt (mit Erlaubnis des Ehemannes) – das Recht auf ihre eigenen Einkommen (ohne Zustimmung des Ehemannes) bekommen sie erst 1889
1884: Gründung des Suomen Naisyhdistys (Finnischer Frauenverein)
1898: Männer und unverheiratete Frauen ab 21 Jahren rechtsfähig
1906: neues Parlament ersetzt den alten Ständetag; allgemeine und gleiche Stimmberechtigung (als 1. in Europa) und Wählbarkeit (als 1. in der Welt); nach den ersten Wahlen 19 weibliche Abgeordnete (von insges. 200) – heute 76 = 38%
1917: Selbständigkeit: allgemeine und gleiche Stimmberechtigung und Amtsfähigkeit
1919: Arbeitsvertrag für verheiratete Frauen möglich ohne Zustimmung des Ehemannes
1926: Frauen für Staatsdienst berechtigt
1927: erste Frau in der Regierung: Miina Sillanpää (1866–1952), Sozialministerin
1930: neues Ehegesetz: Ehefrauen nicht mehr unter Vormundschaft des Mannes (Familienname des Mannes für alle verheiratete Frauen vorgeschrieben)
1962: Lohngleichheit im öffentlichen und privaten Sektor
1972: erste Frau als Finanzministerin
1975: erste Frau als Vizevorsitzende des Parlaments, erste Frau als Justizministerin
1986: verheiratete Frauen können ihren Familiennamen behalten (nicht nur als Teil eines Doppelnamens)
1987: neues Gleichberechtigungsgesetz
1988: Frauenordination in der evangelischen Kirche
1990: erste Frau (in der Welt!) als Verteidigungsministerin
Frauen in der Kultur- und Bildungsgeschichte Finnlands
Birgittinenkloster in Naantali (von 1462 bis ca. 1560) als einzige offizielle Kulturinstitution für Frauen
Erste finnische (schwedischspr.) Dichterin: Christina Regina von Birchenbaum (geb. im frühen 17. Jh., autobiographisches Gedicht En ny visa ‘Ein neues Lied’)
Erste Mädchenschule: deutschsprachige Mädchenschule in Wiburg/Viipuri ab 1788
Erste Fachschulen für Frauen im 19. Jh.: Hebammenschule in Turku 1816, Landwirtschafts- und Viehpflegerinnenausbildung ab ca. 1840, Krankenschwesternausbildung ab 1889
Frauen in den Kunstschulen von Helsinki (gegr. 1848) und Turku (1830); bedeutende Künstlerinnen schon im 19. Jh., z.B. Alexandra Frosterus-Såltin (1837–1916), Fanny Churberg (1845–1892), Helene Schjerfbeck (1862–1946)...
Erste Schriftstellerinnen (schwedischspr.) ab 1840 (Murgrönan [‘Der Efeu’] von Fredrika Wilhelmina Carstens 1840, Fru Catharina Boije och hennes döttrar [‘Frau C.B. und ihre Töchter’] von Fredrika Runeberg 1858); erste finnischsprachige Schriftstellerin Theodolinda Hahnsson (1838–1919), erste finnischsprachige Lyrikerin Isa Asp (1853–1872)...
Erste Frauen als prominente Vertreterinnen der volkstümlichen Kultur: Kreeta Haapasalo (ca. 1815–1893, Volkssängerin) und Larin Paraske (Paraskeva Nikitina, 1833–1904, ingermanländische Runensängerin) treten vor dem gebildeten, nationalistisch gesinnten Stadtpublikum auf und werden enthusiastisch aufgenommen.
Lapseni minun kotia
huonolle hoidolle jäi.
Minun täytyy kulkea
ympäri maata näin.
[...] Eipä tämä raskahaksi
käsilleni käy,
mutta sydämelleni,
joka ei ulos näy.
Minä mielelläni ne päivät kulkisin
vaikka vuorten rotkoissa
ennen kuin minä näin kävisin
näissä herrain hoveissa.
[...] Minä luulen, että olis paljoa keveämpi
vetää kiviä kelkassa,
kuin se että käydä katuja
kantele kädessä.
[...] Mutta minä luotan Luojani päälle
joka voi minua lohduttaa
ja ilman mitään vaaraa
minun kotia johdattaa.
[‘Meine Kinder blieben zu Hause / in schlechter Pflege zurück. / Ich muss herumwandern / überall im Land. // Es ist zwar nicht schwer / für meine Hände, / wohl aber für mein Herz, / das man nicht von außen sehen kann. // Lieber würde ich diese Tage / in den Schluchten der Berge wandern, / als so herumgehen / in den Höfen der Herrschaften. // Ich glaube, dass es viel leichter wäre, / Steine in einem Schlitten zu schleppen, / als auf den Straßen der Stadt zu gehen / mit der Zither in der Hand. // Aber ich verlasse mich auf meinen Schöpfer, / der mich trösten kann, / und ohne jegliche Gefahr / mich wieder nach Hause führt.’ – Kreeta Haapasalo]
frühfeministische Forderungen: Recht auf »nützliches», selbständigeres Leben
Är det rimligt, är det möjligt, att vårt liv, som är så kort,
skall broderas, koketteras, konvenabelt plottras bort?
[‘Ist es recht und billig, ist es möglich, dass unser Leben, das so kurz ist, / auf Brodieren und Kokettieren konvenabel verschwendet werden soll?’] – Alexandra Edelfelt 1896.
Staatliche Volksschulen für Knaben und Mädchen ab ca. 1860 (vollständige Schulpflicht für alle Kinder erst ab 1921); erstes Lehrerbildungsinstitut für beide Geschlechter in Jyväskylä 1863
Erste Maturantin: Marie Tschetschulin 1870
1870: Frauen für Universitätsstudien berechtigt (durch Ausnahmeverfahren)
1880er Jahre: Forderungen auf höhere Frauenschulen
»[Das LehrerInnenseminar von Jyväskylä, gegr. 1863] stellte für Frauen von Stand den ersten Weg zur Berufsbildung dar. Darin stimmten die Zielsetzungen der Gesellschaft mit den Bestrebungen der Frauen überein: die Volksbildung war ein so großer Auftrag, dass auch die Arbeit der Frauen nötig war. Der Direktor des Seminars, Uno Cygnaeus, appellierte besonders an die Töchter von gebildeten Familien, die man bei der Erziehung der Töchter des gemeinen Volkes brauchte. Die Volksbildung betrachtete man als die Aufgabe der unverheirateten Frauen von Stand; die verheirateten Damen würden ja ihre vaterländische Erziehungsaufgabe in ihren eigenen Familien erfüllen.
Da die Lehre der Mädchenschulen nicht zu Universitätsstudien führte, stellten in den 1880er Jahren schon einige Frauen – Minna Canth an der Spitze – Forderungen nach Mädchengymnasien, sogar gemischten Oberschulen auf. Diese Forderung war den Männern der nationalen Bewegung zu viel, obwohl sie schon seit der Jahrhundertmitte die Ausbildung von Frauen warm befürworteten: Die zu Universitätsstudien führende Ausbildung würde die Frauen zugleich dazu führen, dass sie sich die Rechte auf Staatsdienst verlangen würden. Eben die Pläne zu einer gemischten Oberschule gaben Anlass zur Gründung des Finnischen Frauenvereins im 1884: die Frauen begannen sich zu organisieren.» (Laitinen & Vartiainen in Laitinen (Hg.) 1988.)
Erste universitär ausgebildete Frauen: Lydia Sesemann, Doktorat (Chemie), Universität Zürich 1874; Rosina Heikel, Ärztin (Liz. med., privat abgelegte Prüfung 1878); Emma Irene Åström, Mag. phil. (Universität Helsinki 1882); Signe Hornborg, Architektin (Polytechnische Hochschule Helsinki 1890); Karolina Eskelin, Dr. med. (erste Doktorandin in Finnland 1895); Tekla Hultin, Dr. phil. (Universität Helsinki 1896)...
1901: Universitätsstudien ohne Ausnahmeverfahren für Frauen erlaubt (Anteil der Studentinnen schon 14%)
1916: Frauen dürfen an der Universität unterrichten
Erste Universitätsprofessorinnen: Alma Söderhjelm, Geschichte (Ao. Prof. 1927 an der bo Akademi in Turku); Laimi Leidenius, Gynäkologie (1930, Universität Helsinki)
Erste Universitätsrektorin: Aino Sallinen (Jyväskylä, 1992)
Mehrheit der MaturantInnen (ab 1950) und erstsemestrigen Universitätsstudierenden (ab ca. 1980) weiblich
Anteil der Frauen von den Universitätsprofessoren am höchsten in der EU (ca. 45%; EU-Durchschnitt ca. 25%, Österreich ca. 22%, Deutschland weniger als 10%)
Estnische Frauengeschichte
Allgemeine Hintergründe
Stabile Agrargesellschaft mit arealen kulturellen Unterschieden; wichtige Rolle der Frauenarbeit v.a. auf den Inseln.
>b 13. Jh. vom Deutschen Orden, Dänemark u.a. erobert: (zuerst nieder-, dann hoch)deutschsprachige Oberschicht: Gutsherren und Stadtbürger; ab 17. Jh. Teil des russischen Imperiums, die wichtigsten Kultureinflüsse doch aus dem deutschsprachigen Raum, Verwaltung und Rechtswesen nach den »baltischen Privilegien».
Im 19. Jh. das nationale Erwachen: Geburt der estnischsprachigen Presse und Schönliteratur, Sprach- und Orthographiereform. Erste estnischsprachige Kulturinstitutionen (z.B. Sängerfeste), erste estnische SchriftstellerInnen, KünstlerInnen usw.
1918 Selbständigkeit; Krieg gegen Sowjetrussland und die baltendeutsche Landeswehr, konsolidierende Demokratie, Landreform. Estnisch als Staatssprache, neue estnischsprachige Institutionen.
In den 1930er Jahren Gefahr des Rechtsextremismus (vapsid, »Freiheitskrieger»), autoritäres Regime (vaikiv olek, ‘schweigendes Dasein’) unter dem Präsidenten Konstantin Päts.
2. Weltkrieg: unter massivem Druck der Sowjetunion »freiwilliger» Anschluss 1940, dann die deutsche und wieder die sowjetische Okkupation, »demographische Katastrophe» (Terror, Zigtausende von Flüchtlingen v.a. 1944 nach dem Westen; Massendeportationen nach Russland).
Sowjetrepublik Estland: Gleichschaltung von Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und Kultur, Kollektivisierung der Unternehmen und der Landwirtschaft, offiziell immer stärkere Position der russischen Sprache, viele russischsprachige MigrantInnen → passiver kultureller Widerstand.
Ende der 80er Jahren: neues nationales Erwachen (Umweltschutzbewegung, Rehabilitation des »bürgerlichen» Nationalismus und der ersten Republik), die »singende Revolution» (laulev revolutsioon), neue Selbständigkeit.
»Die Frauengeschichte Estlands ist noch ungeschrieben, aber etliches wissen wir schon, z.B. von den Ansichten zur Frauenfrage, die der große Ideologe des estnischen Volkes in der ersten Hälfte des 20. Jh.s, der hervorragende Politiker und Staatsoberhaupt der Vorkriegszeit, Jaan Tõnisson, geäußert hat. Kinder, Kirche, Küche [...] Die estnische Frau ist, nach einem weitverbreiteten Mythos, nordisch, selbständig, trägt sogar den Mann auf ihrem Buckel, wenn nötig... [Jedoch] hat die Estin ihren ‘Platz’ gehabt, und dieser Platz ist nicht die Position einer nordischen Wikingerfrau, die das Hab und Gut der Familie verwaltet, während der Mann auf dem Kriegszug ist. Dieser ‘Platz’ befand sich eher auf einem schlammigen Kartoffelacker, neben den schuftenden männlichen Leibeigenen, außerdem in der Küche, bei den Kindern, bestenfalls in der Kirche [...] Laut Sirje Kivimäe hat sich die Position der estnischen Frau eher nach kleinbürgerlich-deutschen als nach skandinavischen Vorbildern gestaltet, natürlich infolge der baltendeutschen Einflüsse. Die Baltendeutschen hat man bei uns nicht geliebt, wohl aber bewundert und nachgeahmt. [...] Und stolz sind wir ja immer noch, wenn wir von den deutschen Einflüssen in unserer Küche, in den Weihnachtstraditionen sprechen dürfen, von unserer ‘deutschen Ehrlichkeit’. [...] Natürlich ist die ‘deutsche Sache’ mehr europäisch als die finnische, schwedische oder norwegische. Dadurch ist die Estin mehr europäisch als die Skandinavinnen, auch wenn das Europäischsein eine stärkere Verbindung mit den patriarchalen Werten bedeutet. (Diese Aussage soll man mit Ironie lesen.)» (Pilvre s.a.)
Frauen in der estnischen Gesellschaft
erste Kulturinstitutionen für (deutschsprachige) Frauen: Frauenklöster im 13.–16. Jh.
– im 17. Jh. erste »Volksschulen» für Mädchen und Knaben, Lesekundigkeit von der evang. Kirche verlangt (als Voraussetzung für Eheschließung)
Patriarchale Gesellschaft, Frauen nicht rechtsfähig und unter Vormundschaft, traditionelle Frauenrolle streng geregelt bis zum späten 19. Jahrhundert:
»Obwohl [die Nationaldichterin] Lydia Koidula zu den Unternehmungen des nationalen Erwachens bedeutend beigetragen hat, war die kleinbürgerliche Konventionalität der Esten in Tartu nicht besonders günstig für ihre Selbständigkeitsbestrebungen. Man muss sich immer daran erinnern, dass in den Schauspielen von Koidula, die die Theatergesellschaft Vanemuine inszenierte, die Frauenrollen von Männern gespielt wurden, und dass Frauen nicht einmal bei dem zweiten Sängerfest in Tartu 1879 auftreten durften, obwohl vielerorts schon gemischte Chöre tätig waren.»
langsamer Druck gegen den alten Patriarchalismus: Einflüsse aus dem Ausland, interne demographische Entwicklungen (immer mehr unverheiratete Frauen suchen sich Arbeit und Ausbildung – viele Estinnen v.a. als Hauslehrerinnen tätig)
erste prominente Frauen im Kulturleben: Nationaldichterin Lydia Koidula (Michelson, geb. Jannsen, 1843–1886), Dichterin Anna Haava (Haavakivi-Espenstein, 1864–1957), Komponistin, Organistin und Chordirigentin Miina Härma (Hermann, 1864–1941)
erste Frauenfachschule in Estland in Tallinn 1880 (Handarbeitsschule, gegründet von Nathalie Johanson-Pärna), 6-klassige Volksschule für Mädchen in Pärnu (gegründet von Lilli Suburg)
erste Frauenzeitschrift Linda (hg. von Lilli Suburg, 1841–1923) ab 1887
erste Frauenorganisationen ab 1881: zuerst wohltätige Damengesellschaften, dann Haushaltsberatung und »Erhebung des wirtschaftlichen, kulturellen und moralischen Standes der estnischen Frau»
erste eigentliche Frauenrechtsorganisation Tartu Eesti Naesterahva Selts 1907
erste Frauen in den akademischen Kreisen: »Sonderkurse» für Frauen an der Universität Dorpat / Tartu ab 1911, Verein estnischer Universitätsstudentinnen (Eesti Naisüliõpilaste Selts) 1911, im Mitgliedverzeichnis von 1913 schon 23 akademisch gebildete Frauen und 132 Studentinnen
erste akademisch gebildete Frauen: z.B. Selma Seltbach (Dr. med., Zürich, 1907), Johanna Sild-Rebane (Dr.phil. Bern, 1912), Anna Sossi (erste Ärztin in Estland, Tartu 1916)...
Erste Selbständigkeit: konstitutionelle Gleichberechtigung, Stimmrecht und Rechtsfähigkeit für Frauen – Vormundschaft des Ehemannes laut (altem) Zivilgesetz; verhältnismässig kleine Frauenvertretung im Parlament
viele Frauenorganisationen (Wohltätigkeit, Haushaltsberatung, Kinderfürsorge usw., auch vaterländisch-paramilitäre Organisationen: Naiskodukaitse [»Frauen-Heimwehr»], Kodutütred [»Heimtöchter»]); ideologischer Hintergrund meist patriarchal-patriotisch (traditionelle Hausfrauen-, Bäuerinnen- und Mutterrollen: moralische Erziehung, Bevölkerungszunahme als »Frauenfrage» usw.)
Sowjetisierung: alle früheren Frauenorganisationen abgeschafft, offizielle Gleichberechtigung mit kryptopatriarchaler Ideologie (Frauenvertretung überall, aber ohne tatsächliche Macht):
»Einerseits stimmte die sowjetische Auffassung von der gesellschaftlichen Position der Frauen mit dem feministischen Ideal völlig überein: die Frauen arbeiteten, die Frauen verdienten den gleichen Lohn. (Natürlich: im Sowjetstaat haben alle gearbeitet und alle nur wenig verdient.) Und immerhin waren die Frauen im Parlament, am Traktorlenkrad, im Weltraum dabei, wie auch in der Wissenschaft. Viele erfolgreiche Frauen im heutigen Estland verdanken ihr Wohlergehen der ‘sowjetischen Schule’. [...] Die Gleichberechtigung im Sowjetstaat und die, die von den FeministInnen im Westen angestrebt wurde (wird), sind in vielen Hinsichten parallele Erscheinungen. [...] Es wurden ja gleiche Chancen angestrebt sowie die Befreiung der Frau von den (soziokulturellen) geschlechtbedingten Beschränkungen. [...] Z.B. wurde das Recht auf Abtreibung, wofür im Westen bis zu den 1970er Jahren gekämpft wurde, in der Sowjetunion im 1955, nach Stalins Tod, wiederhergestellt, auch in Estland automatisch. [...] Tatsache war auch, dass die Frauen fast 100prozentig berufstätig waren. Hausfrauen gab es in der Sowjetunion, auch in Estland, keine, wer zu Hause war, war entweder krank oder, falls die Frau zufällig gesund war, wurde sie gleich als Arbeitsunwillige und ‘Schwänzerin’ enttarnt. Der Übergang von Frauen ins Arbeitsleben in den letzten Jahrzehnten, worauf z.B. die schwedischen FrauenrechtlerInnen so stolz sind, ist für die EstInnen seit Jahrzehnten selbstverständlich. Unsere Mütter, Großmütter, Tanten – alle waren die ganze Zeit berufstätig.
Der Muttertag war in der Sowjetunion, auch in Estland, als ein bürgerliches Relikt verboten. Die Mutterschaft aber war, natürlich, ein verpflichtender Teil vom Leben der sowjetischen Frau, ein staatliches, von der Partei geleitetes Programm zur Reproduktion der Arbeitskraft. Die Mädchen wurden zu ‘arbeitenden Müttern’ erzogen. ‘Mutterheldinnen’ mit vielen Kindern wurden ausgezeichnet und hatten besondere Vorteile, z.B. staatliche Wohnungen, ohne auf ihre Reihe warten zu müssen. Trotzdem war die Frau im Sowjetstaat vor allem eine Arbeiterin, erst dann eine Mutter. Die Belastung der Haushaltsarbeit kam auch selbstverständlich der Frau zu, da der sowjetische Mann zu Hause in der Regel fast nichts gemacht hat.
Trotz der Mutterschaft hatte die Frau, wie auch der Mann, im öffentlichen Diskurs kein Geschlecht. Der Sex war ein Tabu [...] Die Abtreibung war zwar möglich, aber medizinisch primitiv und grausam, außerdem wurde darüber die Arbeitsstelle informiert (!). Verhütungsmittel gab es nur halbheimlich, darüber gar nicht zu sprechen, dass spezifischer Hygienebedarf für Frauen überhaupt nicht existierte. Das heißt: die Fortpflanzung als Reproduktion der Arbeitskraft war staatlich akzeptiert, Geschlechtsleben und geschlechtsspezifische Bedürfnisse dagegen nicht. Auch existierte die größtenteils auf Frauen orientierte Konsumwelt noch nicht, gab es noch keine von den hunderten Frauen- und Haushaltssachen, womit frau sich ihr Leben einrichten kann, ihr Frau-Sein im allerpraktischsten Sinn des Wortes. [...] Das Ganze ist für die ehemaligen Sowjetfrauen so neu, so interessant. Wie könnte frau es pauschal verurteilen, nach all diesen grauen Jahren? [...]
Dass das verschwiegene Geschlecht jedoch irgendwie die sowjetische Gesellschaft strukturierte, ist natürlich ein Thema für sich. Außerdem wissen wir noch alle, wie vielschichtig das Leben in der Sowjetunion war. Was es nicht geben sollte, hat immerhin existiert, was angeblich existierte, das gab es jedoch nicht. In dieser Gesellschaft der vielschichtigen Simulation stellte das Geschlecht, genauer gesagt z.B. die Stellung der Frau in der Gesellschaft, ein kompliziertes Phänomen dar, ganz sicher überhaupt nicht so, wie es nachher oder in den Augen einer/eines Außenstehenden scheint. [...] Wegen der sowjetischen Frau – was nun immer sie gewesen sein mag – wollen die Estinnen nichts mit der Gleichberechtigung und den Menschenrechten zu tun haben, mit politischen Frauenorganisationen oder mit dem Eingreifen in soziale Angelegenheiten. Wegen der sowjetischen Frau bleibt die Frauenbewegung in Estland beim Essentialismus stecken.» (Pilvre s.a.)
Neue Selbständigkeit: backlash?
laut MenschenrechtsaktivistInnen hat der bergang zur Marktwirtschaft im Baltikum die Ungleichheit der Geschlechter verschlimmert (Arbeitslosigkeit, schlechtere Karrierechancen, geringere Einkünfte, Gewalt in den Familien, Pornographie, Prostitution und Frauenhandel...)
im estnischen Parlament (riigikogu) 18 Frauen (aus 101 = 17,8%), in der jetzigen Regierung 1 Frau (Außenministerin Kristiina Ojuland)
Frauen in der Öffentlichkeit und in den Medien: alte und neue Rollenerwartungen in Widerspruch und Wechselwirkung!
»Aufgrund des hier untersuchten Materials kann man behaupten, dass die Geschlechter in der [estnischen] Presse unterschiedlich dargestellt werden. [...] Das Aussehen [...] spielt bei der Gestaltung der Frauenidentität eine viel wesentlichere Rolle als bei den Männern. [...] Je ‘männertypischer’ der Fachbereich [der dargestellten Person], desto mehr werden maskuline Eigenschaften hervorgehoben. [... I]n den Porträtdarstellungen [des Privatlebens] der Männer spielen die Kinder eine wichtigere Rolle als bei den Frauen. [...] In den Frauendarstellungen fehlt die traditionelle Familienzentriertheit, eher richtet sich der Blick der Frauen vom Heim hinaus. [...] Die Schätzung der männlichen Werte und der diesbezüglichen Vorteile sowie der Wunsch, in der Konkurrenz auszuhalten, macht es v.a. den Frauen immer wichtiger, immer perfekter zu sein. Das bedeutet Erfolg sowohl in der Arbeit als auch im Privatleben sowie ein gutes Aussehen. Die femininen Eigenschaften dagegen werden in der marktwirtschaftorientierten Gesellschaft unterbewertet.» (Võsa 2000)
Ist der heutige Sexismus schon als versteckter national-kultureller Widerstand (»unser westeuropäisches Erbe» gegen die »sozialistische Gleichberechtigung») im sowjetisierten Estland entstanden?
»Eine zweite unvergessliche Lektion zu den Rollenerwartungen, d.h. wie eine echte Frau sein soll, um den Männern zu gefallen, habe ich mit 14 Jahren in einem Sommerlager erhalten. Die Buben haben nämlich für uns einen Miss-Wettbewerb veranstaltet – den ersten und letzten, woran ich je teilgenommen habe. Der Wettbewerb war ganz lustig. Uns wurde eine Reihe von Aufgaben gegeben, u.a. Gedächtnisübungen und Mathematik, Schleppen von schweren Steinen und Flektieren von russischen Wörtern. Die Aufgaben wurden zügig erledigt, die Stimmung war locker – bis zur Bewertung der Ergebnisse. Zuerst teilte man Pluspunkte aufgrund des Aussehens aus. Die Punkte von den Kenntnissen und Kraftproben gab man dann denen zu, mit Minuszeichen. Zur Miss wurde eine Blondine gewählt, die die "weibliche" Dummheit und Hilflosigkeit schon früh erlernt hatte, und den anderen Teenagerinnen blieb die Moral, dass eine aufwachsende Frau nur dadurch beliebt werden kann, dass sie schön, schwach und dumm ist. Die 14-15jährigen Jungen, die Creme der heutigen estnischen Gesellschaft, hatten schon früh von ihren Vätern erlernt, was sie von ihren zukünftigen Frauen erwarten sollen und was nicht.» (Iivi Masso in Mänd &al. 2003)
Ist die Selbstdarstellung (auch) der Esten als Nation »männlich»?
In einem Lehrbuch der Zeitgeschichte für die 9. Klasse wird laut Ingrid Leinus (in Mikk (Hg.) 2002) keine einzige Frau namentlich erwähnt.
Politische Struktur (aristokratische Gesellschaften, Leibeigenschaft / starke Bürger- und/oder Bauernklassen)
Fremde Eliten und Richtung der ideologischen Einflüsse
Nationalismus und Nationalromantik in der politischen Nationbildung:
Drohungen und politische Risiken: familienzentrierte konservative Ideologien als Verteidigung
Nostalgie: die (prä)agrare Vergangenheit mit nationalen Stereotypien konstruiert (»unsere kriegerischen Vorfahren», »die starke, selbständige nordische Wikingerfrau» usw.)
Die untergeordnete Rolle der Frauen – in der Geschichte »wie es geschehen ist» oder in der Geschichtsschreibung?
»Der Status der Männer kommt [in einem Schullehrbuch der Geschichte] durch viele Beispiele zum Ausdruck, von denen ich hier nur eines weitergebe: Der Widerstand der EstInnen [im Original natürlich geschlechtslos: eestlased] gegen die Eroberer hielt während einer ganzen Generation an. Die Knaben wurden geboren und wuchsen zu Männern auf, sahen ihre Väter fallen und wurden selbst geschlagen. Wenn man einheitlich über den Widerstand des gesamten estnischen Ethnosses spricht, hat man Anlass zu glauben, dass der Kampf auch die Großmütter, Mütter, Schwestern und Töchter der kämpfenden Männer betroffen hat, die an den Kampfhandlungen indirekt oder vielleicht sogar direkt teilnehmen konnten. So ein patriotischer Satz wie hier erwähnt trennt aber ein Geschlecht eindeutig vom organischen Ganzen der Nation ab. Man kann mit Recht annehmen, dass die menschlichen und militären Verluste für das weibliche Geschlecht eine ebenso große Tragödie darstellten. Getrennt betrachtet sind die beiden Beispielssätze einwandfrei: das männliche Geschlecht trägt ja beim Krieg die hauptsächliche Belastung. Etwas unangebracht und widersprüchlich klingen sie aber zusammen, wenn der Widerstand aller Esten quasi auf die Söhne reduziert wird.» (Riin Hiieväli in Mikk [Hg.] 2002.)