Viktoria Frysak
9002177
SS 2002

Franz M. Wimmer
Geschichte der Philosophie: Achsenzeit
601 333 PS
 
 

Konzept zum Referat am 10. 06. 2002 mit dem Thema:
 

"Philosophische Ursprünge im antiken Griechenland in der Zeit bis Sokrates"
 
 
 
 

     1.Zum Begriff "Vorsokratiker

       In dieser scheinbar rein zeitlichen Bezeichnung ó sie ist übrigens inkorrekt ó steckt aber ursprünglich eine (Ab-)Wertung, denn ihr zufolge sind es (nur) Vorläufer. Die "eigentliche" Philosophie beginnt dieser Sichtweise zufolge erst mit Sokrates, um in Platon und Aristoteles ihren Höhepunkt zu finden..
 
 

     2.Die "Geburt der Philosophie"

       Thales wird als der "erste Philosoph" bezeichnet: als Bruch einer geraden Linie, als Revolution im Denken. Wenn man die Geschichte jedoch genauer betrachtet,
       dann stellt sich ihr Verlauf sehr viel kontinuierlicher dar.

       Es ist also schon in den uns erhaltenen Quellen von Homer und Hesiod das enthalten, was wir als Ordnungs- und Strukturierungsfunktion erst dem Logos
       zuschreiben. Der Mythos vor Thales stellt bereits eine einheitliche, vernünftige Denkform dar.

       Umgekehrt finden sich auch in den ersten Versuchen einer philosophischen Welterklärung viele Elemente mythologisch-kosmologischer Vorstellung, wie sie der
       damaligen Zeit entsprachen.
 
 

     3.Die Quellen

       Primärquellen sind nur fragmentarisch erhalten in Form von einzelnen Sätzen, Textteilen und Zitaten.

       Hinzu kommen die Nachrichten über ihr Leben und ihre Ansichten in den Schriften späterer Autoren. Aristoteles hat dabei eine Schlüsselfunktion, denn er hat als
       erster das Prinzip entwickelt, vor der Darlegung der eigenen Position die Meinungen seiner Vorgänger zu diskutieren. In seiner Schule hat sich auch der Zweig der
       sog. Doxographie entwickelt, d.h. der systematischen Sammlung der Meinungen (doxai) früherer Philosophen zu einem bestimmten Problemkreis.

       ...

       So kam es, daß die Weisen lange Zeit unbefangen durch die Brille des Aristoteles gesehen und interpretiert worden sind.
 
 

    4.Die Philosophen
          1.Thales von Milet (ca. 624 ó 545 v. Chr.)

              Es wird überliefert, daß Thales aus Milet. einer der sieben Weisen, sich als erster mit Naturphilosophie befaßt hat. Er behauptet, Ursprung und Endziel
              des Alls sei das Wasser (Hippolyt).

          2.Anaximander von Milet (ist 546 v. Chr. 64 Jahre alt)

              Alle Dinge sind entweder Anfang oder von einem Anfang Hergeleitetes. Das Unbeschränkte hat keinen Anfang, sonst wäre ihm eine Schranke gesetzt.
              Weil es ein Anfang ist, ist es auch nicht entstanden und unvergänglich (Aristoteles).

          3.Anaximenes von Milet (585 ó 525 v. Chr.)

              Anaximenes, des Eurystrates Sohn, aus Milet, setzte als Anfang der seienden Dinge die Luft an; denn aus dieser entstehe alles und in diese löse sich
              alles wieder auf. Wie unsere Seele, behauptet er, die Luft ist, und uns durch ihre Kraft zusammenhält, so umfaßt auch den ganzen Kosmos Atem und
              Luft (Aetios).

          4.Diogenes von Apollonia (ca. 499 ó 428 v. Chr.)

              Seine "Luftseele" weist Ähnlichkeiten mit dem "nous" des Anaxagoras auf.

          5.lkmaion von Kroton (geb. ca. 530 v. Chr.)

              Gelangt zu der Erkenntnis, dass sinnliche Wahrnehmung von bewusstem Erfassen oder Verstehen als unterschiedlich angesehen werden muss.

          6.Pythagoras von Samos (ca. 570 v. Chr. geb.)

              Philosophisch bedeutend ist die Lehre Pythagoras´, weil die Mathematik zum Ideal wird, hinter dem die empirische Erkenntnis zurückbleibt.

          7.Xenophanes von Kolophon (ca. 570 ó 475 v. Chr.)

              Bekannt wird er durch seine radikale Kritik am mythologischen Denken, insbesondere am anthropomorphen Gottesbild.

          8.Heraklit von Ephesos (540 - 475 v. Chr.)

              Der Satz "Alles fließt" wird Heraklit (unbelegt) zugesprochen, jedoch gibt es in seiner Lehre ein ewiges Element: das Feuer. Aus diesem Feuer besteht
              die Seele, die sich mit dem Herz (Wasser) in Widerstreit befindet.

          9.Parmenides von Elea (ca. 1. Hälfte des 5. Jhdts.)

              Wie könnte deshalb Seiendes erst nachher sein, wie könnte es entstehen? Denn weder ist es, wenn es entstanden wäre, noch wenn es künftig einmal sein
              sollte. Also ist die Entstehung ausgelöscht und unerfahrbar Zerstörung (Simplikios).

         10.Zenon von Elea (ca. 20 ó 40 Jahre jünger als Parmenides)

              Er zementiert dessen Begriff von der Unbewegtheit und Unveränderlichkeit des Parmenides durch logischen Scharfsinn mit Hilfe seiner Aporien.

         11.Melissus von Elea (Zeitgenosse Zenons)

              Er ist ebenfalls Schüler des Parmenides

         12.Empedokles von Akras auf Sizilien (ca. 485 ó 425 v. Chr.)

              Erde, Feuer, Wasser und Luft bilden als Grundelemente in verschiedenen Mischungsverhältnissen die Dinge und werden durch die Liebe
              zusammengehalten, bzw. durch den Hass getrennt.

         13.Anaxagoras von Klazomenai in Kleinasien (500 ó 428 v. Chr.)

              Anaxagoras sagt, [...] er [der Geist] verfüge über die absolute Gewalt, sei mit nichts vermischt und ordne die Dinge an, indem er durch sie alle
              hindurchgehe (Aristoteles).

         14.Leukipp von Milet (lehrt ca. 440 v. Chr.)

              Er sagt nämlich in seiner Schrift "Über den Geist": "Kein Ding entsteht [oder: ereignet sich] aufs Geratewohl, sondern alles infolge einer eines
              Verhältnisses [oder: in begründeter Weise] und durch Notwendigkeit." (Aetios)

         15.Demokrit von Abdera in Thrakien (ca. 460 ó 380 v. Chr.)

              Er verbreitet die atomistische Lehre, wobei heute nicht klar ist, welcher Anteil davon Leukipp zuzuschreiben ist. Atomon ist die unteilbare,
              undurchhdringliche, kleinste Einheit, deren es unendlich viele gibt unterschiedlich in Gestalt, Lage und Gruppierung.

         16.Die Sophistik

Ihre Lehre betrifft hauptsächlich die Rhetorik, das Verwandeln eines schwachen Argumentes in ein starkes, die Rede als Instrument politischer Einflussnahme.

Protagoras von Abdera (490 ó 420 v. Chr.) formuliert den "Homo-mensura-Satz". "Der Mensch ist das Maß aller Dinge".

Gorgias von Leontinoi auf Sizilien (485 ó 415 v. Chr.) behauptet: - Nichts existiert; - selbst wenn etwas existiert, so ist es doch unerkennbar; - selbst wenn es
erkennbar ist, so ist es doch nicht mitteilbar.
 
 

    5.Philosophinnen
          1.Phemonoe (um die Zeit des Thales oder früher)

              Ihr wird (neben Thales und Chilon) die Spruchweisheit des Orakels von Delphi "Erkenne dich selbst" zugeschrieben.

          2.Kleobuline von Rhodos (ca. 570 v. Chr.)

              Sie dichtet Rätselverse in Hexametern, wovon sich ein (überliefertes) mit der Einteilung eines Jahres in Monate und Tage und Nächte, deren
              "Unsterblichkeit und doch Verschwinden" zusammen ausgedrückt werden.

          3.17 Pythagoreerinnen
          4.Aspasia von Milet (ca. 460 ó 401 v. Chr.)

       Sie ist eine Lehrerin des Sokrates. Aischines, Xenophon und Platon erwähnen sie hochachtungsvoll als Lehrerin der Philosophie.

       Dabei drängt sich eine wichtige Erkenntnis förmlich auf: "Sokrates namentlich ist vorzugsweise in dem geistigen Umgange mit Aspasia zu dem grossen (sic!)
       Philosophen erwachsen, als den wir noch heut ihn verehren", so schreibt Adolf Schmidt in seinem Buch Perikles und seine Zeit, I. (1877, S.100) Und weiter führt
       er aus, daß die uns allen als "sokratische Methode des Philosophierens" bekannte "in Wahrheit die Methode der Aspasia" gewesen sei, die ihr Schüler Sokrates
       in jungen Jahren von ihr erlernt habe (ebd., SW.100).
 
 

    6.Ordnungssyteme

       Bei den Recherchen zu dieser Arbeit bin ich auf die unterschiedlichsten Möglichkeiten gestoßen, Einheiten zwischen verschiedenen PhilosophInnen herzustellen.
       Diese wurden entweder geographisch vorgenommen, inhaltlich oder methodisch.

       Eine grobe Übersicht ist die Einteilung in die italisch-mystische und die ionisch-wissenschaftliche Denkrichtung.

       Sinnvoll erscheint eine Systematisierung nur dann, wenn man einen bestimmten, in der entsprechenden Systematik festgelegten Blick auf die verschiedenen
       Lehren werfen will.

       Eine Systematik erachte ich nicht für sinnvoll, wenn man sich bemühen will, dem Speziellen Rechnung zu tragen. Aus diesem Grund habe ich die PhilosophInnen
       der Zeit bis Sokrates bloß chronologisch bzw. entsprechend ihrem Lehrer-Schüler-Verhältnis angeordnet und durchnummeriert, und aus demselben Grund
       habe ich auch die Sophistik mitbeachtet. Die einzige "Ordnungstätigkeit", die ich vorgenommen habe, ist das separate Anführen der Philosophie von Frauen
       jener Zeit, die in den Geschichtsbüchern weitestgehend vergessen wurde und aus diesem Grund von mir an exponierte Stelle gerückt wurde.
 
 

    7.Quellenverzeichnis

Buchheim, Thomas: Stationen der antiken Philosophie; im Internet unter: http://sammelpunkt.philo.at:8080/archive/00000171/01/Stationen_antike_Phil_Script.pdf;

Die Vorsokratiker I, Reclam, Stuttgart, 1999

Die Vorsokratiker II, Reclam, Stuttgart, 1999

Helferich, Christoph: Geschichte der Philosophie, dtv, München, 1999

Möller, Peter: Die Vorsokratiker im Internet: http://www.p-moeller.de/vorsokra.htm;

Philosophenlexikon im Internet: http://www.philosophenlexikon.de;

Rullmann, Marit (Hgin.): Philosophinnen 1. Von der Antike bis zur Aufklärung; Suhrkamp, Dortmund, 1993

Russell, Bertrand: Philosophie des Abendlandes, Europaverlag, Wien, 2001

Vorsokratiker im Internet: http://home.t-online.de/home/knutschi.mail/fadis/sokr.htm;