"zu den Arbeiten von" ... verwendet man diesen Begriff immer
dann, wenn man eigentlich nicht genau weiß, was "es" ist?
"Arbeit, zielgerichtete Beschäftigung; auch Objekt und Ergebnis geistiger oder
körperlicher Betätigung"
Zielgerichtet ist die Tätigkeit von Hartwig Bischof, Ergebnis geistiger und
körperlicher Betätigung auch. Er sammelt Bilder - weggelegte Bilder (Zeitschriften,
Webematerial, Prospekte, Kataloge), eigens angefertigte Bilder (Photographie),
zufällige Bilder, vielleicht lange gesuchte Bilder. Spricht selber von "einer
fundamentalen Obsession, was Bilder betrifft". Er verwertet diese Bilder. Ein
Modulfoto, eingescannt, bearbeitet, vervielfältigt, ausgedruckt, bildet die
Grundstruktur. Eingewebt (weben, althd. weban, sich hin und her bewegen; Herstellung
textiler Flächengestaltung durch rechtwinkelige Verkreuzung zweier Fadensysteme)
wird ein anderes Foto, oder noch einmal das Modulfoto. Fotos, Computer, Drucker,
Messer, Klebstoff, Bleistift - das ist das Material, aus dem diese "Arbeiten" sind.
Das Vorgehen ist soweit einfach, die Wirkung vielschichtig und irritierend.
Aus Bildern gebaute Bilder, "kollagierte Bildgerüste", "Bild-Bilder" (Herbert
Muck), gewebte Bilder, Bildteppiche, ornamentale Bildmuster, ... alles nur
Annäherungen, - im Grunde entziehen sie sich jeglicher begrifflicher Einordnung,
und das gilt es auszuhalten.
Nicht einmal ihre Zweidimensionalität ist etwas Sicheres. Die Aneinanderreihung
reduzierter Bildmotive lässt die Bildfläche vibrieren, das Auge täuschen. Die
Webstellen hingegen brechen tatsächlich aus der Fläche heraus, bilden eine
Verwerfung, eine Störung, einen Bruch. Unterbrechen den Bildrhythmus. (Rhythmus,
Gleichmaß; gleichmäßig gegliederte Bewegung). Unterbrechen die scheinbar endlose,
arabeskenartige Aneinanderreihung. Unterbrechen die wohlgeordnete Regelmäßigkeit
zu Mustern gewordener Bilder. Unterbrechen die durch den Computer mögliche,
technisch perfekte Aneinanderreihung gleicher Bilder. Bringen die Dimension
der Handarbeit, die Qualität der Langsamkeit ins Bild. Stören die - ohnehin
brüchige - Harmonie, den Gleichklang, die Wohlordnung des Bildganzen. Und sind
doch essentiell notwendig in diesen "Arbeiten". Sie verbergen das Bild und
machen doch eigentlich erst sichtbar. Sie lassen das Bild verschwinden und
lassen es doch erst entstehen. Sie machen auf sich aufmerksam. Und machen dadurch
auf das Ganze aufmerksam.
Vom Bild zum Bild. Ein Bildgefüge, gebaut aus einzelnen, kleinteiligen Bildmodulen.
Ein Bildgefüge, in dem die Spanne vom Gegenständlichem zum Abstrakten liegt.
Im Sinne von Weglassen, Entfernen, Herausarbeiten des Wesentlichen. Die Wiederholung
führt nicht zur Bildüberflutung, sondern zur Abstraktion. Das Bild, am Beginn
des Arbeitsprozesses verwendet, verwertet, wird durch das Bildganze verfremdet.