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"Wir bedürfen eines Ganzen von Zeichen, aus dem
jede Vieldeutigkeit verbannt ist, dessen strenger logischer Form der
Inhalt nicht entschlüpfen kann." (G.Frege zur
Begriffschrift, 1882)
Es ist die Sprache, die
uns ein bestimmtes Bild der Welt vermittelt, meinte Fritz
Mauthner und weiter, dass sie gleichzeitig
ein sehr ungenügendes Mittel für deren Beschreibung sei. Für die
problematische Frage nach der Verbindung von Sprache und Welt
entwickelt die philosophische Analyse im Übergang vom 19. zum 20.Jh.
eine neue Theorie der Beschreibungen, mit der die logische
Ausdrucksform in den Vordergrund
rückt. Damit wird die Frage, wie wir bei unserer Erkenntnis von Welt
zu irgendeiner Gewißheit gelangen können, sprachanalytisch
transformiert: welche unserer Aussagen über die Welt sind empirisch
sinnvoll und welche nicht? Ziel der entsprechenden Philosophie ist
die logische Klärung der vorgefundenen Gedanken – gegenüber einer
Produktion von "neuen" Wahrheiten mittels systematischer Entfaltung
synthetischer Sätze entsteht aus diesem Motiv die
analytische Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Das Erkenntnisproblem erfährt dabei
zunächst eine positivistische Umdeutung: allein wirklich sind die
Sinneserfahrungen, die gedankliche Abstraktion führt nur zu
trügerischen Scheinbegriffen. Philosophie soll sprachlich therapiert
werden, die Wissenschaft soll aus Erfahrungselementen neu aufgebaut
werden, gereinigt von metaphysischen Vorstellungen. So ist für den
hier einflußreichen Ernst Mach (1838-1916) allein das
Empfindungsmaterial real.
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Eine neue
Begriffsschrift
Mit dem Logizismus Gottlob Freges verschiebt sich die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug
von Sätzen – das Problem: die logische Form eines Satzes muß seiner äußeren Form nicht immer entsprechen,
sprachlicher Ausdruck und Bedeutung fallen auseinander. Daher wird von Frege ein neues Zeichensystem für
logische Verhältnisse entwickelt: die sogenannte Begriffsschrift (Untertitel: Eine der arithmetischen
nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens, Halle 1879).
Im Anschluß an Leibniz' Untersuchung logischer
Kalküle und in Konkurrenz zu George
Boole (dessen formale Logik 1854 als "Investigation of the Laws of
Thought" erschienen war - die Boolsche Binäralgebra bildet die entscheidende Grundlage
heutiger Computertechnologie) schlägt Frege hier vor, die Behandlung
logischer Fragen über eine formale Sprache durchzuführen,
die eine neuartige Nutzung der Ökonomie der zweidimensionalen
Schreibfläche vorsieht:
"Die Begriffschrift nutzt die zweifache Ausdehnung der
Schreibfläche aus, indem sie die beurtheilbaren Inhalte von oben nach unten auf einander folgen läßt,
während jeder von diesen sich von links nach rechts ausdehnt. So werden die einzelnen Inhalte von einander
deutlich getrennt und doch in ihren logischen Beziehungen leicht übersehbar."
Die obenstehende Abbildung (entnommen
der Begriffsschrift, Seite 66) ist ein Beispiel solch einer
logischen Anordnung, die sich immer auch in Sätzen ausdrücken lassen
soll. Anders als in Sätzen der Normalsprache könnte die
Begriffsschrift jedoch irrtümer und Mißverständnisse verhindern, da
die logischen Verhältnisse nicht bloß angedeutet, sondern in einem
neuen Zeichensystem präzise fixiert werden.
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