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Soundcultures. Über elektronische und digitale Musik
>>> Zum Label "Mille Plateaux"
Pulsieren und Klickern
Soundcultures diskutiert zentrale
Aspekte elektronischer und digitaler Musik, die in den letzten
Jahren an den Rändern von Techno, Neuer Musik und Kunstmusik
entstanden ist.
In der Vielzahl von Veröffentlichungen zu
den Themen Neue Medien, Medientechnologie und -theorie ist das
Feld des Musikalischen fast vollständig ausgespart worden. Die
Autoren aus den Bereichen Soziologie, Medientheorie,
Musikwissenschaft, Philosophie, Informatik und
Kunstwissenschaft schließen diese Lücke und bringen
elektronische und digitale Musik in einen Dialog mit aktuellen
Theorieansätzen, Texte u.a. von:
Dirk Baecker, Frank Hartmann, Stefan Heyer, Rudolf Maresch, Marcus S. Kleiner und Marvin Chlada.
Dem Buch ist eine CD mit
Kompositionen der Künstler des Frankfurter Electronic Labels
Mille Plateaux beigefügt, die die Diskurse in Klangwelten
überführt.
Rezension aus "INTRO:"
Viel ist seit der
Gründung des Frankfurter Force-Inc-Sublabels Mille Plateaux im
Jahre 1994 über Elektronika, insbesondere Clicks'n'Cuts,
geschrieben worden - über ihre Form, ihr Pulsieren und
Klickern, ihre Molekularität und ihr maschinenhaftes Wesen.
Und natürlich wurde auch darüber nachgedacht, was diese Musik
denn theoretisch bedeuten könnte. Denn, so die Ansicht nicht
nur des Force-Inc-Betreibers Achim Szepanski, gerade die
neuere elektronische Musik mit ihrer radikal anderen Ästhetik
würde ihre Lesart als Sound-Supplement zum Schriftkörper der
nomadischen Philosophie von Gilles Deleuze und Felix Guattari
ziemlich nahe legen.
Seitdem ist
eine Menge Wasser den Bach hinuntergeflossen. Es gibt neue
Diskursfelder, der (Rock-) Song selbst hat von der Elektronik
Besitz ergriffen, was nicht schlimm ist, nur etwas merkwürdig
- und was passiert? Achim Szepanski und der
Geisteswissenschaftler Markus S. Kleiner bringen bei Suhrkamp
ein Buch inkl. beiliegender CD zum erwähnten Thema heraus.
Vielleicht gerade zur rechten Zeit. Dreizehn AutorInnen,
zumeist AkademikerInnen, diskutieren in "Soundcultures" zwar
wie gewohnt nicht miteinander, dafür jede/r für sich, was
digitale Musik, insbesondere in ihrer Clicks'n'Cuts-Variante,
tut und kann, was sie erzählt und woher sie kommt. Manchem,
etwa Frank Hartmann, geht es darum, endlich das Musikalische,
hier mit McLuhan, in die Medientheorie zu integrieren. Der wie
immer ziemlich kluge Dirk Baecker, neben Peter Fuchs einer der
profiliertesten Systemtheoretiker Luhmann'scher Prägung,
entwirft, leider ein wenig am Thema vorbei, eine spannende,
aber zugegeben nicht ganz einfache "Kognitionstheorie der
Musik".
Die meisten Essays arbeiten hart daran,
Deleuze und Guattari für eine Digital-Musik-Analyse (erneut)
fruchtbar zu machen. Wenn es misslingt, hängen Begriffe wie
Plateau, Ritornell oder Rhizom ziemlich angestrengt in der
Luft, wenn's gut läuft, geschieht gerade das, was nicht
selbstverständlich ist: dass die Schriftsprache, zumal eine
theoretische, ihren musikalischen Gegenstand originell zu
fassen vermag. Deleuze hätte das vermutlich gut gefallen.
Soundcultures. Über elektronische und digitale Musik
Herausgegeben von Marcus S. Kleiner und Achim Szepanski
Mit einer Musik-CD, Frankfurt: Edition Suhrkamp 2003 (es 2303), 12,- Euro
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